Die christologischen Hoheitstitel und ihre Entfaltung bei den Synoptikern


Seminararbeit, 2009

22 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

A: Christologische Hoheitstitel.
1. Messias/Christus:
2. Menschensohn
3. „Sohn Gottes“ bzw. „der Sohn“
4. Kyrios

B: Die Christologie der Synoptiker
1. Das Markusevangelium
2. Das Matthäusevangelium
3. Das Lukasevangelium

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die heutige Theologie, sofern sie sich als wissenschaftlich versteht, hat im Zuge der letzten beiden Jahrhunderte, speziell des 20. Jahrhunderts mit seinen vielen Umbrüchen, ein verändertes Antlitz. In ihr dominiert nicht mehr die Dogmatik alleine, auch wenn heutige Bischofsernennungen dies nach wie vor suggerieren, als die alles überragende Disziplin, zu der sich die anderen Disziplinen sozusagen als untergeordnete Hilfsdisziplinen gesellen. Das Aufkommen der modernen Bibelwissenschaft und einem vermehrt historisch- kritischem Denken in der historischen Theologie, definieren den theologischen Fächerkanon und das dogmatische Selbstverständnis neu. Historische Theologie und Bibelwissenschaft sind keine untergeordneten Hilfsdisziplinen mehr, sondern Grundlagendisziplinen für jedes theologische Arbeiten, insofern es christlich und wissenschaftlich sein soll. Oder anders ausgedrückt: Nicht die Dogmatik interpretiert und legt die Bibel nach ihren Methoden aus, wie das bis zum Aufkommen der modernen Bibelwissenschaften der Fall war, sondern die Bibelwissenschaft gibt der Dogmatik die exegetischen Grundlagen und Ergebnisse vor, auf deren Basis dann die wichtige systematische Arbeit der Dogmatik aufbaut, ohne die auch die Bibelwissenschaft nicht leben kann. Im Grunde zeigt das Jesus Buch von Papst Benedikt XVI., dass diese Tendenz auch in Rom bemerkt wurde.[1] Viele zeitgenössische Christologien scheitern aber daran, dass sie diese Veränderung nicht wahrgenommen haben oder wahrnehmen wollen und ihre, ansonsten vielleicht nicht schlechte, Darstellung, durch exegetisch unsauberes Arbeiten haltlos gemacht haben[2]. Völlig neu ist diese hier referierte Sicht nicht. Im Grunde hat schon Luther mit seiner Tendenz: Zurück zum Evangelium, darauf hingewiesen. In der katholischen Theologie in den letzten 30 Jahren vor allem Hans Küng[3] mit seinem Buch „Christ sein“, dem ich viele Anreize in diese Richtung verdanke. So versteht sich die vorliegende Arbeit in aller Bescheidenheit als Arbeit an der Grenze zwischen Biblischer- und Systematischer Theologie, die versucht neutestamentliche Grundzüge der Christologie aufzuzeigen, insbesondere die Herkunft der christologischen Hoheitstitel, die dem heutigen Menschen auf Grund des Grabens von mehreren tausend Jahren nicht mehr einleuchten. Die eigentlich Systematische Arbeit, nämlich die Frage nach Bedeutung und heutiger Verstehensweise der Christologie ist damit freilich in keiner Weise angesprochen, und mir scheint es ein traditioneller Dogmatiker wird ihr genau dies vorwerfen. Dennoch bin ich überzeugt, dass nur eine christologische Sichtung der Grundlage unseres Glaubens eine solche systematische Arbeit erst möglich macht. Jede christliche Theologie muss, wenn sie dem heutigen Menschen etwas sagen will, das Evangelium, die biblischen Schriften und den darin bezeugten, der Grund unseres Glaubens ist, zur Maßschnur haben[4], als norma normans non normata.

A: Christologische Hoheitstitel.

Wer ist dieser? (vgl. Mk 6,14f.; 8,27ff. par ) Diese Frage kann als die Gretchenfrage der Christologie angesehen werden: „Diese Frage nach der Person und Bedeutung Jesu ist „die“ christologische Grundfrage schon im Neuen Testament und erst recht in der altkirchlichen Dogmenentwicklung wie in der neuzeitlichen Theologie.“[5] Aus dem Wirken Jesu, seinen Worten und Taten, vor allem aber aufgrund des Osterereignisses, stellte sich für Anhänger und Zeitgenossen, seit dem aber auch für alle weiteren Generationen, die Frage nach der Einordnung Jesu (in bestimmte Grundmuster des Heilbringers). Zu beachten ist, dass die ersten Anhänger Jesu noch größtenteils Juden waren und deren Einordnung Jesu sich im Horizont altisraelischer und frühjüdischer Vorstellungen bewegte: „Der Ursprung der Christologie ist in den judenchristlichen Gemeinden zu suchen, zu der auch griechisch sprechende Gruppen gehören.“[6] Später dann, mit zunehmender Verlagerung in die heidenchristliche Welt, wurden hellenistische Motive, bzw. für die Heidenmission dienliche Motive in den Vordergrund gestellt. Deswegen soll im folgenden versucht werden anhand der christologischen Hoheitstitel eine erste Einordnung zu ermöglichen. Einige christologische Titel scheinen dem heutigen Menschen fremd oder unsinnig zu sein. Jesus als den Sohn Gottes zu bezeichnen halten viele für antiquiert, vor allem da sie es in irgendeiner Weise als einen sexuellen oder mirakulösen Vorgang ansehen, und dem heutigen Stand der menschlichen Entwicklung in den Ländern des Westens für unangebracht. Eine klare Herausstellung dessen was im biblischen Verständnis „Sohn Gottes“ bedeutet kann hingegen Fehleinschätzungen vorbeugen und aufzeigen, dass es durchaus nicht widersinnig ist auch heute noch Jesus als den Sohn Gottes zu bekennen.

1. Messias/Christus:

Messias ist die gräzisierte Bezeichnung des hebräischen „maschiach“. Die LXX übersetzt dies mit Christos[7]. Aufgrund seiner Zentralität und späterem Unverständnis über dessen Herkunft in der hellenistischen Gemeinde wurde dieser Titel zum Eigenname Jesu: „Wir haben es hier mit dem christologischen Titel zu tun. Schon im Neuen Testament wurde er gleichsam zum Kristallisationspunkt für andere wichtige christologischen Aussagen.“[8] Ursprünglich aus dem altisraelischen Königsritual stammend (Salbung), aber auch für die Oberpriester uns nachexilisch entsprechend für den Hohepriester verwendet[9], kursieren zur Zeit Jesu unterschiedliche Vorstellungen über den Messias. Nach der Nathansweissagung (2 Sam 7,12-16) wird der Messias ein Nachkomme Davids sein. „Bei Deuterojesaja ist der Heilbringer der leidende Gottesknecht (42,1-7; 49,1-9; 50,4-9; 52,13-53,12) bei Daniel der Menschensohn (7,13); bei Zacharias finden sich zwei messianische Gestalten, ein königlicher und ein hohepriesterlicher Messias (4,11-14).“[10] Ähnliche Vorstellungen begegnen uns bei den in einer apokalyptischen Naherwartung lebenden Qumran-Essenern, die nach dem Tod des Lehrers der Gerechtigkeit für die Zukunft neben einem königlichen Messias auch einen priesterlichen Messias erwarteten: „Das bedeutete nichts anderes, als dass bei Beginn der Heilszeit als „Messias aus Aaron“ wieder ein legitimer Hoherpriester den Jerusalemer Tempelkult leiten und als „Messias aus Israel“ ihm ein König aus den Nachkommen Davids zur Seite stehen werde. Beiden übergeordnet sollte ein „Prophet nach Art des Mose“ amtieren, durch den Gott die Tora ergänzende Gesetze erlassen konnte (1Q S IX,11; 4Q 175 Testimonia 1-20).“[11] Bedenkt man nun diese unterschiedlichen Messias Auffassungen, insbesondere die radikalen Ausprägungen ins politisch- militärische hinein, etwa in der „Kriegsregel“ der Qumran-Essener, oder bei radikalen jüdischen Religionsparteien, wie den Zeloten, verwundert es nicht, dass Jesus diesen Begriff nicht in den Mund genommen hat. Allerdings, und das zeigt seine Hinrichtung, die jetzt hier nicht eigens thematisiert werden kann, war es möglich aus dem Wirken Jesu einen (politischen) messianischen Anspruch herauszulesen, sonst wäre die Hinrichtung als „König der Juden“ unplausibel.[12] Ebenso zeigt das „Messiasbekenntnis“ Petri in Caesarea Philippi (Mk 8,27-33 par), dessen historischer Kern neuerdings wieder heraus gestellt wird[13], dass im Jüngerkreis ebenfalls eine messianische Interpretation vorlag, sodass es nicht verwundert wenn dieser Begriff in der Urgemeinde zur Bezeichnung Jesu wieder auftaucht. „Die entscheidende Feststellung aber müssen wir als eigenen Gesichtspunkt festhalten und formulieren: Die Urgemeinde hat einen jüdischen Titel vorgefunden und übernommen, aber sie hat ihn dabei neu interpretiert, mit neuem Inhalt erfüllt.“[14] „Die Urgemeinde hielt mit ihrem Messiastitel daran fest, dass Jesus eine Erfüllung ist, die alle Erwartungen sprengt.“[15]

2. Menschensohn

Der Begriff „Menschensohn“ besitzt eine relativ schwierige Herleitung, vor allem deswegen, weil „Mensch“ (aram. aenash) bzw. „Menschensohn“ (bar nasha) recht vielseitige Bedeutungsnuancen haben kann und zur Zeit Jesu ein geläufiger Ausdruck war.[16] Der alttestamentliche Ansatzpunkt dürfte wohl Daniel 7,13f sein, wo von einem himmlischen Mensch(ensohn) die Rede ist, dem die Herrschaft über die Welt übertragen wird. Diese Perikope dürfte zur Zeit Jesu bekannt gewesen und messianisch gedeutet worden sein. Weitere Ansatzpunkte sind in den Apokryphen: 4. Esra 13 und die Bilderreden des äth. Hennoch.[17] Dass Jesus, im Gegensatz zum Messias Titel, vom Menschensohn sprach ist sicher, wenngleich einige Menschensohn Worte erst sekundär hinzugefügt wurden.[18] Allerdings herrscht in der Exegese Uneinigkeit darüber, ob er sich selbst mit dem Menschensohn identifizierte oder von einem Anderen sprach. Auf eine genauere Darstellung dieser unübersichtlichen Diskussion verzichte ich aus Platzgründen. Wichtiger scheint noch die Frage nach dem Sinn und der Bedeutung der Menschensohn Worte zu sein: „Das vielschichtige und geheimnisvolle Wort vom Menschensohn bezeichnet Jesus als den eschatologischen Repräsentanten Gottes und seiner Herrschaft sowie als den Repräsentanten der Menschen. An ihm und durch ihn, in seiner Person und seinem Schicksal entscheidet sich die Sache Gottes und der Menschen. Er bringt und ist Gottes Gnade und Gottes Gericht. Vom Menschensohnwort her lassen sich die wesentlichen Entwicklungen der nachösterlichen Christologie verstehen und als legitim erweisen: die Leidens- und Erhöhungschristologie wie die Wiederkunftserwartung, die personale wie die universale Bedeutung Jesu.“[19] „Jesus nahm den Ausdruck „Menschensohn“ auf, weil er kein zentraler Begriff in der jüdischen Apokalyptik war und sich als offener und nicht definierter Ausdruck besonders eignete, um sein Wirken zu charakterisieren.“[20]

[...]


[1] Dabei stellt der Papst die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen des historisch-kritischen Denkens. Dass er die Frage gestellt hat scheint mir wichtig und richtig, aber sein Ergebnis löst die Frage nicht. Es ist vielmehr ein Schritt zurück.

[2] z. B. G.L. Müller, Katholische Dogmatik oder K. H. Menke, Jesus ist Gott der Sohn.

[3] Zu nennen wäre u.a. auch noch Schillebeeckx, Jesus Geschichte von einem Lebenden.

[4] Das katholische Traditionsprinzip widerspricht dem m. E. nicht, denn die Tradition ist nur Entfaltung dieser biblischen Grundlage.

[5] Kasper, Walter: Jesus der Christus, S.162.

[6] Grillmeier, Alois: Jesus der Christus im Glauben der Kirche I, S.14.

[7] Vgl. Artikel „Messias“, in: LThK, sowie Schneider, Theodor: Was wir Glauben, S.196.

[8] Kasper, Walter: Jesus der Christus, S.163.

[9] Vgl. Stegemann, Hartmut: Die Essener, Qumran, Johannes der Täufer und Jesus. S.285.

[10] Kasper, Walter: Jesus der Christus, S.163.

[11] Stegemann, Hartmut: Die Essener, Qumran, Johannes der Täufer und Jesus. S.288.

[12] Vgl. Gnilka, Joachim: Jesus von Nazaret, S.304-308.

[13] Vgl. Kasper, Walter: Jesus der Christus, S.165f und die dort angegebenen Quellen.

[14] Schneider, Theodor: Was wir glauben, S.198.

[15] Kasper, Walter: Jesus der Christus, S.167.

[16] Vgl. Grillmeier, Alois: Jesus der Christus im Glauben der Kirche I, S.41f.

[17] Zu einer detaillierteren Beschreibung der apokalyptischen Motive der Textstellen vgl. Hauser, Linus: Christologie (VL Skript), S.34f.

[18] Vgl. Kasper, Walter: Jesus der Christus, S.168f.

[19] Ebd. S.170.

[20] Schnelle, Udo: Theologie des Neuen Testaments, S.134.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die christologischen Hoheitstitel und ihre Entfaltung bei den Synoptikern
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Katholische Theologie)
Veranstaltung
Christologie
Note
1,0
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V134765
ISBN (eBook)
9783640429028
ISBN (Buch)
9783640428977
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Christologie, Hoheitstitel, christologisch, Synoptiker, Dogmatik, Messias, Sohn Gottes, Christus, kyrios
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Die christologischen Hoheitstitel und ihre Entfaltung bei den Synoptikern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134765

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