Relativsätze im Altspanischen am Beispiel des "Cantar de Mio Cid"


Seminararbeit, 2002
20 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Gliederung

1. Vorbemerkung

2. Relativpronomina im Latein

3. Relativpronomina im Altspanischen
3.1 el que
3.2 quanto(s) que
3.3 Relativpronomina in hervorhebender Bedeutung
3.4 que
3.5 qui, quien
3.6 qual, quales
3.7 quanto
3.8 cuyo, -a, -os, -as
3.9 o, do, ond, dond

4. Relativpronomina im modernen Spanisch

5. Schlussbemerkung

6. Verwendete Literatur

1. Vorbemerkung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung der spanischen Relativpronomina und -sätze vom Latein über das Altspanische bis zu ihrer gegenwärtigen Form. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Realisierung von Relativsätzen im Altspanischen, speziell im Cantar de Mio Cid. In die theoretische Abhandlung verwoben finden sich Verse aus dem Cantar, die belegen sollen, inwiefern sich Beispiele für diese Realisierungen dort finden und mit welchen Bedeutungsnuancen sie dort angewandt sind.

2. Relativpronomina im Latein

Die Interrogativpronomina waren QUIS (mask. und fem.) und QUID (neutr.). Die Formen des Relativpronomens und des adjektivischen Interrogativpronomens sind im Lateinischen gleich.[1]

Im Spätlatein wurde die Unterscheidung zwischen dem maskulinen und dem femininen Relativpronomen aufgehoben. Das maskuline QUĪ übernahm zusätzlich zu seinen bisherigen Funktionen die Representation der Genera. Das Neutrum QUOD wurde fast zeitgleich weitestgehend durch das entsprechende Interrogativpronomen QUID ersetzt.[2]

Soweit bekannt ist wurde das System der drei Fälle in den Relativpronomina in der folgenden Form bewahrt:

nom. QUĪ

dat. CUĪ

akk. QUEM[3]

Anscheinend wurde zur gleichen Zeit auch das Fragepronomen QUIS (aufgrund einer allgemeinen Konfusion der beiden Kategorien interrogativ und relativ) durch QUĪ ersetzt.[4]

Der Genitiv CŪIUS wurde über lange Zeit als Adjektiv angesehen (CUJUS, -A, -UM) und erscheint so auch in den Werken von Cicero, Virgil und Plinio, auch wenn überliefert ist, dass einige Zeitgenossen einen solchen adjektivischen Gebrauch für zu volkstümlich oder bäuerlich ansahen.[5]

Im Vulgärlatein Spaniens reduzierte sich die Flexion der Relativpronomina auf Nom. mask. QUĪ, auf Akk. mask. QUEM und auf neutr. QUĬD. Diese Formen wurden im Akkusativ und Nominativ, für Singular und Plural und für alle Genera gleichlautend verwendet, weil es nicht nötig schien, Generus und Numerus im Pronomen zu präzisieren, da dieses so gut wie immer eindeutig durch das, was dem Relativpronomen vorausgeht, bestimmt wird.[6]

Wie schon erwähnt verschmolz das lateinische Interrogativpronomen QUIS vollständig mit dem Relativpronomen QUĪ. Drei Mitglieder dieses Verschmelzungsvorganges haben im Spanischen überlebt:

QUĪ > qui

QUEM > quien

QUID > que

Es ist weiterhin möglich, dass andere Formen des lateinischen Interrogativ- oder Relativprono­mens (z. B. QUAE) zur Form von que beigetragen haben (dies ist jedoch keine gesicherte und belegte Erkenntnis).[7]

Um sich auf Personen zu beziehen blieben somit QUI und QUIEN übrig, die ohne Unterscheidung für maskulin und feminin sowie Singular und Plural verwendet wurden, im Normalfall ohne beigegebenen Artikel oder andere Determinativpronomen. Nur selten findet man in der Literatur “aquel qui“ oder “aquel quien”, etc. (woraus sich die heutigen Formen alguien etc. bildeten).[8]

QUE (nun wie gesagt für beide Genera sowie für Singular und Plural verwandt) konnte für Personen oder/und Dinge stehen, entweder mit oder ohne Determinativpronomen. Im 14. Jahrhundert wurde QUI dann bereits nicht mehr gebraucht, und von QUIEN verdrängt. Zu diesem bildete sich im 16. Jahrhundert eine Pluralform, QUIENES, die zwar als unelegant angesehen wurde, sich aber durch häufigen Gebrauch dennoch allgemein durchsetzte.[9]

3. Relativpronomina im Altspanischen

Im Altspanischen wechselten qui und quien bei Bezug auf Personen, wobei beide als Subjekt des Satzes (interrogativ oder relativ) und als Objekt einer Präposition (a qui ..., etc.) einsetzbar waren. Qui findet sich auch hin und wieder in Kombination mit bestimmten Determinativpronomina (z.B. aquel qui). In diesem letzteren Fall war que üblicher, und auch in allen anderen funktionellen Positionen innerhalb des Satzes wurde qui – wie bereits angesprochen – noch vor dem Ende des Mittelalters vollständig durch quien ersetzt, wenn auch während des 13. und 14. Jahrhunderts qui noch sehr häufig in sprachlichen Umgebungen auftrat, in denen die heutige Sprache quienquiera que oder cualquier persona que erfordert (z.B. ASp. qui lo fiziere: „jeder, der dies tut“).[10]

Der Diphthong /ie/ in quien (< QUĚM) gibt Anlass zu der Vermutung, dass diese Form zuerst nur in Form eines Fragepronomens auftrat, weil es sich bei dem Diphthong um eine Volltonsilbe handelte. Doch schon vor dem Auftreten des Altspanischen hatte quien bereits den Relativstatus erreicht, den es noch immer hat (damals wie heute auf den Bezug auf Personen begrenzt). Es hatte dabei seine Rolle vom Akkusativ auf den Nominativ ausgedehnt und wurde als Objekt einer Präposition (a quien, etc.) und als Plural- sowie Singularform genutzt. Die Pluralform quienes entstand erst im Siglo de Oro, wenn auch die meisten Schriftsteller zumindest bis zum 18. Jahrhundert den Plural quien bevorzugten.[11]

In der Form als Interrogativpronomen war que schon immer auf den nichtpersonalen Bezug begrenzt gewesen, außer wenn es in adjektivischer Rolle stand, wo sein häufigster Konkurrent qual (< QUĀLIS; später cual) war, eine Form, die im Spanischen als Interrogativpronomen von Beginn an vorhanden war. Dennoch war das Relativpronomen que immer auch geeignet, sowohl personalen als auch nichtpersonalen Bezug herzustellen, sowohl als Subjekt wie auch als Objekt eines Relativsatzes zu dienen, und je nach Situation im Singular oder Plural zu stehen. Anders gesagt: obwohl que seine Form in der Hauptsache von neut. QUID geerbt hat, erbte es ebenso die Funktionen von Nom. mask. QUI, Nom. fem. QUAE, Akk. mask. QUEM und Akk. fem. QUAM (und genauso alle entsprechenden Pluralformen wie QUĪ, QUŌS etc.).[12]

Das interrogative/relative Adjektiv CŪIUS, -A, -UM aus dem vorklassischen Latein wurde zwar im Vulgärlatein wie auch im Hochlatein in den zentralen Gegenden des Römischen Reiches nicht mehr benutzt, blieb aber im gesprochenen Latein von Sardinien und Spanien erhalten, wo es als cuyo, -a, -os, -as überlebte. Im Alt- und Frühneuspanischen konnte diese Form noch als Interrogativpronomen verwendet werden (z.B. ¿Cúyo es?: „Wessen ist es?/Wem gehört es?“), so wie es heute noch im Spanisch der Kanaren und Teilen von Amerika verwendet wird.[13]

Lat. QUĀLIS, -E verlor seinen Bezug auf die Qualität einer Sache und diente in allen romanischen Sprachen als Interrogativpronomen (¿cuál?) und als Relativpronomen (el, la cual; los/las cuales)[14] wobei man festhalten muss, dass im mittelalterlichen Spanisch das relative qual im Normalfall nicht mit einem bestimmten Artikel auftrat (z.B. a qual dizen Medina; PMC, Vers 2879).[15]

Als relativisch verwendete Ortsadverbien konnten im Latein UBĪ („wo“) und UNDE („von wo/woher“) verwendet werden. Aus UBĪ bildete sich altspanisch o, in Verbindung mit de dann bald als do realisiert. Das altspanische ond(e) entstammte UNDE, verlor dann die Bedeutung „von wo“ und bedeutete nur noch „wo“. Deshalb musste de als Ergänzung vorangestellt werden, wenn man „von wo“ ausdrücken wollte. Diese Präposition verschmolz bald mit dem Adverbium und wurde als donde in der Bedeutung „von wo“ verwendet.

Zusammenfassen lassen sich also für das Altspanische folgende Relativpronomen, -partikel und –adverbien festhalten:

que (con que, de que, el que, algo que, quienquiera que, lo(s) que, la que, de lo que, en lo que, por lo que, a lo(s) que, quanto(s) que ...)

qui (el qui, a qui, aquel qui, ...)

quien (a quien, de quien, ...)

quanto(s)

qual(es)

cuyo, -a, -os, -as

o, do, ond, dond

Hierzu werden im Folgenden Beispielverse aus dem PMC gegeben. Die Beispiele sind der kritischen Edition des Textes in Menéndez Pidal[16] entnommen, die vorgestellten Zahlen bezeichnen die betreffenden Verse. Eingeteilt sind die Beispiele nach den Relativpronomina und ihren syntaktischen Wertigkeiten und semantischen Bedeutungen.

[...]


[1] Tabelle aus Schmeken, S. 26 (leicht abgeändert)

[2] vgl. Lloyd, S. 262

[3] ebd.

[4] ebd.

[5] ebd.

[6] vgl. Menéndez Pidal: Manual, S. 263

[7] vgl. Penny, S. 132

[8] vgl. Menéndez Pidal: Manual, S. 263

[9] ebd.

[10] vgl. Penny, S. 132

[11] vgl. Penny, S. 132

[12] ebd.

[13] vgl. Penny, S. 132f

[14] vgl. Menéndez Pidal: Manual, S. 264

[15] vgl. Penny, S. 133

[16] Menéndez Pidal 1964, vol. III, S. 1017-1164

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Relativsätze im Altspanischen am Beispiel des "Cantar de Mio Cid"
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Romanistik)
Veranstaltung
PS Die Sprache des Cantar de Mio Cid
Note
3,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V13478
ISBN (eBook)
9783638191319
ISBN (Buch)
9783638756969
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Relativsätze, Altspanischen, Beispiel, Cantar, Sprache
Arbeit zitieren
Astrid Schaumberger (Autor), 2002, Relativsätze im Altspanischen am Beispiel des "Cantar de Mio Cid", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13478

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