"Bedrohte Pflanzenarten" in der Grundschule. Entwurf eines Projekts im Rahmen der Umweltbildung


Examensarbeit, 2009

100 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretisch-abstrakter Teil
2.1 Umweltbildung
2.1.1 Begriffsdefinition
2.1.2 Schulische Rahmenbedingungen
2.1.3 Zielsetzungen
2.1.4 Begründungen
2.1.5 Methodik
2.2 Offener Unterricht
2.2.1 Begründungsaspekte
2.2.2 Arragementdidaktik – Vermittlungsdidaktik
2.2.3 Wahldifferenzierter Unterricht
2.2.4 Tages- und Wochenplanarbeit
2.2.5 Freie Arbeit
2.2.6 Projektarbeit

3 Projektunterricht

4 Ausblick

5 Literaturverzeichnis

6 Abbildungsverzeichnis

7 Anhang

8 Überblick

9 Zentrales Anliegen und Ziele
9.1 Zentrales Anliegen
9.2 Lernziele
9.2.1 Kognitive Lernziele
9.2.2 Affektive Lernziele
9.2.3 Psychomotorische Lernziele

10 Projektüberblick

11 Gegenstandsbeschreibung
11.1 Definition
11.2 Problemaspekte

12 Methodischer Plan
12.1 Montag
12.2 Dienstag
12.3 Mittwoch
12.4 Donnerstag
12.5 Freitag
12.6 Samstag

13 Glossar

14 Arbeitsblätter
14.1 Arbeitsblatt 01: Steckbrief „Förster“
14.2 Arbeitsblatt 02: Domino-Spielkarten zum Basteln
14.3 Arbeitsblatt 03: Steckbrief einer Pflanze im Schulgarten
14.4 Arbeitsblatt 04: Patenschaftsausweis
14.5 Arbeitsblatt 05: Pflanze der Woche
14.6 Arbeitsblatt 06: Beispiel einer Karteikarte
14.7 Arbeitsblatt 07: Skizze zur Anfertigung der Pflanzenleiste
14.8 Arbeitsblatt 08: Seite aus dem Herbarium.
14.9 Arbeitsblatt 09: Rätsel
14.10 Arbeitsblatt 10: Möglicher Test zur Überprüfung am Ende der Projektwoche

1 Einleitung

Die Thematik der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit, Umweltbildung in Verbindung zum Offenen Unterricht, habe ich bewusst gewählt.

Ich empfinde die Umweltbildung, auch insbesondere an Grundschulen, als unumgänglich und notwendig an, um eine Basis für ein verantwortungsbewusstes und sensibles Umweltbewusstsein zu schaffen, auch für die weiterführenden Schulen, welche eben dieses noch ausbauen und festigen sollten.

Wir leben in einer sich ständig verändernden Umwelt, mit zunehmender Technisierung und Modernisierung, wodurch wir und auch die Kinder oft unsere natürliche Umgebung übersehen und nicht mehr wahrnehmen. Doch gerade heute, in einer Gesellschaft geprägt durch Unsicherheit, Orientierungslosigkeit und Überforderung sollte es unsere Umwelt sein, die einem jeden wieder Beständigkeit und Sicherheit vermittelt. Auch die Umwelt selbst verändert sich, sei es bedingt durch den fortschreitenden Klimawandel oder auch die ständig vorherrschende Umweltverschmutzung. Dennoch bedarf sie unserer Mithilfe und Verantwortung, um uns auch weiterhin Schutz und Zuversicht zu vermitteln und uns mit ihrer natürlichen Schönheit und Vielfältigkeit zu umgeben. Die Kinder müssen so früh wie möglich lernen, die Umwelt und ihre Probleme wahrzunehmen, um dann ein Bewusstsein und Gefühl dafür zu entwickeln, verantwortungsvoll mit eben dieser umzugehen und dies auch weiterzugeben. Geschieht dies nicht, so wird sich unsere Umwelt früher oder später drastisch verändern, nicht nur Pflanzen- und Tierarten werden weiter aussterben, auch unser Klima wird sich ungewohnt verändern. Dies wird widerrum dazu führen, dass sich weitere Pflanzen- und Tierarten nicht schnell genug an die neuen klimatischen Bedingungen anpassen können und aussterben. Die Frage ist, wie schnell sich der Mensch an diese neuen Bedingungen anpassen kann.

Natürlich weiß man nicht, inwieweit man den fortschreitenden Klimawandel noch aufhalten kann. Allerdings kann man schon heute etwas tun, um dem Pflanzen- und Tiersterben entgegenzuwirken, und meist sogar mit einfachsten Mitteln. Eben dies, ist eine von vielen Aufgaben der Umweltbildung in den Schulen.

Wie bei vielen Begriffen ist es auch bei dem Begriff der „Umweltbildung“ der Fall, dass man keine einheitliche Definition in Lehrbüchern findet. Der Begriff bietet sich daher an, eine eigene Definition zu formulieren. Ich werde dies im ersten theoretisch-abstrakten Teil meiner Arbeit versuchen, nämlich meine eigene Definition von Umweltbildung mit denen der Lehrbücher zu vereinen, um anschließend die schulischen Rahmenbedingungen für Umweltbildung zu erläutern. Danach möchte ich mich dem Offenen Unterricht, seinen Begründungen und unterschiedlichen Formen widmen.

Viele Vorlesungen und Seminare an der Universität Koblenz handeln von der Geschichte und den Methoden des Offenen Unterrichts. Im Rahmen einer dreitägigen Blockveranstaltung an der Grundschule X hatten einige Kommilitonen und ich die Möglichkeit, den Buchautor und Lehrer Falko Peschel bei seiner Arbeit zu begleiten und seinen Begründungen und Vorträgen beizuwohnen. Auch ich habe bereits in den Orientierungspraktika und Blockpraktika zuvor, und in den Fachpraktika danach, Formen des Offenen Unterrichts kennen gelernt, allerdings unterschieden sich diese doch sehr von denen der an der Grundschule X praktizierten Formen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich diese zunächst sehr kritisch beäugte und ich sehr verwirrt war, zu sehen, dass Schüler und Schülerinnen frei entscheiden durften, an welchem Unterricht sie, wenn überhaupt, teilnehmen möchten und welche Aufgaben und Themen sie wann, wo und mit wem bearbeiten. Während des Unterrichts konnte ich feststellen, dass die Lehrperson nicht als Lehrperson angesehen war, sondern vielmehr als ein Freund, der hilft, berät, Fragen beantwortet und selten auch mal etwas an die Tafel schreibt. Die Schüler und Schülerinnen wählen indes frei ihr Arbeitsmaterial, egal ob Deutsch, Mathe, Sachkunde oder Englisch. Die Schüler beschäftigten sich alleine oder in Gruppen, an Tischen oder in der Sofaecke. Die Atmosphäre war laut, chaotisch und unübersichtlich, dennoch hatte jedes Kind am Ende der Stunde einen Wissenszuwachs zu verzeichnen. Diese, und auch alle anderen gemachten Erfahrungen bezüglich des Offenen Unterrichts haben mich dazu bewogen, diesen in meiner Examensarbeit einmal genauer zu untersuchen. Ich möchte also in meiner Arbeit auch die Formen des Offenen Unterrichts betrachten, um dann schließlich im dritten Teil den Projektunterricht vorzustellen. Abschließend findet sich ein von mir geplantes Unterrichtsprojekt zum Thema „Bedrohte Pflanzenarten“.

2 Theoretisch-abstrakter Teil

2.1 Umweltbildung

2.1.1 Begriffsdefinition

Während der Literaturrecherche bin ich auf die Begriffe „Umweltbildung“ und „Umwelterziehung“ gestoßen und schnell habe ich mich nach den Unterschieden gefragt. In einem der verwendeten Bücher fand ich allerdings eine Erklärung, welche ich auch hier gerne zu Beginn der Begriffsdefinition anführen möchte.

Zunächst herrschte der Begriff der „Umwelterziehung“ vor und war damit in erster Linie Auftrag der Schulen. Ziel war es weniger, auf die Problematik der Umweltverschmutzung und -zerstörung einzugehen. Vielmehr „wollte man im pädagogischen Prozess ökologisches Handlungsbewusstsein `anerziehen´“.[1] Aufgrund von inhaltlichen Veränderungen und gesellschaftspolitischen Strömungen, vor allem aufgrund der Annahme, dass „Umweltbildung als Bildungs prozess[2] anzusehen ist, hat sich der Begriff der „Umweltbildung“ gebildet und ist nun Teil des Bildungssystems[3].

Es ist schwer, eine einheitliche und konkrete Definition für den Begriff „Umweltbildung“ zu finden, da eben dieser zum einen ein Begriff ist, der sich weiter ausdehnt und weiterentwickelt und somit neue Dinge miteinschließt. Zum anderen ist er ein Begriff, welcher individualistische Sichtweisen und Gefühle beinhalten kann und somit von jedem Einzelnen anders, aber richtig, definiert werden kann.

Die Umwelt ist unsere Lebensgrundlage. Daher bedeutet Umweltbildung für mich, zu lernen, wie wir verantwortungsbewusst mit eben dieser umgehen. Dies umfasst zum einen den entsprechend verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur, den Pflanzen und Lebewesen darin, zum anderen aber auch den Umgang und das Leben mit unseren Mitmenschen. Die Umweltbildung geht für mich mit einer Entwicklung eines Umweltbewusstseins einher, wodurch wir eine Verbindung zu unserer Umwelt finden und diese zu schätzen lernen. In diesem Zusammenhang sollten wir unsere bisherigen Einstellungen und Verhaltensweisen bezüglich Umwelt und Natur erkennen, bedenken und gegebenenfalls ändern, zu Gunsten von Umweltschutz und einem verantwortungsbewusstem Handeln im Alltag.

Daher ist die Umweltbildung auch in der Grundschule schon von großer Bedeutung. Die Kinder sollen die Umwelt ganzheitlich kennen lernen, erkennen, was wir falsch machen und richtig machen könnten und den Umweltschutz verinnerlichen.

Bevor ich einige Definitionen von verschiedenen Autoren anführe, möchte ich gerne die des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit erläutern.

“Umweltbildung ist in einem umfassenden Sinne zu verstehen. Sie schließt Naturkunde ebenso mit ein wie Umwelterziehung und die umweltbezogene Ausbildung sowie das Hochschulstudium. Umweltbildung als Teil der Allgemein- und der Berufsbildung will den Menschen zu einem sachkundigen und verantwortlichen Umgang mit Natur und Umwelt befähigen.“[4]

In dieser Definition wird zwar angedeutet, dass der Begriff der Umweltbildung zwar „umfassend“ zu verstehen ist, allerdings bleibt diese Definition meiner Meinung nach noch sehr allgemein. Wichtig ist allerdings die Aussage, dass Umweltbildung als Teil der menschlichen Allgemeinbildung anzusehen ist. Herauslesen kann ich jedoch, dass Umweltbildung, eben als Teil der Allgemein- und Berufsbildung, ein lebenslanger Prozess ist. Es fehlen aber weitere Aspekte, die zur Umweltbildung unumgänglich dazu gehören, wie Umweltverschmutzung, Umweltschutz und genauere Angaben zur Umweltbildung an Schulen.

Bei meiner Recherche bin ich dann auf eine sehr weit gefasste Definition von Kandeler gestoßen, der bereits jede pädagogische Maßnahme zur Umweltbildung zählt, „die in irgendeiner Form Natur und Umwelt einbezieht“[5]. Wichtig ist, dass sich die Umweltbildung weltweit an alle Menschen allen Alters richtet, um zwei Ziele erreichen zu können[6]. Zum einen „die Entwicklung und die Erziehung des Menschen zu umweltfreundlichen und ökologischem Verhalten und zum anderen den Schutz der Natur und Umwelt (und den Erhalt der Lebensgrundlage des Menschen auf dem Planeten Erde).“[7]

Altmannsberger nennt in seiner Arbeit die Definition nach Günter Eulefeld: „Umwelt erziehung ist eine Erziehung in der Auseinandersetzung mit der natürlichen, sozialen und gebauten Umwelt mit dem Ziel, die Bereitschaft und die Kompetenz zum Handeln unter Berücksichtigung ökologischer Gesetzmäßigkeiten zu entwickeln.“[8]

Dies ist eine Definition im engeren Sinne, da nun auch gesellschaftliche Umstände miteinbezogen werden und der „fächerübergreifende Charakter“[9] von Umweltbildung hervorgehoben wird. In dieser Definition wird bereits angedeutet, dass ein Basiswissen zum Thema Umwelt und Natur wichtig ist, um unter Berücksichtigung eben dessen zu Handeln. An dieser Definition gefällt mir allerdings besonders die Anmerkung gut, dass man eben dieses Handeln nur „in der Auseinandersetzung“[10] erreichen kann, also im direkten Umgang mit der Natur. Es ist zwar kein direkter Bezug zur Schule beschrieben, allerdings deute ich diese Anmerkung für Schulen und Erzieher, den Kindern und Schülern schon so früh wie möglich einen aktiven Zugang zur Natur zu gewährleisten.

Hollstein versucht schließlich in ihrer Definition die Brücke zum Grundschulunterricht zu schlagen:

„Umwelterziehung kann heute als ein fester Bestandteil des Grundschulunterrichts gelten. Hier geht es darum, mit Kindern aktuelle Umweltschutzprobleme und -gefahren zu erörtern, mit ihnen gemeinsam zu erarbeiten, wie ein umweltschonendes Verhalten aussieht, und ein Verantwortungsgefühl für den heimatlichen Lebensraum grundzulegen. Zudem sollen Kinder ermutigt werden, sich aktiv an der Lösung von Problemen zu beteiligen. Umwelterziehung muss somit neben einer umfassenden Werteerziehung auch die Vermittlung von Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie ohne Zweifel auch eines grundlegenden Wissens beinhalten.“[11]

Diese Definition gefällt mir insofern sehr gut, da sie den Begriff Umweltbildung direkt auf den Unterricht in einer Grundschule bezieht und klare Bestandteile und Merkmale benennt. Deutlich wird vor allem, dass Hollstein keineswegs den Schwerpunkt auf die Vermittlung von naturwissenschaftlichem und ökologischem Wissen legt. Viel mehr möchte sie die Schüler für ihre Umwelt und bestehende Probleme sensibilisieren, um mit ihnen gemeinsam Lösungsstrategien zu erarbeiten. Dafür sind für sie natürlich auch Wissen und Fähigkeiten grundlegend, allerdings scheinen ein gemeinsames Arbeiten und Finden von Lösungen wichtiger.

2.1.2 Schulische Rahmenbedingungen

Nachdem nun der Begriff der „Umweltbildung“ näher betrachtet und definiert wurde, stellt sich die Frage nach den schulischen Rahmenbedingungen, unter welchen Umweltbildung stattfinden kann und soll. Daher möchte ich zunächst den Rahmenplan für die Grundschulen in Rheinland-Pfalz in Hinblick auf diese Fragestellung untersuchen.

Weiter gefasst, findet Umweltbildung schon bei der Benennung der Schwerpunkte schulischen Lernens Erwähnung. So sollen Naturerfahrungen gewonnen werden, wie zum Beispiel das „Ermöglichen von Primärerfahrungen, Vorbereiten ökologisch verantwortbaren Handelns, Verständnis für das Prinzip der Nachhaltigkeit beim Nutzen von Ressourcen“[12].

Für die Grundschule bedeutet dies die Schaffung eines natürlichen Areals, beziehungsweise das Nutzen eines bereits gegebenen Areals, in welchem die Schülerinnen und Schüler Erfahrungen machen und Natur erleben können. Bei ländlich gelegenen Schulen bietet sich auch die Nutzung der umliegenden Natur als außerschulischen Lernort an. Von großer Bedeutung ist an dieser Stelle auch, dass aktuelle, regionale und eventuell auch historische Geschehnisse Beachtung finden, wodurch die Schüler auch in ihrem Bezug zur Heimat bestärkt werden.

Wichtig ist demnach, dass alle Schüler einer Grundschule die Möglichkeit haben sollten, während ihrer Grundschulzeit Erlebnisse und Erfahrungen in der unmittelbaren, als auch in der schulischen Umwelt zu sammeln. Im besten Fall wird den Schülern ermöglicht, sich auch aktiv in der Natur und ihrer Umwelt einzubringen, in dem beispielsweise ein Schul- oder Kräutergarten, ein Schulteich oder Vogelhäuser gebaut werden. Durch diese Gelegenheiten haben die Schüler die Möglichkeit über direkte Erlebnisse ihr Wertebewusstsein zu erweitern und ihre „Urteils- und Handlungsfähigkeit zu entfalten“[13].

Jedoch sollte nicht nur das umliegende und angrenzende Schulgelände nutzbar sein, viel mehr sollte auch die Ausstattung und die gesamte Gestaltung der Schule umweltgerecht sein[14]. Diese Grundlagen sollten durch den Schulleiter geschaffen und unterstützt werden.

Findet Umweltbildung in der Schule statt, muss diese auch von allen Beteiligten der Schule gelebt und vorgelebt werden. Dies hat zur Konsequenz, dass sowohl das Lehrpersonal, als auch die Angestellten, sowie die Schüler selbst beispielsweise den Müll trennen, Energie sparen und das Schulgelände sauber halten. Vor allem sollte dieses umweltbewusste Handeln aber auch außerhalb der Schulzeit praktiziert werden. Umweltbildung in der Schule ist demnach völlig erfolglos, wenn das Lehrpersonal diese nur halbherzig in der Schule vorlebt, eigentlich aber nicht von dieser Haltung überzeugt ist und sie somit auch nicht in den eigenen Alltag integriert. Nur wenn auch die Lehrer umweltfreundliches Verhalten leben, wirken sie glaubwürdig[15]. Lehrer sind für alle Schüler Vorbilder und tragen dadurch eine enorme Verantwortung bezüglich der Umweltbildung.

„Umwelterziehung steht und fällt mit dem Engagement sowie den fachlichen und pädagogischen Qualifikationen der Lehrkräfte für diese Arbeit“.[16]

Wichtig ist in erster Linie also die Vorbereitung und Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer im Bereich der Umweltbildung. Allerdings ist eben diese Fortbildung kaum institutionell geregelt und ist daher meist eine Entscheidung auf freiwilliger Ebene[17]. Somit sollte das gesamte Kollegium ein gemeinsames Ziel verfolgen, nämlich die Schüler durch Kooperation und Engagement zu verantwortungsbewussten Persönlichkeiten zu erziehen und sie im Umgang mit ihrer Umwelt zu sensibilisieren. Dabei kann und soll vor allem auch das Elternhaus kooperierend miteingebunden werden, genau so wie Kindergärten, weiterführende Schulen und andere Institutionen[18].

Ein weiterer Aspekt an dieser Stelle ist, dass Umweltbildung, beziehungsweise umweltschonendes Verhalten, gefördert werden kann, wie anderes wünschenswertes Verhalten auch. So kann entsprechend besonders umweltfreundliches Verhalten belohnt und gewürdigt werden, nicht zwangläufig auf materielle Art und Weise[19].

Für Umweltbildung bietet sich auch ein ganzheitliches und vor allem fächerübergreifendes Unterrichtskonzept an. Es sollte vermieden werden, Umweltbildung nur auf den Sachunterricht zu beschränken, viel mehr können gerade auf diesem Gebiet Sachkenntnisse auch in anderen Fächern, wie Religion, Deutsch oder Kunst vermittelt werden. Das ganzheitliche Prinzip bei der Umweltbildung beinhaltet eben ein Lernen mit allen Sinnen, beziehungsweise nach Pestalozzi mit „Kopf, Herz und Hand“. Somit ist gewährleistet, dass zum einen Wissen kognitiv aufgenommen und verarbeitet wird, dass die Schüler einen persönlichen und gegebenenfalls sogar emotionalen Bezug zum Unterrichtsgegenstand aufbauen und schließlich eben selbst aktiv werden können, indem sie selbst bauen, basteln, experimentieren, forschen und bearbeiten. Gerade für die Umweltbildung bieten sich daher Projekt- und Studientage, sowie Arbeitsgemeinschaften zu entsprechenden Themen an.[20]

2.1.3 Zielsetzungen

Umweltbildung ist mehr und mehr Aufgabe der Schulen und der Erzieher. Bereits auf der Kultusministerkonferenz im Jahr 1981 wurde deutlich, von welch großer Bedeutung eben diese an Schulen ist und wie sehr die Verantwortung von Erziehern diesbezüglich zunimmt.

„Für den einzelnen und die Menschheit insgesamt sind die Beziehungen zur Umwelt zu einer Existenzfrage geworden. Es gehört daher auch zu den Aufgaben der Schule, bei jungen Menschen Bewusstsein für Umweltfragen zu erzeugen, die Bereitschaft für den verantwortlichen Umgang mit der Umwelt zu fördern und zu einem umweltbewussten Verhalten zu erziehen, das über die Schulzeit hinaus wirksam bleibt. – Hierzu ist die Schule umso mehr verpflichtet, als die Belastungen der Umwelt in den letzten Jahrzehnten bedrohlich zugenommen haben. Die Schule kann und muss aufgrund ihres Bildungs- und Erziehungsauftrages ihren Beitrag zur Lösung dieses dringlichen Problems leisten.“[21]

Umweltbildung ist zwar Teil des Lehrplanes an deutschen Grundschulen, allerdings ist sie hauptsächlich auf das Fach Sachunterricht beschränkt. Wichtig ist allerdings, dass Umweltbildung ganzheitlich und fächerübergreifend an Bedeutung gewinnt und unterrichtet wird. Nur so kann in den Schülern Wissen über Umwelt, Umweltprobleme und Umweltverschmutzung heranreifen und zu einem verantwortungsbewussten Umgang führen. So können Themen, welche die Umwelt betreffen, auch in Fächern wie Deutsch, Kunst, Musik und vor allem auch Religion aufgegriffen werden.

Betrachtet man nun den rheinland-pfälzischen Rahmenplan für das Fach Sachunterricht, so finden sich die angestrebten Kompetenzen bezüglich der Umweltbildung. Unter dem Erfahrungsbereich „Natürliche Phänomene und Gegebenheiten – Perspektive Natur“ werden die Ziele der Umweltbildung für dieses einzelne Unterthema beschrieben und benannt. So heißt es weiter auf Seite 10:

„Kinder machen die grundlegende Erfahrung, dass es Ereignisse, Abläufe und Gegebenheiten gibt, die sich (auch) ohne menschliches Zutun entwickeln. Dabei sind Regelmäßigkeiten (Naturgesetze) wirksam, die zwar erforscht, erkannt und angewendet, nicht aber verändert oder gar aufgehoben werden können. Durch Erschließen biologischer, chemischer und physikalischer Zusammenhänge und Erkenntnisse lassen sich Naturphänomene nachvollziehbar erklären. Zugleich wird Wissen für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und dem eigenen Körper angebahnt.“[22]

Aus diesem Auszug ist herauszulesen, dass es nicht nur um die reine Wissensvermittlung über Natur und Umwelt und die Geschehnisse in eben selbigen geht, sondern auch um die Erweiterung des Erfahrungsbereiches und die Erkenntnis, dass auch kleine Veränderungen im Alltag der Umwelt helfen und zu positiven Veränderungen beitragen. Dafür wird zunächst eine Basis geschaffen, dies geschieht in der Regel über die Vermittlung von grundlegendem Wissen „biologischer, chemischer und physikalischer Zusammenhänge“[23], wodurch die Schüler die verschiedenen Aspekte ihrer Umwelt zunächst einmal kennen lernen, um sich dann eine Meinung bezüglich der Situation zu bilden, welche dann, unterstützend durch naturnahe Erfahrungen und Erlebnisse, zu einer verantwortungsbewussten Denk- und Handlungsweise heranreifen sollte. Wichtig ist, dass die Schüler Wissen erlernen, welches für sie in ihrem Alltag auch von Bedeutung ist. So sollte optimalerweise „umweltrelevantes Alltagswissen erarbeitet und die Anwendung dieses Wissens geübt“[24] werden.

Im Lehrplan für das Fach Sachunterricht werden Kompetenzen benannt, welche im Laufe der Entwicklung erreicht werden sollten. Dies sind zumeinen das sachorientierte Wahrnehmen und Erklären von Naturphänomenen, den respektvollen Umgang mit der Natur und ein Umweltbewusstsein aufbauen. Sie sollen weiterhin erkennen, dass die Artenvielfalt als Qualität von Umwelt geschützt werden muss. So sollen sie also auch den verantwortungsbewussten Umgang mit Tieren und auch Pflanzen erlernen, um dies letztendlich in Umgang mit ihren Mitmenschen weiterzuführen[25] .

Grundlage für eine optimale Umsetzung dieser Kompetenzen ist, dass die Lehrerinnen und Lehrer „Voraussetzungen schaffen, mit ihrer natürlichen Umwelt in enge Beziehung zu treten“[26]. So sollte ein außerschulischer Lern- und Handlungsort gegeben sein, in welchem die Schüler „die natürliche Umwelt (…) als erhaltenswerte schutzbedürftige, nutzungsfähige und veränderbare Umwelt (…) begreifen“[27].

Herauszulesen ist, dass die Schüler zunächst ihre Umwelt wahrnehmen sollen, sie sollen ein Auge für das Detail bekommen, Pflanzen ebenso wahrnehmen, wie all die Tiere. So gelangen sie zu einem „Basiswissen über die heimische Flora und Fauna“[28]. Erst dann können sie lernen, dieses Gesehene und Wahrgenommene auch zu benennen und genauer zu beobachten, Vorgänge kennen zu lernen und beschreiben zu können. Erst dann können die Schüler eine Beziehung zu dem Gesehenen, beispielsweise einer Pflanze, aufbauen, da sie nun wissen, wie diese aussieht, wo sie zu finden ist und was an ihr besonders ist. Sie lernen einen respektvollen Umgang mit ihrer Umwelt, da sie erfahren werden, dass es bestimmte Tier- und Pflanzenarten gibt, die vom Aussterben bedroht sind, oder dass der Mensch mit seiner respekt- und rücksichtslosen Art zu leben die Umwelt gefährdet. Sie sollen also zum einen die Probleme der Umweltverschmutzung wie Artensterben und den Treibhauseffekt, zum anderen aber auch Lösungsmöglichkeiten kennen lernen und gegebenenfalls auch selbst entwickeln. Hierfür müssen sie erkennen, dass eine Abhängigkeit zwischen „Natur, Mensch und Umwelt“[29] besteht, wir also alle dazu aufgerufen sind, unsere Lebensgrundlage zu schützen.

Auch hier sollte ein Lebensweltbezug die Schüler zusätzlich motivieren, so dass sie „die größten globalen und lokalen Umweltprobleme, inklusive der dazugehörigen Lösungsansätze“[30] kennen lernen. Dies ist aber nur dann möglich, wenn sich die Schüler mit der Umwelt und der Natur verbunden fühlen, sie Erfahrungen und Erlebnisse gemacht haben, die ihnen Spaß gemacht haben und sie auch emotional beschäftigen.

So muss eben über das kognitive Lernen hinaus auch ein emotionales Lernen in der Umweltbildung stattfinden, wodurch eine enge Beziehung zur Natur entsteht, welche in den Schülen im besten Fall die Erkenntnis wachsen lässt, dass unsere Umwelt geschützt werden muss, Umweltverschmutzung schlecht ist und Verantwortung getragen werden muss[31]. Wichtig ist allerdings, dass nicht nur die positiven, sondern auch die negativen Gefühle zur Natur, beispielsweise Ängste, Beachtung finden. Es sollen Strategien entwickelt werden, mit diesen Ängsten konstruktiv umzugehen, um diese durch „inneres Verarbeiten und Handeln“[32] zu bewältigen.

Kandeler erklärt, dass Schüler in der Umweltbildung „Kompetenzen für einen zukunftsfähigen Umgang mit Natur erwerben, die kognitive, normative, emotionale und handlungsbezogene Aspekte gleichermaßen umfassen“[33]. Somit muss zunächst einmal, bevor sich überhaupt etwas verändern kann, Verantwortung übernommen werden, wodurch dann im besten Fall ein „Wandel des Bewusstseins bis hin zum umweltbewussten Denken und Leben“ stattfindet, der letztendlich in einem „Wandel der ganzen Gesellschaft“[34] münden sollte.

Über das Wissen hinaus sollten auch Werte in der Umweltbildung vermittelt werden, an erster Stelle natürlich das Erkennen der eigenen Verantwortung. „Diese Verantwortlichkeit muss aus dem Bewusstsein heraus entstehen, dass letztlich alles mit allem zusammenhängt, sowohl ökologisch als auch ökonomisch und politisch (Globalisierung).“[35] Auch der Gedanke, dass wir mit dem verantwortungsbewussten Umgang mit unserer Umwelt letztendlich auch Verantwortung für unser eigenes Leben übernehmen, sollte vermittelt werden.

Diese Wertevermittlung bezieht aber auch eine soziale Grundeinstellung mit ein, nämlich die Empathie und den Glauben an ein friedliches, gewaltfreies Zusammenleben. Mithilfe dieser „Altruistischen Grundeinstellung“[36] kann eben diese auch auf die Umwelt ausgedehnt werden.

Letztendlich sollen die Wissens- und Wertevermittlung, sowie die Emotionen in einem Handeln münden, in welchem „Umwelt- und ökologisches Wissen in die tägliche Praxis“[37] umgesetzt werden. So soll zunächst einmal das umweltbewusste Handeln in der Schule auf das Leben zu Hause übertragen werden, um auch andere Familienmitglieder und Freunde zum Nach- und Umdenken zu bewegen.

Altmannsberger fasst die Ziele von Umweltbildung wie folgt zusammen: „Wahrnehmen – Erkennen – Handeln“[38]. Hollstein stellt hingegen drei Intentionsbereiche heraus: „Fähigkeiten und Fertigkeiten als Grundlage für das Identifizieren, Analysieren, Bewerten und Lösen von Umweltproblemen, allgemeine Werte und ethische Grundsätze wie beispielsweise Verantwortungsbereitschaft, Respekt und Toleranz, sowie Kenntnisse, die unter anderem auf die Grundlagen der Ökologie in Wechselbeziehung zum Menschen und damit auch auf umwelttechnische, -historische und –politische Sachverhalte bezogen sind.“[39]

Festzuhalten ist, um mich Hollstein anzuschließen, dass sowohl kognitive, als auch affektive, ethische[40], und die emotionale Komponenten zusammenwirken müssen.

[...]


[1] Corleis 2000, S. 24.

[2] Corleis 2000, S. 24.

[3] Vgl. Corleis 2000, S.11.

[4] Bundesministerium Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. S.173.

[5] Kandeler 2005, S.13.

[6] Vgl. Kandeler 2005, S.14.

[7] Vgl. Kandeler 2005, S.14.

[8] Altmannsberger 2003, S.5.

[9] Vgl. Altmannsberger 2003, S.5.

[10] Vgl. Altmannsberger 2003, S.5.

[11] Hollstein 2002, S.1.

[12] MBFJ 2002, S.12.

[13] Altmannsberger 2003, S.7.

[14] Vgl. Huber 1995, S.80.

[15] Vgl. Schleicher 1997, S.90.

[16] Huber 1995, S.78.

[17] Vgl. Schleicher 1997, S.89.

[18] Vgl. Schleicher 1997, S.92.

[19] Vgl. Schleicher 1997, S.92.

[20] Vgl. Huber 1995, S.104.

[21] Hollstein 2002, S.3.

[22] MBFJ 2006, S.10.

[23] MBFJ 2006,. S.10.

[24] Kandeler 2005, S.33.

[25] Vgl. MBFJ 2006, S.10f.

[26] Baier 1999, S.17.

[27] Baier 1999, S.17.

[28] Kandeler 2005, S.33.

[29] Altmannsberger 2003, S.7.

[30] Kandeler 2005, S.33.

[31] Vgl. Kandeler 2005, S.14.

[32] Kandeler 2005, S.42.

[33] Kandeler 2005, S.6.

[34] Kandeler 2005, S.13.

[35] Kandeler 2005, S.36.

[36] Kandeler 2005, S.39.

[37] Kandeler 2005, S.45.

[38] Altmannsberger 2003, S.7.

[39] Hollstein 2002, S.8.

[40] Vgl. Hollstein 2002, S.5.

Ende der Leseprobe aus 100 Seiten

Details

Titel
"Bedrohte Pflanzenarten" in der Grundschule. Entwurf eines Projekts im Rahmen der Umweltbildung
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Bildungswissenschaften)
Veranstaltung
Umweltbildung in der Schule
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
100
Katalognummer
V134789
ISBN (eBook)
9783668294073
ISBN (Buch)
9783668294080
Dateigröße
2061 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unweltbildung, Offener Unterricht, Projektunterricht, Projektwoche zum Thema Bedrohte Pflanzenarten
Arbeit zitieren
Laura Weber (Autor), 2009, "Bedrohte Pflanzenarten" in der Grundschule. Entwurf eines Projekts im Rahmen der Umweltbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134789

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