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Genealogische Aspekte der Salutogenese. Förderung und Forderung des Selbst

Title: Genealogische Aspekte der Salutogenese. Förderung und Forderung des Selbst

Term Paper , 2021 , 31 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Björn Grimm (Author)

History - Basics
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Mit dem Modell der Salutogenese setzte der US-amerikanisch-israelische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky 1979 einen bewussten Kontrapunkt zur pathogenetisch-kurativen Ausrichtung der Medizin. Antonovskys zentrale Forschungsfrage, warum manche unter großem Stress gesund bleiben und andere nicht, stellte sich als essenziell heraus für die Prägung eines neuen Gesundheitsbegriffes, der sich, wie diese Arbeit zeigen soll, im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts vermehrt ankündigte, notwendig war und schließlich durchsetzte.

Dazu wird das Modell genealogisch in den Kontext der Stressforschung des 20. Jahrhunderts sowie des als ‚Psychoboom‘ bekannten neoliberalen Aufschwungs der Psychologie und der Psychotherapie in den 1970er Jahren eingeordnet. Vor dem Hintergrund, dass Antonovsky sein Modell aus einer Befragung von holocaustüberlebenden Frauen in den Wechseljahren entwickelte, soll der gesellschaftspolitische Umgang mit Holocaustüberlebenden, mit besonderem Augenmerk auf Israel, ebenso in die Ausführungen eingegliedert werden.

Die Arbeit nähert sich dem salutogenetischen Modell zunächst fluchtpunktartig, stellt dieses dann in seinen Komponenten vor, analysiert es auf ein mögliches kybernetisches Grundverständnis und bettet es in die zuvor behandelten Forschungsstränge ein. Im letzten Teil findet eine Zusammenführung statt, in welcher die Auswirkungen der Salutogenese aufgezeigt werden. Daraufhin schließt die Arbeit mit einem Fazit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. HISTORISCH-GENEALOGISCHE HERLEITUNG DER SALUTOGENESE

2.1 ANFÄNGE UND ETABLIERUNG DER STRESSFORSCHUNG

2.2 DER ‚PSYCHOBOOM‘ DER 1970ER JAHRE

2.3 VERBRECHEN GEGEN DIE GESUNDHEIT

3. AARON ANTONOVSKYS SALUTOGENESE

3.1 DAS SALUTOGENETISCHE MODELL

3.2 KYBERNETISCHE ASPEKTE

4. ZUSAMMENFÜHRUNG

4.1 EINORDNUNG UND AUSWIRKUNGEN DER SALUTOGENESE

4.2 AUSBLICK UND RESÜMEE

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die genealogische Herkunft und die wissenschaftshistorische Einbettung des salutogenetischen Modells von Aaron Antonovsky, wobei insbesondere der Kontext der Stressforschung, der ‚Psychoboom‘ der 1970er Jahre sowie die Aufarbeitung von Holocaust-Traumata fokussiert werden, um ein Verständnis für die Entstehung dieses gesundheitsorientierten Konzepts zu entwickeln.

  • Historische Entwicklung der Stressforschung im 20. Jahrhundert
  • Einfluss des ‚Psychobooms‘ der 1970er Jahre auf die Psychotherapie
  • Bedeutung der Holocaust-Aufarbeitung als Impulsgeber für Antonovskys Modell
  • Die kybernetische Systematik und Visualisierung der Salutogenese
  • Neoliberale Vereinnahmung und gesundheitspolitische Implikationen

Auszug aus dem Buch

3.1 Das salutogenetische Modell

Aaron Antonovsky, 1923 in Brooklyn (USA) geboren, schloss nach dem Militärdienst im Zweiten Weltkrieg sein Soziologiestudium mit PhD ab. Nach seiner Auswanderung nach Israel im Jahr 1960 hatte er eine Stelle am Institut für Angewandte Sozialforschung in Jerusalem inne, als eher zufällig wird seine Hinwendung zur Medizinsoziologie beschrieben, worin er fortan auch unterrichtete.54 1970 untersuchte er die Adaption zwischen 1914 und 1923 geborener Frauen verschiedener ethnischer Gruppen an die Wechseljahre, unter den mittels eines Fragebogens Erfassten fanden sich auch 77 Überlebende des Konzentrationslagers, von denen wiederum 29 Prozent bei recht guter emotionaler Gesundheit waren.55

Diese „dramatische Erfahrung“56 unterschiedlicher Verarbeitungsformen des psychischen Stresses war keineswegs neu: „Auch starker Stress kann störungslos verarbeitet werden, während scheinbar minimale Reize dekompensierend wirken können, wenn sie auf empfindliche Zonen in der Persönlichkeitsstruktur treffen.“57 Auch bei Kindern hatte sich diese Beobachtung bereits bestätigt: „Doch gibt es hier mitunter merkwürdige Unterschiede, die nur durch Verschiedenheiten der individuellen Anlage oder lebensgeschichtlichen Vorprägung zu erklären sind.“58 Dennoch oder gerade deshalb veranlassten die gewonnenen Erkenntnisse Antonovsky dazu, in seinem Werk Health, Stress and Coping (1979) das integraltheoretische salutogenetische Modell zu entwickeln.59 Der Begriffs-Neologismus aus lat. salus (‚Unverletztheit‘, ‚Glück‘) und griech. genesis (‚Entstehung‘) gibt dabei die massenattraktive gesundheitsdidaktische Richtung vor:60 Während die Pathogenese durch medizinische Maßnahmen präventiv oder kurativ auf die Erhaltung oder Wiederherstellung eines Gesundheitszustandes ausgerichtet ist, fragt die Salutogenese nach den Ursprüngen der Gesundheit und stellt der Dichotomie zwischen Gesundheit (Naturzustand) und Krankheit (zu vermeiden), dem Entweder-oder, ein zweipoliges Kontinuum entgegen, auf dem sich alle Menschen dem einen oder anderen Pol (disease/ (health-)ease) annähern können.61

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung stellt Aaron Antonovskys Modell der Salutogenese als Gegenentwurf zur klassischen Pathogenese vor und skizziert die wissenschaftshistorische Einordnung sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.

2. HISTORISCH-GENEALOGISCHE HERLEITUNG DER SALUTOGENESE: Dieses Kapitel verortet das Stresskonzept in der Tradition des 20. Jahrhunderts und beleuchtet den Einfluss des neoliberalen ‚Psychobooms‘ der 1970er Jahre sowie die biografisch geprägte Auseinandersetzung mit traumatischen Erfahrungen von Überlebenden.

3. AARON ANTONOVSKYS SALUTOGENESE: Hier werden die Kernkomponenten des Modells – Stressoren, Widerstandsressourcen (GRR) und das Kohärenzgefühl (SoC) – detailliert analysiert und auf ihre kybernetischen Aspekte hin untersucht.

4. ZUSAMMENFÜHRUNG: Die Zusammenführung synthetisiert die Ergebnisse, hinterfragt die gesundheitspolitische Instrumentalisierung der Salutogenese und diskutiert ihren Stellenwert im Kontext gegenwärtiger Entwicklungen.

Schlüsselwörter

Salutogenese, Aaron Antonovsky, Stressforschung, Kohärenzgefühl, Sense of Coherence, Psychoboom, Pathogenese, Gesundheitsförderung, Kybernetik, Holocaust-Aufarbeitung, Widerstandsressourcen, Lebensgeschichte, Resilienz, Neoliberalismus, Modellkritik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entstehungsgeschichte und die theoretischen Fundamente des salutogenetischen Modells, indem sie es in den historischen Kontext der Stressforschung und gesellschaftlicher Strömungen des 20. Jahrhunderts einbettet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Entwicklung des Stressbegriffs, der Einfluss des ‚Psychobooms‘ der 1970er Jahre sowie die medizinsoziologische Perspektive auf die Entstehung von Gesundheit im Kontext traumatischer Lebenserfahrungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Hauptziel ist es, die Salutogenese nicht als isoliertes, revolutionäres Phänomen zu betrachten, sondern ihre genealogische Herleitung, insbesondere im Spiegel der Holocaust-Aufarbeitung und der zeitgenössischen Wissenschaftsentwicklungen, nachzuzeichnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verfolgt einen wissenschaftshistorischen und soziologischen Ansatz, der das Modell einer diskursanalytischen und kontextuellen Revision unterzieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische Etablierung des Stresskonzepts, die Entwicklung von Antonovskys Modell – einschließlich seiner drei Säulen – sowie die systemische Verknüpfung des Modells mit kybernetischen Grundverständnissen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Salutogenese, Stressforschung, Kohärenzgefühl, systemische Transformation, Neoliberalismus und wissenschaftshistorische Genese maßgeblich geprägt.

Warum bezieht sich der Autor explizit auf die Holocaust-Aufarbeitung?

Die Auseinandersetzung mit der Traumaverarbeitung von Überlebenden und der israelischen Psychiatrie diente als entscheidende Inspiration für Antonovskys konzeptionelle Arbeit und sein Interesse an den Ursprüngen von Gesundheit.

Wie kritisch bewertet der Autor die Visualisierung des Modells?

Der Autor kritisiert das schaltplanartige Modell als zu mechanistisch („kybernetisch“), da es den Kern der Theorie teilweise überlagere und in ein neoliberales Verständnis von Selbstoptimierung integrierbar mache.

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Details

Title
Genealogische Aspekte der Salutogenese. Förderung und Forderung des Selbst
College
University of Heidelberg  (Institut für Geschichte und Ethik der Medizin)
Grade
1,7
Author
Björn Grimm (Author)
Publication Year
2021
Pages
31
Catalog Number
V1348143
ISBN (PDF)
9783346859518
ISBN (Book)
9783346859525
Language
German
Tags
Salutogenese Aaron Antonovsky Gesundheit Global Health Medizingeschichte Salutogenesis Resilienz Kybernetik Psychoboom
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Björn Grimm (Author), 2021, Genealogische Aspekte der Salutogenese. Förderung und Forderung des Selbst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1348143
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