In der vorliegenden Arbeit, in deren Mittelpunkt die Krise im Automobilhandel steht, soll zum einen dargestellt werden, welchen Einfluss die Finanzkrise und die allgemeine Wirtschaftskrise auf die problematische Situation der Autohäuser haben, inwieweit also konjunkturelle Ursachen der Krise auszumachen sind, zum anderen soll untersucht werden, ob nicht auch strukturelle Gründe ganz wesentlich zu der Krise im deutschen Automobilhandel beigetragen haben.
Nach einem Überblick über die Entwicklung von der Finanzkrise zur Wirtschaftskrise mit dem Fokus auf die nationale und internationale Automobilwirtschaft, sollen zunächst die Auswirkungen auf die Automobilindustrie dargestellt werden. Wegen der engen wirtschaftlichen Verflechtungen von Herstellern und Handel ist eine Betrachtung der Entwicklung und der derzeitigen Situation der Automobilindustrie geboten.
Bei der anschließenden Analyse der Ursachen der Krise im Automobilhandel sollen vor allem die Entwicklungen im Neuwagenverkauf als Kerngeschäft der Autohäuser im Zentrum der Betrachtungen liegen. Auf den Gebrauchtwagenhandel und das Werkstattgeschäft soll dabei nur am Rande eingegangen werden. In erster Linie wird versucht, konjunkturelle und strukturelle Gesichtspunkte an Beispielen aus dem fabrikatsgebundenen Autohandel in der Bundesrepublik Deutschland darzustellen.
Die im Konjunkturpaket II festgelegte und bis zum Ende des Jahres fortgeschriebene Umweltprämie mit ihren direkten Auswirkungen auf den Automobilhandel, das veränderte Verbraucherhalten und das Spannungsfeld zwischen Automobilindustrie und Handel werden dabei im Mittelpunkt der Arbeit stehen.
Aufgrund der Aktualität des Themas wurden in erster Linie zeitnahe Publikationen der Verbände, Fachzeitschriften, Pressemitteilungen und Daten der mit der Untersuchung des Automobilmarkts befassten öffentlichen Institutionen zur Informationsbeschaffung verwendet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Vom Finanzcrash zur Wirtschaftskrise
3 Konjunkturelle Ursachen der Automobilkrise
3.1 Auswirkungen auf die Automobilindustrie
3.2 Auswirkungen auf den Automobilhandel
3.2.1 Das Autojahr 2008
3.2.2 Das Autojahr 2009
3.2.2.1 Die Umweltprämie - Chancen und Risiken
3.2.2.2 Finanzierung und Liquidität
3.2.2.3 Leasing- und Flottengeschäft
4 Strukturelle Ursachen der Automobilkrise
4.1 Verändertes Käuferverhalten
4.1.1 Mobilitätskosten
4.1.2 Segmentverschiebung - „Downsizing“
4.1.3 Neues Umweltbewusstsein
4.2 Spannungsfeld Hersteller und Handel
4.2.1 Produktions- und Preispolitik der Hersteller
4.2.2 Problematik der Leasingrückläufer
4.2.3 Investitionen im Automobilhandel
4.2.4 Neue Geschäftsmodelle
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die krisenhafte Situation im deutschen Automobilhandel unter dem Einfluss der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Das primäre Ziel ist es, sowohl konjunkturelle Ursachen als auch zugrundeliegende strukturelle Probleme zu analysieren, die das Überleben der Autohäuser in einem sich verändernden Marktumfeld bedrohen.
- Analyse der konjunkturellen Auswirkungen der Finanzkrise auf den Automobilmarkt.
- Untersuchung des strukturellen Wandels und des veränderten Käuferverhaltens ("Downsizing").
- Bewertung staatlicher Stützungsmaßnahmen wie der Umweltprämie und deren Folgen.
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen Automobilherstellern und dem markengebundenen Handel.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
„General Motors steht vor der Insolvenz“, „Toyota schreibt für das Geschäftsjahr 2008 erstmalig Verluste“, „Daimler beantragt Kurzarbeit“, „Gewinneinbruch bei BMW“, „Autozulieferern droht das Aus“, „Die 15 deutschen Autohäuser der Kroymans-Gruppe melden Insolvenz an“, „Deutschlands ältester BMW-Händler ist pleite.“ Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht so oder ähnlich lautendende Meldungen in den Nachrichten verbreitet werden. Die Finanzkrise ist, so der Tenor der Meldungen, in der so genannten „realen“ Wirtschaft angekommen, die Automobilwirtschaft steckt weltweit in ihrer größten Krise. Viele Experten sehen in der augenblicklichen Lage der Autobranche nicht eine sondern drei Krisen, eine Liquiditätskrise, eine Absatzkrise und eine Innovationskrise. Das Besondere an der aktuellen Situation ist, dass alle drei (Teil-) Krisen zusammenfallen.
Die Automobilwirtschaft gilt nicht nur in Deutschland als Schlüsselindustrie. In der Bundesrepublik sind es rund 750.000 Beschäftigte allein bei den Automobilherstellern und Zulieferern und ca. 650.000 Arbeitsplätze im Autohandel und Service. Dazu kommen noch die vielen Stellen in Wirtschaftszweigen, die von der Automobilindustrie abhängen. Hier gehen die Berechnungen allerdings weit auseinander. Während der Verband der Automobilindustrie (VDA), und dieser Zahl schließen sich die verantwortlichen Politiker fast ausnahmslos an, von über 3,5 Millionen ausgeht und damit in Deutschland jeder siebte Arbeitsplatz direkt oder indirekt von der Automobilindustrie abhängt, sehen viele Fachleute in ihren Berechnungen die Abhängigkeit gerade mal halb so hoch.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die prekäre Lage der globalen Automobilwirtschaft und die Relevanz der Branche als Schlüsselindustrie für Deutschland.
2 Vom Finanzcrash zur Wirtschaftskrise: Analysiert den chronologischen Verlauf der Finanzmarktkrise und deren Übergreifen auf die reale Wirtschaft.
3 Konjunkturelle Ursachen der Automobilkrise: Untersucht die unmittelbaren negativen Einflüsse auf Hersteller und Händler sowie die Auswirkungen staatlicher Konjunkturprogramme wie der Umweltprämie.
4 Strukturelle Ursachen der Automobilkrise: Beleuchtet langfristige Veränderungen wie das "Downsizing" und die Spannungen zwischen Herstellerinteressen und der Rentabilität des Handels.
5 Schlussbetrachtung: Führt die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit neuer Geschäftsmodelle für eine nachhaltige Zukunft des Automobilhandels.
Schlüsselwörter
Automobilhandel, Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Umweltprämie, Strukturwandel, Kaufverhalten, Downsizing, Leasingrückläufer, Automobilindustrie, Rezession, Absatzkrise, Liquidität, Hersteller, Markengebundener Handel, Konsolidierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die kritische Lage des deutschen Automobilhandels, die durch das Zusammenwirken der Finanzkrise, konjunktureller Abschwünge und struktureller Veränderungen in der Branche ausgelöst wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf dem veränderten Konsumentenverhalten, der Rolle der Umweltprämie, der Finanzierungssituation der Händler sowie der angespannten Beziehung zwischen Herstellern und dem Handel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die aktuelle Krise nicht nur konjunkturell bedingt ist, sondern durch tieferliegende strukturelle Probleme verschärft wurde, die neue Geschäftsmodelle erforderlich machen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literatur- und Datenanalyse zeitnaher Quellen wie Verbänden, Fachzeitschriften, Pressemitteilungen und Berichten öffentlicher Institutionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung konjunktureller Ursachen (z.B. Auswirkungen auf Zulieferer und Händler) sowie struktureller Faktoren (z.B. Mobilitätskosten, Segmentverschiebung und Investitionsdruck auf Autohäuser).
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Automobilkrise, Strukturwandel, Umweltprämie, Absatzfinanzierung, Leasingrisiko und der sogenannte "Dacia-Effekt".
Warum stellt das Leasinggeschäft ein so großes Risiko dar?
Viele Händler tragen das Restwertrisiko der Leasingrückläufer. Aufgrund gesunkener Gebrauchtwagenpreise müssen sie diese Fahrzeuge unter ihrem tatsächlichen Wert annehmen, was ihre Liquidität massiv belastet.
Wie bewerten die Experten den Effekt der Umweltprämie?
Die Bewertung ist ambivalent: Während sie kurzfristig die Nachfrage belebt hat, wird sie von vielen Experten als bloßer Mitnahmeeffekt oder kurzfristiges Instrument kritisiert, das keine langfristigen strukturellen Probleme löst.
- Arbeit zitieren
- Ramin Tomschi (Autor:in), 2009, Der Automobilhandel in der Krise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134831