[...] Allein im letzten Jahrzehnt wurde das Leben von Ray Charles, The Temptations, Jimmy Hendrix, Johnny Cash, Ian Curtis, Bob Dylan, The Notorious B.I.G., Eminem und Edith Piaf filmisch aufgearbeitet – um nur die bekanntesten Produktionen zu nennen. Wie hat sich dieser Trend entwickelt? Was macht die „Schaulust gegenüber dem unbekannten Bekannten“ aus? Und welchem Genre sind diese Filme zuzuordnen? Die folgende Arbeit widmet sich exemplarisch den Verfilmungen des Lebens und Schaffens von Bob Dylan (I’m not there), Ian Curtis (Control) und The Notorious B.I.G. (Notorious). Bei allen drei Filmen handelt es sich um aktuelle Produktionen, die innerhalb der letzten zwei Jahre erschienen sind. I’m not there und Control im Jahr 2007, Notorious zu Beginn diesen Jahres.
Der Fokus der folgenden Arbeit liegt dabei auf der Verwendung und Funktion von Musik in den Filmen. Gezielt wurden dazu Produktionen ausgesucht, die sich mit Künstlern unterschiedlicher Musikstile beschäftigen. „Joy Division“ kann als eine der Vorreiterbands der englischen Post-Punk-Bewegung in den 80er Jahren gesehen werden. Bob Dylan ist musikalisch kaum einzuordnen. Von Folk über elektrische Gitarrenmusik bis hin zum Gospel bewegt sich das musikalische Repertoire Dylans’. Mit Notorious wurde ein Film ausgewählt, der sich mit dem US-amerikanischen Gangsterrapper The Notorious B.I.G. beschäftigt. Damit ist die musikalische Ausrichtung der im Folgenden behandelten Filme, innerhalb des zeitgenössischen popkulturellen Milieus, breit gefächert.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GENREEINORDNUNG UND ENTWICKLUNG
3. VERWENDUNG UND FUNKTION DER MUSIK
3.1 Inhaltliche Übersicht und Einordnung der Filme
3.1.1 Control
3.1.2 I’m not there
3.1.3 Notorious
3.2 Verwendung und Funktion der Musik
3.2.1 Inspired by the music and many lives of Bob Dylan
3.2.3. Closer
3.2.3 Life after Death
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Verwendung und narrative Funktion von Musik in zeitgenössischen Musik-Biopics. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse, wie Musik nicht nur als akustisches Stilmittel fungiert, sondern als zentrales narratives Element, das den künstlerischen Prozess sowie die Identitätskonstruktion und den sozialen Subtext der dargestellten Persönlichkeiten filmisch visualisiert.
- Filmische Umsetzung von Musikerbiografien im Genre Biopic
- Wechselspiel von synchroner und asynchroner Musiknutzung
- Musik als Ausdruck gesellschaftlicher und politischer Subtexte
- Vergleich der Identitätskonstruktion durch Musik
- Die Rolle des "Biopic-Musicals" als Spiegel popkultureller Entwicklungen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Control
"The extraordinary achievement of Control is that it works simultaneously as a musical biopic and the story of a life."20
Control erzählt das kurze Leben von Ian Curtis (1956-1980), dem Sänger der britischen Post-Punk-Band „Joy Division“. Die Emotionen seiner Lieder machten Curtis zur Kultfigur und seine Musik zu Hymnen von Angst und Traurigkeit. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere erhängte sich der erst 23-jährige. Er zerbrach am Druck des Ruhms, der Epilepsie und dem Chaos privater Bindungen. Der Regisseur Anton Corbijn erzählt die Lebens- und Leidensgeschichte des Sängers von dessen Jugendtagen in Macclesfield, England bis zu seinem Selbstmord im Mai 1980 - einen Tag bevor „Joy Division“ ihre erste Tour durch die Vereinigten Staaten antreten sollten. Der Film wechselt zwischen der Darstellung von Curtis als musikalisches Phänomen und Privatperson. Geprägt von der Epilepsie, der frühen Ehe mit seiner Frau Deborah (Samantha Morton) und der Geburt seiner Tochter stürzt Curtis in ein Gefühlschaos, als er die belgische Reporterin Annik (Alexandra Maria Lara) kennenlernt und eine Affaire mit ihr beginnt. Chronologisch werden der musikalische Aufstieg, der private Niedergang und der Tod des Sängers erzählt. Der Inhalt basiert auf der literarischen Biografie „Touching From a Distance“ von Deborah Curtis, der Witwe des Sängers.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Symbiose von Popmusik und Kino anhand aktueller Musik-Biopics und Definition des Untersuchungsfokus.
2. GENREEINORDNUNG UND ENTWICKLUNG: Analyse des Genres Biopic und der Rolle der Musik als künstlerisches und narratives Mittel im Vergleich zum Musical.
3. VERWENDUNG UND FUNKTION DER MUSIK: Detaillierte Untersuchung der musikalischen Dramaturgie in den Filmen "Control", "I’m not there" und "Notorious".
4. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der unterschiedlichen filmischen Stile und der Bedeutung von Musik für die Authentizität und Charakterstudie in Musik-Biopics.
Schlüsselwörter
Biopic, Musikfilm, Joy Division, Bob Dylan, The Notorious B.I.G., Identitätsfindung, Post-Punk, HipHop, Erzählkino, Narration, Sounddesign, Popkultur, Filmbiografie, Musikgeschichte, Regieästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion und den Einsatz von Musik in drei aktuellen Musik-Biopics: "Control", "I’m not there" und "Notorious".
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Einordnung der Filme in das Genre Biopic, die Bedeutung der Musik für die Narration und die visuelle Darstellung von Künstlerpersönlichkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Musik in Biopics als zentrales Gestaltungselement genutzt wird, um Lebensgeschichten und den Identitätswandel von Musikern authentisch und interpretativ zu erzählen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse, die den direkten Bezug zwischen Bildästhetik, Musikeinsatz und den filmbiografischen Narrativen herstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der inhaltlichen Einordnung der Filme und untersucht detailliert die Verwendung der Musik – sowohl synchron als auch asynchron – zur Charakterisierung der Protagonisten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Biopic, Musikfilm, Identitätsfindung, Popkultur, Narration und Regieästhetik sind die prägenden Begriffe der Untersuchung.
Wie unterscheidet sich der Umgang mit der Identität Dylans in "I’m not there"?
Regisseur Todd Haynes vermeidet eine klassische Erzählweise und lässt Dylan von sechs verschiedenen Schauspielern verkörpern, um der Unfassbarkeit und den Metamorphosen seiner Persönlichkeit gerecht zu werden.
Warum wird "Control" in Schwarz-Weiß gedreht?
Die Schwarz-Weiß-Ästhetik soll an Fotografie erinnern, Archivmaterial assoziieren und die "distanzierte Melancholie" des Lebens von Ian Curtis unterstreichen.
Welche Funktion hat die Musik im Film "Notorious"?
Die Musik dient sowohl als biografischer Ankerpunkt als auch als Kommentar zur gewaltsamen HipHop-Szene der 90er Jahre und verdeutlicht die Ambivalenz zwischen privatem Erfolg und sozialem Umfeld.
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- Marlies Bayha (Author), 2009, Das exemplarische Leiden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134871