Die Präsenz von Politikern im Fernsehen steigt ungebrochen. Vor allem die gezielte Inszenierung und die Eigeninitiative von Politikern, auf der medialen Bühne vertreten zu sein, scheint in den letzten Jahren vermehrt an Bedeutung gewonnen zu haben und sich in einer Vielzahl der politischen Köpfe als mächtiges Wahlkampfinstrument und Fangnetz für Wählerstimmen etabliert zu haben. Noch im Juni diesen Jahres griff bspweise Hilary Clinton im Rahmen der US-Präsidentschaftskandidatur auf eine Sequenz der populären US-Fernsehserie The Sopranos zurück und drehte diese für einen Wahlwerbespott mit sich selbst in der Titelrolle eins zu eins nach.
Auch in Deutschland ist in den letzten Jahren mit der wachsenden Anzahl an Polit-Formaten, bei denen Politiker aller Parteien Schlange stehen und der Einführung von TV-Duellen zwischen den Kanzlerkandidaten der großen Parteien zu den vergangenen beiden Bundestagswahlen eine Symbiose aus zunehmender Personalisierung und Fokussierung auf das Medium Fernsehen bei der Wahlkampfführung zu beobachten. Diese Entwicklung der vermehrten, eigens initiierten Präsenz einzelner Politiker im Fernsehen gipfelte im Mai diesen Jahres in dem Aufruf des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, eine 2-jährige Talkshow-Pause und Fernsehabstinenz für Politiker zu verhängen. Auch wenn diese Verhaltensempfehlung nicht in vollem Maße ernst zu nehmen ist, bzw. ihren Bezugspunkt sicherlich nicht bei den TV-Duellen, sondern der Vielzahl politischer Talkshows findet, wird die vermeintliche, den Medien zugesprochene Macht bei der Mobilisierung von Wählerstimmen, wie sie in den Köpfen von Politikern und Politberatern vorzuherrschen scheint, deutlich. Noch gravierender stellt Christian König, Gründer der ersten und heute noch marktführenden Schweizer PR-Agentur Farner PR die Macht der Medien bei der Politikbestimmung dar: „Gebt mir eine Million und ich mache aus einem Kartoffelsack den nächsten Bundesrat“.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DER SOZIALPSYCHOLOGISCHE ANSATZ ZUR ERKLÄRUNG VON WAHLVERHALTEN
2.1 Parteiidentifikation
2.2 Themen- und Kandidatenorientierung
2.3 Medieneinflüsse und veränderte Rahmenbedingungen
3. DIE TV-DUELLE IN DER DEUTSCHEN WAHLKAMPFFÜHRUNG
3.1 Schröder gegen Stoiber – Das TV-Duell 2002
3.1.1 Rahmenbedingungen
3.1.2 Wirkung und Wahrnehmung
3.2 Schröder gegen Merkel – Das TV-Duell 2005
3.2.1 Rahmenbedingungen
3.2.2 Wirkung und Wahrnehmung
4. FAZIT
5. QUELLEN
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der TV-Duelle zwischen Kanzlerkandidaten bei den Bundestagswahlen 2002 und 2005 auf das Wahlverhalten, basierend auf dem sozialpsychologischen Modell nach Brettschneider und Rettich.
- Analyse des sozialpsychologischen Erklärungsmodells für Wahlverhalten.
- Untersuchung der TV-Duelle als mediale Ereignisse und deren Wirkung.
- Evaluation des Einflusses auf die Wahlentscheidung, besonders bei Unentschiedenen.
- Diskussion über die Rolle der Kandidatenorientierung vs. Parteiidentifikation.
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Wirkung und Wahrnehmung
„Ich prognostiziere, es wird mehr Zuschauer geben als beim letzten Mal. [...] Vor allen Dingen [...] werden sie unter dem Aspekt laufen, dass die Menschen Angela Merkel kennen lernen. Denn die breite Öffentlichkeit weiß eigentlich noch recht wenig über sie.“69
Matthias Machnig, ehemaliger Wahlkampfleiter der SPD
Tatsächlich sahen das TV-Duell zwischen Merkel und Schröder etwa 5 Millionen mehr Zuschauer, als das zweite Duell zwischen Schröder und Stoiber in der vorangegangenen Wahl. Es stellte die meistgesehene Sendung im Jahr 2005 dar.70 Mit knapp 21 Millionen Zuschauern lässt sich kein Medienereignis im Wahlkampf benennen, das auch nur ansatzweise so viele Zuschauer binden konnte.71
Doch wie nahmen diese Zuschauer das Duell wahr? Und welchen Einfluss hatte es auf die letztendliche Wahlabsicht? 37 Prozent der Zuschauer gaben in einer Umfrage des ZDF nach der Ausstrahlung an, das Duell als hilfreich für ihren Entscheidungsfindungsprozess der Stimmabgabe empfunden zu haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die wachsende Bedeutung medialer Präsenz von Politikern und Formulierung der Forschungsfrage zum Einfluss der TV-Duelle auf das Wahlverhalten.
2. DER SOZIALPSYCHOLOGISCHE ANSATZ ZUR ERKLÄRUNG VON WAHLVERHALTEN: Darstellung des theoretischen Modells, basierend auf Parteiidentifikation sowie Themen- und Kandidatenorientierung, inklusive der Erweiterung um Medieneinflüsse.
3. DIE TV-DUELLE IN DER DEUTSCHEN WAHLKAMPFFÜHRUNG: Empirische Analyse der TV-Duelle 2002 (Schröder gegen Stoiber) und 2005 (Schröder gegen Merkel) hinsichtlich ihrer Rahmenbedingungen, Wahrnehmung und Wirkung auf die Wähler.
4. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung, dass TV-Duelle zwar eine Mobilisierungswirkung haben können, aber keine kausale, pauschale Wahlentscheidung erzwingen und stark von individuellen Faktoren abhängen.
5. QUELLEN: Auflistung der im Text verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
TV-Duell, Wahlverhalten, Parteiidentifikation, Kandidatenorientierung, Medieneinfluss, Agenda Setting, Bundestagswahl, Politische Kommunikation, Medienwirkung, Wahlkampf, Kanzlerkandidaten, Wählermobilisierung, Sozialpsychologie, Priming, Wahlentscheidung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und inwieweit die mediale Präsenz von Politikern in TV-Duellen bei den Bundestagswahlen 2002 und 2005 das tatsächliche Wahlverhalten der Wähler beeinflusst hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die sozialpsychologische Wahlforschung, die Bedeutung von TV-Duellen als Wahlkampfinstrument und die Wirkung von Massenmedien auf die politische Meinungsbildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, welchen Einfluss die direkte Gegenüberstellung von Spitzenkandidaten in TV-Duellen auf die Wählerschaft hatte und ob sich dies mit theoretischen Modellen zur Wahlentscheidung erklären lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch das sozialpsychologische Modell nach Campbell et al., erweitert um das integrierte Modell zu Medieneinflüssen nach Brettschneider und Rettich, sowie der Auswertung empirischer Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst das theoretische Modell erläutert, gefolgt von der detaillierten Analyse der Rahmenbedingungen, Wahrnehmung und Wirkung der TV-Duelle der Jahre 2002 und 2005.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind TV-Duell, Wahlverhalten, Parteiidentifikation, Medieneinfluss, Agenda Setting, Kanzlerkandidaten und politische Kommunikation.
Welchen Einfluss hatten die TV-Duelle 2002 auf den Wahlausgang?
Die Daten deuten darauf hin, dass die TV-Duelle 2002 besonders zur Mobilisierung parteinaher Wähler beigetragen haben und in einem sehr knappen Wahlausgang einen entscheidenden positiven Effekt für die SPD hatten.
Wie unterschied sich die Wirkung beim TV-Duell 2005?
Auch 2005 zeigte sich ein Mobilisierungspotenzial, insbesondere bei Unentschiedenen; obwohl Schröder als Sieger wahrgenommen wurde, konnte er den bestehenden Wahltrend nicht nachhaltig wenden.
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- Marlies Bayha (Author), 2007, Politikerpräsenz im Fernsehen , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134873