Meine angefertigte Arbeit bietet nur ein sehr beschränktes Spektrum auf die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas und deren Glaubensansichten. Trotz allem habe ich versucht einen kleinen Einblick zu geben, inwiefern die Angehörigen der religiösen Gruppierung in Konflikte und Konfliktsituationen geraten bzw. geraten können. Meine Informationen habe ich teilweise von der religiösen Vereinigung selbst (persönliche Telefonate mit aktiven Zeugen Jehovas, Broschüren wie „der Wachturm“ oder „Erwachet“ und die offizielle Homepage der Zeugen Jehovas), vom deutschen Ärzteblatt, aber auch von unparteiischen Quellen, wie zum Beispiel das Brockhaus der Religionen, neutrale Berichte über die Zeugen Jehovas im Internet und Bücher über die religiöse Gruppierung.
Manche von mir verwendeten Begriffe entstammen der medizinischen Fachsprache oder sind allgemein in der Vereinigung üblich, außerhalb dieser eventuell aber nicht so geläufig. Daher habe ich im Anhang eine Erläuterung zu einigen Begriffen angefertigt, so dass diese in aller Kürze nachgeschlagen werden können.
Inhaltsverzeichnis
VORWORT
1a) Ein kurzer Überblick über die Zeugen Jehovas – die Gründung
1b) Ein kurzer Überblick über die Zeugen Jehovas – Daten und Fakten
2a,b) Die Glaubensgrundsätze der Zeugen Jehovas
2c) Grundregeln der Zeugen Jehovas und deren gewöhnlicher Alltag
3a) Konflikte, die im Leben eines Zeugen Jehovas auftreten können – dem Druck standhalten
3b) Konflikte, die im Leben eines Zeugen Jehovas auftreten können – Isolation von der „Alten Welt“
3c) Konflikte, die im Leben eines Zeugen Jehovas auftreten können – Bildung und Beruf
4) Konfliktthema – Bluttransfusionen
4a) Die Sicht der Zeugen Jehovas
4b) Wenn Kinder eine Bluttransfusion benötigen
4c) Die behandelnden Ärzte und deren Reaktion
4d) Widerstand im Inneren
5) David Bromley – Lewis Coser – deren Definition von „Konflikten“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die religiöse Gruppierung der Zeugen Jehovas im Kontext von inneren und äußeren Konfliktsituationen. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der ethisch und medizinisch hochumstrittenen Ablehnung von Bluttransfusionen sowie den daraus resultierenden Spannungsfeldern zwischen individuellem Glauben, ärztlicher Verantwortung und staatlicher Rechtsordnung.
- Historische und inhaltliche Grundlagen der Zeugen Jehovas
- Psychischer Druck durch dogmatische Anforderungen und Isolation
- Die Blutfrage: Medizinische Risiken versus religiöser Gehorsam
- Konfliktsituationen im rechtlichen Rahmen, insbesondere bei Minderjährigen
- Anwendung soziologischer Konflikttheorien nach Bromley und Coser
Auszug aus dem Buch
[1] Der Fall – Simon Hartl
Im September 1993 erschütterte der Tod eines Babys die Öffentlichkeit in Österreich. Elf Tage nach seiner Geburt starb der kleine Simon Hartl in der Linzer Kinderklinik, weil seine Eltern, strenggläubige Zeugen Jehovas, die lebensrettende Bluttransfusion verweigert hatten. Der Säugling litt an einer Rhesus-Unverträglichkeit. Da die Eltern des Kindes eine notwendige Bluttransfusion konsequent ablehnten, waren die behandelten Ärzte dazu gezwungen eine Immunglobulin-Therapie als Behandlungsmethode durchzuführen.
Tatsächlich hatte diese Art der Therapie in der Linzer Kinderklinik zu diesem Zeitpunkt bereits zwölf Mal Erfolge gezeigt und galt daher auch als Alternativmethode. Im Falle des kleinen Simon endete diese Art der Therapie allerdings tödlich. Das kleine Kind erlitt einen Herzinfarkt infolge einer erheblichen Blutarmut und starb.
Dieser Fall zog in Österreich eine breite Diskussion über die ethische Verantwortung der Ärzte nach sich. Die Zeugen Jehovas wurden von zahlreichen Zeitungen auf den Titelseiten als fanatische Sekte angeprangert. Im Jahre 1994 kam der Fall dann vor Gericht. Im Januar 1995 fällten die österreichischen Richter ihr Urteil:
Der Leiter der Linzer Kinderklinik Leonhard H. und die behandelnde Ärztin Gabriele W. wurden schuldig gesprochen. Wegen fahrlässiger Tötung verurteilte man sie zu hohen Geldstrafen. Die Eltern dagegen entgingen einer strafrechtlichen Verfolgung. Dies wurde damit begründet, dass die Ärzte ihnen die Therapie mit Immunglobulin als gleichwertige Alternativmethode empfohlen hatten.
Zusammenfassung der Kapitel
VORWORT: Die Einleitung erläutert den begrenzten Fokus der Arbeit und nennt die verwendeten Informationsquellen wie Zeitschriften der Glaubensgemeinschaft und neutrale Fachliteratur.
1a) Ein kurzer Überblick über die Zeugen Jehovas – die Gründung: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung der Bewegung im Jahr 1870 durch Charles Taze Russell und deren Selbstverständnis als „älteste religiöse Gruppe“.
1b) Ein kurzer Überblick über die Zeugen Jehovas – Daten und Fakten: Es werden statistische Informationen zur weltweiten Mitgliederzahl und die geographische Verbreitung der Gemeinschaft dargelegt.
2a,b) Die Glaubensgrundsätze der Zeugen Jehovas: Hier werden die Kernpunkte der Lehre, wie die Ablehnung der Trinitätslehre und der Glaube an das baldige Harmagedon, beschrieben.
2c) Grundregeln der Zeugen Jehovas und deren gewöhnlicher Alltag: Die strengen Verhaltensregeln der Wachtturm-Organisation sowie der stark durch Predigtdienst und Zusammenkünfte geprägte Alltag der Mitglieder stehen im Mittelpunkt.
3a) Konflikte, die im Leben eines Zeugen Jehovas auftreten können – dem Druck standhalten: Das Kapitel thematisiert die psychische Belastung durch den ständigen Leistungsdruck, der auf den Gläubigen lastet.
3b) Konflikte, die im Leben eines Zeugen Jehovas auftreten können – Isolation von der „Alten Welt“: Die bewusste Abgrenzung von Nicht-Mitgliedern und die damit einhergehende soziale Isolation werden analysiert.
3c) Konflikte, die im Leben eines Zeugen Jehovas auftreten können – Bildung und Beruf: Es wird dargelegt, warum die Glaubensgemeinschaft eine höhere Schul- oder Hochschulbildung kritisch beurteilt.
4) Konfliktthema – Bluttransfusionen: Dieses Kapitel führt in den zentralen Konfliktpunkt der Bluttransfusions-Ablehnung ein.
4a) Die Sicht der Zeugen Jehovas: Die religiöse Rechtfertigung für den Verzicht auf Blut wird hier detailliert dargestellt.
4b) Wenn Kinder eine Bluttransfusion benötigen: Es wird die schwierige ethische und rechtliche Problematik bei medizinischen Notfällen von Kindern in der Gemeinschaft erläutert.
4c) Die behandelnden Ärzte und deren Reaktion: Die kritische Haltung der Medizin gegenüber der Transfusionsverweigerung wird beleuchtet.
4d) Widerstand im Inneren: Neue Strömungen innerhalb der Gemeinschaft, die eine Reform der Blutdoktrin fordern, werden vorgestellt.
5) David Bromley – Lewis Coser – deren Definition von „Konflikten“: Der Autor wendet soziologische Theorien auf die spezifische Situation der Zeugen Jehovas an.
Schlüsselwörter
Zeugen Jehovas, Wachtturm-Gesellschaft, Bluttransfusion, Harmagedon, Glaubensgrundsätze, Konfliktverhalten, Lewis Coser, religiöse Gemeinschaft, Patientenrechte, medizinische Ethik, soziale Isolation, Gewissensentscheidung, Predigtdienst, Sektendiskurs, Fundamentalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis der Zeugen Jehovas zur modernen Gesellschaft, insbesondere im Kontext von Konfliktsituationen, die durch Glaubensdogmen entstehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Lehre der Gemeinschaft, der Alltag der Mitglieder, die Bluttransfusionsproblematik und soziologische Konfliktanalysen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu schaffen, warum die Gemeinschaft bestimmte Konflikte mit Außenstehenden riskiert und wie sich dies aus soziologischer Sicht einordnen lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive Analyse, die durch den Rückgriff auf soziologische Theorien (vor allem Lewis Coser) und die Auswertung von Fallbeispielen ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Glaubensgrundsätze, die Analyse psychischer und sozialer Konflikte innerhalb der Gruppe sowie den detaillierten Konflikt um Bluttransfusionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Bluttransfusion, religiöser Gehorsam, soziale Abgrenzung, Wachtturm-Organisation und Konfliktsoziologie.
Warum lehnen die Zeugen Jehovas Bluttransfusionen so konsequent ab?
Die Gemeinschaft interpretiert biblische Gebote als absolutes Verbot der Aufnahme von Blut, da dieses als heilig und als Träger des Lebens gilt.
Wie reagieren Älteste der Gemeinschaft auf Mitglieder, die Bluttransfusionen annehmen?
Dies führt in der Regel zu einer sozialen Ächtung, bis hin zum Ausschluss aus der Gemeinschaft, da es als schwerer Verstoß gegen die Glaubensbasis betrachtet wird.
Gibt es innerhalb der Gemeinschaft mittlerweile Tendenzen, die Blutpolitik zu lockern?
Ja, durch Gruppierungen wie die AJWRB gibt es internen Widerstand, wenngleich die offizielle Lehre der Wachtturm-Gesellschaft weiterhin am Transfusionsverbot festhält.
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- Lydia Haltenberger (Author), 2005, Zeugen Jehovas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134885