Das Römische Reich zur Zeit der späten Republik

Res publica


Hausarbeit, 2008
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Fragestellung

2. Einleitung

3. Die römische Gesellschaft im 1. Jh. v. Chr

4. Parteiendiskussion
4.1 Optimates
4.2 Populares
4.3 Die großen Feldherren Roms

5. Zergliederung der aristokratischen Macht

6. Der Weg von der res publica zur res publica

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

1. Fragestellung

Bereits viele Autoren haben eine Darstellung der Geschichte vom Ende der res publica geschrieben, doch gelangt man bei ihnen in der Regel sehr schnell an Punkte, an denen sie die römische Geschichte auf eine andere Art und Weise interpretieren. „Die Militärdiktatur in Rom, deren Errichtung das Ende der auf Sklaverei beruhenden Römischen Republik besiegelte, setzte sich unter erbitterten Klassenkämpfen und in einer Atmosphäre kraß verschärfter sozialer Widersprüche durch.“[1] Eine andere Auffassung: „[Es] handelt sich nicht nur um einen politischen Konflikt, sondern um eine Revolutionierung des ganzen römischen Daseins.“[2] So lauten in Kürze zwei dieser Interpretationen der Geschehnisse in der späten Republik, wobei die meisten anderen Darstellungen in ihrem Wesen weniger radikal sind. Im Wesentlichen bestehen die Unterschiede in den Arbeiten über diese Zeit aus einer differenzierten Art, „Ereignisbausteine“ zusammenzufügen. Jeder Historiker interpretiert die verschiedenen Ereignisse des 1. Jh. v. Chr. anders, fügt sie zusammen und erhält so ein ganz eigenes Bild der Geschehnisse. In dieser hochinteressanten Zeit des Wandels eines erfolgreichen Staaten-Modells zu einem noch erfolgreicheren gleicht die Konstruktion von Geschichte einem Spiel mit Bauklötzen.

Das Ergebnis von 100 Jahren Bürgerkrieg bleibt jedoch genauso umstritten wie der genaue Verlauf: Wer gewinnt letztendlich das Römische Reich? Sind es die Populares oder die Optimates? Oder muss man den letzten der „großen Männer“ dieser Zeit – Kaiser Augustus – als den einzigen und endgültigen Sieger dieser Zeit betrachten? Was geschieht in dieser Zeit mit der res publica? Mit diesen Fragen wird sich diese Arbeit beschäftigen.

Zunächst wird die allgemeine Lage des Römischen Imperiums in der Zeit der späten Republik dargestellt. Hierbei werden einige Probleme aufgeworfen, die im Zusammenhang mit dem Beginn und mit dem Verlauf der Bürgerkriege wichtig waren, um diese danach eingehender zu betrachten. Im Schlussteil wird ein Resümee der Geschehnisse gezogen und eine abschließende Bewertung vorgenommen.

2. Einleitung

Die Zeit der späten Republik (133 – 31 v. Chr.)[3] stellte die bis zu diesem Zeitpunkt größte Herausforderung des Römischen Imperiums seit seiner Gründung dar. Noch nie zuvor schien der Bestand des Römischen Weltreiches in so großer Gefahr wie in dieser. Zunächst kam die Bedrohung nicht einmal von außerhalb. Der bis dahin letzte ernst zu nehmende Gegner ging mit der Stadt Karthago im 3. Punischen Krieg 146 v. Chr. endgültig unter.[4] Die Angriffe auf die Republik kamen dieses Mal aus den eigenen politischen Reihen. Immer mehr durch Roms Siege wohlhabend gewordene und aus der Nobilitas[5] abstammende ambitionierte Politiker strebten an die Macht. Die Ämterzahl blieb jedoch begrenzt, sodass es nur wenigen möglich war, die höchsten Ämter während ihrer Laufbahn zu bekleiden. Deshalb musste jede Möglichkeit, sich einen Vorteil vor seinen Konkurrenten zu sichern, genutzt werden. Kriege, die wenig Beute versprachen, wurden vor allem in Spanien geführt,[6] um als Anerkennung der Verdienste für das Römische Reich zumindest einen Triumphzug in Rom zu erhalten. Diese Strategie der Prestigevergrößerung stellte sich jedoch bald als ein wichtiger Faktor für die Krise der Römischen Republik heraus. Nicht nur die schlechten Aussichten auf reiche Beute, sondern besonders der Verschleiß der römischen Soldaten stellten den Führungsanspruch der Aristokratie in Frage. Viele Niederlagen der römischen Armee ließen sich auf den Egoismus und das Machtstreben der römischen Feldherren zurückführen. (137 v. Chr. Mancinus in Spanien, 110 v. Chr. Aulus Postumius in Afrika, 107 v. Chr. Lucius Cassius Longinus Süd-Frankreich[7] ). Der Führungsanspruch des Adels beruhte allerdings darauf, erfolgreich die Geschicke Roms zu lenken. Da die Oberschicht nicht die vom Volk erwarteten Aufgaben erfüllte, begann sich eine Polarisierung in der Gesellschaft zu vollziehen. Auf der einen Seite standen jene, die die Macht und den Status der alten Familien bewahren wollten, um so Rom in der Form zu erhalten wie es schon „immer war“ und auf der anderen Seite jene, die eine stärkere Berücksichtigung der Interessen des Volkes forderten. Besonders die Überbelastung der Bauern und die daraus folgende Verarmung weiter Teile dieser Gesellschaftsgruppe stellten sich als ein Problem dar, das dringend gelöst werden musste.[8] Durch diese gesellschaftlichen Konflikte wurden Männer an die Spitze des Römischen Reiches getragen, die unter normalen Umständen nur geringe Chancen gehabt hätten, diese Ämter zu erreichen. Doch erlangten einige von ihnen eine bis zu dieser Zeit ungeahnte Machtfülle[9], wobei es sich hierbei wohl um einen der wichtigsten Gründe für die später immer wiederkehrenden Bürgerkriege handeln dürfte.

3. Die römische Gesellschaft im 1. Jh. v. Chr.

Die antike Mittelmeerwelt befand sich im 1. Jh. v. Chr. in einer der größten Umstrukturierungsphasen die die Welt je gesehen hat. Millionen von Toten durch Krieg, Vertreibung und Hunger prägten dieses Jahrhundert, doch bildete der Krieg keinen wirklichen Einschnitt in der Geschichte des Römischen Reiches. Kriege gab es zuvor und danach noch viele weitere. Ein Unterschied bleibt jedoch: Römer kämpften gegen Römer in einem Ausmaß, wie es nie wieder geschah. Es scheint der Kampf der „Alten Republik“ mit dem beginnenden „Kaiserreich“ zu sein. Ein unabwendbarer Prozess, der bereits durch die Ermordung der Gracchen und das Scheitern ihrer Politik sichtbar wurde, jedoch nicht von ihnen ausgelöst worden war.[10] Die Ermordung der Gracchen ist lediglich ein wichtiges Indiz für die Veränderungen in der römischen Gesellschaft, die die Bereiche Politik, Militär und Verwaltung umfassten. Das Festhalten an den alten Traditionen der Vorfahren (mos maiorum[11] ) war ein bedeutendes Element des römischen Wesens, auch wenn dieses Festhalten lediglich in den Köpfen der Menschen existierte, da die Tradition in einem ständigen, unmerklichen Wandel begriffen war. Die „ewigen“ Traditionen des 2. Jh. v. Chr. waren andere als jene des 1. Jh. v. Chr. Doch blieb die Tradition eine wichtige Begründung für politische Entscheidungen bis in das Kaiserreich hinein.[12] Diese Tradition wird vom neu entstehenden Kaiserreich nur insofern in Frage gestellt, als dass sie ihr einen neuen Namen gab. Monarchie wurde in jener Zeit mit Diktatur und Unfreiheit gleichgesetzt und wurde aus diesen Gründen von der gesamten Bevölkerung abgelehnt. Die Diktatur war nur in Krisenzeiten möglich und wurde vom Volk auch nur in wenigen Ausnahmefällen geduldet. Sie sollte helfen, dem Führer des Heeres alle Unterstützung, die nötig war, einen Konflikt siegreich zu beenden, zukommen zu lassen. Jetzt sollte diese Ausnahme durch die Machtergreifung Einzelner zu einem Dauerzustand werden. Dies bedeutete, vor allem für viele hochrangige Aristokraten, nicht nur, eine Tyrannis zu akzeptieren, sondern einen empfindlichen Verlust an Mitspracherechten und damit einen Angriff auf ihre Machtposition. In der Zeit des 1. Jh. v. Chr. war politische Macht das, was in der römischen Gesellschaft wirklich von Bedeutung war. Geld spielte nur eine Rolle, wenn es um das Erringen von politischer Macht zum Einsatz kam.[13] Hier ist auch die Unzufriedenheit der Ritterschaft begründet, der es zwar erlaubt war, Reichtümer zu erwerben, jedoch keine Möglichkeit bekam, damit politische Mitsprache zu erreichen.[14] „…das Machtbewußtsein und der Machtanspruch des zweiten Standes [Ritter] mußte durch diese und andere Umstände immer höher steigen.“[15] Hier wird wieder das Festhalten an alter Tradition deutlich, das die gesellschaftliche Anpassung an neue Rahmenbedingungen behinderte. Jedoch benutzten gerade die Bewerber um politische Ämter die Erinnerungen an ihre berühmten, erfolgreichen Vorfahren. Die Erfolge der Familie in früherer Zeit waren ein wichtiges Argument beim Wahlkampf, denn in einer Zeit, in der militärische Erfolge aufgrund des Mangels an adäquaten Gegnern ausblieben, konnte die eigene militärische Leistungsfähigkeit als Beweis der Führungsqualitäten nicht präsentiert werden. Die horrenden finanziellen Mittel für den Wahlkampf um die Magistraturen wurden von der Familie aufgebracht. Während der Amtszeit mussten diese Gelder wieder verdient werden, damit der nächsten Generation genügend Geldmittel für ihre Bewerbung zur Verfügung stand. Auf diese Weise wurde Rom zu dem Ort, an dem Geld benötigt wurde und der Rest der bekannten Welt zu dem Ort, an dem man sich dieses Geld beschaffen konnte. Dieses System brach jedoch zusammen, als das Römische Imperium nur noch von schwachen Völkern umgeben war, bei denen sich ein Beutezug wenig lohnte.

[...]


[1] Vgl. Uttschenko, S. L.: Der weltanschaulich – politische Kampf in Rom am Vorabend des Sturzes der Republik, Berlin 1956, 2.

[2] Vogt, Joseph: Weltreich und Krise, Römische Republik II, Band 133, Freiburg im Breisgau 1962, 9.

[3] Vgl. Burckhardt: Politische Strategien der Optimaten in der späten römischen Republik, Heft 57, Stuttgart 1988, 7.

[4] Vgl. Linke: Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla, o. O. 2005, 7.

[5] Vgl. Burckhardt, 7.

[6] Vgl. Ebd. 31.

[7] Vgl. Linke, 71.

[8] Vgl. Burckhardt, 31f.

[9] Siehe dazu den Erfolg des Marius. Vgl. Linke, 69.

[10] Vgl. Meier, Christian: populares, in: Paulys Real Encyclopädie der classischen altertumswissenschaften, Neue Bearbeitung, Supplementband X, Accaus bis Uttiedius, Stuttgart 1965, 551.

[11] Siehe dazu: Linke, Bernhard (hrsg.); Stemmler, Michael (hrsg.): Mos maiorum, Untersuchungen zu den Formen der Identitätsstiftung und Stabilisierung in der römischen Republik, Stuttgart2000.

[12] Vgl. Strothmann, Meret: Augustus – Vater der res publica, Zur Funktion der drei Begriffe restitutio – saeculum – pater patriae im augusteischen Principat, Stuttgart 2000, 23ff.

[13] Vgl. Linke, 12.

[14] Vgl. Meier, 551.

[15] Schur, Werner: Das Zeitalter des Marius und Sulla, Leipzig 1942, 26.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Römische Reich zur Zeit der späten Republik
Untertitel
Res publica
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Europäische Geschichte)
Veranstaltung
Der Krieg gegen Jugurtha
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V134892
ISBN (eBook)
9783640431014
ISBN (Buch)
9783640431106
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Römische, Reich, Zeit, Republik
Arbeit zitieren
Christian Schultze (Autor), 2008, Das Römische Reich zur Zeit der späten Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134892

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