Die Bedeutung der peisistratidischen Tyrannis für die Entstehung der attischen Demokratie


Seminararbeit, 1999

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
1. Thema und Fragestellungen
2. Vorgehensweise
3. Quellenlage

II. Die Situation nach den Reformen Solons

III. Die Machtübernahme
1. Die Problematik der 3 Parteien
2. Die drei Versuche der Machtübernahme
3. Zwischenfazit

IV. Machterhalt
1. Politisches System
2. Die Beziehungen zum Adel
3. Wirtschaftliche Entwicklung
4. Kulturelle und religiöse Entwicklung
5. Außenpolitik

V. Machtverlust

VI. Das Problem der poltischen Emanzipation

VII. Fazit

VIII. Literaturverzeichnis
1. Quellen
2. Forschungsliteratur

I. Einleitung

1. Thema und Fragestellungen

"Der Tyrann entsteht aus dem Kampf des Volkes und der Menge gegen die Angesehenen, damit das Volk durch diese nicht weiter unterdrückt werde."[1]

Diese These aus der aristotelischen Schrift 'Politik' zeugt davon, daß schon in der Antike ein kausaler Zusammenhang zwischen der Tyrannis und dem Erstarken des 'demos' gezogen wurde. Für Athen und die Entwicklung der attischen Demokratie gewinnt demnach die Tyrannis der Peisistratiden eine besondere Bedeutung, da fast unmittelbar nach ihrem Ende die attische Gesellschaft durch die kleisthenische Reform umgewandelt wurde, die sowohl damals als auch heute oft als erste Etablierung des demokratischen Grundgedankens bewertet wird. Doch auf dieser pauschalen und rein chronologischen Verknüpfungsebene der Zusammenhänge sollte nicht verblieben werden. Es gilt also die aristotelische Behauptung zu hinterfragen, daß die Tyrannis als Ausdrucksform des Kampfes des Volkes gegen die Herrschenden zu betrachten ist. Im Hinblick auf die von mir zu untersuchende Phase heißt dies also zu ergründen, welche Elemente der peisistratidischen Tyrannis die Entwicklung der Demokratie beschleunigten, welche Elemente keinen Einfluß und welche Elemente eventuell sogar hemmende Eigenschaften besaßen. Es gilt also die Bedeutung herauszuarbeiten, die diese Tyrannis in der Kette der anderen Ereignisse, die schließlich zur Entstehung der Demokratie in Athen führten, einnimmt.

2. Vorgehensweise

Entsprechend den Anforderungen des Proseminars werde ich hierbei nicht den üblichen Weg der Auseinandersetzung mit dem Thema beschreiten, indem ich primär die Forschungsliteratur diskutiere, sondern ich werde mich dem Thema möglichst selbstständig über die Auswertung von Quellen nähern. Diese werden die entsprechenden Stellen bei Herodot, Thukydides und Aristoteles (vgl. Kap.1.3.) sein. Zur Abrundung der Thematik habe ich mich jedoch dazu entschlossen, mich an den Stellen der Analyse auf Forschungsliteratur zu beziehen, die eine Hinzuziehung von archäologischen Aspekten sowie eine Ausweitung der Quellenanalyse auf einen Rahmen außerhalb der peisistratidischen Herrschaft nötig machen.

Die Gliederung meiner Arbeit erfolgt nach chronologischen Aspekten, die jedoch einzeln systematisch behandelt werden. Ich beginne mit einem kurzen Abriß der nachsolonischen Phase und analysiere dann die Pase der Machtergreifung, die Phase des Machterhalts und die Phase des Machtverlustes der Tyrannis in Hinblick auf meine Arbeitszielsetzung, worauf ich mit einem gesonderten Kapitel über die politische Emanzipation der Bevölkerung und dem zusammenfassenden Schlußkapitel enden werde.

3. Quellenlage

Als wichtigste Komponente zum Verständnis der Quellensituation ist zu erwähnen, daß es zu der Zeit der Peisistratiden, also von ca. 560 bis 510 v.Chr., keine Geschichtsschreibung gegeben hat. Daraus ist zu schlußfolgern, daß die Überlieferung der Ereignisse fast ausschließlich mündlich geschehen sein muß. Erst um die Mitte des fünften Jahrhunderts begegnen uns bei Herodot die ersten ausführlichen Abhandlungen in der 'Historie' in Buch I 59-64, V 55-94 sowie VI 34-39. Weiterhin treffen wir bei Thukydides in seiner 'Geschichte des Peleponnesischen Krieges' auf einen Exkurs über dieses Thema, der sich jedoch nur mit den Söhnen des Peisistratos auseinandersetzt. Schließlich ist das aristotelische Werk 'Staat der Athener' zu erwähnen, der umfassend über die Zeit der Tyrannis berichtet, sich jedoch hauptsächlich auf Herodot stützt, so daß hier besonders die Abweichungen zu beachten sind.

Aufgrund die andersgearteten Geschichtskonzeption sowie der großen zeitlichen Distanz der antiken Autoren zu der peisistratisischen Herrschaft, ist ein besonders kritischer Umgang mit dem Quellenmaterial nötig.

II. Die Situation nach den Reformen Solons

Die Reformen Solons schienen kurzfristig keinen Erfolg zu zeigen, Er wollte Ende der neunziger Jahre des 6. vorchristlichen Jahrhunderts durch die Umgestaltung der athenischen Gesellschaft von einer Aristrokatie zu einer Timokratie und durch die Abschaffung der Schuldknechtschaft eine 'Eunomia' - eine 'gute gesetzliche Ordnung' - schaffen, um die brennenden sozialen Konflikte der Zeit zu beseitigen. So berichtet Herodot von "Parteikämpfen im Innern"[2] und Aristoteles spricht von Bürgerkrieg, indem während zweier Jahre sogar kein Archont eingesetzt wurde.[3]

"Danach, wieder im gleichen Zeitabstand (582/581), wurde Damasias zum Archonten gewählt; er blieb zwei Jahre und zwei Monate im Amt, bis er gewaltsam daraus entfernt wurde (580/579)."[4]

Hierbei scheint es sich um einen legal gewählten Archonten zu handeln, der seine Macht unrechtmäßiger Weise auszuweiten versuchte. Die Tatsache, daß es ihm gelang, über zwei Jahre im Amt zu bleiben ( normale Amtszeit ist ein Jahr), weist darauf hin, daß es sich um einen Adligen handelte, dem es gelang, noch einige andere auf seine Seite zu ziehen. Auch die gewaltsame Entfernung kann nur von Adligen durchgeführt worden sein, da ein Aufstand des 'demos' sicherlich Niederschlag in den Quellen gefunden hätte.

Es bleibt also festzuhalten, daß die Zeit kurz nach dem solonischen Archontat geprägt war von Bürgerkrieg und Anarchie, daß also ein Machtvakuum herrschte, das einzelne Adlige auszufüllen suchten. Einer von diesen wurde Peisistratos.

III. Die Machtübernahme

1. Die Problematik der 3 Parteien

"Es gab drei Parteiungen: als erste die Küstenbewohner (paralioi), die Megakles, der Sohn des Alkmeon, anführte, und die am ehesten als Verfechter einer mittleren Verfassung galten; als zweite die Bewohner der Ebene (pediakoi), die die Oligarchie anstrebten, ihr Führer war Lykurg; als dritte die Bewohner des Hügellandes (diakrioi), die Peisistratos folgten, der für den volksfreundlichsten gehalten wurde."[5]

Diese Schilderung des Aristoteles ist von der des Herodot in Umfang und Inhalt abweichend, denn Herodot zählt die Parteien nur auf und nennt die Namen der Anführer.[6] Da sich Aristoteles in seinem Werk häufig an Herodot anlehnt, und da Herodot den Ereignissen zeitlich auch viel näher stand, ist es besonders notwendig die aristotelische Auffassung kritisch zu betrachten. Zwei entscheidende Elemente wurden der Schilderung Herodots hinzugefügt: zum einen die lokale Situierung und zum anderen die Zielsetzungen der einzelnen Parteien. In beiden Fällen ist sich die Forschungsliteratur darüber einig, daß es sich um eine Präfigurierung künftiger Theorien oder Verhältnisse zu handeln scheint.[7] Die Zielsetzungen entsprechen idealtypischerweise, den Verfassungen des aristotelischen staatstheoretischen Schemas und die geographische Zuordnung läßt sich mit den Gegebenheiten der kleisthenischen Phylenreform in Verbindung setzten, bei der ebenfalls zwischen Stadt, Küste und Ebene unterschieden wurde.

Doch wie läßt sich dieser Aspekt der unterschiedlichen Gruppierungen bewerten? Nachdem die Unterschiede hinsichtlich der Zielsetzungen und der Herkunft der Anhängerschicht sehr fraglich sind, muß auch die 'Volksfreundlichkeit' des Peisistratos unter einem anderen Licht gesehen werden. Eher wahrscheinlich ist es, daß der soziale Querschnitt der Anhängerschaft ähnlich war, wobei es Peisistratos aber anscheinend gelungen ist, einen höheren Anteil des 'demos' hinter sich zu bringen (vgl. Kap. III.2.). Es scheint sich also um einen Konflikt rein aristokratischer Gruppen gehandelt zu haben, die alle das Ziel hatten, die Macht an sich zu reißen.

[...]


[1] Arist., Pol., 5 p. 1310b.

[2] Herod., 1, 59.

[3] Arist., AP, 13, 1.

[4] Arist., AP, 13, 2.

[5] Arist., AP, 13, 4.

[6] Herod., 1, 59.

[7] Vgl. Berve, H.: Die Tyrannis bei den Griechen, Erster Band, München 1967, S.46-47. Welwei, K.-W.: Die griechische Polis, Stuttgart 1983, S.164. Bleicken, J.: Die athenische Demokratie, Paderborn 1986, S.24.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der peisistratidischen Tyrannis für die Entstehung der attischen Demokratie
Hochschule
Universität Hamburg  (Geschichte)
Veranstaltung
"Die Entstehung der antiken Demokratie"
Note
1,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
13
Katalognummer
V134910
ISBN (eBook)
9783640455690
ISBN (Buch)
9783640456147
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
attische Demokratie, Griechenland, Demokratie, Antike, Tyrannis, Peisistratos
Arbeit zitieren
Stephan Bliemel (Autor), 1999, Die Bedeutung der peisistratidischen Tyrannis für die Entstehung der attischen Demokratie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134910

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