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Die Entwicklung des politischen Katholizismus in Deutschland bis 1871 im Spannungsfeld der ‚Nationalen Frage’

Titel: Die Entwicklung des politischen Katholizismus in Deutschland bis 1871  im Spannungsfeld der ‚Nationalen Frage’

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2003 , 23 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Stephan Bliemel (Autor:in)

Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
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Das 19. Jahrhundert gilt gemeinhin als Jahrhundert der Säkularisierung, als das Jahrhundert der gundstürzenden Modernisierung und wird deshalb oft prägnant zusammengefasst als das „Bürgerliche Jahrhundert“ bezeichnet. Die Religion gibt immer weniger Lebenssinn und stiftet weniger sozialen Zusammenhalt. Im Gegensatz dazu steht der Nationalismus, dessen ideologische Kraft entscheidend dazu beiträgt, in ganz Europa politische und gesell-schaftliche Konstellationen zu prägen und umzuformen. Häufig wird dabei der Nation eine ersatzreligiöse Funktion zugewiesen, die eine neue soziale Integration der desintegrierten, ‚modernen’ Menschen ermöglicht und somit die Religion als obersten innerweltlichen Wert ablöst.
Bleibt man bei der Betrachtung dieser Erkenntnisse stehen , erhält man jedoch nur ein sehr verkürztes Bild der Mentalitäts- und Ideengeschichte des 19. Jahrhunderts. Denn trotz der zunehmenden Säkularisierung muss man insbesondere im katholischen Raum auch von einer erneuten Rekonfessionalisierung sprechen, die den beginnenden Funktionsverlust der Kirche sogar überlagerte und zu einer neuen kirchlichen Religiosität und massenhafter Volksfrömmigkeit führte . In der Forschung wurde deshalb jüngst das 19.Jahrhundert sogar als „Zweites konfessionelles Zeitalter“ bezeichnet.
Nun wäre es möglich, diese Phänomene als letztes Aufbäumen der vormodernen Gesellschaft gegen die unvermeidliche Moderne zu bezeichnen, als Gegenreakion einer untergehenden Welt. Doch auch dies würde dem Geschehenen nicht gerecht werden, denn der Katholizismus war nicht nur antimodern, sondern auch ein Faktor der modernen, sozialen Mobilisierung. Konfrontiert mit der nationalen Bewegung entstand nämlich bald für die Katholiken ein Grunddilemma: Sie mussten die Universalität ihrer Glaubensgemeinschaft mit „der Idee singulärer Nationalität in Einklang bringen“ . Es zeigte sich hierbei, dass der Widerspruch zwischen Religion und Nation, der auch das Schlagwort von der ‚Nation als Ersatzreligion’ leitet, durchaus überwindbar war. Wie der politische Katholizismus vor der Reichsgründung mit diesem Spannungsfeld der ‚Nationalen Frage’ umgegangen ist und welche eigenen nationalen Möglichkeiten die Katholiken entwickelt haben, soll Thema der vorliegenden Arbeit sein. Hierbei soll auch auf die Bedeutung der Auseinandersetzungen um die ‚Nationale Frage’ für die organisatorische und strukturelle Konsolidierung des politischen Katholizismus in Bezug auf die spätere Parteibildung eingegangen werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

a) Thema und Fragestellungen

b) Forschungsstand

c) Vorgehensweise

II. Der deutsche Katholizismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

III. Politischer Katholizismus und „Nationale Frage“ – Strukturelle Elemente

a) Nationalitätsprinzip und Föderalismus

b) Preußen und die ‚kleindeutsche Lösung’

c) Österreich und die ‚großdeutsche’ Lösung

IV. Politischer Katholizismus und ‚Nationale Frage’ – Dynamische Elemente

a) Die Revolutionsjahre 1848/49

b) Reaktionszeit und ‚Neue Ära’ bis 1866

c) Vom Preußisch-Österreichischen Krieg bis zur Reichsgründung 1871

V. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Positionierung des politischen Katholizismus in Deutschland gegenüber der „Nationalen Frage“ im Zeitraum von 1848 bis zur Reichsgründung 1871. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie die katholische Bevölkerung trotz ihres universalistischen Glaubensverständnisses auf den aufkommenden Nationalismus reagierte und inwiefern diese Auseinandersetzungen die organisatorische Konsolidierung katholischer Parteien begünstigten.

  • Verhältnis zwischen religiösem Universalismus und nationalem Identitätsstreben
  • Strukturelle Auseinandersetzung mit der „kleindeutschen“ versus „großdeutschen“ Lösung
  • Die Rolle des Ultramontanismus und der katholischen Vereinsbewegung
  • Einfluss der Revolution 1848/49 und des preußisch-österreichischen Dualismus
  • Entstehung und Entwicklung katholischer Fraktionen bis zur Zentrumspartei

Auszug aus dem Buch

b) Preußen und die ‚kleindeutsche Lösung’

In erster Linie wussten die Katholiken Deutschlands was sie nicht wollten: Die sogenannte ‚kleindeutsche Lösung’, also die Einheit Deutschlands unter der preußischen Führung bei Auschluss Österreichs. Dies war ein entscheidendes negativ integrierendes Moment der katholischen Bewegung. Insbesondere gegen Preußen hegte man große Vorbehalte. Dabei ist die Verquickung des kleindeutschen-preußischen Weges mit dem Protestantismus besonders wirkungsmächtig geworden, denn der tiefe konfessionelle Spalt zwischen Katholiken und Protestanten in der Mitte des 19. Jahrhunderts innerhalb Deutschlands darf mentalitätsgeschichtlich nicht unterschätzt werden. Tatsächlich waren es insbesondere die liberal-protestantischen Anhänger der ‚kleindeutschen’ Nationalbewegung, für die die Verbindung von Germanentum und Protestantismus zur Selbstverständlichkeit wurde. Im Kern ging es um die ideologische Frage, wer der ‚wahre’ Deutsche sei. Für die ‚Kleindeutschen’ begann die national-deutsche Geschichte mit der Reformation und dem Haus Brandenburg.

Die konfessionellen Gegensätze waren allerdings nicht die einzigen Hemmnisse und dürfen auch nicht überschätzt werden. Es gab für die meisten Katholiken auch gewichtige politische Gründe, die sie gegen ein preußisch geführtes Kleindeutschland eintreten ließen. Auf der einen Seite war es die Enttäuschung über Preußen, das nicht an der Seite Österreichs in der Auseinandersetzung mit Frankreich und der italienischen Nationalbewegung stehen wollte und somit auch die Bedrohung des Kirchenstaates ignorierte. Auf der anderen Seite hatten die Katholiken die Befürchtung, in einem kleindeutschen Staat zur Minderheit zu werden. So war es insbesondere die Angst, in ihren kirchlichen Freiheiten beschnitten zu werden, die sie zu Gegnern der kleindeutschen Lösung werden ließ.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in die Thematik der Säkularisierung und des aufkommenden Nationalismus im 19. Jahrhundert sowie Darstellung der Forschungsfrage zur Positionierung der Katholiken.

II. Der deutsche Katholizismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Analyse der Auswirkungen der Säkularisation und der Entstehung des Ultramontanismus als religiöse Erneuerungsbewegung und politischer Mobilisierungsfaktor.

III. Politischer Katholizismus und „Nationale Frage“ – Strukturelle Elemente: Untersuchung der föderalistischen Grundhaltung der Katholiken und ihrer skeptischen Einstellung gegenüber preußischen und österreichischen Lösungsmodellen.

IV. Politischer Katholizismus und ‚Nationale Frage’ – Dynamische Elemente: Detaillierte Betrachtung der organisatorischen Entwicklungen, von der Revolution 1848 bis zur Gründung der Zentrumsfraktion 1870, im Kontext politischer Zäsuren.

V. Fazit: Zusammenfassende Bilanz der Untersuchung, die zeigt, dass die Auseinandersetzung mit der „Nationalen Frage“ maßgeblich zur Parteibildung des politischen Katholizismus beitrug.

Schlüsselwörter

Politischer Katholizismus, Nationale Frage, 19. Jahrhundert, Kleindeutsche Lösung, Großdeutsche Lösung, Ultramontanismus, Reichsgründung 1871, Föderalismus, Zentrumspartei, Konfessionalisierung, Revolution 1848, Kölner Kirchenstreit, Nationalismus, Preußen, Österreich.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und der politischen Strategie des deutschen Katholizismus im 19. Jahrhundert, speziell im Hinblick auf den nationalen Einigungsprozess und die sogenannte „Nationale Frage“.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen das Spannungsfeld zwischen religiösem Universalismus und nationaler Identität, die Vereins- und Parteigeschichte der Katholiken sowie die Ablehnung oder Akzeptanz verschiedener nationaler Staatsmodelle.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist zu analysieren, wie der politische Katholizismus auf den Druck der Nationalbewegung reagierte und welchen Einfluss diese Auseinandersetzungen auf die organisatorische Formierung katholischer politischer Kräfte, insbesondere der Zentrumspartei, hatten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Untersuchung verwendet?

Der Autor führt eine strukturierte historische Analyse durch, bei der Forschungsmeinungen zusammengetragen, gewichtet und anhand von zeitgenössischen Quellen (Programmschriften, Wahlprogramme, Reden) belegt werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der strukturellen Positionen (föderalistische Ausrichtung) und eine chronologische Analyse dynamischer Ereignisse von der Revolution 1848 über die Reaktionszeit bis zur Reichsgründung 1871.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Politischer Katholizismus“, „Ultramontanismus“, „Nationale Frage“, „Föderalismus“ und „Reichsgründung“ definiert.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Ultramontanismus?

Der Autor versteht den Ultramontanismus nicht nur als antimodernes, sondern als modernen, sozialen Mobilisierungsfaktor, der wesentlich zur Formierung einer katholischen Identität und Organisation beitrug.

Warum stand der politische Katholizismus der „kleindeutschen Lösung“ skeptisch gegenüber?

Die Skepsis rührte vor allem aus der Befürchtung, unter preußischer, protestantisch dominierter Führung die kirchlichen Freiheiten zu verlieren und zur religiösen Minderheit im neuen Staat zu werden.

Welche Bedeutung misst der Autor dem „Kulturkampf“ bei?

Der Autor weist darauf hin, dass der Streit um die „Nationale Frage“ vor der Reichsgründung zwar wichtig war, die eigentliche Konsolidierung der katholischen Partei aber erst durch den späteren „Kulturkampf“ und die Verteidigung der Kirchenrechte endgültig gefestigt wurde.

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Details

Titel
Die Entwicklung des politischen Katholizismus in Deutschland bis 1871 im Spannungsfeld der ‚Nationalen Frage’
Hochschule
Universität Hamburg  (Geschichte)
Veranstaltung
Entstehung von Parteien in Deutschland
Note
1,0
Autor
Stephan Bliemel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
23
Katalognummer
V134913
ISBN (eBook)
9783640455720
ISBN (Buch)
9783640456093
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Katholizismus politischer Katholizismus Parteiengeschichte Nation nationale Frage
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stephan Bliemel (Autor:in), 2003, Die Entwicklung des politischen Katholizismus in Deutschland bis 1871 im Spannungsfeld der ‚Nationalen Frage’, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134913
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Leseprobe aus  23  Seiten
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