Bewegung und Bewegungserfahrungen haben in keinem anderen Lebensabschnitt eine so zentrale Bedeutung wie im Kindesalter. Dabei spielt es keine Rolle ob ein Kind aufgrund eines individuellen Entwicklungsverlaufs einen besonderen Förderschwerpunkt hat oder nicht. Untersuchungen der neuen Kindheitsforschung weisen darauf hin, dass in der heutigen Kinderwelt ein Verlust an authentischen Erfahrungen und vielfältigen kindgerechten Bewegungserfahrungen zu verzeichnen ist. (vgl. Landau & Sobczyk 2001). Das Ziel der Arbeit ist es darzustellen, in welcher Form und mit welcher Berechtigung die Psychomotorik, insbesondere in der Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, diesem entgegenwirken kann. Die Schule als Lebens- und Erfahrungsraum muss zur ganzheitlichen Bildung der Kinder beitragen. Diese werden als sich-bewegende Menschen betrachtet und die Bedeutung der Bewegung für eine kindgerechte Persönlichkeitsentwicklung steht dabei im Vordergrund. In der vorliegenden Arbeit werden zunächst Aspekte der Motologie und Psychomotorik vorgestellt bevor das Phänomen geistige Behinderung Gegenstand der Betrachtung ist. Im dritten Kapitel erfolgt ein kurzer Überblick über die Institution Sonderschule. Dabei geht es hauptsächlich um eine exemplarische Darstellung der Schule für Praktisch Bildbare in Hessen. Kapitel vier befasst sich mit Entwicklungsbesonderheiten von Kindern mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Im Anschluss daran spielt die Bedeutung der Bewegung für die in Kapitel vier aufgeführten individuellen Voraussetzungen der Kinder eine zentrale Rolle. In Kapitel sechs erfolgt eine Auseinandersetzung mit konzeptionellen Überlegungen über psychomotorische Arbeit an der Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. In der Umsetzung psychomotorischer Themen in der Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung werden sowohl mehrere Möglichkeiten als auch einige Grenzen aufgezeigt. Die theoretische Bearbeitung des Themas basiert nicht auf praktischen Erfahrungen in diesem besonderen Arbeitsfeld und wird deshalb als "konzeptionelle Überlegungen" bezeichnet und betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Terminologie
2.1 Motologie
2.2 Psychomotorik
2.3 Exkurs: Handlung und Handlungskompetenz
2.4 Geistige Behinderung
2.4.1 Versuch einer definitorischen Bestimmung
2.4.2 Geistige Behinderung aus pädagogisch-psychologischer Perspektive
3 Analyse der Institution Sonderschule
3.1 Konzipierung der Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
3.2 Schule für Praktisch Bildbare
3.2.1 Richtlinien für den Unterricht in der Schule für Praktisch Bildbare
3.2.2 Pädagogische Grundsätze
3.3 Empfehlungen zur schulischen Förderung von Kindern mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
4 Entwicklungsbesonderheiten von Kindern mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
4.1 Besonderheiten in der kognitiven Entwicklung
4.2 Besonderheiten in der sprachlichen Entwicklung
4.3 Besonderheiten in der motorischen Entwicklung
4.4 Besonderheiten in der sozialen und emotionalen Entwicklung
5 Bedeutung der Bewegung für die Persönlichkeitsentwicklung
5.1 Die Wirkung von Bewegung auf ausgewählte Entwicklungsbereiche
5.1.1 Bewegung und motorische Entwicklung
5.1.2 Bewegung und kognitive Entwicklung
5.1.3 Bewegung und sprachliche Entwicklung
5.1.4 Bewegung und soziale Entwicklung
5.2 Der Einfluss von Bewegung auf das Lernen
5.3 Bedeutung der Bewegung für Kinder mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
6 Die Rolle der Psychomotorik in der Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
6.1 Der Lehrplan an der Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung aus Sicht der Psychomotorik
6.1.1 Grundlagen und Leitlinien des Lehrplans
6.1.2 Lernbereiche an der Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung aus dem Blickwinkel psychomotorischer Ansätze und Positionen
6.1.2.1 Lernbereich Wahrnehmung und Bewegung
6.1.2.2 Lernbereich Bewegung und Sport
6.1.2.3 Lernbereich Persönlichkeit und soziale Beziehungen
6.1.2.4 Lernbereich Denken und Lernen
6.1.2.5 Lernbereich Kommunikation und Sprache
6.1.2.6 Weitere Lernbereiche
6.2 Prinzipien und Selbstverständnis psychomotorischer Arbeit
6.3 Psychomotorik als Unterrichtsprinzip
6.4 Möglichkeiten der Umsetzung psychomotorischer Unterrichtsinhalte
6.4.1 Bewegter Unterricht
6.4.2 Bewegtes Sitzen
6.4.3 Bewegte Pause
6.4.4 Sportunterricht
6.4.5 Bewegtes Schulleben
6.5 Grenzen psychomotorischer Arbeit an der Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
7 Schlusswort
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das primäre Ziel dieser Masterarbeit besteht darin, die Bedeutung und Berechtigung der Psychomotorik als pädagogisches Konzept in der Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung konzeptionell darzustellen. Die Arbeit untersucht, wie psychomotorische Ansätze zur ganzheitlichen Förderung und Persönlichkeitsentwicklung dieser Kinder beitragen können, um bestehenden Entwicklungsdefiziten aktiv entgegenzuwirken und den schulischen Lebensraum sinnvoll zu gestalten.
- Grundlagen der Motologie und Psychomotorik in Bezug auf die Arbeit mit entwicklungsbeeinträchtigten Kindern.
- Analyse der institutionellen Rahmenbedingungen der Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.
- Darstellung der spezifischen Entwicklungsbesonderheiten und Lernbedürfnisse der Zielgruppe.
- Verbindung zwischen psychomotorischen Förderzielen und den Inhalten des Lehrplans.
- Praktische Implementierungsmöglichkeiten der Psychomotorik in den Schulalltag, unter Berücksichtigung von Grenzen und Potenzialen.
Auszug aus dem Buch
6.4.2 Bewegtes Sitzen
„Bewegung ist etwas, was nicht sein soll, was den Unterricht stört“ (Zimmer 1995 zit. n. Breithecker 2001, 208) und damit wird aus dem bewegungshungrigen „Spielkind“ mit dem Eintritt in die Schule ein „Sitzkind“ (ebd.). Dabei ist stillsitzen nicht konzentrationsfördernd und zudem haltungsschädigend (vgl. Breithecker 2001). Ungünstige und starre Arbeitshaltungen erfordern 40% der Energie, die für Aufmerksamkeit und Konzentration benötigt werden (vgl. Köckenberger 2004). Daraus ergibt sich die Notwendigkeit das Klassenzimmer ergonomisch einzurichten, damit physiologisches Arbeiten und Sitzen zu gewährleisten und zu abwechslungsreichen Sitz- und Körperhaltungen anregen (vgl. Breithecker 2001). Kinder brauchen die Möglichkeit unterschiedliche Sitzpositionen auf ihrem Stuhl einnehmen zu können und wechselnde Sitzgelegenheiten sowie Arbeitsplätze nutzen zu können. Alternativen zu herkömmlichen Tisch-Stuhl-Kombinationen können Wippstühle, Sitzbälle, Sitzkissen, Schaukelstühle, Kniestühle oder Hocker sein. Wenn es unterschiedliche Sitzmöbel im Klassenzimmer gibt kann jedes Kind zu Beginn des Unterrichts eine Sitzgelegenheit auswählen. Auch Stehpulte, kleine Tische für das Sitzen auf dem Boden, Liegematten, höhenverstellbare Tische und Hängematten bringen Abwechslung in die (Lern-)Haltung der Schüler (vgl. Köckenberger 2004).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit begründet die zentrale Bedeutung von Bewegung für die Entwicklung im Kindesalter und führt in das Ziel ein, die Rolle der Psychomotorik an der Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung zu beleuchten.
2 Terminologie: Dieses Kapitel definiert grundlegende Begriffe wie Motologie und Psychomotorik und diskutiert den pädagogisch-psychologischen Behinderungsbegriff.
3 Analyse der Institution Sonderschule: Es erfolgt eine exemplarische Betrachtung der Schule für Praktisch Bildbare, ihrer gesetzlichen Aufgaben und der pädagogischen Grundsätze.
4 Entwicklungsbesonderheiten von Kindern mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung: Das Kapitel analysiert spezifische Merkmale in der kognitiven, sprachlichen, motorischen sowie sozialen und emotionalen Entwicklung.
5 Bedeutung der Bewegung für die Persönlichkeitsentwicklung: Hier wird der Zusammenhang zwischen Bewegung, Wahrnehmung und Lernen erörtert und deren Einfluss auf die individuelle Persönlichkeitsentwicklung hervorgehoben.
6 Die Rolle der Psychomotorik in der Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung: Das Hauptkapitel verbindet den Lehrplan mit psychomotorischen Ansätzen, zeigt Umsetzungsmöglichkeiten (wie bewegten Unterricht) auf und thematisiert Grenzen dieser Arbeit.
7 Schlusswort: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion über die Notwendigkeit der Integration psychomotorischer Prinzipien in den schulischen Alltag von Kindern mit geistiger Behinderung.
Schlüsselwörter
Psychomotorik, Motologie, Geistige Behinderung, Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, Bewegtes Lernen, Persönlichkeitsentwicklung, Wahrnehmung, Handlungskompetenz, Sonderschule, Bewegte Schule, Sonderpädagogik, ganzheitliche Förderung, Lernbesonderheiten, Unterrichtsprinzip.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische Begründung und praktische Anwendung der Psychomotorik als ganzheitliches Förderkonzept in der Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Grundlagen der Motologie, die Institution Sonderschule, die spezifischen Entwicklungsbesonderheiten betroffener Kinder sowie die didaktischen Möglichkeiten, Bewegung in den Unterricht zu integrieren.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie psychomotorische Angebote dazu beitragen können, die Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit von Kindern mit geistiger Behinderung zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Analyse einschlägiger Fachliteratur, Konzepte der Psychomotorik sowie offizieller Lehrpläne und Empfehlungen für den Förderschwerpunkt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Gegenüberstellung von Lehrplaninhalten und psychomotorischen Ansätzen, der Erläuterung didaktischer Prinzipien sowie konkreten Umsetzungsmöglichkeiten wie dem bewegten Unterricht oder Bewegungslandschaften.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Zentrale Begriffe sind Psychomotorik, ganzheitliche Förderung, Bewegtes Lernen, Sonderschule und Handlungskompetenz.
Wie unterscheidet sich die Situation in der Sonderschule von der Regelschule hinsichtlich der Psychomotorik?
Während die Integration psychomotorischer Ansätze in Regelschulen oft auf konzeptionelle Schwierigkeiten stößt, ist sie in der Sonderschule aufgrund der spezifischen, heterogenen Bedürfnisse der Schüler fast zwingend notwendig für eine erfolgreiche Lern- und Entwicklungsförderung.
Welche Rolle spielt die Person des Pädagogen in diesem Konzept?
Die Pädagogen nehmen eine entscheidende Rolle ein, da sie durch ihre Empathie, Geduld und Haltung die Grundlage für ein positives Lernklima schaffen müssen, in dem sich Kinder sicher fühlen und spielerisch entfalten können.
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- Bachelor Melanie Könnecke (Author), 2007, Angewandte Motologie in der Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134948