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Begleitung von Angehörigen psychisch Kranker. Erwachsenenbildung als Weg zur Verbesserung der Lebensqualität

Titel: Begleitung von Angehörigen psychisch Kranker. Erwachsenenbildung als Weg zur Verbesserung der Lebensqualität

Masterarbeit , 2023 , 84 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Michael Werner (Autor:in)

Pädagogik - Erwachsenenbildung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Masterarbeit befasst sich mit Ansätzen zur Begleitung der Angehörigen psychisch Kranker, die sich im Rahmen konstruktivistischer Erwachsenenbildung ergeben. Um die Forschungsfrage beantworten zu können, erfolgte eine umfangreiche Analyse aktueller Fachliteratur.

Menschliches Leben besteht aus Zäsuren und Umbrüchen. Diese Krisen, Ungewissheiten und Risiken erfordern dabei permanente Lern- und Veränderungsprozesse auch im Erwachsenenalter. Für Erwachsenen Angehörige von psychisch Kranken bedarf es entsprechenden jeweils umfassenden Anpassungsleistungen, die als zentrale Bildungsvorgänge angesehen werden können, welche dabei stets eine Weiterentwicklung und Differenzierung bewährter und vertrauter Deutungsmuster implizieren. Aus einer konstruktivistischen Sichtweise heraus entstehen hier Gelegenheiten, Wirklichkeitskonstruktion zu überdenken, sie zu vergleichen, anzureichern und neue Wirklichkeiten kennenlernen.
Angehörige können hierbei in ihren Erkundungsbewegungen begleitet werden.

So werden zum Beispiel bereits im Rahmen von Psychoedukation, Angehörigengruppen und Selbsthilfegruppen Bereiche der Erwachsenenbildung in Anspruch genommen, jedoch ohne eine explizite Bezugnahme auf die entsprechende Profession. Pädagogische bzw. erwachsenenpädagogische Dimensionen werden damit einhergehend weder einbezogen noch kritisch reflektiert. Die jeweiligen Curricula und Manuale sind bisher aus einer psychiatrischen Praxis heraus von Medizinern und Psychologen verfasst worden. Inhalte, Gestaltung und Durchführung werden insofern von klinisch notwendigen Sachverhalten dominiert. Pädagogisches, insbesondere auch konstruktivistisch-pädagogisches Geschehen im Sinne von Lern- und Bildungsprozessen, spielt dabei jedoch eine geringe Rolle. Auch eine Vernetzung mit einer Gesundheitsbildung für Erwachsene ist bisher nur wenig ausgeprägt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problembeschreibung

1.2 Fragestellung

2 Begriffsannäherung

2.1 Psychische Erkrankung

2.2 Konstruktivismus

2.3 Erwachsenenbildung

3 Methodik

4 Psychische Erkrankungen als Teil des menschlichen Lebens

4.1 Angehörige von psychisch Kranken als Hilfsbedürftige und als Helfende

5 Pädagogische Angehörigenarbeit im Kontext psychischer Erkrankungen

5.1 Beratung als psychosoziale und als pädagogische Intervention

5. 2 Professionelle Begleitung von Angehörigengruppen

5.3 Perspektiven der Angehörigenselbsthilfe

5.4 Angehörigenarbeit im Rahmen von Psychoedukation und Trialog

6 Konstruktivistische Sichtweisen als verbindende Elemente

6.1 Menschliche Wahrnehmung, Kognition und Emotion

6.2 Menschliche Kommunikation und soziale Systeme

6.3 Lernen, Wissen und Wahrheit aus konstruktivistischer Sicht

7 Facetten der Erwachsenenbildung

7.1 Subjektorientierung, biografisches Lernen, lebenslanges Lernen

7.2 Erwachsenenbildung im Kontext von Gesundheit und Prävention

8 Konstruktivistische Erwachsenenbildung

8.1 Konstruktivistische Lernberatung und Lernbegleitung

8.2 Konstruktivistische Didaktik und Methodik

8.3 Konstruktivistische Erwachsenenbildung in digitalen Wirklichkeiten

9 Zusammenfassung, Gegenüberstellung und Diskussion

9.1 Der gesellschaftliche Blickwinkel

9.2 Der pädagogische Blickwinkel

10 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Ziel der Arbeit ist es, die Möglichkeiten und Potenziale der konstruktivistischen Erwachsenenbildung für die Begleitung von Angehörigen psychisch kranker Menschen zu untersuchen und Ansätze für eine professionelle, pädagogisch fundierte Unterstützung zu identifizieren.

  • Analyse der Belastungssituation von Angehörigen psychisch kranker Menschen
  • Systemisch-konstruktivistische Betrachtung des Krankheitsverständnisses und Lernens
  • Erforschung pädagogischer Beratungs- und Gruppenformate (z.B. Trialog, Psychoedukation)
  • Reflexion der Rolle der Erwachsenenbildung in der Gesundheitsförderung
  • Erörterung der Bedeutung digitaler Lernumgebungen in der Angehörigenarbeit

Auszug aus dem Buch

4 Psychische Erkrankungen als Teil des menschlichen Lebens

„Zu allen Zeiten wurde Wahnsinn als Abweichung von einer Norm verstanden, die ihrerseits als die endgültige, letzte Wahrheit angesehen wurde. Diese Wahrheit war so >>endgültig<<, daß schon ihre Infragestellung als Zeichen von Verrücktheit oder Bosheit galt" (Watzlawick & Nardone, 2018, S. 26).

Die voranstehenden Feststellungen Paul Watzlawicks berühren bereits zwei zentrale Aspekte in Hinblick auf den menschlichen Umgang mit psychischen Erkrankungen. Einerseits die machtvolle Rolle gesellschaftlicher Zuschreibungen in ihrer Normierung von Gesundheit und - im speziellen psychischer - Krankheit, andererseits auch den Einbezug einer objektiven, unbedingt wahren Sichtweise als letztgültige Grundlage, um damit die Entstehung entsprechender Maßnahmen, Behandlungen, Einrichtungen, Institutionen und auch spezialisierten Berufen abzusichern.

Die Frage jedoch, was denn eigentlich „normal“ ist, muss offen bleiben (Gutmann, 2019, S. 59). Eine objektive und klare Definition von "Normalität", wie sie in der Psychiatrie angestrebt wird, ist indes gar nicht möglich, weil wir es in diesem Falle mit dem Wesen des Menschen zu tun haben. Und was der Mensch ist, ist letzten Endes eine metaphysische Frage, für die es auch keine abschließenden Beweise gibt (Watzlawick, 2007a, S. 58). „Nicht-normal-sein“, oder auch „Psychisch Anderssein“ war insofern auch nie einer rein naturwissenschaftlichen Betrachtung vorbehalten, sondern stand immer in Wechselwirkung mit religiösen, philosophischen und in jüngerer Zeit auch sozialwissenschaftlichen Theorien der menschlichen Psyche (Rusch & Schmidt, 2000, S. 52).

Gleichwohl prägt unser Menschenbild unser Handeln und unser Verständnis von psychischer Erkrankung (Bock, 2014, S. 10); (Wessel, 1996, S. 13). Und wie die Geschichte dabei lehrt, ist die Psychiatrie und damit auch die Sichtweise auf psychische Erkrankungen immer abhängig vom jeweiligen Gesellschaftssystem, in dem sie besteht. Daher waren z.B. psychiatrische Krankenhäuser lange Zeit vorrangig Orte der Verwahrung, der völligen Entprivatisierung des Einzelnen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Angehörigen und die Notwendigkeit, erwachsenenpädagogische Expertise in die Begleitung einzubeziehen.

2 Begriffsannäherung: Hier werden die zentralen Begriffe „psychische Erkrankung“, „Konstruktivismus“ und „Erwachsenenbildung“ theoretisch definiert.

3 Methodik: Der Abschnitt erläutert den erkenntnistheoretischen Ansatz des radikalen Konstruktivismus sowie das systematische Vorgehen der Literaturanalyse.

4 Psychische Erkrankungen als Teil des menschlichen Lebens: Dieses Kapitel thematisiert die Normalität im Kontext psychischer Krisen und die Auswirkungen der Stigmatisierung auf Angehörige.

5 Pädagogische Angehörigenarbeit im Kontext psychischer Erkrankungen: Es werden Methoden wie Beratung, Gruppenarbeit und Psychoedukation hinsichtlich ihres pädagogischen Potenzials analysiert.

6 Konstruktivistische Sichtweisen als verbindende Elemente: Eine Vertiefung der konstruktivistischen Perspektive auf Wahrnehmung, Kognition und soziale Systeme.

7 Facetten der Erwachsenenbildung: Dieses Kapitel beleuchtet Subjektorientierung, biografisches Lernen und die Rolle der Erwachsenenbildung in Prävention und Gesundheit.

8 Konstruktivistische Erwachsenenbildung: Hier findet die Anwendung konstruktivistischer Prinzipien auf Beratung, Didaktik und Methodik sowie digitale Lernkontexte statt.

9 Zusammenfassung, Gegenüberstellung und Diskussion: Eine Synthese der Ergebnisse aus gesellschaftlicher und pädagogischer Perspektive.

10 Fazit und Ausblick: Zusammenfassendes Resümee und Aufzeigen von weiterem Forschungsbedarf.

Schlüsselwörter

Angehörigenarbeit, Erwachsenenbildung, Konstruktivismus, Psychische Erkrankungen, Beratung, Psychoedukation, Sozialpsychiatrie, Lebenslanges Lernen, Subjektorientierung, Stigmatisierung, Systemtheorie, Lernberatung, Gesundheitsbildung, Trialog, Selbsthilfe

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterthesis grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie die konstruktivistische Erwachsenenbildung in der Begleitung und Unterstützung von Angehörigen psychisch kranker Menschen praktisch und theoretisch wirksam werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der sozialen und psychischen Situation von Angehörigen, dem konstruktivistischen Verständnis von Krankheit und Lernen sowie den spezifischen Methoden pädagogischer Arbeit in einem psychiatrischen Kontext.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Forschungsfrage lautet: „Welche Ansätze zur Begleitung von Angehörigen psychisch Kranker eröffnen sich im Rahmen konstruktivistischer Erwachsenenbildung?“

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen, systematischen Analyse aktueller wissenschaftlicher Fachliteratur unter Einbeziehung pädagogischer, psychologischer und soziologischer Erkenntnisse.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Konstruktivismus, Erwachsenenbildung) und eine praxisbezogene Diskussion verschiedener Unterstützungsformate wie Beratung, Selbsthilfe und psychoedukative Gruppendynamiken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Zentrale Begriffe sind Angehörigenarbeit, Konstruktivismus, Erwachsenenbildung, Psychische Erkrankungen, Beratung und soziale Partizipation.

Wie unterscheidet sich dieser Ansatz von einer rein psychiatrischen Sicht?

Während die medizinische Psychiatrie oft defizitorientiert und pathologisch fragt, stellt der konstruktivistisch-pädagogische Ansatz die individuellen Bildungs- und Entwicklungspotenziale sowie die subjektive Konstruktion von Wirklichkeit in den Vordergrund.

Warum ist das Konzept des „Trialogs“ für die Arbeit so wichtig?

Der Trialog zwischen Betroffenen, Angehörigen und Fachexperten auf Augenhöhe stellt ein Paradebeispiel für gelungene konstruktivistische Praxis dar, um wechselseitige Lernprozesse ohne hierarchisches Gefälle zu ermöglichen.

Ende der Leseprobe aus 84 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Begleitung von Angehörigen psychisch Kranker. Erwachsenenbildung als Weg zur Verbesserung der Lebensqualität
Hochschule
Evangelische Hochschule Nürnberg; ehem. Evangelische Fachhochschule Nürnberg
Note
1,7
Autor
Michael Werner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
84
Katalognummer
V1349515
ISBN (PDF)
9783346864697
ISBN (Buch)
9783346864703
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konstruktivismus Psychoedukation Psychologie Stigma Erwachsenenbildung Lernberatung Lernbegleitung Krankheit Subjektorientierung Kommunikation Pädagogik Psychiatrie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Michael Werner (Autor:in), 2023, Begleitung von Angehörigen psychisch Kranker. Erwachsenenbildung als Weg zur Verbesserung der Lebensqualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1349515
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Leseprobe aus  84  Seiten
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