Der Körper ist ein Leben lang und vor allem im Alter permanenten Veränderungen ausgesetzt, die sich deutlich auf das Bewegungsverhalten auswirken können. Dennoch gibt es wesentlich weniger Forschungsberichte für diesen Lebensabschnitt als für die Entwicklung im Kindes- oder Jugendalter. Der Grund dafür liegt in der früheren Annahme, dass die Entwicklung mit der „Vollreife“ (d.h. mit dem 18. Lebensjahr) abgeschlossen sei und somit der Lebensabschnitt Alter in seiner Entwicklung nicht als Forschungsgegenstand galt.
Außerdem spielte die motorische Entwicklung vor allem in ihrer Bedeutung für die Gesamtpersönlichkeit keine herausragende Rolle in der Geriatrie (Wissenschaft der Alternsprozesse) und auch die Bewegung hatte in ihrer Bedeutung für den SeniorInnenbereich kaum Ansehen. Mittlerweise ist die motorische Entwicklung über die gesamte Lebensspanne als integrativer Bestandteil der Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit des Menschen anerkannt, findet aber leider noch nicht genügend Berücksichtigung.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Bewegungsverhalten und der Motorischen Entwicklung im Lebensabschnitt Alter sowie der Rolle der Motologie diesbezüglich. Aufgrund des Umfangs der Arbeit können diese Aspekte nur kurz angerissen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Motorische Entwicklung im Alter
2.1 Grundlagen der Motorischen Entwicklung im Alter
2.2 Kennzeichen der Altersmotorik
3 Bewegung im Alter
3.1 Bedeutung der Bewegung
3.1.1 Instrumentelle Bedeutung
3.1.2 Explorierend – Erkundende (Wahrnehmend – Erfahrende) Bedeutung
3.1.3 Soziale Bedeutung
3.1.4 Personale Bedeutung
3.2 Bewegungsverhalten im Alter
4 Bezug zur Motologie
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bewegungsverhalten und die motorische Entwicklung im Lebensabschnitt Alter, wobei insbesondere die Bedeutung von Bewegung für die Erhaltung von Handlungsfähigkeit und Selbstständigkeit analysiert wird. Ziel ist es, die Rolle der Motologie als Ansatz zur Förderung der Lebensqualität älterer Menschen aufzuzeigen.
- Bedeutung der motorischen Entwicklung im Alter
- Kennzeichen und Veränderungen der Altersmotorik
- Multidimensionale Aspekte von Bewegung (instrumentell, explorativ, sozial, personal)
- Das Bewegungsverhalten älterer Menschen und dessen psychologische Implikationen
- Motogeragogik als bewegungsgeragogischer Förderansatz
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Instrumentelle Bedeutung
Hierbei handelt es sich um unbewusste Bewegungshandlungen um ein bestimmtes Ziel zu erreichen und so den Alltag zu meistern und die Existenz zu sichern. Die instrumentelle Bedeutung beinhaltet also funktional-produktive Aspekte von Bewegung, im Sinne mit der eigenen Bewegung etwas erreichen, bewirken, her oder darstellen zu können. Dazu gehören Bewegungen wie z.B. das Fenster öffnen, einen Kaffee kochen, zum Bus laufen etc. Sobald der Körper in irgendeiner Weise eingeschränkt ist, beispielsweise durch Schmerzen o.a. sind auch diese Bewegungen und die damit verbundenen Handlungen begrenzt und damit die selbständige Bewältigung des Alltags. „Gerade mit zunehmendem Alter erfahren viele Menschen beginnende Einschränkungen in dieser instrumentellen Verfügbarkeit über den Körper. [...] Im Alltagsleben zeigt sich jeden Tag neu, ob jemand seine Beweglichkeit und damit seinen Bewegungs- und Lebensraum erhalten kann: Körperpflege, Einkaufen, Kochen etc. sind täglich zu leistende Bewegungsaufgaben – und sie bedürfen zu ihrer Bewältigung ständig Übung.“ (Philippi-Eisenburger 1991, 10).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Vernachlässigung der motorischen Entwicklung im Alter in der Forschung und definiert die Arbeit als Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Bewegung, Entwicklung und der Rolle der Motologie.
2 Motorische Entwicklung im Alter: Dieses Kapitel erläutert die biologischen Grundlagen der motorischen Entwicklung im Alter und beschreibt spezifische physiologische Kennzeichen der Altersmotorik, wie Herzleistung, Muskelmasse und neuronale Veränderungen.
3 Bewegung im Alter: Das Kapitel differenziert verschiedene Bedeutungsgehalte von Bewegung – von instrumenteller Bewältigung des Alltags bis hin zu personaler Identitätsstiftung – und analysiert das häufig durch Vorsicht geprägte Bewegungsverhalten im Alter.
4 Bezug zur Motologie: Hier wird das Konzept der Motogeragogik vorgestellt, das darauf abzielt, durch gezielte bewegungsorientierte Maßnahmen die Handlungsfähigkeit und Lebensqualität im Alter zu stabilisieren und zu fördern.
Schlüsselwörter
Altersmotorik, Motologie, Motogeragogik, Bewegungsverhalten, Beweglichkeit, Lebensabschnitt Alter, Handlungsfähigkeit, Selbstständigkeit, Entwicklung, Wahrnehmung, Anpassungsprozesse, Lebensbewältigung, Alternsprozess, Bewegungsbedürfnis, Sensorik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der motorischen Entwicklung von Senioren und analysiert, wie sich körperliche Veränderungen im Alter auf das Bewegungsverhalten auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die biologische Alterung der Motorik, die verschiedenen Bedeutungsdimensionen von Bewegung im Alltag sowie den therapeutisch-pädagogischen Ansatz der Motogeragogik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Stellenwert von Bewegung als Grundlage für die Erhaltung der Autonomie, Selbstständigkeit und Persönlichkeitsentwicklung im Alter hervorzuheben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Synthese bestehender wissenschaftlicher Erkenntnisse zur motorischen Entwicklung und dem Bereich der Motologie bzw. Motogeragogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Altersmotorik, die Analyse der verschiedenen Bedeutungen von Bewegung (instrumentell, explorativ, sozial, personal) und die Einführung des Konzepts der Motogeragogik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Altersmotorik, Motogeragogik, Beweglichkeit, Handlungsfähigkeit und Lebensbewältigung.
Warum wird im Alter oft eine Schonhaltung eingenommen?
Die Schonhaltung entsteht häufig aus der Sorge vor Überlastung oder aus einer fehlerhaften Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit, was jedoch laut Autorin den Abbauprozess beschleunigen kann.
Was unterscheidet die Motogeragogik von anderen Ansätzen?
Die Motogeragogik stellt die Stabilisierung der Handlungsfähigkeit und die Stärkung von Ich-, Sach- und Sozialkompetenz durch körperbezogene Erfahrungen in den Vordergrund, um so die Lebensqualität alter Menschen aktiv zu fördern.
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- Master Melanie Könnecke (Author), 2006, Bewegungsverhalten und motorische Entwicklung im Lebensabschnitt Alter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134952