Die Forschungsfrage meiner Arbeit lautet: "Inwiefern wirkt Macht in unserem Alltag?"
Um diese Frage zu beantworten, stellt der Beginn dieser Arbeit eine generelle Annäherung an das Machtverständnis Foucaults dar. Der folgende Teil der Arbeit ist eine Konkretisierung der Disziplinarmacht mithilfe einiger Beispiele. Ausgehend von dieser Basis wird das Wirken von Macht in unserem Alltag zu Zeiten der Corona-Pandemie 2020/21 untersucht. Abschließend fasst das Fazit die grundlegenden Ergebnisse und den daraus resultierenden Erkenntnisgewinn kompakt zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Foucaults Machtbegriff
3. Disziplinierende Macht
4. Das Panopticon
5. Disziplinarmacht in der Corona-Pandemie
5.1 Coronavirus SARS-CoV-2
5.2 Gesetzliche Konsequenzen
5.3 Das alltägliche Wirken der Disziplinarmacht
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis der Machttheorie von Michel Foucault, wie Disziplinarmacht in unserem Alltag wirkt, und analysiert hierbei insbesondere das Beispiel der Corona-Pandemie 2020/21, um die unscheinbaren Mechanismen gesellschaftlicher Verhaltenssteuerung aufzuzeigen.
- Foucaults Machtbegriff im Vergleich zur traditionellen Auffassung
- Funktionsweise der Disziplinarmacht und ihre historische Einordnung
- Das Panopticon als Modell für Überwachung und Automatisierung
- Die COVID-19-Pandemie als moderner Schauplatz disziplinierender Macht
- Integration neuer Verhaltensweisen in den gesellschaftlichen Alltag
Auszug aus dem Buch
4. Das Panopticon
Das Panopticon ist ein ringförmiges Gebäude in dessen Mitte sich ein Überwachungsturm, an welchem große Scheinwerfer befestigt sind, befindet (vgl. Foucault, 1993, S. 256). Der um den Überwachungsturm geschlossene ringförmige Gebäudekomplex ist gefüllt von zahlreichen Zellen, welche sowohl nach innen gerichtete große Fenster in Richtung des Überwachungsturms, als auch nach außen gerichtete Fenster besitzen (vgl. Foucault, 1993, S. 257). Diese Vorkehrung ermöglicht das stetige Durchleuchten einer jeden Zelle. Eine weitere entscheidende Besonderheit ist, dass ein jeder Zellinsasse sein Zimmer alleine bewohnt (vgl. Foucault, 1993, S. 257). Die hier wirkende Disziplinarmacht ermöglicht eine vollständige und ununterbrochene Überwachung und Kontrolle der Insassen. Während der vom Reglement durchzuführende Lockdown in verschlossenen Häusern wenigstens im kleinsten Rahmen unbeobachtbare Handlungen zulässt, sorgt das Ausleuchten der Zellen des Panopticons für eine Möglichkeit der ständigen Überwachung ausgehend vom in der Mitte zentrierten Überwachungsturm. Keine Handlung der Insassen bleibt ungesehen. Dies scheint zumindest für die Insassen der Fall zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage zum Wirken von Macht im Alltag und Vorstellung der methodischen Annäherung an Foucaults Machtverständnis.
2. Foucaults Machtbegriff: Analyse der Unzulänglichkeit traditioneller Machtvorstellungen und Darstellung von Macht als schöpferisches, produktives Netzwerk.
3. Disziplinierende Macht: Untersuchung der historischen Ausprägung der Disziplinarmacht anhand eines Pest-Reglements als Ausgangspunkt für strategische Verhaltenssteuerung.
4. Das Panopticon: Erläuterung der Automatisierung und Entindividualisierung von Macht durch ständige, potenzielle Sichtbarkeit in einer speziellen architektonischen Anordnung.
5. Disziplinarmacht in der Corona-Pandemie: Übertragung der theoretischen Überlegungen auf die Pandemie-Situation, insbesondere hinsichtlich gesetzlicher Verpflichtungen und Verhaltensnormen.
5.1 Coronavirus SARS-CoV-2: Medizinische Kurzinformation zum Virus und den Übertragungswegen als Grundlage der nachfolgenden Machtanalyse.
5.2 Gesetzliche Konsequenzen: Darstellung der Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung als konkretes Beispiel für staatliche Regulierung.
5.3 Das alltägliche Wirken der Disziplinarmacht: Synthese der Beispiele zur Veranschaulichung, wie tiefgreifend und unscheinbar Disziplinarmacht unseren Alltag prägt.
6. Fazit: Zusammenfassende Reflexion über die schwer greifbare, aber allgegenwärtige Natur der Machtstrukturen im gesellschaftlichen Leben.
Schlüsselwörter
Michel Foucault, Machtbegriff, Disziplinarmacht, Panopticon, Überwachung, Bestrafung, Corona-Pandemie, Verhaltenssteuerung, Alltag, Machtnetzwerk, Gouvernementalität, Individuum, Gesellschaft, Normen, Mund-Nasen-Bedeckung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Macht jenseits von einfacher Unterdrückung als produktives und schöpferisches Netzwerk in unserem Alltag wirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Foucaults Machttheorie, das Konzept der Disziplinarmacht, historische Vergleiche und die Übertragung dieser Machtanalysen auf aktuelle Ereignisse wie die COVID-19-Pandemie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Forschungsfrage "Inwiefern wirkt Macht in unserem Alltag?" zu beantworten und aufzuzeigen, wie Machtverhältnisse unser Verhalten steuern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Herleitung auf Basis von Michel Foucaults Werken und wendet diese analysierend auf Fallbeispiele wie das Panopticon, ein historisches Pest-Reglement und die Corona-Pandemie an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Machtbegriffs, die Vorstellung der Disziplinarmacht und deren konkrete Untersuchung in den genannten Beispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Disziplinarmacht, Foucault, Überwachung, Automatisierung, Verhaltensanpassung und Normalisierung.
Wie unterscheidet sich die Disziplinarmacht vom traditionellen Machtverständnis?
Während traditionelle Macht meist als repressive Kraft von oben verstanden wird, betrachtet Foucault die Disziplinarmacht als unsichtbares, in die Gesellschaft verwobenes Netzwerk, das Verhalten normiert.
Welche Bedeutung kommt dem Panopticon in dieser Arbeit zu?
Das Panopticon dient als idealtypisches Modell, um zu demonstrieren, wie die bloße Möglichkeit der Überwachung Individuen dazu bringt, sich selbst zu disziplinieren.
Warum wird das Pest-Reglement als Beispiel angeführt?
Es dient als frühes "Ursprungsmodell" für Disziplinarmacht, da es zeigt, wie Krisen zu einer strukturierten Überwachung und Verhaltenssteuerung der Bevölkerung führen.
- Arbeit zitieren
- Tom Ennulat (Autor:in), 2020, Machtwirkungen des Alltags im Kontext von Michel Foucault, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1349686