Die Forschungsfrage dieser Arbeit lautet: Inwiefern lassen sich Handlungen sprachlich erklären?
Um diese Frage beantworten zu können, beginnt die Arbeit mit der Benennung der bisherigen Annahmen für die Beantwortung der Frage nach dem Grund einer Handlung. Anschließend werden zwei Arten des Erklärens erläutert und differenziert, um die hier vorliegende Begriffsverwirrung aufzudecken und ein grundlegendes Konzept für das Erklären einer Handlung mit Hilfe der alltäglichen Sprache aufzuzeigen. Darauf folgt die Thematisierung der Idee eines weiterführenden und eigentlichen Grundes, welche mit Ryles Vorstellung der Erklärung einer Handlung in Vergleich gesetzt wird. Schließlich werden weitere begriffliche Differenzierungen erwähnt und abschließend im Fazit die grundlegenden Ergebnisse und der daraus resultierende Erkenntnisgewinn kompakt zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ursache als Erklärung einer Handlung
2.1 Gemütsbewegungen und Emotionen
2.2 Gefühle als Ursachen von Handlungen
3. Ursachen und Motive
3.1 Zwei Arten des Erklärens
3.2 Dispositionen und Ereignisse
3.3 Motive für Handlungen
4. Der weiterführende und eigentliche Grund
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachliche Erklärbarkeit menschlicher Handlungen, wobei der Fokus insbesondere auf Gilbert Ryles Kritik an kausalen Erklärungsmodellen und seinem Konzept der dispositionellen Erklärung liegt. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Handlungen ohne den Rückgriff auf unbeobachtbare "innere Ereignisse" durch beobachtbare Motive und Dispositionen verständlich gemacht werden können.
- Grundlagen der Ordinary Language Philosophy nach Gilbert Ryle
- Kritik am Modell der "Geist-in-der-Maschine"-Kausalität
- Differenzierung zwischen Ereignissen und Dispositionen
- Analyse von Motiven als offene, kontrollierbare Erklärungsgrundlage
- Problematik unendlicher Regresse bei "eigentlichen Gründen"
Auszug aus dem Buch
3.1 Motive für Handlungen
Dass ein Ereignis auch durch eine dispositionelle Aussage erklärt werden kann, wurde bereits erläutert. Das Zerbrechen des Eis kann durch das Auftreffen eines Hammers auf die Eisoberfläche, aber durch dessen Zerbrechlichkeit erklärt werden. Sowohl eine Erklärung des Ereignisses durch eine Ursache, als auch mit Hilfe der Benennung einer dispositionellen Eigenschaft, ist valide. Was bedeutet dies nun für den Versuch der Erklärung einer beispielsweise geizigen Handlung, welche gerade nicht mit einer kausalen Erklärung begründet werden kann? Könnte die Frage, warum jemand so und so gehandelt hat, auch eine Frage nach dessen Gewohnheiten oder Charakterzügen, also nach dessen Handeln beschreibenden dispositionellen Aussagen sein?
Albert lässt sich sein Bier von einem Freund bezahlen, obwohl er viel Geld bei sich trägt. Der erste Erklärungsversuch ist die bereits thematisierte kausale Erklärung, in welcher eine bestimmte Ursache Albert zu seiner Handlung veranlasst haben muss. Albert lässt sich also sein Bier von einem Freund bezahlen, obwohl er viel Geld bei sich trägt, weil ihn ein bestimmtes Geizgefühl dazu veranlasst.
Der zweite Erklärungsversuch stellt entgegen der “offiziellen Lehre” eine dispositionelle Aussage als Erklärung seiner Handlung auf. Nicht eine bestimmte Ursache hat Albert dazu veranlasst geizig zu handeln, sondern seine Neigung “geizig zu sein” ist die Erklärung für sein Verhalten. Albert lässt sich sein Bier von einem Freund bezahlen, obwohl er viel Geld bei sich trägt, weil er stets, wenn er die Chance wittert sein Erspartes zu horten, diese ergreift. Dieses Verhalten verwirklicht die Disposition “geizig”. Die Erklärung für seine geizige Handlung ist, dass er die Neigung dazu hat, geizig zu sein. Geiziges Handeln ist typisch für Albert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die philosophische Fragestellung nach dem Grund menschlichen Handelns ein und skizziert Gilbert Ryles Ansatz der Begriffsanalyse zur Vermeidung von Irrtümern.
2. Die Ursache als Erklärung einer Handlung: Dieses Kapitel hinterfragt die "offizielle Lehre" des Geistes und untersucht, inwieweit Gefühle als kausale Ursachen für Handlungen fungieren können.
3. Ursachen und Motive: Es erfolgt eine Unterscheidung zwischen kausalen Erklärungen und einer erklärenden Zuordnung von Dispositionen, wobei Motive als nachvollziehbare Alternativen zu inneren Zuständen präsentiert werden.
4. Der weiterführende und eigentliche Grund: Der Autor reflektiert die Problematik, hinter offensichtlichen Motiven nach "eigentlichen" Gründen zu suchen, und zeigt die logischen Sackgassen dieses Vorgehens auf.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Motive als dispositionelle Aussagen ein offenes, prüfbares Werkzeug zur Erklärung menschlichen Handelns im Alltag darstellen, während künstlich konstruierte "letzte Gründe" unverständlich bleiben.
Schlüsselwörter
Gilbert Ryle, Handlungsphilosophie, Ordinary Language Philosophy, Disposition, Kausalität, Motiv, Ereignis, Geist-in-der-Maschine, Handlungsbegründung, Geiz, Sprachphilosophie, Verhaltensanalyse, Mentale Zustände
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Es geht um die Frage, wie wir das Handeln unserer Mitmenschen in der Alltagssprache sinnvoll und objektiv nachvollziehbar erklären können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Abgrenzung von kausalen Erklärungen (Ereignissen) gegenüber dispositionellen Erklärungen (Charakterzügen/Gewohnheiten) steht im Zentrum.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung der Frage, inwiefern Handlungen sprachlich korrekt und ohne Rückgriff auf obskure "innere Ursachen" erklärt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt die sprachanalytische Methode von Gilbert Ryle, um logische Fehler im üblichen Verständnis von Handlungsgründen aufzudecken.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Behandelt werden die Differenzierung von Emotionen, die Analyse von Dispositionen wie Geiz und die Kritik an einer unendlichen Suche nach "letzten Gründen".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kritische Begriffe sind unter anderem Disposition, Kausalität, Motiv, Ereignis und die Ryle'sche Kritik am dualistischen Menschenbild ("Geist in der Maschine").
Warum hält der Autor die Suche nach einem "eigentlichen Grund" für problematisch?
Weil dies zu einem unendlichen Regress führt, in dem die ursprüngliche Handlung ihre Bestimmtheit verliert und der Akteur als unverstehbares Wesen erscheint.
Wie unterscheidet sich ein Motiv von einer bloßen Ursache?
Ein Motiv ist eine nach außen hin prüfbare Disposition, während eine Ursache im Sinne von Ryle oft als ein privates, nicht nachprüfbares "inneres Ereignis" missverstanden wird.
Kann man Handlungen aus Gewohnheit von Handlungen aus Motiven abgrenzen?
Ja, der Autor stellt fest, dass Ryle eine Unterscheidung trifft, betont jedoch, dass beide letztlich durch dispositionelle Aussagen erklärt werden.
- Arbeit zitieren
- Tom Ennulat (Autor:in), 2021, Der Grund einer Handlung im Kontext von Gilbert Ryles “The Concept of Mind”, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1349687