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Über Gottfried von Straßburgs "Tristan"

Die Minnegrotte als Ort der einzig wahren Liebe?

Título: Über Gottfried von Straßburgs "Tristan"

Trabajo Escrito , 2006 , 28 Páginas , Calificación: 2,0

Autor:in: Daniela Kirchert (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana antigua y medieval
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In dieser Arbeit über Gottfried von Straßburgs "Tristan" soll die Minnegrotten - Episode etwas näher betrachtet werden, welche eine bedeutende Rolle einnimmt.
Der Inhalt des Werkes ist allerdings keine Erfindung Gottfrieds, sondern eine Bearbeitung schon bekannter Vorlagen. Viele mittelalterliche Dichter haben bereits auf diese zurückgegriffen, da das Publikum vor allem vertraute Stoffe bevorzugte. Die Autoren suchten sich daher Vorbilder, deren Themen sie neu überarbeiten konnten. Damit wurden alte Texte aktualisiert und Bezüge zur Wirklichkeit hergestellt, um es dem Publikum zu erleichtern Analogien zum eigenen Leben zu finden. Gottfried erwähnt selbst in seinem Prolog, dass er lange nach einer Vorlage gesucht hat. Die Bearbeitung durch Thomas von Britannien erschien ihm als die einzig Richtige, deshalb nutze er sie auch als Vorbild für seine Fassung.

sine sprâchen in der rihte niht,
als Thômas von Britanje giht,
der âventiure meister was
und an britûnschen buochen las
aller der lanthêrren leben
und ez uns ze künde hât gegeben.
Als der von Tristande seit,
die rihte und die wârheit
begunde ich sêre suochen
in beider hande buochen
walschen und latînen
und begunde mich des pînen,
daz ich in sîner rihte
rihte diese tihte.

Auch Thomas hat den Stoff lediglich bearbeitet und ging wahrscheinlich, wie viele Andere, von dem nicht überlieferten Werk, der „Estoire“ aus. Aber Gottfried übernahm dessen Inhalt nicht unbewertet. Seine Fassung und die Thomas` weisen Gegensätze in einigen Episoden auf, welche noch etwas näher in dieser Arbeit betrachtet werden. Auch bei der Ausführung der Minnegrotte lassen sich Abweichungen finden.
Die Darstellung der Grotte in der Waldleben - Episode kann als Allegorie verstanden werden. Diese Methode der Schriftauslegung dient dazu, den hinter dem Wortlaut verborgenen Sinn zu entschlüsseln. Im Mittelalter nutzte man sie vor allem dazu, die Bibel auszulegen, deren Wahrheit durch den Buchstabensinn verhüllt wurde. Damit konnte ein einheitliches Verständnis geschaffen werden.
Zum ersten Mal in der deutschen Sprache taucht die weltliche Allegorie in Gottfrieds Tristan (um 1210) auf. Die Allegorese wird in der Minnegrottenszene auf einen nicht-geistlichen Inhalt übertragen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vorgeschichte

2.1 Situation am Hof

2.2 Die Verbannung

3 Die Minnegrotte

3.1 Aufbau der Szene

3.2 Beschreibung der Grotte

3.3 Das Speisewunder

3.4 Das Gesellschaftswunder

3.5 Die Auslegung der Minnegrotte

3.6 Autobiographischer Bezug

3.7 Grottenleben

3.8 Erzählung antiker Liebesgeschichten

3.9 Rolle der Musik

4 Der wunderbare Hirsch

5 Die Entdeckung

6 Illustration der Minnegrotte

7 Die Rückkehr

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Minnegrotten-Episode in Gottfried von Straßburgs „Tristan“ und analysiert deren Funktion als allegorischen Ort der „rechten Minne“, der außerhalb der höfischen Gesellschaft existiert. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern dieser Rückzugsort eine ideale, aber letztlich unhaltbare Liebeskonzeption darstellt.

  • Die allegorische Bedeutung der Grottenarchitektur und Innenausstattung
  • Die Rolle der Minnegrotte als heidnischer, gesellschaftsfeindlicher Gegenraum
  • Die Bedeutung der Speise- und Gesellschaftswunder für das Liebesverständnis
  • Literarische Analogien und die Funktion des „wunderbaren Hirsches“
  • Der Konflikt zwischen individueller Liebeserfüllung und gesellschaftlicher Konvention

Auszug aus dem Buch

3.2 Beschreibung der Grotte

Diese wurde in frühen Zeiten von heidnischen Riesen als Schutzstätte für ihre heimlichen Minnefreuden in den Berg gehauen. Schon Thomas lässt seinen Statuensaal im Herrschaftsgebiet eines Riesen erbauen, welches durch einen Fluss vom Machtbereich des Herzogs getrennt ist. Gottfried überträgt diese räumliche Funktion in eine zeitliche.

daz selbe hol was wîlent ê

under der heidenischen ê

vor Corinêis jâren,

dô risen dâ hêrren wâren,

gehouwen in den wilden berc.

Die Minnegrotte Gottfrieds bietet den Vertretern der gesellschaftsfeindlichen Minne nach ihrer Verbannung vom Hof vorübergehend Zuflucht. Gottfried benennt sie zunächst französisch: la fossiure a la gent amant und übersetzt dies sofort: daz kiut der minnenden hol. Diese Höhle liegt mitten in der Wildnis von Gebirge, Wald und Heide umgeben. Anschließend wird die Grotte ausführlich beschrieben. Sie ist rund, weit, hoch und steil, schneeweiß, überall eben und glatt. Das Gewölbe ist prächtig geschlossen und oben auf dem Schlussstück befindet sich eine zierlich geschmiedete Krone, die mit edlen Steinen geschmückt ist. Der Boden ist glatt, sauber und kostbar aus grasgrünem Marmor. Mitten im Raum steht ein Bett aus Bergkristall mit einer Inschrift die es der Göttin Minne weit.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Bedeutung der Minnegrotten-Episode und die Abhängigkeit Gottfrieds von seinen literarischen Vorlagen.

2 Vorgeschichte: Analyse der höfischen Situation und der Gründe für die Verbannung von Tristan und Isolde.

3 Die Minnegrotte: Detaillierte Untersuchung des Aufbaus, der Allegorese und der Lebensweise des Paares in der Grotte.

4 Der wunderbare Hirsch: Deutung der Jagdszene und des Hirsches als Sinnbild der Unerreichbarkeit der Minne für Außenstehende.

5 Die Entdeckung: Beschreibung des Moments, in dem Marke das Paar in der Grotte entdeckt und die Konsequenzen für die Liebenden.

6 Illustration der Minnegrotte: Analyse einer dreiteiligen Abbildung, welche die Verbannung und das Leben in der Grotte visuell darstellt.

7 Die Rückkehr: Untersuchung der Beweggründe für das freiwillige Verlassen der Grotte und die Rückkehr in die höfische Gesellschaft.

8 Fazit: Zusammenfassung der zentralen Thesen und Ausblick auf die Rezeptionsgeschichte der Tristanthematik.

Schlüsselwörter

Gottfried von Straßburg, Tristan und Isolde, Minnegrotte, höfische Liebe, Allegorie, Minne, Literaturgeschichte, Mittelalter, Symbolik, Exil, Hofgesellschaft, Liebesverherrlichung, Tristanroman.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Minnegrotten-Episode in Gottfried von Straßburgs „Tristan“ und untersucht, wie der Autor diesen Ort als allegorischen Raum für eine absolute, von der Gesellschaft losgelöste Liebe inszeniert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder umfassen die allegorische Deutung der Grottenarchitektur, das Spannungsfeld zwischen höfischer Norm und individueller Liebe sowie die symbolische Funktion von Natur und Musik innerhalb dieses Exilraums.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Gottfried durch die Minnegrotte ein Idealbild der Liebe entwirft, das zwar der christlichen und höfischen Welt überlegen scheint, jedoch in der Realität als dauerhafter Lebensentwurf zum Scheitern verurteilt ist.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl den Text durch eine genaue philologische Untersuchung der Versstellen (Allegorese) erschließt als auch kulturgeschichtliche Kontexte und Vergleiche mit zeitgenössischen Werken einbezieht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Grottenbeschreibung, das Speise- und Gesellschaftswunder, den autobiographischen Bezug des Autors, die Erzählung antiker Liebesgeschichten als therapeutisches Mittel und die symbolische Bedeutung der Jagd und des Hirsches.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Besonders prägend sind die Begriffe „Minne“, „Allegorie“, „Locus amoenus“, „höfische Gesellschaft“ und die „Tristan-Problematik“.

Warum spielt die Zahlensymbolik bei der Beschreibung der Grotte eine so große Rolle?

Gottfried nutzt ein komplexes Zahlenspiel (Zwei- und Dreizahl), um die Struktur der Grotte und die Allegorese der Minne intellektuell zu unterbauen und ihr eine zusätzliche tiefere Bedeutungsebene innerhalb des Romans zu verleihen.

Inwiefern beeinflussen die antiken Liebesgeschichten das Grottenleben?

Tristan und Isolde fungieren als Leser und Erzähler antiker Mythen; diese Geschichten dienen ihnen als Spiegel ihrer eigenen Situation und als „Brot“ für die Seele, wodurch die Liebe in einen literarischen, fast rituellen Kontext gehoben wird.

Warum kehren Tristan und Isolde letztlich aus der Grotte zurück?

Obwohl die Grotte ein idealer Ort der Liebe ist, bleibt das Paar gesellschaftlichen Zwängen und dem Fehlen ihrer Ehre unterworfen, was die Rückkehr in den höfischen Kontext unausweichlich macht, sobald König Marke die Verbannung aufhebt.

Was bedeutet die Entdeckung durch den Jäger für die Liebenden?

Die Entdeckung markiert das Ende des idealisierten „Wunschlebens“ in der Grotte, da die soziale Außenwelt in die abgeschirmte Sphäre eindringt und die Liebenden zwingt, erneut Schutzmechanismen wie das trennende Schwert anzuwenden.

Final del extracto de 28 páginas  - subir

Detalles

Título
Über Gottfried von Straßburgs "Tristan"
Subtítulo
Die Minnegrotte als Ort der einzig wahren Liebe?
Universidad
Dresden Technical University  (Institut für Germanistik)
Curso
Hauptseminar: Gottfried von Straßburg: Tristan
Calificación
2,0
Autor
Daniela Kirchert (Autor)
Año de publicación
2006
Páginas
28
No. de catálogo
V134998
ISBN (Ebook)
9783640427673
ISBN (Libro)
9783640425242
Idioma
Alemán
Etiqueta
Gottfried Straßburgs Tristan Minnegrotte Liebe
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Daniela Kirchert (Autor), 2006, Über Gottfried von Straßburgs "Tristan", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134998
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Extracto de  28  Páginas
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