„Dein hertze kan allein zu aller zeit bestehen“

Zu den barocken Motiven in Christian Hofmann von Hofmannswaldaus Sonett „Vergänglichkeit der schönheit“


Hausarbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1. Das Sonett
2.2. Barocke Motive
2.2.1. Vanitas und Memento mori
2.2.2. Carpe diem

3. Exkurs: Zur Rolle der Frau in der frühneuzeitlichen Gesellschaft

4. Analyse des Sonetts „Vergänglichkeit der Schönheit“
4.1. Inhalt und Form
4.2. Analyse unter dem Aspekt der Weiblichkeit
4.3. Analyse unter dem Aspekt des verwendeten Motivs

5. Fazit

6. Quellen

1. Einleitung

Christian Hofmann von Hofmannswaldau wurde 1616 in Breslau geboren und wuchs in einer lutherischen Patrizierfamilie auf. Er studierte Jura in Leiden und sollte einige Jahre später zu einer der wichtigsten Figuren in der Breslauer Politik werden. Diese Position war es aber auch, die dafür sorgte, dass der Dichter Hofmannswaldau sich gezwungen sah, gerade seine erotischen Gedichte vor der Öffentlichkeit zu verbergen. So war man sich bei der Veröffentlichung der Werke nach seinem Tode im Jahre 1679 nicht sicher, wie diese Poesie zu bewerten sei. Dennoch gilt Hofmannswaldau als „Begründer der deutschen galanten Dichtung“.[1]

Das Sonett „Vergänglichkeit der schönheit“, veröffentlicht im Jahre 1695 durch Benjamin Neukirch,[2] ist wohl eines seiner bekanntesten Sonette. Es stellt das Hauptthema dieser Arbeit dar, deren Aufgabe es sein soll, das Gedicht auf die barocken Motive Carpe diem, Vanitas und Memento mori hin zu untersuchen.

Hierzu sollen zuerst die wichtigsten Konzepte noch einmal erläutert werden, um sie anschließend bei der Analyse des Gedichtes beachten zu können. Bevor mit der genauen Analyse begonnen wird, soll jedoch ein kurzer Exkurs zur Rolle der Frau in der frühneuzeitlichen Gesellschaft angebracht werden, welcher zur besseren Bewertung des Sonettes beitragen soll. Im Anschluss daran folgt die genaue Analyse des Gedichtes, welche sich zuerst mit dem Inhalt und der Form des Werkes auseinandersetzt. In den beiden folgenden Punkten soll dann genauer nach Aspekten der Weiblichkeit und Hinweisen bezüglich der verwendeten Motive gesucht werden. Dies soll letztendlich zu einem Fazit führen, welches alle bisher erarbeiteten Punkte in einen Zusammenhang setzt und die Arbeit damit abschließt.

Für die Arbeit besonders hilfreich erwiesen sich Christian Wagenknechts Interpretation des Gedichtes (Memento mori und Carpe diem. Zu Hofmannswaldaus Sonett Vergänglichkeit der schönheit), erschienen in Gedichte und Interpretationen. Band 1. (Reclam-Verlag) und Hans-Georg Kempers Deutsche Lyrik der Frühen Neuzeit. Band 4/II, erschienen im Niemeyer-Verlag.

2. Begriffsklärung

2.1. Das Sonett

Das Sonett ist die wohl am meisten genutzte Gedichtform des Barock, welche in dieser Zeit besonders durch Martin Opitz geprägt wurde. Es entstand um 1230 am Hofe Kaiser Friedrichs II. in Sizilien im Kreise von Beamten und juristischen Gelehrten, die in der Volkssprache dichteten und existiert im europäischen Sprachraum in einigen sich nur leicht unterscheidenden Varianten.[3]

Die äußere Form des Sonetts wird durch seine 14 Verse, die laut August Wilhelm Schlegel durch Sinnabschnitte in vier Strophen geteilt werden, bestimmt.[4] Die Strophen können im italienischen Sonett, welches auch bei den Dichtern des Barock Verwendung gefunden hat, in zwei Quartette und zwei Terzette unterteilt werden. Als Versform wird bevorzugt der Alexandriner verwendet, welcher sich durch ein jambisches Versmaß und eine Silbenzahl von 12 bis 13, je nach männlichem oder weiblichem Versende auszeichnet. Eine weitere Besonderheit dieser Versform ist die Zäsur, welche auf jede dritte Hebung folgt.[5] Das Reimschema ist in der Regel so gestaltet, dass auf den umarmenden Reim in den Quartetten ein Schweifreim in den Terzetten folgt.[6]

Inhaltlich ist zu beobachten, dass in den beiden Quartetten im Allgemeinen eine Situation dargestellt wird, welche in den Terzetten kommentiert und bewertet wird. Somit enthält jedes Sonett auch immer eine klare Aussage.

2.2. Barocke Motive

2.2.1. Vanitas und Memento mori

Der Begriff Vanitas ist auf das lateinische Wort für Eitelkeit zurück zu führen und tritt im Barock als Motiv in zahlreichen Künsten auf. Typisch für das Vanitasmotiv ist „die Verbindung von vollem, sattem Leben mit dem Tod oder Todesboten“[7], welche dem Betrachter des Kunstwerkes sichtbar macht, dass alles Leben und aller Überschwang, wie er im Barock gefeiert wurde, nichtig ist, da am Ende des Lebens der Tod steht und niemand ihm entrinnen kann, ganz gleich ob Bauer oder Adeliger.

In der Literatur wurde der Vanitasgedanke besonders durch Andreas Gryphius aufgearbeitet, blieb auch von anderen Dichtern dieser Zeit nicht unbeachtet. Für die Menschen des Barock bedeutet das Motiv des Vanitas einen warnenden Hinweis, da ihre Begeisterung für wertvolle Dinge und einen bewegten Lebensstil sie dazu bringen, sich zu sehr auf das Diesseits zu konzentrieren. Sie vergaßen dabei, dass diese Dinge ihnen nach dem Tod nichts mehr nützen würden und so ermahnte sie der Vanitasgedanke, ihre wahre Bestimmung darin zu sehen, „ins Jenseits einzugehen und ein Teil der göttlichen Ewigkeit zu werden“.[8]

Oft wird das Motiv auch mit dem des Memento mori verbunden, welches lateinisch ‚gedenke des Todes’ bedeutet und demnach ebenfalls darauf abzielt, den Menschen „an die Vergänglichkeit des Menschen und den leeren Schein alles Irdischen erinnern“.[9] Die stilistischen Mittel zum Ausdruck dieser Erinnerung an den Tod gleichen denen des Vanitasgedanken.

2.2.2. Carpe diem

Folgt man Christine Konkel, so ergab sich die Widersprüchlichkeit der Lebenseinstellungen im Barock insbesondere durch die Strapazen des Dreißigjährigen Krieges. Die Hinwendung zum Jenseits ist im vorhergehenden Punkt bereits beschrieben worden. Das Motiv des Carpe Diem funktioniert ganz gegensätzlich, denn es ist gekennzeichnet durch „die Gier nach Lebensgenuss, die Verherrlichung des Diesseits und das Bestreben nach prunkvoller Repräsentation“[10]. Der Begriff an sich bedeutet ‚Lebe den Tag’ und ist somit sehr viel mehr diesseitsorientiert als die Motive des Vanitas und Memento Mori.

[...]


[1] Vgl. Kemper. Deutsche Lyrik der frühen Neuzeit. Seite 193f.

[2] Wagenknecht. Memento mori und Carpe diem. Seite 332.

[3] Schlütter. Sonett. Seite 1.

[4] Schlütter. Sonett. Seite 3.

[5] http://www.uni-duisburg-essen.de/einladung/Vorlesungen/lyrik/alexandriner.htm

[6] Schlütter. Sonett. Seite 6.

[7] http://www.kunstdirekt.net/Symbole/symbolvanitas.htm

[8] http://www.kunstdirekt.net/Symbole/symbolvanitas.htm

[9] http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_5904.html

[10] Konkel. Die Zeit des Barock.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
„Dein hertze kan allein zu aller zeit bestehen“
Untertitel
Zu den barocken Motiven in Christian Hofmann von Hofmannswaldaus Sonett „Vergänglichkeit der schönheit“
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V135023
ISBN (eBook)
9783640429295
ISBN (Buch)
9783640429134
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Barocklyrik, Hofmannswaldau, Vergänglichkeit der Schönheit, Sonett, Memento Mori, Vanitas, Carpe diem
Arbeit zitieren
Janine Börstler (Autor), 2009, „Dein hertze kan allein zu aller zeit bestehen“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135023

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