Zentrale Fragestellung: Warum 2022 eine originale Rekonstruktion des Marx-Engels-Denkmals? Das aktuelle Geschichtsbewusstsein wird getragen von der Enkelgeneration, das sich aus dem Erfahrungshorizont der Großeltern speist und über informelle Erzählung vermittelt wird (oral history). Vermehrte Fragen nach dem Leben in der DDR, den damit verwobenen persönlichen Realitäten und Alltagserfahrungen sowie die Hinüberleitung zu aktuellen gesellschaftlichen Diskursen nehmen Bezug auf diese Horizonte vor der eigenen Gegenwart. Eine Differenzierung der historischen Personen Marx und Engels, ihrem Wirken auf den Wissenschaftsdiskurs des 20. Jahrhunderts und eine klare Abgrenzung zu Vereinnahmung und Ideologisierung durch die Doktrin des Bolschewismus / Stalinismus erscheint mehr als wünschenswert.
Die Auseinandersetzung mit Augmented Reality als gestalterische Strategie und explorative Möglichkeit, innovativ mit Wissensvermittlung im öffentlichen Raum umzugehen, wirft zunächst eine ganze Reihe an Fragen auf, die Aspekte von Authentizität, Narration, Fiktion, Engagement und Prägnanz berühren. Es erscheint, als würden immer neue Fragen entstehen, je tiefer die Auseinandersetzung mit verschiedenen Bereichen stattfindet. Als erste Eingrenzung dienten eine Reihe von Fragestellungen, die sich im Verlauf der Auseinandersetzung mit der dem Denkmal zugrundeliegenden erinnerungspolitischen Thematik und den gestalterischen Aspekten von Augmentierung weiter differenzierten und sich auch vom Schwerpunkt der Arbeit her veränderten.
Inhaltsverzeichnis
1.1. ABSTRACT: 52º 31’ 06”N 13º 24’ 16” E | 29 M. ÜBER NN
1.2. KONTEXTUALISIERUNG
1.2.1. AUSGANGSMOTIV
1.2.2. GESTALTERISCHES PROBLEM
1.3. BEGRIFFSKLÄRUNGEN
1.3.1. DENKMAL: DEFINITION
1.3.2. HETEROTOPIE
1.3.3. LIMINALITÄT
1.3.4. A HERO’S JOURNEY
1.3.5. AUGMENTATION
2.1.1. MARX KURZBIO
2.1.2. ENGELS KURZBIO
2.2. WERK UND WIRKEN
2.2.1. PHILOSOPHIE: KONTEXT DEUTSCHER IDEALISMUS KANT-FICHTE-HEGEL MARX
2.2.2. DIALEKTISCHER / HISTORISCHER MATERIALISMUS (ÜBERGANG ZUM KOMMUNISMUS 1840ER JAHRE)
2.2.3. KRITIK DER POLITISCHEN ÖKONOMIE (KAPITALISMUSANALYSE)
2.3. REZEPTION
2.3.1. IDEOLOGIE: MARXISMUS (DAS KOMMUNISTISCHE MANIFEST 1849)
2.3.2. SOWJETMARXISMUS (marxismus-leninismus / stalinismus)
2.3.3. NEOMARXISMUS | NEUE LINKE
2.3.4. EMANZIPATORISCHE UTOPIE ALS KAPITALISMUSKRITIK
2.3.5. POSTMODERNE KAPITALISMUSKRITIK
2.4. DISKUSSION MARXISMUS FORSCHUNGSSTAND ZUM DENKMAL
2.5. AUGMENTED REALITY
3. ANALYSE
3.1. FREIRAUMANALYSE
3.2. KONTEXT
3.2.1. GESCHICHTE DES ORTES
3.2.2. STÄDTEBAULICHER / PLANUNGS GESCHICHTLICHER KONTEXT DDR
3.2.3. ENTSORGUNG
3.3. REZEPTIONSGESCHICHTE MARX-ENGELS-FORUM VOR 1990
3.4. FREIRAUMQUALITÄTEN HEUTE DISKURS NACH 1990
3.4.1. DEFIZITE
3.4.2. POTENTIALE (PROGRAMMATIK)
3.5. VISUELLE KOMMENTATION IM ÖFFENTLICHEN RAUM
3.5.1. VOM WESEN UND UMGANG MIT DENKMÄLERN
3.5.2. DEMONTAGE
3.5.3. KOMMENTATION BEISPIELE
3.5.4. AUSTAUSCH / ERGÄNZUNG WEITERE BILDWERKE DES SOZIALISMUS IN BERLIN
3.5.5. WESTBERLIN DENKMALORTE FÜR ROSA LUXEMBURG UND KARL LIEBKNECHT
3.6. ERINNERUNGSKULTUR, MATERIALITÄT UND GEDÄCHTNIS
3.7. UTOPISCHE ARCHITEKTUR REVOLUTIONSARCHITEKTUR LEDOUX / BOULEE
4.1. METHODEN DEKONSTRUKTION_RE THINK
4.2. KONZEPT_CREATE NARRATIVE SHIFT: fragen
4.3. GESTALTUNG AR_MAKE (PROTOTYPING)
4.3.1. GEGENÜBERSTELLUNG IDEOLOGIE-REALITÄT
4.3.2. MARX AS UTOPIA
4.3.3. UMDEUTUNG DENKMAL LABORATORIUM AR-EXPERIENCE
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der Rekonstruktion des Marx-Engels-Denkmals in Berlin-Mitte auseinander und entwickelt ein digitales, immersives Konzept als gestalterische Strategie zur Wissensvermittlung, um die durch das Denkmal konstruierte, staatlich gelenkte Erinnerungskultur zu hinterfragen, zu dekonstruieren und eine Diskussion über aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen anzuregen.
- Kritische Analyse der Berliner Erinnerungskultur und der Transformation des Marx-Engels-Forums.
- Untersuchung des Konzepts von Augmented Reality als exploratives Werkzeug im öffentlichen Raum.
- Theoretische Fundierung durch marxistische Philosophie, Rezeptionsgeschichte und utopische Architekturmodelle.
- Entwicklung eines prototypischen AR-Konzepts zur Transformation von Denkmälern in lebendige narrative Labore.
Auszug aus dem Buch
1.2.2. GESTALTERISCHES PROBLEM
in der reihenfolge von formalen zu inhaltlichen kriterien:
• desolater ist-zustand / unkommentierte denkmalsituation: nicht zusammenhängend lesbarer stadtraum marx-engels-forum / rathausforum, verlust der ursprünglichen freiraumkonzeption sozialistische zentrumsfläche durch pflegemangel und unkoordinierte einzelmaßnahmen der aufwertung / qualifizierung des stadtgrüns, baumbestand stark ausgewachsen, dadurch entkoppelung der sichtbezüge der gesamtanlage.
• entwurf landscape: gestalterischer ansatz aus der perspektive der planungswissenschaftlichen disziplin mit fragestellungen nach nutzungsangeboten, oberflächen, barrierefreiheit und pflanzenverwendung, bedient sehr zeitgenössisch-geschmäcklerische konventionen aktueller landschaftsarchitektur; die vom wettbewerbsauslober angestrebte denkmalintegration ist jedoch aufgezwungen und wirkt dadurch wie ein fremdkörper, die funktional mangelhafte ausformulierung dieser aufgezwungenen situation wurde auch durch das preisgericht bemängelt
• outcome partizipativer prozess unbefriedigend, oberflächlich, bietet keinen gestalterischen ansatz
• relevanz von marx’ ideen für heutige gesellschaftliche diskurse nicht unmittelbar ersichtlich / erlebbar, kein emotionaler bezug bei weiten teilen der gesellschaft
der mehrwert der wiederherstellung für heutige pluralistisch-gesamtdeutsche gesellschaft ist nicht nachvollziehbar in dieser sozialistischen formulierung als denkmalensemble mit ideologischem zeitstrahl und begleitenden bildwerken.
es bleibt ein befremdendes relikt aus einer untergegangenen zeit, das einer einordnung / erklärung bedarf, wenn es mehr sein soll als ein erinnerungspolitisches feigenblatt einer geschichtsinteressierten enkelgeneration oder nostalgisch anmutender instagrammable fotostopp auf einer berliner sightseeing tour.
Zusammenfassung der Kapitel
1. KONTEXTUALISIERUNG: Einleitung in die Problematik der Denkmalrekonstruktion, Definitionen der theoretischen Begriffe und Darstellung des gestalterischen Problems.
2. REZEPTION: Tiefgehende theoretische Untersuchung der Philosophie von Marx und Engels, deren Rezeptionsgeschichte sowie die ideologische Entwicklung zum Marxismus-Leninismus und dessen Kritik.
3. ANALYSE: Analyse des Marx-Engels-Forums anhand seiner städtebaulichen und planungsgeschichtlichen Entwicklung sowie Diskussion der heutigen Situation und aktueller Deutungsansätze.
4. METHODEN: Herleitung und Entwicklung des konzeptionellen AR-Ansatzes (Prototyping) zur kritischen Auseinandersetzung und Umdeutung des Denkmals.
Schlüsselwörter
Marx-Engels-Forum, Erinnerungskultur, Augmented Reality, Denkmalkritik, Sozialistischer Realismus, Stadt als Palimpsest, Immersive Medien, Transformation, Dekonstruktion, Historischer Materialismus, Berliner Stadtmitte, Wissensvermittlung, Politische Ikonographie, Ideologie, Interface Design.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht kritisch die Neugestaltung und Rekonstruktion des Marx-Engels-Denkmals in Berlin-Mitte und erforscht Möglichkeiten, dieses Denkmal im öffentlichen Raum durch digitale Mittel neu zu kontextualisieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen Erinnerungskultur, marxistische Ideengeschichte, das Konzept des Denkmals im urbanen Raum sowie die Anwendung von Augmented Reality als Vermittlungsstrategie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Entwicklung eines prototypischen, konzeptionellen AR-Rahmenwerks, um das Marx-Engels-Denkmal aus seiner statischen Interpretation zu lösen und einen interaktiven, reflexiven Lernraum zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein interdisziplinärer, dekonstruktivistischer Ansatz gewählt, der sich aus planungswissenschaftlichen, geisteswissenschaftlichen und medienkünstlerischen Disziplinen speist.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Voraussetzungen und städtebaulichen Transformationen des Forums, beleuchtet das philosophische Erbe von Marx und Engels und stellt dies aktuellen AR-Strategien gegenüber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Erinnerungskultur, Transformation, Dekonstruktion, AR-Experience und Ideologietransformation beschreiben den Kern der Untersuchung.
Warum wird eine AR-Strategie für diesen Ort gewählt?
AR bietet die Möglichkeit, eine immaterielle, non-invasive Overlay-Ebene zu schaffen, die den Ort kritisch kommentiert und so eine dynamische Auseinandersetzung ermöglicht, ohne das physische Denkmal zu zerstören.
Wie unterscheidet sich dieser Ansatz vom klassischen Museum?
Im Gegensatz zum Museum, das auf das Authentische setzt, arbeitet die AR mit virtuellen Repräsentationen und räumlicher Interaktion, was eine explorative, non-lineare Auseinandersetzung ermöglicht, die den Nutzer zum Akteur macht.
- Quote paper
- Konstantin Arnold (Author), 2022, Die Rekonstruktion des Marx-Engels-Denkmals. Welcher Erfahrungsraum entsteht, wenn eine immaterielle Intervention auf das materielle Artefakt trifft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1350320