Deutsch als Fremdsprache in Korea

Gesellschaftliche Bedingungen, strukturelle Sprachvergleiche und Erwerbsanalysen


Forschungsarbeit, 2009

72 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Die Bedeutung der deutschen Sprache in Korea

II. Kausalitätsmarkierungen im Deutschen und im Koreanischen

III. Funktionsverbgefüge im Deutschen und im Koreanischen

IV. Kommunikationsstrategien koreanischer Deutschlerner und deutscher Koreanischlerner

V. Fehler in den schriftlichen Arbeiten koreanischer Deutschlerner

I. Die Bedeutung der deutschen Sprache in Korea

1.0 Einleitung

Die deutsche Sprache erfreut sich in Korea seit langer Zeit großer Beliebtheit. Giersberg (1998, 467) nennt als Gründe für das Interesse vieler Koreaner an Deutschland und der deutschen Sprache das in Korea bestehende positive Deutschlandbild, die Bewunderung für deutsche Dichter und Denker und, seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die jüngste Vergangenheit, insbesondere die historisch-politische Situation Deutschlands als einem geteilten Land, die als Parallele zur koreanischen Situation empfunden wird. Auch Ammon/Chong (2003, 9) heben die ungewöhnlich starke Stellung des Deutschen in Korea hervor, indem sie betonen:

„Soviel Zuwendung zur deutschen Sprache in einem Land, das derart weit entfernt ist, geographisch wie kulturell und sprachlich! Darin ist Korea einmalig, mit allenfalls einer einzigen Ausnahme. Die wenigsten Deutschen oder Einwohner deutschsprachiger Länder sind im Bild darüber oder wissen überhaupt etwas davon“.

Trotz dieser für das Deutsche positiven Situation ist, nach Durchführung der 1995 begonnenen Bildungsreformen, die Zahl der Deutschlerner an Gymnasien und Berufsschulen und der Germanistikstudierenden an koreanischen Hochschulen deutlich rückläufig. Gab es im Jahre 1995 beispielsweise noch insgesamt 64 germanistische Hochschulabteilungen mit 13425 Studierenden, so war diese Zahl bereits sechs Jahre später auf 50 Abteilungen mit nur noch 6039 Studierenden geschrumpft (Statistical Yearbook of Education 1995 und 2001).

Auf die Gründe dieser rückläufigen Tendenzen wird im folgenden Beitrag ebenso einzugehen sein wie auf die nach wie vor bestehende, sich aber inhaltlich wandelnde Beliebtheit der deutschen Sprache. Schließlich ist nach der zukünftigen Bedeutung und Perspektive für die deutsche Sprache in Korea zu fragen.

2.0 Interesse an der deutschen Sprache – Aufschwung und allmählicher Niedergang

Chon (2003, 17) betont, dass das Interesse an der deutschen Sprache und die Förderung derselben in besonderer Weise einem Deutschen geschuldet ist, der in den 1880er Jahren von China nach Korea kam. Hierbei handelt es sich um den Juristen und Diplomaten Paul Georg von Möllendorff, der in China bei der Seezollbehörde tätig war und im Jahre 1882 an den Hof des koreanischen Königs Gojong kam, wo er in späteren Jahren als Staatsminister im Auswärtigen Amt fungierte. Möllendorff engagierte sich in vielen Bereichen, insbesondere auch für den Fremdsprachenunterricht und die Schulreform. Auf seine Initiative geht auch die Gründung einer Dolmetscherschule zurück sowie die Gründung der ersten deutschen Schule in Korea, die 1898 mit Unterstützung des Hofes ins Leben gerufen wurde. Die Existenz dieser Schule endete jedoch im Jahre 1910 jäh mit der Annexion Koreas durch Japan. Die Besatzung Koreas führte jedoch wie Chon (2003, 18) betont, nicht zu einem Niedergang der Bedeutung der deutschen Sprache, da Deutsch zu diesem Zeitpunkt, zusammen mit Englisch, bereits einen „prominenten Platz in der Hierarchie der Fremdsprachen“ (Chon ebd.) auch in Japan einnahm. Iwasaki (1994, 7) hebt hervor, dass Schüler der japanischen Eliteschulen in der Vorkriegszeit sogar ausschließlich Deutsch und Englisch und teilweise auch Französisch hätten lernen können. Geographisch und teilweise sprachstrukturell näher liegende Fremdsprachen wie Koreanisch, Chinesisch oder Russisch seien seinerzeit nicht im Fächerangebot vertreten gewesen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Wiedererlangung der koreanischen Unabhängigkeit behielt Deutsch eine wesentliche Stellung im schulischen und universitären Fremdsprachenangebot Koreas. Während das Englische eine unangefochtene Spitzenstellung einnahm, konkurrierte das Deutsche zusammen mit dem Französischen im Bereich der zweiten Fremdsprachen (Wahlpflichtfächer an Oberschulen).

Französisch wurde jedoch erst später als Deutsch, nämlich in den 1960er Jahren, als Unterrichtsfach in den Kanon der koreanischen Gymnasien aufgenommen. Die heutzutage unter koreanischen Oberschülern so beliebte Fremdsprache Japanisch wurde sogar erst 1982 offiziell als Unterrichtsfach zugelassen, gefolgt von Chinesisch und den erst 1992 zugelassenen Fremdsprachenfächern Russisch und Spanisch. Schließlich erfolgte im Jahre 2002 noch die Aufnahme von Arabisch in den Unterrichtskanon. Yang (1998, 463) belegt anhand von Statistiken, dass Deutsch im Jahre 1994 in der Gesamtzahl der Lehrer und Lerner bereits hinter Japanisch und der dominanten ersten Fremdsprache Englisch nur noch auf Platz drei zu verzeichnen gewesen sei, wie die im folgenden präsentierten Zahlenwerte belegen. In dieser Statistik (Yang 1998, 463) ist das Englische aufgrund seiner unangefochtenen Spitzenposition gar nicht erst berücksichtigt.

Anzahl der Fremdsprachenlehrer (1994):

1) An humanistischen Gymnasien:

Deutsch: 1189

Französisch: 722

Japanisch: 728

Chinesisch: 124

Spanisch: 32

2) An Berufsoberschulen:

Deutsch: 153

Französisch: 109

Japanisch: 820

Chinesisch: 47

Spanisch: 3

3) Gesamtzahl der Fremdsprachenlehrer:

Deutsch: 1342

Französisch: 831

Japanisch: 1548

Chinesisch: 171

Spanisch: 35

Anzahl der Fremdsprachenlerner (1994):

1) An humanistischen Gymnasien:

Deutsch: 504.769

Französisch: 288.373

Japanisch: 324.750

Chinesisch: 42.312

Spanisch: 9.103

2) An Berufsoberschulen:

Deutsch: 39.414

Französisch: 23.363

Japanisch: 481.487

Chinesisch: 19.140

Spanisch: 1.263

3) Gesamtzahl:

Deutsch: 544.181

Französisch: 316.736

Japanisch: 806.237

Chinesisch: 61.452

Spanisch: 10.366

Die Zahlen belegen, dass an humanistischen Gymnasien die Zahl der Deutschlehrerinnen und -lehrer im Jahre 1994 noch deutlich größer war als die der Japanisch- und Französischlehrer. Chinesisch- und Spanischlehrende waren zu diesem Zeitpunkt an den Gymnasien noch deutlich unterrepräsentiert. Eine andere Hierarchie bezüglich der Lehrerzahlen zeigte sich dagegen an den Berufsoberschulen, an denen die zahlenmäßige Dominanz der Japanischlehrenden auffällt. Deutsch liegt hier hinsichtlich der Lehrerzahlen jedoch noch deutlich vor Französisch. Es zeigt sich bei der Betrachtung der Gesamtzahl der Fremdsprachenlehrenden eindeutig die eingangs erwähnte Zweitposition des Japanischen hinter dem Englischen. Deutsch liegt also nur noch auf Platz drei hinter Englisch und Japanisch, jedoch noch mit deutlichem Vorsprung vor Französisch.

Bezüglich der Lernerzahlen korrespondiert die hohe Zahl der Deutschlehrenden an Gymnasien im Jahre 1994 mit einer hohen Zahl an Fremdsprachenlernern in dieser Fremdsprache. Deutsch liegt deutlich vor Japanisch und Französisch, während Chinesisch und Spanisch an den Gymnasien noch deutlich unterrepräsentierte Fremdsprachen sind. Ganz anders das Bild an den Berufsoberschulen, an denen Japanisch mit deutlichem Abstand vor Deutsch und Französisch dominiert. Die Zahl der Chinesischlernenden entspricht dabei fast der Zahl der Französischlerner. Insgesamt, unter Berücksichtigung der Lernerzahlen an Gymnasien und Berufsoberschulen, hat das Japanische dem Deutschen deutlich den Rang der zweitgrößten Fremdsprache nach Englisch abgelaufen.

Betrachtet man die Zahlen der Deutschlerner an koreanischen Gymnasien über einen längeren Zeitraum, so ist der Rückgang der Deutschlerner noch augenfälliger. Haidorfer (2005) verweist darauf, dass im Jahre 1979 noch 75% aller Oberschüler Deutsch gelernt hätten, während diese Zahl im Jahre 2002 nur noch bei etwa 12% lag. Deutsch rangiert damit in der Lernergunst hinter Englisch, Japanisch und erstmals auch Chinesisch, bleibt jedoch nach Englisch die wichtigste europäische Sprache vor Französisch, Spanisch und Russisch.

Lie (2003, 8) hebt für die Jahre 2001 und 2002 hervor, dass immer mehr Schulen bedarfsorientiert dazu übergegangen seien, Deutsch- und Französischlehrende zu Japanisch- und Chinesischlehrenden umzuschulen, da für diese beiden Sprachen Lehrermangel bestehe. In den Jahren 2001 und 2002 habe die Zahl der solchermaßen umgeschulten Lehrkräfte bei jeweils ca. 400 gelegen.

3.0 Die Situation der Germanistik in Korea

Die Zahl der Germanistikstudierenden an koreanischen Hochschulen ist in den Jahren von 1980 bis 1995 zunächst rapide gestiegen und hat sich in diesem Zeitraum nahezu verzehnfacht. Die hohe Zahl der Germanistikstudenten und Deutschlerner hing jedoch nach Yang (1998, 464) ursächlich auch mit der Stellung des Deutschen als Wahlpflichtfach an koreanischen Hochschulen zusammen. Yang (ebd.) betont, dass Deutsch von koreanischen Studierenden häufig nicht aus Wissbegierde gewählt worden sei, sondern deshalb, weil die grammatischen Regeln bereits in der Oberschule erlernt worden seien und sich Lernende deswegen einen leichteren Zugang zu dieser Sprache und damit bessere Noten versprochen hätten. Es habe eine deutlich extrinsische Motivation dominiert. Die zweiten Fremdsprachen (Wahlpflichtfächer) waren in der Vergangenheit an koreanischen Universitäten insbesondere auch für diejenigen Studierenden von Bedeutung, die das juristische Staatsexamen oder aber die Aufnahme in postgraduierte Magister- oder Doktorkurse anstrebten. Auch bei der Einstellung von Journalisten oder von Angestellten in einigen Wirtschaftsbranchen wurde auf Kenntnisse in weiteren Fremdsprachen jenseits des Englischen geachtet. Die seit 1995 in Korea durchgeführten Bildungsreformen schwächen jedoch die Stellung des Deutschen sowohl an Schulen als auch an Universitäten in eklatanter Weise dadurch, dass die zweiten Fremdsprachen nicht mehr obligatorisch gelehrt werden, sondern es den Schülern und Studierenden selbst obliegt, neben dem Englischen eine weitere Fremdsprache zu wählen oder nicht. Die größere Freiheit in der Wahl der Schul- und Studienfächer führt dazu, dass die Privilegien, die die deutsche Sprache über Jahre hinweg genoss, allmählich verloren gehen. Die in Korea durchgeführten Reformen, namentlich die Reduktion der Pflichtstundenzahl und die Möglichkeit des Fächerwechsels während des Grundstudiums (innerhalb einer Fakultät) haben zu einem starken Rückgang der Immatrikulationen für das Fach Germanistik geführt. Lie (2003, 9) verweist darauf, dass von den verbliebenen germanistischen Abteilungen an koreanischen Universitäten zudem nur noch eine geringe Zahl als eigenständige Abteilungen existieren. Die anderen wurden, teilweise zusammen mit der Romanistik, in größere Fachgruppen einbezogen, die unter folgenden Namen geführt werden:

Sprache und Kultur im Westen

Sprache und Literatur

Sprache in Europa

Sprache und Kultur in Europa

Sprache und Literatur in Europa.

Die Koreanische Gesellschaft für Deutsch als Fremdsprache hat im Jahre 1996 einen Versuch unternommen, dieser rückläufigen Tendenz durch die Forderung entgegenzutreten, Deutsch als Pflichtfach in die Zulassungsprüfungen der Universitäten aufzunehmen. Vor dem Hintergrund der bereits angelaufenen Reformen wurde diese Forderung jedoch als Anachronismus wahrgenommen.

Dass sich viele Studierende in der Vergangenheit für ein Studium der Germanistik entschieden, hing nach Giersberg (1998, 467) auch damit zusammen, dass für die Zukunft der Studierenden die Aufnahme an einer anerkannten Universität von weitaus größerer Bedeutung war als das gewählte Fach. Giersberg (1998, 468) führt dazu weiter aus:

„Das Studium allgemein beliebter Fächer wie Medizin, Jura und Wirtschaftswissenschaften bleibt denjenigen vorbehalten, die ein sehr gutes Ergebnis erzielen.

Die Germanistik findet sich auf der Beliebtheitsskala auf einem der letzten Plätze. Das Studienfach wird in Korea also in den wenigsten Fällen aus Neigung und Interesse gewählt. Es gilt: Lieber Germanistik an einer anerkannten Hochschule als das Fach der Träume an einer kleinen Provinzuniversität. Somit ist es die Regelung für den Einstieg in den Hochschulbetrieb, die die hohe Zahl der Germanistikstudenten weitgehend erklärt“.

Studierende der Germanistik erfahren zudem heutzutage immer häufiger, dass sie nur geringe Chancen besitzen, ihre erworbenen Deutschkenntnisse in einen Beruf einbringen zu können. Arbeitsmöglichkeiten ergeben sich allenfalls, und auch das nur reduziert, im öffentlichen Sektor. Koreanische Firmen oder auch deutsche Firmen in Korea erwarten von ihren Mitarbeitern in erster Linie hervorragende Englischkenntnisse. Gute Deutschkenntnisse werden jedoch nicht als eine Basis-, sondern allenfalls als eine Zusatzqualifikation betrachtet.

Hinzu kommt, dass die Inhalte des Germanistikstudiums mit den Anforderungen einer sich rapide wandelnden Gesellschaft nicht länger kompatibel zu sein scheinen. Yang (1998, 465) stellt für die Fremdsprachenphilologien fest:

„Alle fremdsprachlichen Fakultäten halten gemeinsam „Schöne Literatur“ für wichtig. Meines Erachtens ist das ein Beweis dafür, dass die Bildungspolitiker noch an den vergangenen Bildungstraditionen hängen. Man kann sagen, die Studierenden lernen die sprachlichen Regeln, um literarische Texte lesen zu können. Man findet in den Lernzielbestimmungen keinen Unterschied zwischen denen des 19. Jahrhunderts und den heutigen“.

4.0 Ausblick – Mögliche Zukunftsperspektiven

Die deutsche Sprache ist im Korea des 21. Jahrhunderts weniger präsent als sie es noch zu Beginn der 1990er Jahre war. Köhler (2005, 2) führt aus, dass das Deutsche in der Philosophie an koreanischen Universitäten immer noch einen gewissen Status besitzt. Eine ähnliche Situation stellt er für die Theologie und die Musikwissenschaft fest. Im Bereich der Rechtswissenschaften sieht die heutige Situation bereits deutlich schlechter aus. Die im Jahre 2003 reformierte Studien- und Prüfungsordnung für das juristische Staatsexamen verlangt als Fremdsprache ausschließlich Englisch. Der Stellenwert der in diesem Fachbereich traditionell starken deutschen Sprache ist gefährdet.

Was kann angesichts dieser Situation zur Überwindung der Krise getan werden? Ha (2003) postuliert, die Hochschulgermanistik solle sich nicht länger ausschließlich an den Germanistikstudierenden orientieren, deren Berufschancen immer geringer werden, sondern verstärkt auch an den von ihm so genannten „echten Lernern“, die zu einem bestimmten Zweck und häufig sehr engagiert Deutsch lernen. Ha (2003, 400) fordert, die koreanischen Hochschullehrer sollten sich „ernsthaft mit der Frage beschäftigen, ob ihre Forschungs- und Lehraktivitäten den gesellschaftlichen Anforderungen“ entsprächen. Die Nicht-Germanisten sollten als eine wichtige Hauptzielgruppe definiert und angemessene Curricula, Unterrichtsmethoden und -materialien für sie entwickelt werden. Für Nicht-Germanisten könnten an den Universitäten Sprachenzentren eingerichtet werden, die Lernenden die Möglichkeit böten, durch Erweiterung ihrer Deutschkenntnisse ihre Berufsaussichten zu verbessern. Ha (2003, 401) schlägt folgende weitere Reformen vor:

„Diversifizierung der Deutschlernangebote zwischen den Universitäten gemäß der jeweiligen Verbindung mit einem Fachstudium,

den hiesigen Bedingungen angemessene, lernerorientierte und regionalspezifische Lehrmaterialien, die möglichst in Zusammenarbeit mit Deutschen entwickelt werden,

auf die hiesigen Bedingungen zugeschnittene, möglichst konkret beschriebene Lernziele sowie

Lehr- und Forschungstätigkeiten, die die gesellschaftlichen Anforderungen an die Germanistik stärker berücksichtigen“.

Köhler (2005, 2) kritisiert an Has Vorschlag die „hemmungslose Verwendung von Marktvokabular“. Ausschließlich den „Bedürfnissen des Marktes“ gerecht zu werden, sei für Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften, die sich nicht damit begnügen könnten, praktisch brauchbare Fertigkeiten zu vermitteln, unzureichend und kurzsichtig. Es ginge immer auch um die Vermittlung von Werten, ohne die auch die Wirtschaft zum Selbstzweck degeneriere. Grundsätzlich sei jedoch die Hinwendung zu einem neuen Forschungsparadigma, den „German Studies“ zu begrüßen. Ha (2003, 403) hält in seinem Fazit den Rückgang des Bedarfs an Deutsch an koreanischen Schulen und Universitäten für unvermeidlich. Dies könne eine negative Kettenreaktion auslösen. Ha (ebd.) führt dazu aus:

„Die Anzahl von Deutsch-Experten geht zurück, ihre Berufschancen verschlechtern sich weiter, viele Institutionen müssen geschlossen, Forschungsaktivitäten beschränkt werden usw.“.

Noch geht, wie Ammon/Chong (2003, 9) hervorheben, die Zahl der Lernenden und Studierenden von Deutsch und Germanistik „noch immer in die Hunderttausende“ und ist damit „auch absolut noch weit höher als im riesigen Nachbarland China“. Doch Vorsicht ist geboten.

„Gerade wegen der ungewöhnlichen Konstellation: geographisch und kulturell-sprachlich große Distanz zu den deutschsprachigen Ländern bei gleichzeitiger besonderer Beflissenheit der Aneignung ihrer Sprache und Kultur, hat in Korea das nachlassende Interesse am Deutschlernen krisenhafte Ausmaße angenommen. Man schließt nicht mehr aus, dass Deutsch – als eine bis vor kurzem besonders wichtige Fremdsprache dieses wichtigen fernöstlichen Landes – dort eines Tages ganz von der Bildfläche verschwindet“.

5.0 Literatur

Ammon, U./Chong, S.-H.: Die deutsche Sprache in Korea. Geschichte und Gegenwart. München 2003.

Chon, Song-U: „Die Bedeutung von Deutsch und anderen Fremdsprachen für koreanische Natur- und Geisteswissenschaftler“. In: Ammon, U./Chong, S.-H.: Die deutsche Sprache in Korea. Geschichte und Gegenwart. München 2003, 15-25.

Giersberg, D.: „Deutsch unter Druck? Zur Stellung der Germanistik in Südkorea“. In: Informationen Deutsch als Fremdsprache 25, 4 (1998), 467-469.

Ha, S.-G.: „Zum Bedarf von Kenntnissen der deutschen Sprache und Kultur in Korea auch in Zukunft“. In: Ammon, U./Chong, S.-H.: Die deutsche Sprache in Korea. Geschichte und Gegenwart. München 2003, 397-405.

Haidorfer, G.: „Loreley auf dem Mobiltelefon“. Online-Quelle (2005): http://www.jf-archiv.de/archiv05/200507021132.htm

Iwasaki, E.: Vorwort zu Ulrich Ammon (Hrsg.): Die deutsche Sprache in Japan. München 1994.

Köhler, K.: „Bedrohtes Bildungsgut. Die deutsche Sprache in Korea“. Online-Quelle (2005):

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=7409&ausgabe=200409

Lie, K.-S.: „Stellung der deutschen Sprache an koreanischen Universitäten“. Online-Quelle (2003): http://kgg.german.or/kr/kr/kzg/kzgtxt/86-07.pdf

Statistical Yearbook of Education: Seoul 1995, 2000 und 2001.

Yang, D.-W.: „Die Stellung des Deutschen in Korea”. In: Informationen Deutsch als Fremdsprache 25, 4 (1998), 461-466.

II. Kausalitätsmarkierungen im Deutschen und im Koreanischen

1.0 Einleitung

Im vorliegenden Beitrag sollen die Möglichkeiten der Kausalitätsmarkierung im Deutschen und im Koreanischen erörtert werden.

Der Kausalzusammenhang wird von Hartung (1961, 55) als „eine spezifische Relation zwischen zwei Sachverhalten (Erscheinungen) definiert, die dann gegeben ist, wenn der eine Sachverhalt den anderen notwendig hervorbringt. Der Sachverhalt, der den anderen hervorbringt, ist die Ursache, der hervorgebrachte die Wirkung“. Kausalzusammenhänge bestehen also im Kern immer in einer Ursache-Wirkung-Beziehung.

Der Duden (1998, 791) weist darauf hin, dass der Begriff der Kausalität auf sprachliche Äußerungen der Alltagssprache „nicht im wissenschaftlich strengen Sinn“ angewandt werden kann. Diese Ansicht wird anhand der folgenden Beispiele belegt:

Weil der Motor kaputt war, brannte auch das Lämpchen nicht mehr.

Weil das Lämpchen nicht mehr brannte, war der Motor kaputt.

Laut Duden (ebd.) lassen sich die Unterschiede zwischen den Teilsätzen anhand der folgenden Paraphrasen verdeutlichen:

Dass der Motor kaputt war, war der Grund dafür, dass auch das Lämpchen nicht mehr brannte.

Dass das Lämpchen nicht mehr brannte, war ein Zeichen dafür, dass der Motor kaputt war.

Nur in dem ersten Beispielsatz stecke hinter der Konjunktion weil tatsächlich eine Kausalbeziehung. Der zweite Fall sei als eine Art Symptombeziehung zu verstehen.

Obwohl Satzgefüge der „Symptombeziehung“ gegen die Sprachlogik im strengen Sinne verstießen, kämen sie in der Alltagssprache relativ häufig vor.

Hinsichtlich der sprachlichen Realisierungsmöglichkeiten der Kausalität durch Kausalsätze im weiteren Sinne differenziert Jude (1972, 273) zwischen den folgenden fünf Satztypen:

- eigentliche Kausalsätze (Begründungssätze)
- Finalsätze (Absichtssätze)
- Konditionalsätze (Bedingungssätze)
- Konzessivsätze (Einräumungssätze)
- Konsekutivsätze (Folgesätze)

Kausalitätsmarkierende Wortklassen sind im Wesentlichen die kausalen Konjunktionen, die Kausaladverbien und die kausalen Präpositionen. Drosdowski (1984, 376) zählt zu den kausalen Konjunktionen die Konjunktionen denn und weil, wobei denn ausschließlich zwischen Sätzen stehen kann (Duden 1998, 403):

Wir gingen wieder ins Haus, denn es war draußen sehr kühl geworden.

Das schlechte, weil fehlerhafte Buch. Das Buch ist schlecht, weil fehlerhaft.

Während mit denn und weil eine Begründung ausgedrückt (rein kausal) wird, wird mit wenn auch eine Einräumung (konzessiv) markiert:

Der gute, wenn auch langsame Arbeiter …

Er arbeitet gut, wenn auch langsam.

Weil und wenn auch werden zwischen zwei Adjektive gesetzt (Duden 1998, 403).

Kausaladverbien wie darum oder folglich stehen in der Regel zwischen den Sätzen an erster Position. Es folgen das konjugierte Verb an zweiter und das Subjekt an dritter Position:

Er will arbeiten, darum hat er sein Zimmer gekündigt.

Durch Umstellung ist eine Positionierung der Kausaladverbien an dritter Stelle möglich:

Er will arbeiten, er hat darum sein Zimmer gekündigt.

Weitere kausale und logische Adverbien sind u.a. deswegen, nämlich, anstandshalber, meinethalben, demzufolge, somit etc.

Kausale und logische Adverbien gehören laut Duden (1998, 370f.) zusammen mit den konditionalen und konsekutiven Adverbien, den konzessiven, restriktiven und adversativen Adverbien und den interrogativ und relativisch gebrauchten Konjunktionaladverbien zur Gruppe der Konjunktionaladverbien. Konjunktionaladverbien nehmen „eine Zwischenstellung zwischen Adverbien und Konjunktionen ein“ (Duden 1998, 370) und setzen Gegebenheiten oder Sachverhalte zueinander in Beziehung oder verbinden sie.

Zu den kausalen Präpositionen im weitesten Sinne rechnet der Duden (1998, 370) die folgenden:

angesichts, anlässlich, auf, aus, behufs, bei, betreffs, bezüglich, dank, durch, für, gemäß, halber, infolge, kraft, laut, mangels, mit, mittels(t), nach, ob, seitens, trotz, über, um, um … willen, unbeschadet, ungeachtet, unter, vermittels(t), vermöge, von, vor, wegen, zu, zufolge, zwecks.

Der Duden (1998, 390) weist darauf hin, dass Präpositionen wie behufs, betreffs, bezüglich, mangels, seitens, vermittels(t) und zwecks als Papierdeutsch gelten.

Wegen und für gehören nach Drosdowski (1984, 376) zu den kausalen bzw. konsekutiven Präpositionen im engeren Sinne:

Sie konnten wegen des Regens nicht gehen.

Er ist zum Weinen glücklich.

Im folgenden Kapitel stehen nun zunächst die kausalen Satztypen im Deutschen im Mittelpunkt. Anschließend wird näher auf die syntaktische Struktur von Kausalsätzen mit kausalen Konjunktionen eingegangen. Im dritten Kapitel werden die Möglichkeiten der Kausalitätsmarkierung im Koreanischen erörtert. Hierbei findet insbesondere die Verwendung von Kausaladverbien und kausalen Hilfspartikeln („connectors“) Berücksichtigung.

2.0 Kausalitätsmarkierungen im Deutschen

2.1 Eigentliche Kausalsätze

Eigentliche Kausalsätze bezeichnen den Grund der Hauptsatzhandlung auf die Fragen: Warum? Weshalb? Weswegen? Wodurch? Als Konjunktionen werden in den eigentlichen Kausalsätzen vornehmlich weil, da, denn und zumal verwendet.

„Da/Weil eine Baustelle eingerichtet wird, gibt es eine Umleitung. Die Tanzweisen vermischten sich, da in jedem Saal etwas anderes gespielt wurde, z u einem wilden, ohrenbetäubenden Lärm“.

(Duden 1998, 789)

Der eigentliche Kausalsatz kann auch durch die Konjunktion dass eingeleitet werden. Ihr entsprechen im Hauptsatz die Korrelate darum, deswegen, deshalb. Zu den in eigentlichen Kausalsätzen verwendeten Kausaladverbien gehören darum, deshalb, deswegen etc. Kausale Relationen können auch durch Präpositionen wie auf, aus, infolge, um …willen, vor, wegen etc. markiert werden.

2.2 Finalsätze

Ein Finalsatz gibt an, zu welchem Zweck sich das Geschehen im übergeordneten Satz vollzieht. Finalsätze werden häufig durch die Konjunktionen damit und dass eingeleitet. Ein finaler Nebensatz kann durch die Verwendung von darum, deswegen, deshalb, dazu im Hauptsatz angekündigt werden. Konjunktionale Nebensätze lassen sich durch um + zu + Infinitiv bzw. durch zu + Infinitiv substituieren.

2.3 Konditionalsätze

In einem Konditionalsatz wird die Bedingung genannt, unter der sich das im übergeordneten Satz genannte Geschehen vollzieht. Konditionalsätze werden häufig durch die Konjunktionen wenn oder falls eingeleitet. Als entsprechende Hauptsatzkorrelate können dann, als dann oder so auftreten.

2.4 Konzessivsätze

Der Konzessivsatz nennt einen Gegengrund zu dem im übergeordneten Satz genannten Sachverhalt. Konzessivsätze können durch die Konjunktionen obgleich, obwohl, obschon, wenn auch, wennschon, wenngleich etc. eingeleitet werden. Seltener kommen die Anschlussmittel ungeachtet und gleichwohl vor. Entsprechende Korrelate im Hauptsatz sind trotzdem oder dennoch. Als konzessive Kausaladverbien können u.a. dennoch, allerdings und indessen auftreten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Deutsch als Fremdsprache in Korea
Untertitel
Gesellschaftliche Bedingungen, strukturelle Sprachvergleiche und Erwerbsanalysen
Autor
Jahr
2009
Seiten
72
Katalognummer
V135033
ISBN (eBook)
9783640429431
ISBN (Buch)
9783640429356
Dateigröße
705 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsch, Fremdsprache, Korea, Gesellschaftliche, Bedingungen, Sprachvergleiche, Erwerbsanalysen
Arbeit zitieren
Prof. Dr. phil. Frank Kostrzewa (Autor), 2009, Deutsch als Fremdsprache in Korea, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135033

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