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Völkerrechtsbruch oder humanitäre Intervention?

Der öffentliche Disput um den Kosovo-Einsatz der Bundeswehr

Title: Völkerrechtsbruch oder humanitäre Intervention?

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 15 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Robert Leuck (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Anfang der 1990er Jahre traten neue ethno-nationalistische Konflikte in Erscheinung und haben in den westlichen Demokratien Fragen militärischer Interventionen in nichtdemokratischen Staaten aufgeworfen. Westliche Demokratien begannen im Rahmen ihrer Außen- und Sicherheitspolitik die Achtung und Durchsetzung von Menschenrechten stärker zu berücksichtigen. Die Ansicht, dass militärische Interventionen primär aus humanitären Gründen legitimiert werden können, stieß in westlichen Demokratien auf wachsende Zustimmung. Bedeutsam ist diese Entwicklung im Vorgehen westlicher Demokratien im Konflikt um das Kosovo 1998/99 geworden, welche mit der Operation „Allied Force“ in einer humanitären militärischen Intervention einen Höhepunkt genommen hat.
Mit diesem Bombenkrieg gegen Slobodan Milošević ist zugleich eine Zeit der intellektuellen und politischen Erregung und Überhitztheit innerhalb der deutschen Öffentlichkeit zu Ende gegangen. Von Tag zu Tag meldeten sich neue Schriftsteller, Philosophen, Gelehrte und Publizisten zu Wort, welche die Intervention verteidigten oder verurteilten.
Als Literatur Grundlage dienen dieser Arbeit neben Werken und Abschnitten zur Historie des Kosovo gerade auch Zeitungs- und Zeitschriftenartikel der einschlägigen deutschen Presseorgane im Rahmen des öffentlichen Disputs.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, eine Bilanz der Debatte auf Grundlage eines historisch-politischen Überblicks des Kosovo-Konfliktes zu ziehen und letztendlich herauszufinden, welche Meinungen eher monoton und welche eher als konstruktiv zu bewerten sind.
Die Fragestellung dieser Arbeit lautet: Handelt es sich nun um einen Völkerrechtsbruch oder um eine humanitäre Intervention – oder gar beides – und wie ist eine solche Intervention überhaupt zu rechtfertigen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Kontext

3. Der öffentliche Disput

3.1. Ein Völkerrechtsstreit

3.2. Europaorientierung kontra Pazifismus und Nationalismus

4. Die Bewertung der humanitären Intervention

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den öffentlichen Disput in Deutschland während des Kosovo-Einsatzes der Bundeswehr (1998/99) und analysiert die dabei aufgekommenen Spannungsfelder zwischen völkerrechtlicher Legalität und dem moralischen Anspruch einer humanitären Intervention.

  • Historische Hintergründe des Kosovo-Konflikts und die Wurzeln des serbisch-albanischen Gegensatzes.
  • Juristische Debatte um die Vereinbarkeit der NATO-Intervention mit der UN-Charta.
  • Politisches Spannungsfeld zwischen Pazifismus, Bündnistreue und Nationalismus in Deutschland.
  • Die Rolle von Intellektuellen und Medien in der deutschen Meinungsbildung zum Krieg.
  • Reflexion über den Wandel des Souveränitätsverständnisses und die Vision einer Weltinnenpolitik.

Auszug aus dem Buch

3.1. Ein Völkerrechtsstreit

Die für Czempiel anfangs nicht lebhaft genug geführten Völkerrechtsdiskussionen in den Zeitungen beginnen doch bereits am ersten Kriegsmorgen. Bruno Simma bezieht uneindeutig Stellung, indem er die NATO-Bomben als „lässliche Sünde“ bezeichnet und im gleichnamigen Artikel der Süddeutschen Zeitung. Zunächst sorgt er für Klarheit über die Rechtsverletzung, welche durch die Nichtermächtigung des UN-Sicherheitsrates von der NATO begangen wurde. Danach enthält die UN-Charta ein absolutes Gewaltverbot bis auf zwei Ausnahmen.

Ausnahme eins bildet die individuelle oder kollektive Selbstverteidigung – zulässig gegen einen bewaffneten Angriff, der sich auch gegen die Bündnispartner oder einen Hilfe suchenden Dritten richtet, was in dieser Form nicht vorlag.

Was die zweite Ausnahme angeht, so bildet Kapitel VII der Charta den Kern für das globale System der kollektiven Sicherheit. Nach dessen Bestimmungen kann der Sicherheitsrat, wenn er eine Bedrohung oder eine Verletzung des Friedens oder eine Angriffshandlung festgestellt hat, eine erforderliche Militäraktion mit Hilfe der Streitkräfte der Mitgliedsstaaten durchführen. Kapitel VIII der Charta (Regionale Abmachungen) vervollständigt diese rechtliche Struktur:

[…] Ohne Ermächtigung des Sicherheitsrats dürfen Zwangsmaßnamen aufgrund regionaler Abmachungen oder seitens regionaler Einrichtungen nicht ergriffen werden [mit Ausnahme der heute obsoleten „Feindstaatenklausel“].

Widersprechen sich die Verpflichtungen von Mitgliedern der Vereinten Nationen aus dieser Charta und ihre Verpflichtungen aus deren internationalen Übereinkünften, so haben die Verpflichtungen dieser Charta Vorrang.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den ethno-nationalistischen Hintergrund des Kosovo-Konflikts und formuliert die zentrale Fragestellung nach der völkerrechtlichen Rechtfertigung einer humanitären Intervention.

2. Historischer Kontext: Dieses Kapitel erläutert die lange Geschichte der serbisch-albanischen Spannungen, den Aufstieg von Slobodan Milošević und die Eskalation der Gewalt im Kosovo bis zum Eingreifen der NATO.

3. Der öffentliche Disput: Das Kapitel analysiert die kontroverse Debatte in Deutschland, wobei unterkapituliert zwischen juristischen Fragen des Völkerrechts und den gesellschaftspolitischen Konfliktlinien zwischen Pazifismus und moralischem Interventionismus differenziert wird.

4. Die Bewertung der humanitären Intervention: Das Fazit wägt die Argumente ab und reflektiert, inwieweit der Kosovo-Einsatz als Präzedenzfall für eine neue europäische Identität und eine zukünftige Weltinnenpolitik verstanden werden kann.

Schlüsselwörter

Kosovo-Einsatz, NATO, Völkerrecht, UN-Charta, humanitäre Intervention, Menschenrechte, Pazifismus, Slobodan Milošević, Souveränität, Bundeswehr, Weltinnenpolitik, Balkanpolitik, Politische Identität, Völkermord, Postnationaler Krieg

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem öffentlichen und rechtlichen Disput in Deutschland während des NATO-Einsatzes im Kosovo 1999 und untersucht die Zerrissenheit der deutschen Gesellschaft angesichts der Abkehr von pazifistischen Traditionen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die völkerrechtliche Legitimität des Einsatzes, die Rolle Deutschlands in der internationalen Sicherheitspolitik sowie die philosophische Debatte über die Priorisierung von Menschenrechten gegenüber staatlicher Souveränität.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine Bilanz der Debatte zu ziehen, um herauszufinden, inwiefern das militärische Eingreifen der NATO gegen Serbien juristisch und moralisch zu rechtfertigen war oder als Völkerrechtsbruch gewertet werden muss.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine historisch-politische Übersicht, basierend auf der Analyse einschlägiger Zeitungsartikel, zeitgenössischer Publizistik und wissenschaftlicher Fachliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die juristischen Auseinandersetzungen um die UN-Charta sowie die politische Kontroverse in Deutschland, geprägt durch unterschiedliche Positionen von Intellektuellen, Politikern und der Friedensbewegung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Kosovo-Einsatz, Völkerrecht, humanitäre Intervention, Menschenrechte und postnationaler Krieg.

Wie bewerten Völkerrechtler den NATO-Einsatz im Kosovo laut der Arbeit?

Die Mehrheit der in der Arbeit zitierten Völkerrechtler stuft den Einsatz als rechtswidrig ein, da er ohne ein explizites Mandat des UN-Sicherheitsrates erfolgte.

Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen West- und Ostdeutschland in der Debatte?

Die Arbeit weist auf Umfragen hin, wonach der Westteil Deutschlands den Einsatz tendenziell unterstützte, während der Ostteil diesen ablehnte, was unter anderem auf spezifische NATO-Ressentiments zurückgeführt wird.

Welche philosophische Begründung wird für die Intervention angeführt?

Unter anderem Jürgen Habermas wird als Fürsprecher zitiert, der die Intervention als Vorgriff auf eine Weltinnenpolitik sieht, in der Menschenrechte global einklagbar werden.

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Details

Title
Völkerrechtsbruch oder humanitäre Intervention?
Subtitle
Der öffentliche Disput um den Kosovo-Einsatz der Bundeswehr
College
Humboldt-University of Berlin  (Geschichtswissenschaften)
Course
Souveränität im Widerstreit: Deutschland nach der Wiedervereinigung 1990-2000
Grade
1,5
Author
Robert Leuck (Author)
Publication Year
2006
Pages
15
Catalog Number
V135048
ISBN (eBook)
9783640429486
ISBN (Book)
9783640429400
Language
German
Tags
Völkerrechtsbruch Intervention Disput Kosovo-Einsatz Bundeswehr winkler pazifismus nationalismus milosevic gysi allied force demokratie 1990 spd grüne pds tretter sundhausen simma süddeutsche schorlmmer scholz schmidl ross reuter löffler herdegen handrick habermas enzensberger eischer dischl czempiel blumenwitz biehl beck nato kosovo serbien jugoslawien kroatien bosnien herzegowina albanien muslime moslem christ humanitär hegemonial un-charta sanktionen krieg frieden genozid völkermord soziologie slowenien postnational usa uno cdu menschenrecht inra linkspartei
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Robert Leuck (Author), 2006, Völkerrechtsbruch oder humanitäre Intervention?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135048
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