Talcott Parsons (1902-1979) gilt als der bedeutendste amerikanische Soziologe der
Nachkriegszeit. Parsons befasste sich insbesondere mit der Gesellschaft in ihrer
(struktur)funktionalistischen Bedeutung und vertrat die Annahme, dass ein gesellschaftliches
System als ein sich selbst regulierender, autonomer Organismus verstanden werden muss, der
über bestimmte Mechanismen verfügt um die soziale Ordnung aufrecht zu erhalten (vgl.
Microsoft Encarta Encyclopedia 2003) Parsons vergleicht die Gesellschaft mit einem
Organismus, in dem alle „Organe“ das Ziel verfolgen ebendiesen aufrecht zu erhalten. Der
Organismus hält bei abweichendem Handeln „Mechanismen der sozialen Kontrolle“ bereit
um zu Sanktionieren und somit Stabilität zu gewährleisten bzw. wiederherzustellen. Nach
Parsons entsteht diese Ordnung durch das Zusammenspiel dreier Subsysteme des
menschlichen Handelns. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Persönlichkeitsbildung durch Sozialisation
2.1 Die Theorie der psychosexuellen Entwicklung als Voraussetzung für gesellschaftliche Integration (Freud)
2.2 Die Internalisierung von Rollen: Integration-, Identitäts- und Konformitätstheorem
2.2.1 „Spielarten“ – universalistische und partikularistische Handlungsmuster
2.2.2 Die Bedeutung der „pattern variables“
2.3 Eine kritische Betrachtung: Rolle als Persönlichkeit?
2.3.1 Der Mensch als passiver Gestalter der Gesellschaft
2.3.2 Kritik und Erweiterung der Systemtheorie Parsons´ nach Habermas
3 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sozialisationstheorie und das Rollenschema nach Talcott Parsons, um das komplexe Zusammenspiel zwischen individuellem Handeln und gesellschaftlichen Ordnungsstrukturen zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen.
- Strukturfunktionalistische Gesellschaftsanalyse nach Parsons
- Sozialisation als Prozess der Internalisierung von Rollen
- Die Bedeutung der „pattern variables“ zur Klassifikation von Handlungsweisen
- Kritische Auseinandersetzung mit der Subjekt-Objekt-Beziehung in der Systemtheorie
- Erweiterung und Kritik durch Ansätze von Jürgen Habermas
Auszug aus dem Buch
2.2.1 „Spielarten“ – universalistische und partikularistische Handlungsmuster
An dem Punkt Rollenerwartungen und –anforderungen kann ein Bogen zu den beiden Kategorien „partikularistische“ und „universalistische“ Verhaltensmuster gespannt werden: Wie bereits erwähnt, variiert der Spezifizierungsgrad verschiedener Rollen. Parsons spricht davon, dass manche Rollen klarer, andere weniger klar definiert sind und demnach einen größeren Spielraum haben. Beispielsweise impliziert die verinnerlichte Rolle innerhalb der Institution „Familie“, die auf einer sehr persönlichen Interaktionsebene angesiedelt ist, eine eher partikularistische Handlungsweise: sie ist weniger klar definiert und affektiver geprägt (Baumgart 2004: 84, Tillmann 1989: 94) als beispielsweise eine Berufsrolle. Berufsrollen zeichnen sich durch verhältnismäßig unpersönliche, also „universalistische“ Wertzuschreibungen aus. Sie sollen die Anforderungen „sachgerecht, funktional und emotionsfrei“ (Tillmann 1989: 94) erfüllen.
Selbst ein Lehrer, von dem erwartet werden kann, dass er ein gutes, vielleicht sogar als „persönlich“ zu bezeichnendes Verhältnis zu seinen Schülern hat, handelt in seiner Rolle universalistisch. Diese Handlungsweise wird einerseits gefordert um eine Bevorzugung von Schülern auszuschließen, und ist andererseits auch durch die Struktur, also der Größe, der Schulklasse bedingt (Parsons 1968: 105). Universalistische Orientierungen grenzen sich deutlich von familienbezogenem, also verhältnismäßig wenig klar definiertem Handeln ab, dürfen aber im Rückschluss nicht mit spezifischen Anforderungen gleichgesetzt werden; universalistisches Handeln bildet gewissermaßen den Rahmen für gesellschaftliche Handlungen und erhebt den Anspruch der Allgemeingültigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Person Talcott Parsons und die strukturfunktionalistische Sichtweise der Gesellschaft als selbstregulierendes System.
2 Persönlichkeitsbildung durch Sozialisation: Erläuterung der Verbindung von Freuds Entwicklungspsychologie mit Parsons' Theorie der Rolleninternalisierung im gesellschaftlichen Kontext.
2.1 Die Theorie der psychosexuellen Entwicklung als Voraussetzung für gesellschaftliche Integration (Freud): Analyse der kindlichen Entwicklung als Basis für die spätere Integration in soziale Institutionen.
2.2 Die Internalisierung von Rollen: Integration-, Identitäts- und Konformitätstheorem: Darstellung der Mechanismen, durch die Individuen Rollenerwartungen verinnerlichen, um Stabilität in sozialen Interaktionen zu gewährleisten.
2.2.1 „Spielarten“ – universalistische und partikularistische Handlungsmuster: Differenzierung zwischen persönlichkeitsgebundenen (partikularistisch) und sachorientierten (universalistisch) Verhaltensweisen in verschiedenen sozialen Kontexten.
2.2.2 Die Bedeutung der „pattern variables“: Klassifizierung von Rollensystemen anhand von fünf Gegensatzpaaren moderner Gesellschaften.
2.3 Eine kritische Betrachtung: Rolle als Persönlichkeit?: Diskussion darüber, ob der Sozialisationsprozess zur vollständigen Ent-Individualisierung des Menschen führt.
2.3.1 Der Mensch als passiver Gestalter der Gesellschaft: Untersuchung der Problematik, ob das Individuum nur als Objekt der Gesellschaft oder als eigenständiges Subjekt agiert.
2.3.2 Kritik und Erweiterung der Systemtheorie Parsons´ nach Habermas: Darstellung der Habermas'schen Kritik, insbesondere hinsichtlich der kommunikativen Kompetenz und des Repressionstheorems.
3 Schluss: Synthese der Ergebnisse und Bewertung der Aktualität von Parsons' Systemtheorie für gegenwärtige gesellschaftliche Probleme.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Talcott Parsons, Rollenschema, Strukturfunktionalismus, Internaliserung, Rollenerwartung, pattern variables, universalistisch, partikularistisch, Integrationstheorem, Identitätstheorem, Konformitätstheorem, Jürgen Habermas, Persönlichkeitsbildung, Systemtheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Systemtheorie von Talcott Parsons, insbesondere mit der Frage, wie Individuen durch Sozialisation in die Gesellschaft integriert werden und welche Rolle dabei die Internalisierung von sozialen Mustern spielt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die Verbindung von psychosexueller Entwicklung und Gesellschaft, die Struktur von Rollen, die Klassifizierung von Verhaltensmustern durch „pattern variables“ und die Kritik an der scheinbaren Ent-Individualisierung des Menschen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Ansatz von Parsons kritisch zu durchleuchten und durch den Vergleich mit anderen Theoretikern wie Hurrelmann und Habermas zu prüfen, wie viel individueller Spielraum dem Menschen innerhalb einer normativen Gesellschaftsordnung bleibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die zentrale soziologische Konzepte referiert, in einen Zusammenhang bringt und anschließend mittels kritischer Fachliteratur bewertet.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Persönlichkeit, die verschiedenen Theoreme von Parsons (Integration, Identität, Konformität) sowie die spezifische Unterscheidung zwischen universalistischem und partikularistischem Handeln.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit ist stark geprägt durch Begriffe wie Rolleninternalisierung, Systemtheorie, Sozialisationsinstanzen, Repressionstheorem und die Dichotomie zwischen Individuum und Gesellschaft.
Wie bewertet der Autor den Übergang von der Familie zum Berufsleben?
Der Autor stellt fest, dass der Wechsel von der meist partikularistisch geprägten Sphäre der Familie zur universalistisch geprägten Arbeitswelt hohe Anforderungen an die Anpassungsleistung des Individuums stellt.
Inwiefern ergänzt Habermas die Theorie von Parsons?
Habermas erweitert die Theorie um die Aspekte der kommunikativen Kompetenz und des Repressionstheorems, um den Menschen nicht nur als passives „Rädchen im Getriebe“, sondern als kritisches, zur Reflexion fähiges Subjekt zu begreifen.
- Arbeit zitieren
- Sarah Kölzer (Autor:in), 2005, Sozialisationstheorie und Rollenschema nach Parsons, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135080