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Romulus und Remus. Zum Brudermord bei Livius

Title: Romulus und Remus. Zum Brudermord bei Livius

Term Paper (Advanced seminar) , 2023 , 25 Pages , Grade: 14

Autor:in: Finn Ole Boller (Author)

World History - Early and Ancient History
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Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Ermordung des Remus durch Romulus. Es wird untersucht, warum Livius den direkten Brudermord zur "vulgatior fama", zur wahrscheinlicheren Version erklärt, während die anderen beiden uns vollständig überlieferten Quellen, die die Sage um Romulus und Remus darstellen, den direkten Brudermord nicht erwähnen beziehungsweise nur als einer der möglichen und nicht als wahrscheinlichste Version darstellen.

Hierbei werden die 4 folgenden Thesen erläutert:
1. Livius möchte betonen, dass die Römer bereit sind, selbst ihre nächste Familie zu opfern, um ihre Stadt zu beschützen. Er benutzt den Brudermord als exemplum für das Handeln eines guten römischen Bürgers.
2. Livius ist von seiner Bürgerkriegserfahrung geprägt und benutzt die Sage, um diese traumatische Erfahrung zu verarbeiten bzw. die Schuld für den Bürgerkrieg in die graue Vorzeit zu verbannen.
3. Damit Romulus seine Aufstiegsgeschichte als „self-made man“ vollendet, muss er seinen Bruder persönlich erschlagen.
4. Livius möchte seinen Leser unterhalten und bietet ihm deshalb mit dem direkten Brudermord die dramatischste und unterhaltsamste Version an.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2.1 „Sic deinde, quicumque alius transiliet moenia mea“

2.2 Aition für den Bürgerkrieg?

2.3 Die (passive) Rolle der Götter

2.4 Livius als Unterhalter

3 Fazit

Zielsetzung & Forschungsschwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Fragestellung, warum Livius in seinem Werk ab urbe condita den direkten Brudermord durch Romulus als wahrscheinlichste Version der Gründungssage darstellt, während andere antike Autoren diese Version marginalisieren oder auslassen.

  • Analyse von Livius' bewusster Gestaltung der Romulus-Sage im Vergleich zu Plutarch und Dionysios.
  • Untersuchung der moralischen und politischen Dimension des Brudermords als exemplum für das römische Staatswohl.
  • Erörterung des Zusammenhangs zwischen Bürgerkriegserfahrungen und der Deutung des Brudermords als „Erbsünde“.
  • Betrachtung von Livius als literarischem Autor, der Leserlenkung und Unterhaltung priorisiert.
  • Beurteilung der Rolle der Götter im Kontext der Darstellung von Romulus als „self-made man“.

Auszug aus dem Buch

2.1 „Sic deinde, quicumque alius transiliet moenia mea“

Beginnen wir mit der offensichtlichsten Deutung, die sich direkt aus ab urbe condita ergibt. Mit dem berühmten Satz „Sic deinde, quicumque alius transiliet moenia mea“10, den Romulus von sich gibt, ehe er seinen Bruder erschlägt, stellt Livius den Brudermord als heroischen Akt dar. Die Botschaft ist eine kämpferische: Wer auch immer Rom angreift, selbst wenn es der eigene Bruder ist, den erwartet der Tod. Es ist eine Botschaft, die Romulus in ein positives Licht rückt. Er ist der Verteidiger der Stadt; er ist bereit, sogar seinen eigenen Bruder zu opfern, um Rom zu beschützen.

In diesem Sinne könnte der Brudermord als moralischer Apell verstanden werden: Stelle das Wohl Roms über alles andere! Dies passt ja durchaus zur von Livius selbst in der Praefatio vorangestellten Aufgabe, die er seinem Geschichtswerk zuschreibt. Er schreibt dort: „ad ilia mihi pro se quisque acriter intendat animum, quae vita, qui mores fuerint, per quos viros quibusque artibus domi militiaeque et partum et auctum imperium sit. […] Hoc illud est praecipue in cognitione rerum salubre ac frugiferum, omnis te exempli documenta in inlustri posita monumento intueri; inde tibi tuaeque rei publicae, quod imitere, capias, inde foedum inceptu, foedum exltu, quod vites.“11 Livius möchte also exempla dafür liefern, wie ein guter römischer Bürger handeln sollte. Das Wohl Roms über das Leben des Bruders zu stellen, scheint eben einer dieser Handlungsvorschläge zu sein.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Problematik unterschiedlicher Überlieferungen des Brudermords und Formulierung der Forschungsfrage nach Livius' Motivation hinter der „vulgatior fama“.

2.1 „Sic deinde, quicumque alius transiliet moenia mea“: Diskussion der These, dass der Brudermord als heroischer Akt zur Stärkung des Staatswohls und als moralisches Vorbild dient.

2.2 Aition für den Bürgerkrieg?: Untersuchung, ob Livius den Brudermord als mythische Wurzel und „Erbsünde“ für die realen Bürgerkriege seiner Zeit nutzt um diese zu verarbeiten.

2.3 Die (passive) Rolle der Götter: Analyse der Götterrolle, die hier im Gegensatz zu anderen Sagen passiv bleibt, um Romulus als autonom agierenden „self-made man“ darzustellen.

2.4 Livius als Unterhalter: Betrachtung von Livius' Intention als professioneller Literat, der durch die dramatische Gestaltung des Brudermords die emotionale Involvierung des Lesers maximiert.

3 Fazit: Zusammenführung der Thesen und Schlussfolgerung, dass die Wahl Livius' eine Kombination aus politischer Reflexion und literarischer Dramatisierung im Kontext seiner Zeit darstellt.

Schlüsselwörter

Romulus, Remus, Livius, Brudermord, Gründungsmythos, ab urbe condita, Bürgerkrieg, Antike, Geschichtsschreibung, Staatswesen, Leserlenkung, Rom, Aition, pietas, Mythologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, warum der römische Historiker Livius in seinem Werk die Version des Brudermords durch Romulus als die „bekanntere“ und wahrscheinlichere Darstellung wählt, obwohl dies den Gründer Roms in ein problematisches Licht rückt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die antike Geschichtsschreibung, die Interpretation von Gründungsmythen, das römische Bürgerkriegstrauma sowie die literarische Strategie der bewussten Leserlenkung durch antike Autoren.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die zentrale Frage lautet: Warum hat Livius den direkten Brudermord zur wahrscheinlichsten Version erklärt, während andere zeitgenössische Autoren diesen Aspekt anders oder gar nicht gewichten?

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die den Primärtext (ab urbe condita) sowie relevante literaturwissenschaftliche und historische Monografien heranzieht, um Hypothesen über die Motivation des Autors zu entwickeln.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in vier Thesen: die moralische Vorbildfunktion, die Verknüpfung mit dem Bürgerkrieg, die Darstellung von Romulus als „self-made man“ und die literarische Unterhaltungsstrategie von Livius.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Romulus, Remus, Livius, Brudermord, Gründungssage, Bürgerkrieg, Aition („vulgatior fama“) und die Rolle des antiken Erzählers.

Warum spielt der „self-made man“ Gedanke in dieser Untersuchung eine Rolle?

Dieser Begriff wird genutzt, um zu erklären, warum Romulus laut Livius sein Schicksal durch eigene Taten (inklusive des Mordes) zementieren muss, anstatt bloßes Werkzeug der Götter zu sein.

Inwiefern beeinflussten die realen Bürgerkriege der Späten Republik Livius' Werk?

Die Arbeit argumentiert, dass Livius die traumatischen Spannungen seiner Zeit auf die mythische Gründungsebene projiziert hat, um die verheerenden Konflikte unter Römern als „Erbsünde“ zu rahmen.

Warum wird Livius als „Unterhalter“ bezeichnet?

Im Vergleich zu älteren, eher faktisch orientierten Traditionen wird Livius als professioneller Literat verstanden, der Spannung und emotionales Drama einsetzt, um seine Leser bis zum Ende an sein umfangreiches Werk zu binden.

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Details

Title
Romulus und Remus. Zum Brudermord bei Livius
College
University of Marburg
Grade
14
Author
Finn Ole Boller (Author)
Publication Year
2023
Pages
25
Catalog Number
V1350981
ISBN (PDF)
9783346857354
ISBN (Book)
9783346857361
Language
German
Tags
romulus remus brudermord livius
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Finn Ole Boller (Author), 2023, Romulus und Remus. Zum Brudermord bei Livius, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1350981
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