Ist das EU-Mercosur Free Trade Agreement ein gutes Abkommen?
Diese Frage wird in dieser Forschungsarbeit objektiv und wissenschaftlich beantwortet. Interviews anerkannter Experten in diesem Bereich bilden den Kern des methodischen Teils.
Freihandelsabkommen sind in Zeiten globaler Allianzen und Wirtschaftskriege hochaktuell. Sie verändern unter anderem die Marktbedingungen ihrer Beteiligten und so prägen sie in ihrer Gesamtheit auch maßgeblich die weltweite Wirtschaftsordnung. Das historische EU-Mercosur Freihandelsabkommen steht nach 20 Jahren Entwicklung und unzähligen Verhandlungsrunden nun kurz vor dem Abschluss. Trotz einer solchen Relevanz des Themas besteht dazu in der Wissenschaft eine Forschungslücke in Form einer objektiven, ganzheitlichen und wissenschaftsübergreifenden Diskussion zur Qualität dieses Abkommens. Oft beherrschen instrumentalisierte Fürsprecher an der einen Front und absolute Freihandelsgegner an der anderen Front diese verhärtete, oft ideologisch geführte Diskussion.
Ziel dieser Arbeit ist die objektive Beantwortung der zentralen Forschungsfrage: Ist das EU-Mercosur Freihandelsabkommen ein gutes Abkommen?
Hierzu werden im theoretischen Teil die Anforderungen an ein sogenanntes „gutes Handelsabkommen“ aus einer umfangreichen Auslese von Fachliteratur erarbeitet und dabei auch bisherige Abkommen analysiert. Im praktischen Teil werden die vom Autor, über das aktuelle EU-Mercosur Abkommen, geführten Experteninterviews kodiert und auf bestehende Grundtendenzen bei den Experten hin analysiert, welche dann mit den zuvor definierten Anforderungen abgeglichen werden.
Die Interviews mit den Experten wurden offen geführt. Dabei waren ihnen, sowohl die hier definierten Anforderungen, als auch der hier verwendete Auswertungsprozess, gänzlich unbekannt. Im Ergebnis bestätigen sie die Erfüllung von fast allen Anforderungen an ein gutes Abkommen.
Dieses Forschungsprojekt gelangt somit zur Erkenntnis, dass das EU-Mercosur Freihandelsabkommen einem guten Abkommen entspricht und beantwortet so die Forschungsfrage positiv. Auf dieser Grundlage ist es für die Beteiligten empfehlenswert dieses Abkommen abzuschließen.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
1.1 Die EU-Absatzstrategie mit den USA unter Donald Trump
1.2 Weltweiter Ressourcen- und Handelsstreit
2 Aufbau der Arbeit
3 Theoretische Grundlagen
3.1 Handelstheorie und Konsequenzen einer Handelsliberalisierung
3.2 Volkswirtschaftlicher Nutzen von Freihandelsabkommen
3.3 Negative Effekte von Freihandel auf Umwelt und Soziales
3.4 Das Nachhaltigkeitskapitel
3.5 Auswirkungen auf die Gruppe der Least Developed Countries
4 Der Rahmen eines guten Handelsabkommens
4.1 Theoretische Anforderungen an ein gutes Handelsabkommen
4.2 Zusammenfassung der konkreten Anforderungen
5 Das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen
5.1 Profile und Rahmenbedingungen beider Volkswirtschaften
5.1.1 Die Europäische Union
5.1.2 Der Mercosur
5.2 Aktuelle Ausgangssituation der Handelsbeziehungen
5.3 Gemeinsame Ziele
5.4 Entwicklungshistorie des EU-Mercosur-Freihandelsabkommens
6 Experteninterviews
6.1 Vergleich der Interviews nach Kategorien und Kodierungen
6.2 Auswertung
6.3 Abgleich mit den theoretischen Anforderungen
6.4 Ergebniszusammenfassung
7 Kritische Reflexion des eigenen Vorgehens
8 Abschlussfazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die objektive Beantwortung der Forschungsfrage, ob das geplante EU-Mercosur-Freihandelsabkommen als ein "gutes Abkommen" bewertet werden kann. Hierzu wird ein theoretischer Anforderungskatalog erarbeitet und mit den Ergebnissen qualitativer Experteninterviews abgeglichen.
- Analyse der handelstheoretischen Grundlagen und Folgen einer Handelsliberalisierung
- Definition der Anforderungen an ein "gutes" Handelsabkommen unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten
- Untersuchung der Struktur und der Ziele des EU-Mercosur-Abkommens
- Evaluierung der Expertenmeinungen zu Chancen, Risiken und den Potenzialen des Abkommens
Auszug aus dem Buch
3.3 Negative Effekte von Freihandel auf Umwelt und Soziales
Laut dem WTO-Jahresbericht 2015 heißt es: „Dabei zu helfen, dass Handelsströme so frei wie möglich fließen können, ist das alles überragende Prinzip unseres Systems“. Handel um jeden Preis hat allerdings heftige Nach- und Nebenwirkungen. Der Umwelt schadet das nachweislich immer mehr, denn jedes Freihandelsabkommen hat, durch seine oben positiv herausgearbeiteten Wachstumseffekte, den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxid weiter steigen lassen. Neben wirtschaftlichen Faktoren stehen also bei zeitgemäßen Handelsabkommen vor allem Auswirkungen auf die Umwelt und soziale Auswirkungen im Fokus, da über diese Bereiche Protest und vermehrt Widerstände gegen Handelsabkommen aufgebaut werden.
„Niemals zuvor gab es in Deutschland so viel Unsicherheit, so viel Protest wegen eines geplanten Freihandelsabkommens wie heute. Seit die EU das TTIP-Abkommen mit den USA verhandelt, versiegt bei vielen Bürgern der naive Glaube, das, was in der Vergangenheit richtig war auch für die Zukunft gilt.“
Verantwortliche eines Handelsabkommens können es sich heute also definitiv nicht mehr leisten, zentrale Themen auszuklammern da diese offensichtlich mitverantwortlich für das Zustandekommen eines Abkommens sind. Dennoch werden diese Themen, die ein Handelsabkommen zu einem fair wahrgenommenen Handelsabkommen machen und gesellschaftlichen Sprengstoff innehaben, unzureichend aufgegriffen. Politiker, Ökonomen und Unternehmer wiederholen gern in immer neuen Varianten Sätze, die man zu Recht nicht in Frage stellt. Es heißt Handel mache reich und erhöhe den Wohlstand. Aus sozialer Perspektive stellt sich die Frage: Wen genau macht der Handel reich und wer trägt die Kosten?
Zusammenfassung der Kapitel
Problemstellung: Beleuchtung der aktuellen Herausforderungen im internationalen Handel, insbesondere durch die Strategie der USA unter Donald Trump und globale Handelskonflikte.
Aufbau der Arbeit: Darstellung des methodischen Vorgehens und der Struktur der Forschungsarbeit.
Theoretische Grundlagen: Erarbeitung von Handelstheorien, Nutzenaspekten sowie negativen ökologischen und sozialen Effekten der Handelsliberalisierung.
Der Rahmen eines guten Handelsabkommens: Definition von theoretischen Anforderungen an Handelsabkommen und Zusammenfassung der essenziellen Kriterien.
Das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen: Vorstellung der wirtschaftlichen Profile von EU und Mercosur sowie deren Entwicklungshistorie.
Experteninterviews: Qualitative Befragung von fünf Experten zu verschiedenen Kategorien rund um das Abkommen, gefolgt von einer Auswertung und einem Abgleich mit den theoretischen Kriterien.
Kritische Reflexion des eigenen Vorgehens: Selbstkritische Betrachtung der angewandten Untersuchungsmethodik.
Abschlussfazit und Ausblick: Beantwortung der Forschungsfrage und Einschätzung der zukünftigen Entwicklung vor dem Hintergrund globaler Krisen.
Schlüsselwörter
EU, Mercosur, Freihandelsabkommen, Handel, Wohlstand, Nachhaltigkeit, Umwelt, Soziale Standards, Experteninterviews, Handelsliberalisierung, Wirtschaft, Globalisierung, Handelskrieg, Klimaschutz, Export.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen dieser Forschungsarbeit?
Die Arbeit untersucht, ob das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen die Bedingungen an ein qualitativ hochwertiges und "gutes" Handelsabkommen erfüllt.
Welche Themenfelder stehen bei der Untersuchung im Vordergrund?
Neben ökonomischen Aspekten wie Handelsströmen und Marktzugängen werden insbesondere Nachhaltigkeit, Umweltschutz und soziale Standards analysiert.
Was ist das primäre Ziel des Autors?
Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage durch eine Kombination aus literaturgestützter Theoriebildung und einer empirischen Auswertung von Experteninterviews.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf offenen Experteninterviews basiert, die anschließend thematisch kodiert und ausgewertet wurden.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Freihandels, leitet Anforderungen an Handelsverträge ab und vergleicht diese mit den Ergebnissen der Experteninterviews zum EU-Mercosur-Abkommen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie EU-Mercosur-Freihandelsabkommen, Nachhaltigkeit, Handelsliberalisierung, wirtschaftlicher Wohlstand und soziale Verantwortung bilden den Kern.
Wie bewerten die befragten Experten das Abkommen?
Die Experten bewerten das Abkommen insgesamt positiv, betonen jedoch, dass es sich um einen Kompromiss handelt und die effektive Durchsetzung bestimmter Nachhaltigkeitsstandards noch Herausforderungen birgt.
Welchen Einfluss hatte der Vergleich mit TTIP?
Die TTIP-Debatte dient als Referenzrahmen für die kommunikative Strategie und Transparenz der EU, wobei das EU-Mercosur-Abkommen von den Experten als faktischer und weniger ideologisiert wahrgenommen wird.
- Arbeit zitieren
- Justus Willems (Autor:in), 2021, EU-Mercosur Free Trade Agreement. Ein gutes Abkommen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1351060