Die nachfolgende Hausarbeit widmet sich dem Interesse nach dem von Shakespeare ausgehenden Impuls und dessen Relevanz für die Entstehung einer neuer Dramenkonzeption im Sturm und Drang sowie der Umsetzung dieser neuen Konzeption durch Goethe am Beispiel des Schauspiels Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Die Analyse dient allen voran Goethes Darstellung des Verhältnisses zwischen Individuum und Geschichte.
Um diesbezüglich zunächst einen Überblick über das literaturtheoretische Fundament der Zeit zu erhalten, sollen zunächst der Geniekult und die Rolle Shakespeares für die Dichter des Sturm und Drang erläutert werden. Besondere Beachtung findet dabei Goethes Aufsatz "Zum Shäkespears Tag", der eingehend untersucht wird. Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen als Grundlage für die nachfolgende Analyse des Dramas dienen.
Im Analyseteil soll sodann Goethes Götz hauptsächlich bezüglich der Darstellung des Einzelnen gegenüber dem Gang der Dinge und somit der Geschichte sowie der tatsächliche Einfluss Shakespeares, im Sinne des Modells als Vorlage, untersucht werden. Zu zeigen ist dabei, wie Goethe mit seinem Drama etwas völlig Neuartiges in der deutschen Literatur schafft und wie das Vergangene zur Vergegenwärtigung und zur Zeitkritik genutzt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Dramenpoetologische Grundlagen
2.1 Die Genieästhetik und Shakespeare als Vorbild
2.2 Goethes Aufsatz Zum Shäkespears Tag
3. Goethes Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand als Modell der neuen Dramenpraxis
3.1 Die dramaturgischen Innovationen
3.2 Der geheime Punkt – Analyse des Verhältnisses von Individuum und Geschichte
4. Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss William Shakespeares auf die Konzeption und dramaturgische Umsetzung von Goethes Schauspiel "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand". Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie Goethe das Konzept des aufstrebenden "Sturm und Drang" sowie die Auseinandersetzung mit historischem Wandel in seinem Werk verarbeitet und erprobt.
- Rolle des Geniekults und Shakespeares als Vorbild im 18. Jahrhundert
- Analyse von Goethes Aufsatz "Zum Shäkespears Tag" als Programmschrift
- Dramaturgische Innovationen und Charaktergestaltung im "Götz"
- Zusammenstoß zwischen individuellem Freiheitsstreben und historischer Notwendigkeit
Auszug aus dem Buch
Der geheime Punkt – Analyse des Verhältnisses von Individuum und Geschichte
Wie herausgestellt handelt es sich bei Goethes Vorlage für den Namensgeber des Dramas um die Biographie eines fränkischen Reichsritters, der in der Realität stattliche 82 Jahre alt geworden ist. Eigentlich keine wirklich dramatische Vorlage, doch Goethe gelingt es, Götz durch die Geschichte und die Personen um ihn herum zu einer Größe zu stilisieren, deren Status man dem realen Götz wohl absprechen darf.
Diese Stilisierung beginnt bereits mit der ersten Szene im ersten Akt, wenn die beiden Bauernführer Metzler und Sievers sich über Götz unterhalten und Sievers Metzler auffordert: „Erzähl das noch einmal, vom Berlichingen, die Bamberger dort ärgern sich sie mögten schwarz werden.“ Der Leser erfährt so eine Einführung in die dramatische Welt von außen. Nicht Götz oder eine andere tragende Figur eröffnen das Drama, sondern eben die rebellischen Bauernführer Metzler und Sievers. Das hat Symbolcharakter, denn so wird uns gleich eine der sozialen Schichten vorgestellt, die uns das Drama mit seinem allumfassenden Gesellschafts-Panorama präsentiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Begegnung zwischen Goethe und Herder sowie die Bedeutung Shakespeares für die neue Dramenkonzeption des Sturm und Drang.
2. Dramenpoetologische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert den zeitgenössischen Geniekult und analysiert Goethes Aufsatz "Zum Shäkespears Tag" als theoretischen Rahmen für sein dramatisches Schaffen.
3. Goethes Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand als Modell der neuen Dramenpraxis: Hier wird die praktische Umsetzung der neuen Dramentheorie im untersuchten Schauspiel mit Fokus auf die dramaturgischen Innovationen und den Konflikt zwischen Individuum und Geschichte analysiert.
4. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt "Götz von Berlichingen" als wegweisendes Werk für die Erneuerung des deutschen Dramas.
Schlüsselwörter
Goethe, Sturm und Drang, Shakespeare, Götz von Berlichingen, Genieästhetik, Dramenpraxis, Geschichtsdrama, Aufsatz Zum Shäkespears Tag, Individuum, Geschichte, Zeitenkollision, Freiheit, Literaturgeschichte, Theaterregeln, Epochenwende.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Hausarbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literaturgeschichtlichen Entwicklung des Sturm und Drang, insbesondere mit dem Wandel der Dramenkonzeption unter dem Einfluss von William Shakespeare und dessen praktischer Anwendung durch Goethe.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die Genieästhetik, die Bedeutung des "Götz von Berlichingen" als Modell der offenen Form und das Spannungsfeld zwischen dem Individuum und dem notwendigen Gang der Geschichte.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Goethe durch sein Studium Shakespeares zu einer neuen dramaturgischen Produktivität gelangte und wie er das Verhältnis von Individuum und Geschichte in seinem "Götz" darstellte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es erfolgt eine literaturtheoretische und werkanalytische Untersuchung, gestützt auf zeitgenössische Primärquellen und fachwissenschaftliche Sekundärliteratur zur Epoche des Sturm und Drang.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert zunächst die poetologischen Grundlagen wie Geniekult und Shakespeare-Rezeption, gefolgt von einer detaillierten Analyse des "Götz" hinsichtlich Struktur, Charakterzeichnung und historischer Zeitkritik.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse am besten?
Sturm und Drang, Genieästhetik, Goethes "Götz", Shakespeare-Rezeption, offene Form, Geschichtsdrama, Zeitgeist.
Inwiefern beeinflusste Herder die Arbeit Goethes?
Herder fungierte als Mentor für den jungen Goethe und führte ihn an die Ideen des Sturm und Drang sowie an Shakespeare als universelles Vorbild heran, was Goethes eigenes dramatisches Schaffen maßgeblich prägte.
Weshalb gilt der "Götz" als geschichtskritisches Drama?
Das Drama thematisiert den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit und nutzt die historischen Konflikte des Ritters Götz als Projektionsfläche für eine Zeitkritik, die auch die erstarrten Regeln des zeitgenössischen Theaters ablehnt.
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- Oliver Fröhlich (Author), 2019, Shakespeare als Vorbild für Goethes "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1351235