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Von der Demaskierung kleinbürgerlicher Zustände. Sozialer Abstieg, Wiener Walzer und Sprachlosigkeit in Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald"

Titel: Von der Demaskierung kleinbürgerlicher Zustände. Sozialer Abstieg, Wiener Walzer und Sprachlosigkeit in Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald"

Hausarbeit , 2022 , 16 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Thorben Höppner (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" revolutionierten das Wiener Volksstück und sind auch darüber hinaus in vielerlei Hinsicht bemerkenswert: Was bedeutet der dokumentarische Anspruch Horváths, welchen dieser selbst in seiner "Gebrauchsanweisung für Schauspieler" darlegt, für das Personal des Stücks? Wie wird das von Horváth proklamierte dramatische Grundmotiv des Kampfes zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein inszeniert? Welche Rolle spielt dabei die Sprache der Figuren, welche Rolle spielt dabei womöglich auch die (Walzer-)Musik, auf die der Titel des Stücks, als Anlehnung an den berühmten Walzer von Johann Strauss (Sohn), verweist?

Um diesen Fragen nachzugehen, nimmt diese Arbeit zunächst eine allgemeine Kontextualisierung des Figurenpersonals vor den zeitgeschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründen des Stücks vor, um darauf aufbauend die Funktionalisierung von Sprache und Musik einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen. Besondere Analyseschwerpunkte der Arbeit liegen schließlich einerseits auf dem von den Figuren gesprochenen ‚Bildungsjargon‘ sowie andererseits auf der wiederkehrenden Regieanweisung ‚Stille‘. Speziell die Korrespondenz zwischen allgemeinhin krisenhafter Sprache (‚Bildungsjargon‘) und krisenhafter Dialogizität (‚Stille‘) wird dabei in Hinblick auf den von Horváth proklamierten ‚Kampf zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein‘ untersucht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald – Von einer Genrerevolution und dem Kampf verschiedener Bewusstseinszustände

2. Kleinbürgertum, kleinbürgerliche Figuren, Bildungsjargon: Haltlosigkeit und soziale Schwellenzustände

2.1 Alfred, Marianne, der soziale Abstieg und ein dualistisches Standesbewusstsein

2.2 Von Nicht-Verstehen und Dummheit – Bildungsjargon als Sprachkrise

3. Der Versuch einer heilen Welt: Wiener Walzer, Wiener Lieder und das ‚goldene Wiener Herz‘

4. "Stille": Uneigentliches, das Eigentliche, und die finale Demaskierung kleinbürgerlicher Zustände

5. Fazit: Sprachliches Versteckspiel, gesellschaftskritisches Sprachspiel

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie Ödön von Horváth in "Geschichten aus dem Wiener Wald" durch die Funktionalisierung von Bildungsjargon, Musik und Sprechpausen (‚Stille‘) die kleinbürgerlichen Zustände und die moralischen Abgründe seiner Figuren demaskiert. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie diese stilistischen Mittel das horvátsche Leitmotiv des Kampfes zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein inszenieren und die gesellschaftskritische Dimension des Stücks stützen.

  • Die Genrerevolution des Volksstücks bei Horváth
  • Sozioökonomische Faktoren des Kleinbürgertums im Wien der 1930er Jahre
  • Die Entlarvung durch den sogenannten Bildungsjargon
  • Die Ambiguität und Funktionalisierung von Wiener Walzer und Musik
  • Die dramaturgische Bedeutung der Regieanweisung ‚Stille‘

Auszug aus dem Buch

Von Nicht-Verstehen und Dummheit – Bildungsjargon als Sprachkrise

Das dualistische Standesbewusstsein des kleinbürgerlichen Personals wird auch gerade dann gut erkennbar, wenn man die Sprache der Figuren – den ‚Bildungsjargon‘ – einer genaueren Betrachtung unterzieht. Für Horváth ist der Bildungsjargon, der aus einer „Zersetzung der Dialekte“ resultiere, die Sprache des Kleinbürgertums um 1930. Als ‚treuer Chronist seiner Zeit‘ konstatiert Horváth in den Gebrauchsanweisungen: „Um einen heutigen Menschen realistisch schildern zu können, muß ich also den Bildungsjargon sprechen lassen.“ Das Wort ‚Bildungsjargon‘ impliziert dabei an sich schon eine gewisse Sehnsucht nach höherem Sozialprestige, das durch das Vortäuschen höherer Bildung erreicht werden soll. Damit trifft der ‚Bildungsjargon‘ den Kern des kleinbürgerlichen Sozialproblems. Aber: Das Vortäuschen eines höheren sozialen Status durch Sprache misslingt. Denn der Bildungsjargon ist letztlich, wie Kurt Bartsch feststellt, bloß „eine geborgte Sprache, eine Sprache aus zweiter Hand“, geprägt von „vermeintlich wissenschaftlichen Aussagen“, „Klassikerzitaten und Fremdwörtern – egal, ob richtig oder falsch.“ Floskeln werden überstrapaziert und es wird versucht, sich mit Redensarten und Kalendersprüchen zu profilieren. Vor diesem Hintergrund ist der Bildungsjargon letztlich, wie auch Hajo Kurzenberger feststellt, bedeutungsleere Sprache.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald – Von einer Genrerevolution und dem Kampf verschiedener Bewusstseinszustände: Einleitung in die Interpretation des Stücks als Genrerevolution und theoretische Verortung des dargestellten Kampfes zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein.

2. Kleinbürgertum, kleinbürgerliche Figuren, Bildungsjargon: Haltlosigkeit und soziale Schwellenzustände: Analyse der sozioökonomischen Situation des Kleinbürgertums um 1930 als Hintergrund für die psychologische Verfasstheit der Figuren.

2.1 Alfred, Marianne, der soziale Abstieg und ein dualistisches Standesbewusstsein: Untersuchung konkreter Figurenbeziehungen, die den sozialen Abstieg und das dualistische Standesbewusstsein innerhalb prekärer wirtschaftlicher Verhältnisse illustrieren.

2.2 Von Nicht-Verstehen und Dummheit – Bildungsjargon als Sprachkrise: Analyse der Sprachform des ‚Bildungsjargons‘ als entlarvendes Mittel, das die Sinnlosigkeit und Sprachkrise der Figuren offenbart.

3. Der Versuch einer heilen Welt: Wiener Walzer, Wiener Lieder und das ‚goldene Wiener Herz‘: Untersuchung der Funktionalisierung von Musik als gescheitertes Therapeutikum gegen die existenzielle Haltlosigkeit der Figuren.

4. "Stille": Uneigentliches, das Eigentliche, und die finale Demaskierung kleinbürgerlicher Zustände: Analyse der Regieanweisung ‚Stille‘ als zentrales Mittel, um Täuschungen zu entlarven und das Eigentliche im Dialog hervorzutreten.

5. Fazit: Sprachliches Versteckspiel, gesellschaftskritisches Sprachspiel: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der Instrumentalisierung von Sprache und Musik zur gesellschaftskritischen Demaskierung des kleinbürgerlichen Milieus.

Schlüsselwörter

Ödön von Horváth, Geschichten aus dem Wiener Wald, Kleinbürgertum, Bildungsjargon, Sprachkrise, soziale Haltlosigkeit, Wiener Walzer, Stille, dramaturgische Psychologie, soziale Amoral, Genrerevolution, Bewusstsein, Unterbewusstsein, gesellschaftskritisches Theater.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Ödön von Horváth in seinem Stück "Geschichten aus dem Wiener Wald" durch gezielte sprachliche und musikalische Gestaltungsmittel das kleinbürgerliche Milieu demaskiert und dessen moralische Defizite offenlegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind der Bildungsjargon als Ausdruck einer Sprachkrise, die sozioökonomische Lage des Kleinbürgertums in den 1930er Jahren sowie die Funktion von Musik und Sprechpausen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es zu ergründen, wie die Funktionalisierung von Sprache und Musik dazu beiträgt, den von Horváth postulierten „Kampf zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein“ innerhalb des Stücks zu inszenieren und zu demaskieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit folgt einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die den Text des Stücks unter Rückgriff auf Horváths eigene Gebrauchsanweisungen und unter Einbeziehung relevanter Forschungsliteratur interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Kontextualisierung des Kleinbürgertums, eine Analyse des Bildungsjargons als Symptom der Sprachkrise, die Untersuchung der Musik als (gescheitertes) soziales Verbindungsmedium und die Deutung der Regieanweisung ‚Stille‘ als Instrument der Entlarvung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?

Kernbegriffe sind Bildungsjargon, kleinbürgerliche Amoral, Sprachkrise, Entlarvung, musikalische Rahmung und der Kampf der Bewusstseinszustände.

Inwiefern spielt der „Wiener Walzer“ eine Rolle im Stück?

Laut der Arbeit dient die Musik, insbesondere der Wiener Walzer, als musikalisches Gestaltungsmittel, das die Atmosphäre rahmt, aber ironisch mit dem unmoralischen Verhalten der Figuren kontrastiert wird.

Warum betont die Arbeit die Bedeutung der Regieanweisung ‚Stille‘?

Die ‚Stille‘ wird als das wichtigste verfremdende Mittel identifiziert, das dort eintritt, wo die Figuren ihr „sprachliches Versteckspiel“ (den Bildungsjargon) nicht mehr aufrechterhalten können, wodurch das ‚Eigentliche‘ hervortritt.

Welches Fazit zieht der Autor zur Wirksamkeit der Sprache im Stück?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das sprachliche Versteckspiel der Figuren misslingt und gerade in den Momenten, in denen die Sprache stockt, die kleinbürgerliche Amoral schonungslos entlarvt wird.

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Details

Titel
Von der Demaskierung kleinbürgerlicher Zustände. Sozialer Abstieg, Wiener Walzer und Sprachlosigkeit in Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald"
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0
Autor
Thorben Höppner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
16
Katalognummer
V1351246
ISBN (PDF)
9783346860811
ISBN (Buch)
9783346860828
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Horváth Kleinbürgertum Neue Sachlichkeit Sprachkrise Geschichten aus dem Wiener Wald Walzer Sozialer Abstieg Volksstück Bildungsjargon Stille
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Thorben Höppner (Autor:in), 2022, Von der Demaskierung kleinbürgerlicher Zustände. Sozialer Abstieg, Wiener Walzer und Sprachlosigkeit in Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1351246
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Leseprobe aus  16  Seiten
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