Seit den 70er Jahren entwickeln sich zwei unterschiedliche Wissenschaftsprogramme in der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre: Der aspektorientierte und der interdisziplinäre Ansatz. Der aspektorientierte Ansatz, vertreten von Dieter Schneider, grenzt den Objektbereich der Betriebswirtschaftslehre ein und betrachtet nur einen relevanten Teilaspekt, um exakte wissenschaftliche Theorien aufzustellen. Hans Raffée, Vertreter des interdisziplinären Ansatzes in der Betriebswirtschaftslehre, ist der Meinung, dass gerade diese eingeschränkte Sichtweise zu unpräzisen und realitätsfremden Aussagen führt und möchte Abhilfe schaffen durch die Einbeziehung von Erkenntnissen aus benachbarten Wissenschaften.
Klaus Backhaus hält in Anbetracht dieser auseinanderstrebenden Positionen eine Rückbesinnung auf das „Allgemeine“ in der Betriebswirtschaftslehre für nötig. Es wird zu klären sein, in wie weit diese divergierenden Ansätze in einem zu integrieren sind. Günter Wöhe merkt an, dass die Grenzüberschreitung von Wissenschaftlern gar nicht mehr als solche wahrgenommen würden, weil sie sich und ihren Erkenntnisdrang nicht selbst beschränken wollten.
Diese Arbeit hat zum Ziel, die Entwicklung des interdisziplinären Ansatzes mit einer knappen Darstellung anderer Ansätze zu erklären. Hierbei sollen Vor- und Nachteile aufgezeigt und anschließend Probleme und Chancen des interdisziplinären Ansatzes erörtert werden. Die weiterführenden Erläuterungen aktueller Entwicklungen und der Einblick in Karl-Werner Schultes Immobilienökonomie sollen den interdisziplinären Ansatz von Hans Raffée mit „Leben“ füllen
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 SOZIALWISSENSCHAFTLICHES BASISKONZEPT
3 VIER EXEMPLARISCHE ANSÄTZE AUS DER SICHTWEISE DES SOZIALWISSENSCHAFTLICHEN BASISKONZEPTES
3.1 Der faktortheoretische Basisansatz (nach Gutenberg)
3.2 Der Entscheidungsansatz
3.3 Der Systemansatz
3.4 Der Marketingansatz
4 PROBLEME UND CHANCEN DES INTERDISZIPLINÄREN ANSATZES
5 DER INTERDISZIPLINÄRE ANSATZ AUS SICHT DER IMMOBILIENÖKONOMIE
6 AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IN DER INTERDISZIPLINÄREN LEHRE UND FORSCHUNG: DAS HOUSE OF FINANCE IN FRANKFURT
7 AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen und die praktische Anwendung interdisziplinärer Ansätze in der Betriebswirtschaftslehre, mit besonderem Fokus auf deren Bedeutung innerhalb der Immobilienökonomie und aktuellen wissenschaftlichen Strukturen.
- Grundlagen des sozialwissenschaftlichen Basiskonzepts im Vergleich zur ökonomischen Sichtweise.
- Kritische Diskussion exemplarischer betriebswirtschaftlicher Ansätze (Gutenberg, Entscheidung, System, Marketing).
- Herausforderungen und Chancen der interdisziplinären Zusammenarbeit.
- Spezifische Anwendung des interdisziplinären Ansatzes in der Immobilienbewertung und -forschung.
- Zukunftsperspektiven interdisziplinärer Lehre am Beispiel des House of Finance in Frankfurt.
Auszug aus dem Buch
3.1 Der faktortheoretische Basisansatz (nach Gutenberg)
Erich Gutenberg geht bei seinem faktortheoretischen Ansatz von idealtypischen Situationen aus. Dies, gepaart mit dem Verzicht auf Einbeziehung verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse, bedeutet eine gewisse Realitätsferne. Das Unternehmen steht im Mittelpunkt des Interesses, d.h. die Belange der Konsumenten und damit verbundene Marketinggedanken werden nicht erfasst. „In seiner Anwendung von praktisch-normativen Überlegungen zeigt sich der enge Bezug zur Grundposition von Wilhelm Rieger.“ Wenngleich der Ansatz insbesondere für Produktions- und Kostentheorie wichtige neue Erkenntnisse gebracht hat, verliert er heute zunehmend an Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre und der Notwendigkeit einer Rückbesinnung auf allgemeine, interdisziplinäre Ansätze.
2 SOZIALWISSENSCHAFTLICHES BASISKONZEPT: Erläuterung der Abgrenzung zwischen dem sozialwissenschaftlichen und dem ökonomischen Basiskonzept sowie deren Wechselwirkungen.
3 VIER EXEMPLARISCHE ANSÄTZE AUS DER SICHTWEISE DES SOZIALWISSENSCHAFTLICHEN BASISKONZEPTES: Analyse und Gegenüberstellung der Ansätze von Gutenberg, dem Entscheidungsmodell, dem Systemansatz und dem Marketingansatz.
4 PROBLEME UND CHANCEN DES INTERDISZIPLINÄREN ANSATZES: Erörterung der Kritik am interdisziplinären Arbeiten und der notwendigen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Wissensaustausch zwischen Disziplinen.
5 DER INTERDISZIPLINÄRE ANSATZ AUS SICHT DER IMMOBILIENÖKONOMIE: Untersuchung, wie verschiedene Fachdisziplinen wie Architektur, Stadtplanung und Ingenieurwesen zur Immobilienbewertung beitragen.
6 AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IN DER INTERDISZIPLINÄREN LEHRE UND FORSCHUNG: DAS HOUSE OF FINANCE IN FRANKFURT: Reflexion über die räumliche und organisatorische Bündelung von Wissen in Forschungseinrichtungen als Experiment der Interdisziplinarität.
7 AUSBLICK: Zusammenfassung der Bedeutung ethischer Verantwortung und der Notwendigkeit, interdisziplinäre Ansätze in der Lehre und Forschung weiter voranzutreiben.
Schlüsselwörter
Interdisziplinarität, Betriebswirtschaftslehre, Immobilienökonomie, Gutenberg, Entscheidungsansatz, Systemansatz, Marketingansatz, Sozialwissenschaften, Immobilienbewertung, House of Finance, Wissensaustausch, Integration, Ethik, Unternehmensführung, Interdisziplinärer Ansatz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept des interdisziplinären Arbeitens innerhalb der Betriebswirtschaftslehre und beleuchtet dessen Anwendung, insbesondere in der Immobilienökonomie.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören das sozialwissenschaftliche Basiskonzept, die theoretische Einordnung verschiedener betriebswirtschaftlicher Modelle, die Problematik interdisziplinärer Ansätze und praktische Fallbeispiele wie die Immobilienbewertung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den interdisziplinären Ansatz theoretisch zu fundieren, kritisch zu hinterfragen und anhand des Beispiels der Immobilienökonomie praktisch greifbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Ansätzen und deren Integration, ergänzt durch eine Analyse von Fachbeiträgen und Praxisbeispielen.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden vier spezifische Ansätze (Gutenberg, Entscheidung, System, Marketing) detailliert analysiert, sowie deren Vor- und Nachteile im Kontext der Interdisziplinarität erörtert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Interdisziplinarität, Immobilienökonomie, Wissenschaftstheorie, Kooperation und fachübergreifender Erkenntnistransfer geprägt.
Warum wird das House of Finance in Frankfurt als Beispiel genannt?
Das House of Finance dient als aktuelles Beispiel für den Versuch, durch räumliche Nähe verschiedener Fachbereiche (Wirtschaft, Bankwesen, Recht) einen fruchtbaren, interdisziplinären Austausch in Forschung und Lehre zu fördern.
Welche Kritik wird am interdisziplinären Ansatz geübt?
Kritiker, wie etwa Dieter Schneider, befürchten durch zu breite interdisziplinäre Ansätze eine Oberflächlichkeit des Wissens sowie eine Gefährdung der Leistungsfähigkeit der Betriebswirtschaftslehre.
Welche Rolle spielt die Immobilienökonomie in der Arbeit?
Die Immobilienökonomie dient als Anwendungsbeispiel, in dem die Integration von Architektur, Stadtplanung und Ingenieurwesen zur präzisen Bewertung von Immobilien notwendig ist.
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- Manuel Ehlers (Author), 2008, Der interdisziplinäre Ansatz von Hans Raffée, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135157