Die Autorin untersucht in ihrer Bachelorarbeit die Geschlechterbilder und -konstruktionen, die in rumänischen Grundschulbüchern der 1980er Jahre (unter dem kommunistischen Regime) dargestellt wurden.
In der zweiten Hälfte des kommunistischen Regimes in Rumänien wurden Frauen zu "Müttern der Nation" erklärt und per Gesetz gezwungen, vier oder mehr Kinder zu bekommen. Dies schuf ein Spannungsverhältnis zwischen der Ermächtigung der Frauen als Arbeiterinnen und ihrer gesetzlich auferlegten Verpflichtung als Mütter. So wird die doppelte Vergesellschaftung von Frauen wird ein zentrales Thema der Arbeit darstellen, die durch die Anwendung wichtiger Theorien des Differenz- und Gleichheitsfeminismus bereichert, ein tieferes Verständnis der Konstruktion von Geschlechterrollen ermöglicht.
Welche Botschaften wurden den Grundschulkindern vor diesem politischen Kontext über die Geschlechtsidentitäten vermittelt?
Erfolgte eine Verstärkung des politisch-konformen Bild der Frau als Mutter durch Grundschullehrbücher in der Zeit?
Die Arbeit untersucht, ob, und wenn ja, wie, sich Identitätszuschreibungen bzw. eine Subjektkonstruktion anhand von Genderrollen in den Grundschullehrbüchern herauskristallisieren lässt. Diese Frage öffnet den Raum für eine tiefergehende pädagogische Debatte über die Implikationen eines gesteuerten Identitätsbildungsprozesses und die Grenzen und Möglichkeiten der Pädagogik im Bezug darauf.
Als Untersuchungsgrundlage dienen Grundschulbücher aus der Dekade 1980-89 aus den Hauptfächern Rumänisch und Mathematik. Es erfolgt eine gemischte Bild- und Textanalyse mit besonderem Fokus auf Ersteres.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Forschungsstand
III. Situierung der Fragestellung in einem theoretischen Rahmen
Sorgearbeit
Gleichheitsfeministische Perspektive
Differenzfeministische Perspektive
Mutterschaft als identitätsstiftendes Merkmal
IV. Historischer Kontext: Frauen und Bildung in der rumänischen (kommunistischen) Gesellschaft
Gesellschaftspolitischer Kontext bis 1945
Frauen bis 1945
Bildung bis 1945
Der Aufstieg der Kommunistischen Partei
Frauen im kommunistischen Rumänien
Bildung im kommunistischen Rumänien
Die 80er Jahre
Frauen
Bildung
V. Materialauswahl
Schulbuch als Medium von Diskursvermittlung
Begründete Materialauswahl
VI. Methodik
VII. Analyse
ABC- Werk
Geschlechtsspezifische Repräsentation im professionellen Raum
Geschlechtsspezifische Repräsentation im persönlichen Raum
Geschlechtsspezifische Identifikations- und/oder Charakterisierungsgrundlage
Mathematik Buch
Geschlechtsspezifische Repräsentation im professionellen Raum
Geschlechtsspezifische Repräsentation im persönlichen Raum
Geschlechtsspezifische Identifikations- und / oder Charakterisierungsgrundlage
VIII. Diskussion der Analyseergebnisse
Limitationen des Vorhabens
IX. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
X. Literatur & Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion von Geschlechterrollen und deren Vermittlung durch Schulbücher im kommunistischen Rumänien der 1980er Jahre, um herauszuarbeiten, inwieweit das Bildungssystem zur geschlechtsspezifischen Subjektivierung beitrug.
- Geschlechterkonzeptionen im kommunistischen Regime
- Die Rolle der Sorgearbeit als identitätsstiftendes Merkmal
- Vergleichsbildung zwischen produktiver Erwerbsarbeit und reproduktiver Mutterrolle
- Analyse der Geschlechterrepräsentation in Schulbüchern (Mathematik & ABC-Werk)
- Pädagogische Implikationen eines gesteuerten Identitätsbildungsprozesses
Auszug aus dem Buch
Die fürsorgliche Mutter
Die fürsorgliche Mutter zeichnet sich dadurch aus, dass sie immer die Kinder beaufsichtigt, sich um sie kümmert, ihre Bedürfnisse erfüllt, während die Haupthandlung der Illustration von den Kindern vollzogen wird. Dabei sieht sie immer friedlich aus. In Abbildung 6.1. ist die beaufsichtigende Mutter zusammen mit höchstwahrscheinlich ihren vier Kindern (wie per Dekret veranlasst) auf dem Spielplatz und schaut / hört dem kleinsten der Kindern aufmerksam und liebevoll zu.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Hinführung zur Thematik der Geschlechterrollen im rumänischen Kommunismus und Vorstellung der Forschungsabsicht.
II. Forschungsstand: Überblick über existierende Studien zu Genderrepräsentation in der rumänischen Bildungslandschaft.
III. Situierung der Fragestellung in einem theoretischen Rahmen: Theoretische Fundierung durch Gleichheits- und Differenzfeminismus sowie Definition von Sorgearbeit.
IV. Historischer Kontext: Frauen und Bildung in der rumänischen (kommunistischen) Gesellschaft: Historische Einbettung der Frauenrollen und des Bildungswesens bis 1989.
V. Materialauswahl: Begründung der Auswahl des ABC-Werks und des Mathematik-Buchs als Diskursmedien.
VI. Methodik: Erläuterung der Herangehensweise und der Kriterien für die empirische Analyse.
VII. Analyse: Detaillierte Untersuchung des Bildmaterials hinsichtlich professioneller und persönlicher Geschlechterrepräsentationen.
VIII. Diskussion der Analyseergebnisse: Reflexion der Befunde unter Berücksichtigung der theoretischen Konzepte und Limitationen.
IX. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Synthese der Erkenntnisse über die Konstruktion von Geschlechterbildern.
X. Literatur & Quellen: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Geschlechterrollen, Kommunismus, Schulbücher, Rumänien, Sorgearbeit, Mutterschaft, Bildungssystem, Genderrepräsentation, Subjektkonstruktion, Neue Menschen, Identitätsbildung, Differenzfeminismus, Gleichheitsfeminismus, Reproduktive Arbeit, Erziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie in rumänischen Schulbüchern der 1980er Jahre Geschlechterrollen konstruiert und vermittelt wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen Geschlechterpolitik im Kommunismus, das Konstrukt der Sorgearbeit und die Rolle der Frau als Mutter und Arbeiterin.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche Botschaften über Geschlechtsidentitäten Grundschulkindern mitgegeben wurden und ob eine Verstärkung des politisch-konformen Mutterbildes durch Schulbücher erfolgte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine deduktive Analyse von Bildmaterial in Grundschullehrbüchern durchgeführt, gestützt durch gleichheits- und differenzfeministische Theoriediskurse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Kontextualisierung, die Begründung der Materialauswahl und die detaillierte Analyse der Geschlechterrepräsentation im ABC-Werk sowie im Mathematik-Buch.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Geschlechterkonstruktion, Sorgearbeit, politische Instrumentalisierung von Bildung und Identitätsbildung charakterisiert.
Warum wurde das ABC-Werk für die Analyse ausgewählt?
Weil es das erste Lehrmittel ist, mit dem Kinder in der Schule in Kontakt kommen, und somit eine zentrale Rolle für die gesellschaftliche Sozialisation einnimmt.
Welche Bedeutung hat das Fehlen von Mutterschaft im Mathematik-Buch?
Es unterstreicht den Anspruch des Fachs auf vermeintliche Ideologiefreiheit, während das ABC-Werk explizit die propagandistische Rolle der Mutter betont.
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- Ioana Ganescu (Author), 2022, Geschlechterbilder in rumänischen Grundschulbüchern der 1980er Jahren. Ermächtigte Frau?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1351812