Analyse der sozialen Identität am Beispiel Gilmore Girls


Hausarbeit, 2006

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Diese Arbeit soll sich mit der linguistischen Gesprächsanalyse beschäftigen, genauer mit der Theorie, dass Menschen, während sie miteinander kommunizieren, ihre soziale Identität zum Ausdruck bringen.

Das Wort Identität bezeichnet laut dem Duden die Echtheit einer Person, das bedeutet, die genaue Ubereinstimmung der Bezeichnung einer Person mit dem, was sie wirklich ist. So wird in der Kriminalistik eine Person identifiziert, indem man die Ubereinstimmung ihrer Person im Zusammenhang mit einer kriminellen Handlung feststellt.[1]

Bei der Definition von Identität ist zu beachten, dass der Mensch nicht einzeln betrachtet werden kann, sondern immer als Teil einer sozialen Gruppe betrachtet werden muss. Durch den Kontakt und den Vergleich zu anderen Individuen ist es möglich, dass ein Mensch das Individuelle seiner Identität erlebt. Nach meinem Verständnis wird der Zusammenhang zwischen dem Erleben der individuellen Identität und dem Einfluss der sozialen Gruppe als soziale Identität bezeichnet.

Dagegen abgrenzen muss man den Begriff der sozialen Rolle einer Person. Die Bedeutung von Rolle ist laut Duden die Gestalt die jemand verkörpert. Innerhalb der Gesellschaft ist es eine Stellung oder Funktion, die ein Mensch inne hat.1

Zum Beispiel bin ich zugleich Studentin an der Universität, Arbeitnehmerin in meinem Nebenjob und Tochter und Schwester in meiner Familie. All diese Rollen, die abhängig sind von der gegebenen Umgebung oder Situation, stimmen mit mir als einzelnem Wesen überein.

Ich denke also, dass die soziale Identität die gröllere Einheit ist, die sich aus mehreren sozialen Rollen zusammensetzt und von ihnen beeinflusst wird.

Schwitalla schreibt:

„Immer spricht/schreibt jemand in der Sprache seiner Zeit, als Angehöriger einer sozialen Gruppe, (...) als Mensch einer bestimmten Altersstufe, als Mann oder Frau, in der Welt des Alltags, der Wissenschaft, (...)".[2]

Das heillt, anhand der Art und Weise wie eine Person spricht, lässt sich auf ihre Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe schliellen, sowie auf ihre soziale, situationsbedingte Rolle (zb. innerhalb einer Alltagssituation), denn beides beeinflusst die Art und Weise des sprachlichen Ausdrucks.

Bei Krappmann heillt es, dass Identität erst über Sprache vermittelt wird.

Für ihn entsteht Identität erst durch die Kommunikation eines Individuums mit seinen Mitmenschen in jeder Situation neu. Damit ist sie nichts Starres, sondern je nach Situation veränderbar. Die Sprache muss dabei drei Funktionen erfüllen, damit während eines Gesprächs Identität entstehen kann. Zum einen braucht die Sprache einen begrifflichen Apparat, der es möglich macht Problemlösungen zu finden. Zum anderen muss man mit Hilfe der Sprache in der Lage sein seine individuellen Erfahrungen in der jeweiligen Gesprächssituation dem anderen zu übersetzen. Die dritte, für die Analyse von Identitäten wichtigste Funktion, ist die der Uberschussinformation. Krappmann sagt:

„Überschüssig ist die Information, insofern sie nicht nur die Erwiderung auf eine vorangegangene Aussage bietet, sondern der Sprechende mit verbalen oder aullerverbalen Mitteln seine besondere Einstellung zum Inhalt der Mitteilung kennzeichnet."[3]

Das heillt, dass es mit Hilfe der Untersuchung von Uberschussinformationen innerhalb eines Gespräches möglich ist, persönliche Bedeutungen für den der sie äullert, herauszuarbeiten.

Wenn man von sprachlichen Aullerungen auf soziale Identitäten schliellt, muss man beachten, dass man vom Individuellen auf das Allgemeine schliellt.

Angenommen ein Sprecher drückt sich in einem bestimmten Dialekt aus, dann würde ich als Analysator diesen Sprecher der sozialen Gruppe einer bestimmten Region zuordnen, von der ich weill, dass der Dialekt dort gesprochen wird. Das geschieht über das Kategorisieren und über Stereotype. Indem durch eine bestimmte lautliche Realisierung eines Wortes der Klang desselben typisch wird für die Kategorie Dialekt oder für das Stereotyp, dass in einer bestimmten Region so gesprochen wird, wird diese Zuordnung vorgenommen. Möglicherweise spricht in einem Einzelfall aber eine Person einen Dialekt, obwohl sie gar nicht in der dazugehörigen Region lebt. Dann wäre die vorherige Schlussfolgerung nicht zutreffend. Das heillt, man kann Menschen Ober ihre Sprache Identitäten zuweisen, aber es muss nicht immer zutreffen, da man mit Stereotypen arbeitet.

Als Beispiel fOr eine Analyse habe ich die Pilotepisode der Fernsehserie „Gilmore Girls"[4] ausgewählt, weil ich davon ausgehe, dass in einem Schauspiel (zb. TheaterstOck, Kinofilm oder „Daily Soap") die Sprache eine wichtige Rolle spielt, um dem Zuschauer bestimmte Menschtypen oder Charaktere vorzufOhren.

In der Pilotfolge einer Fortsetzungsserie werden dem Zuschauer die handelnden Charaktere zunächst vorgestellt, also sollte sie sich fOr die Analyse der Darstellung von Identität Ober Sprache besonders gut eignen.

Es bleibt allerdings die Frage, ob fiktive Figuren eine entschlOsselbare Identität besitzen oder ob ihnen nur verschiedene Rollen zugewiesen werden, die notwendig sind, um eine Geschichte zu erzählen. Schlielllich handelt es sich nicht um real existierende Personen. Laut der oben genannten Definition ist aber die Echtheit eines Menschen, das was seine Identität ausmacht.

Eine Fiktion ist nicht die Wirklichkeit. Sie ist konstruiert, um die Wirklichkeit darzustellen.

Damit besitzen die Figuren, die ich analysieren werde konstruierte soziale Rollen, die ihre konstruierten fiktiven sozialen Identitäten ausmachen, welche dem Zweck dienen, eine Geschichte zu erzählen.

FOr die Konstruktion der Figuren sind Stereotype von groller Bedeutung, denn Ober die Darstellung dieser Sammelerfahrungen der Gesellschaft, ist das Verständnis des Publikums möglich.

So kann ich in meiner Analyse diese Ober Stereotypen konstruierten sozialen Identitäten der Figuren im Zusammenhang mit der dazu ebenfalls konstruierten Sprache untersuchen.

[...]


[1] Vgl. DUDEN Band 5 „Fremdwörterbuch" und DUDEN Band 10 „Bedeutungswörterbuch"

[2] J. Schwitalla: Gesprochenes Deutsch. Berlin 2005.

[3] Lothar Krappmann: Soziologische Dimensionen der Identitat. Stuttgart 1993.

[4] Gilmore Girls, Buch Amy Sherman-Palladino, Produktion: Warner Brothers, USA 2000

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Analyse der sozialen Identität am Beispiel Gilmore Girls
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Linguistik)
Veranstaltung
Sprachliche Kommunikation und soziale Identität
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V135182
ISBN (eBook)
9783640434398
ISBN (Buch)
9783640434497
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Linguistik, Kommunikation, soziale Identität, Pragmatik, Gesprächsanalyse, Gilmore Girls, Dialog, Identität, Soziolinguistik
Arbeit zitieren
Susann Lenk (Autor), 2006, Analyse der sozialen Identität am Beispiel Gilmore Girls, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135182

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