Zur Vorgeschichte des Wilhelmszyklus

Hausarbeit - französische Heldendichtung des Mittelalters


Hausarbeit, 2009
12 Seiten, Note: 2
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beweise für die Existenz epischer Heldenlieder über Wilhelm vor der Entstehung des Überlieferten Zyklus
2.1. Die Carmina in Honorem Hludowici Pii
2.2. Das Haager Fragment
2.3. Die Nota Emilianense
2.4. Die Urkunden von Saint-Yrieux-de-la-Perche und Gellone
2.5. Die Vita sancti Wilhelmi

3. Die Verschmelzung der einzelnen historischen Gestalten zu einem epischen Wilhelm
3.1. Die verschiedenen Wilhelme und ihre eigenen Sagenkreise
3.2. Die Verschmelzung der einzelnen Gestalten

4. Die Entwicklung einzelner Lieder zu den uns überlieferten Bestandteilen des Zyklus
4.1. Die Entstehung des Chanson de Guillaume
4.2. Die Entstehung des Couronnement de Louis

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

„Ein Leser, der immer noch darauf ausgeht, die ‚ursprüngliche Form‘ einer chanson de geste zu bestimmen, verhält sich nicht anders als der Bauer am Ufer eines Stromes, der gern wissen möchte, wo und wann der ganze Strom angefangen hat dahinzufließen und wo und wann er denn endlich dahingeflossen sein wird.“[1]

Der Wilhelmszyklus wird zu den ältesten Zeugnissen der altfranzösischen Heldenepik und der mittelalterlichen Literatur gezählt. Diese Hausarbeit befasst sich mit der Entstehung des Inhaltes und der Vorgeschichte dieses Liederkreises.

Anfangs soll geklärt werden, ob bereits epische Heldenlieder über Guillaume vor der Fixierung des Wilhelmszyklus in der uns überlieferten Sammelhandschrift existiert haben und ob diese nur mündlich oder auch schriftlich weitergegeben wurden.

Im weiteren Verlauf soll versucht werden die Verschmelzung der einzelnen Wilhelmsgestalten zu einem Wilhelm, wie er im Zyklus dargestellt wird, zu rekonstruieren.

Anschließend wird erklärt, wie die einzelnen Lieder, die die Bestandteile des Wilhelmszyklus darstellen, zu einem Liederkreis zusammengeflossen sind.

2. Beweise für die Existenz epischer Heldenlieder über Wilhelm vor der Entstehung des Überlieferten Zyklus

Die im folgenden Kapitel aufgeführten Dokumente aus dem frühen Mittelalter können als Beweis dafür gesehen werden, dass lange Zeit vor der Entstehung des uns überlieferten Wilhelmszyklus bereits epische Heldenlieder über die verschiedenen Wilhelmsfiguren (auch bereits miteinander verschmolzene Wilhelmsfiguren) existierten.

Natürlich ist die Überlieferung dieser Schriften nur bruchstückenhaft erfolgt, und die Geschichte des Wilhelmszyklus nur sehr schwer rekonstruierbar.

2.1. Die Carmina in Honorem Hludowici Pii

Bei der „Carmina in Honorem Hludowici Pii“ handelt es sich um ein Gedicht, welches zu Lebzeiten Ludwigs des Frommen entstand. Das Schriftstück, verfasst von Ermoldus Nigellus (auch Ermold le Noir genannt) wurde auf das Jahr 827 datiert und beinhaltet eine Lobrede auf Ludwig.

Natürlich hielt sich der Verfasser weitestgehend an die reellen geschichtlichen Fakten dieser Zeit. Allerdings werden die dabei verherrlichten Taten des regierenden Fürsten, beispielsweise bei der Thematisierung der Erstürmung Barcelonas, äußerst eng mit einem Wilhelm, genauer gesagt mit Wilhelm von Toulouse verknüpft, der hier sehr sagenhaft dargestellt wird.

Durch die offensichtlich legendäre Gestaltung des Gedichtes ähnelt es den Werken aus der Wilhelmsepik zum Beispiel auch für die Heldendichtung übliche Übertreibungen und Beschönigungen.[2]

Aufgrund dieser Tatsachen scheint die Vermutung, dass die „Carmina in Honorem Hludowici Pii“ das Fortleben um die Legenden um Guillaume begünstigt hat und eventuell auch einen Beitrag zur Entstehung des Liederkreises geleistet hat, durchaus sinnvoll.

2.2. Das Haager Fragment

Auf den letzten drei Seiten einer mittelalterlichen Handschrift wurde ein Textfragment entdeckt, welches sich eventuell mit der Thematik des Wilhelmszyklus in Verbindung bringen lässt. Es handelt sich dabei um ein Schriftstück in lateinischer Prosa, wobei Untersuchungen ergeben haben, dass dieser Text die Transkription eines hexametrischen Gedichtes in altfranzösisch darstellt. Das Originalgedicht wurde wahrscheinlich nicht überliefert und konnte somit auch nicht aufgefunden werden.

Die Transkription wurde von Wissenschaftlern auf die Zeit zwischen 980 und 1030 datiert, wobei man vermutet, dass das zugrunde liegende hexametrische Gedicht noch einige Zeit älter war.

Thema dieser Schrift ist der Kampf zwischen Karl dem Großen und den Sarazenen. Die Handlung beginnt mit der Belagerung einer Stadt durch Karl den Großen, deren Name nicht genannt wird, hinter der sich aber wahrscheinlich Narbonne verbirgt. Nach einem erfolglosen Ansturm gelingt es Karl und seinen Gefährten in die Stadt einzudringen und diese zu zerstören. Anschließend wird die Schlacht in der Umgebung der Stadt (in den Canpi Strigilis) weitergeführt und endet mit dem Tod des Sarazenenkönigs und einem seiner Söhne und der Christensieg ist vorauszusehen.

[...]


[1] Adler, Alfred: Episches Frage- und Antwortspiel in der „Geste de Nanteuil“. Frankfurt am Main 1974; Seite 42

[2] Frappier, Jean: Les Chansons de Geste du Cycle de Guillaume d’Orange. I. – La Chanson de Guillaume, La Chevalerie Vivien, Paris 1955; Seite 69-70

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Zur Vorgeschichte des Wilhelmszyklus
Untertitel
Hausarbeit - französische Heldendichtung des Mittelalters
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Romanistik)
Veranstaltung
Französische Heldendichtung des Mittelalters
Note
2
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V135187
ISBN (eBook)
9783640454433
ISBN (Buch)
9783640454983
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Zur Vorgeschichte des Wilhelmszyklus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135187

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Zur Vorgeschichte des Wilhelmszyklus


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden