Die Buchpreisbindung - positive und negative Aspekte


Hausarbeit, 2003

18 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

INHALT

Kapitel

Forschungsbericht

1. Eine kontroverse Diskussion: Die Argumente der Interessenkoalitionen
1.1 Die Gegner
1.2 Die Befiirworter

2. Die Verantwortung des Verlegers bei der Festlegung der Endverkaufspreise

3. Die Erfahrungen in anderen europäischen Ländern
3.1 Schwe den: Ein Beispiel wie aus dem Bil derbuch
3.2 Frankreich: Wie ein Konzern den Buchmarkt aufmischt
3.3 GroBbritannien: Die Branche lässt freiwillig den Schutz hinter sich

Fazit

Literaturverzeichnis

Forschungsbericht:

Die Buchpreisbindung ist seit ihrer EinfUhrung schon immer ein Thema gewesen, das kon-trovers diskutiert wurde und immer noch wird. EingefUhrt wurde sie um groBere Krisen zu verhindern, doch ist sie gerade dann wie der heftig umstritten, wenn Krisen auf dem Buch-markt auftauchen. So sagen einige, dass sie mit verantwortlich ist fUr die derzeitige Flaute und verwenden als Hauptargument, dass eine solche Absprache, bzw. ein solches Gesetz, gegen jegliches liberales Wirtschafts denken verstoBe. Die BefUrworter der Preisbindung sehen den Buchmarkt als etwas besonderes an, das es durch besondere Regeln zu schUtzen gilt.

Diese Hausarbeit soll beleuchten, in wieweit und auf welche Weise die Buchpreisbindung in Deutschland wirklich Einfluss auf eventuelle Krisen hat. HierfUr werden zuerst die Argu-mente der BefUrworter und der Gegner aufgefUhrt werden, um die okonomischen sowie die kulturellen Faktoren zu analysieren. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die verlegerische Verant-wortung bei der Preisbil dung, da er ja in gewisser Weise intuitiv die Ergebnisse einer Ent-wicklung von Angebot und Nachfrage vorwegnehmen muss. Dies erfordert eine gute Uber-sicht Uber den Markt und kann weittragende Folgen haben, da der Preis langfristig festgelegt wird. Die Fragestellung ist hier, ob und wie sehr die festen Ladenpreise die Entschei dungs-freiheit der Verleger einschranken.

Diese Betrachtungen sollen dann von Deutschland auf andere europaische Lander ausge-weitet werden, um die Erfahrungen unserer Nachbarn in den Untersuchungsprozess mit ein-flieBen zu lassen. Diese Lander sind Schwe den und Frankreich, weil sie die wohl extremsten Erfahrungen mit den Folgen einer Abschaffung der Buchpreisbindung gemacht haben und GroBbritannien, weil hier schon immer eher liberal mit den Ladenpreisen umgegangen wurde.

Nach der Analyse all dieser Aspekte soll die Einwirkung der Buchpreisbindung auf die in unserem Seminar konstatierte Krise auf dem Buchmarkt deutlich gemacht werden, um die Ausgangsfrage zu beantworten.

Uber das Thema der Buchpreisbindung gibt es zahlreiche Literatur, dieser Seminararbeit liegen allerdings die eher Ubersichtlich gestalteten Werke der neueren Zeit ab 1995 zu Grun-de. Ulrich Everlings „ Buchpreisbindung im deutschen Sprachraum und Europäisches Ge- meinschaftsrecht" von 1997 behandelt die zur Zeit des Erscheinens der Abhandlung gelten-den Buchpreissysteme in Deutschland, den Nie derlanden, GroBbritannien un d Frankreich und ie Anwendung des Art. 85 Abs. 1 und 3 der Europäischen Verträge auf die Buchpreisbin-ung.

Achim PreuB Neudorf legt in seiner Dissertation „ Preisbindung und Wettbewerb auf dem deutschen Buchmarkt" den Schwerpunkt eindeutig auf die okonomischen Aspekte und be-leuchtet hier die verschie denen Variablen, die zum Funktionieren eines Marktes mit o der ohne feste Ladenpreise gehoren.

Das neuste Werk ist die 2000 in den Buchwissenschaftlichen Beiträgen aus dem deutschen Bucharchiv München erschienene Dissertation von Regina Goldschmitt: „ Grenz ü berschrei-tende Buchpreisbindung und internationaler Buchmarkt". Sie gibt eine Ubersicht fiber die allgemeine Situation der Buchpreisbindung.

Eine ganz ausfiihrliche Quelle ist die Dissertation „ Die Aufhebung der Preisbindung frBucher — Fallbeispiel Schweden" von Thomas Richter. Sehr eingehend stellt er hier die Er-fahrungen da, die das skandinavische Land mit der Abschaffung der Buchpreisbindung und der daraus resultierenden Negativentwicklung auf dem Buchmarkt gemacht hat.

Um die wirtschaftliche Seite eingehen der zu betrachten soll ebenfalls der Artikel „Die Buchpreisbindung aus okonomischer Perspektive" von Henning Stumpp aus dem BuchMarkt 4/98 hinzugezogen werden. Er lässt den kulturellen Gesichtspunkt fast vollig auBer Acht und konzentriert sich auf die wirtschaftliche Seite. Nach genauer Betrachtung ist er der Meinung, dass die Preisbindung zwar nicht das effizienteste Mittel sei, aber doch der beste Kompro-miss, der momentan zu haben ist.

Gerne hätte ich auch auf Informationen aus dem Treuhandbaro fir die Buchpreisbindung verwendet, doch die Kooperation mit der Kanzlei Wallenfels verlief lei der nicht wie geplant. Meine Fragenwurden zwar von der Sekretärin zur Kenntnis genommen, aber von Herrn Wal-lenfels nie beantwortet wurden, wie es versprochen worden war.

1. Eine kontroverse Diskussion: Die Argumente der Interessenkoalitionen

Die Diskussion um die Buchpreisbindung, existiert eben so lange wie die Regelung selbst. Die Argumente sind quantitativ allerdings etwas unausgeglichen, so dass sich die Waagschale zu Gunsten der Befürworter neigt.

1.1 Gegner

Die Gegner der Buchpreisbindung sind in jüngster Zeit vorwiegend die Mitglie der der EU-Wettbewerbskommission in Brüssel, aber auch Branchenmitglie der wie z.B. die österreichi-sche Buchhandelskette Libro disk, die Brüssel um ein Einschreiten in punkto Preisbindung ge-beten hat[1].

Das Hauptargument der Gegner fester Ladenpreise ist, dass eine solche Absprache eine Einschränkung der freien Marktwirtschaft darstelle und somit den Markt verfälsche und zu ei-ner „Versteinerung der Absatzwege"[2] führe.

Der Kapitalismus ist hier vorherrschend. Regina Gol dschmitt formuliert das folgen derma-ßen: „ Wettbewerbsökonomie funktioniert auch auf dem Buchmarkt nach dem Prinzip Kon-kurrenz belebt das Geschäft und dies dient dem Gemeinwohl, denn es be deutet billigere Bü-cher, höheren Absatz und Ankurbelung der gesamten Buchbranche".[3] Das Buch ist also nicht Kulturgut, sondern wird auf seinen Warencharakter re duziert, der den üblichen Wettbewerbs-gesetzen unterliegt. Die Gegner sehen also den Preiswettbewerb als besonders wichtig an, da ihrer Ansicht nach die Bereitstellung von „presale services" [4] zu hohe Kosten verursache. Hö-here Preise unter einer Preisbindung entstünden ebenfalls durch die völlige Unterdrückung des Preiswettbewerbs, da sich der Umstand, dass die Buchhän dler keine Rabatte an die Kun-den weitergeben können, verteuernd auswirke.[5]

Die Hoffnung bei einer Abschaffung fester Ladenpreise besteht für sie darin, dass zumin-dest leichtverkäuflicher Literatur wie Bestseller, gängige Sachbücher und Unterhaltungslitera-tur billiger würden, was natürlich die Endkunden enorme Vorteile bringen würde. Gol dsch-mitt führt an, dass es durch die Preisbindung in der Belletristik zu dem Phänomen des „try & fly" gekommen sei, bei dem viele Titel in kleinen Auflagen pro duziert werden, in der Hoff- nung, dass einer zum Bestseller wird und per Mischkalkulation die anderen, weniger erfolg-reichen mitfinanziere.[6] Dadurch entstehen solch hohe Zahlen von Ersterscheinungen, die der-zeit den Markt iiberfluten, weil sie so kiinstlich hochgehalten werden, was von vielen als nicht wirklich positiv fiir die Qualitat der Literatur betrachtet wird.

Mit der Einfiihrung freier Preise wiirde sich der Markt wahrscheinlich sehr stark aus diin-nen, was fiir viele aber auch gut sein kann, weil er sich dann wesentlich iibersichtlicher gestal-ten wiirde. Das ware fiir den Kunden von Vorteil, da er gezielter aussuchen könnte und sich die Marken, die auf dem Buchmarkt wahrscheinlich leichter entstehen könnten, besser einprä-gen und sich daran orientieren könnte. „Innovative Unternehmen" [7] könnten also auf diese Weise gestarkt werden. SchlieBlich wiirde man auch die protektionistischen Inseln re duzieren, die durch ein regulierendes Eingreifen auf dem Markt entstanden sind.

1.2 Die Befiirworter

Die Fiirsprecher gebundener Preise sind auBer den meisten Verlagen natiirlich die Buch-handler, deren Uberleben durch das System der festen Ladenpreise gesichert ist. Sie können die meisten Argumente ihrer Diskussionsgegner entkraften.

Die EU-Kommission sah schlieBlich ein, dass nur mit einer Buchpreisbindung die kulturel-le Querschnittsklausel der Europaischen Vertrage eingehalten werden kann. Diese legt fest, dass fiir die finanzielle Grundlage zur Erhaltung der Kultur gesorgt werden muss, und ein Kulturgut ist das Buch unumstritten. Damit hebt man das Buch iiber die anderen Giiter des Einzelhandels und macht es so zu etwas beson]derem. Biicher sind eben anders.

Dass der Wettbewerb durch die Buchpreisbindung gestört wiirde, wi derlegt Everling, in-dem er klarstellt, dass sich der Wettbewerb nur auf andere Ebenen als den Preis verlagern. Man konkurriere in Form von Präsentation, Umfang des Angebots und der Vielgestaltigkeit der bereitgestellten Biicher, sachkundiger Beratung und eben auch durch die Erhaltung eines insgesamt angemessenen Preisniveaus[8], folglich auf der Basis der presale services. Ohne feste Ladenpreise wiirde hingegen die Zahl der Anbieter, also auch die Breite des Angebots zuriick-gehen, was zu wesentlich weniger Wettbewerb fiihren wiirde, als es jetzt der Fall ist. Ferner- hin befiirchten die Befiirworter der Buchpreisbindung bei deren Wegfall einen harten Preis-kampf zwischen dem Buchhandel und den Kaufhausern, groBen Ketten und den Buchklubs, die massiver als kleine und mittelstandische Buchhandlungen werben können und durch Dumpingpreise hohe Umsatze erzielen könnten. Es kame also zu einem Verdrangungswettbe-werb im groBen Stil, da groBe Ketten leisten bei Tiefpreisen, die hart an der Grenze des Bank-rotts kalkuliert sind, einen langeren Atem haben als kleine Laden. Ketten sind schon allein durch ihre GröBe abgesichert, da sie an einigen Orten durch diese Verdrangungstaktik zum Marktfiihrer werden können und das Geld hierfiir aus anderen Filialen ziehen können. Auf an- d ere Weise geschieht das zwar heute auch schon, aber die Verdrangung findet eher durch La-denflache und Lage statt.[9] Durch die Preisbindung können alle, der GroBhandel und der Buch-handel, ein groBes Angebot bereithalten, da ihre Gewinnspanne durch eine feste Kalkulations-basis abgesichert sind. Sie können also langfristig planen und das ist gut fiir das quantitative Angebot. Nie drigpreise in einem liberalen Markt wiirden allerdings wahrscheinlich nur an-fanglich positive Ergebnisse bringen; wie sich der Markt nach einer Abschaffung der festen Ladenpreise langfristig entwickeln könnte, soll spater noch am Beispiel Schwe den gezeigt werden. Weiterhin ware eine sinkende Qualitat der Pro duktionsbe dingungen zu befiirchten. Die Schaffung und vor allem die Erhaltung eines vielgestaltigen Buchmarktes sei somit ein wichtiges kulturpolitisches Ziel[10], da ein harter Preiskampf auch gefahrlich ware fiir eine fi-nanzielle Grundlage des Kulturgutes Buch vor allem fiir Fachliteratur, die schon mit einer Preisbindung eher schwer verkauflich ist, die aber im Moment durch Mischkalkulation noch besser finanziert werden kann.

Aber bevor Literatur entsteht, braucht man Autoren, und um diese fiirchtet Everling bei ei-ner Abschaffung der Buchpreisbindung, besonders um die, die quasi Liebhaberliteratur schreiben und „nach behandeltem Gegenstand, Stil o der geistiger Ausrichtung"[11] einen eher kleinen Rezipientenkreis ihr Eigen nennen können. Weiterhin waren die jungen und noch nicht bekannten Autoren auf der „Liste der gefahrdeten Arten", die sich erst durchsetzen miis-sen. Bei de Autorengruppen hatten auf einem freien Buchmarkt wesentlich weniger Chancen, da die Risikofreudigkeit der Verleger rapide abnehmen wiirde, weil sie viel knapper kalkulie-ren miissten und sich wahrscheinlich eher auf schon bekannte Schreiber stiitzen wiirden als

[...]


[1] Vgl.: Stumpp, Henning: Die Buchpreisbindung aus ökonomischer Perspektive. In BuchMarkt 4/98 , S. 119.

[2] Preuß Neudorf, Achim: Presbindung und Wettbewerb auf dem Deutschen Buchmarkt, S. 71f.

[3] Gol dschmitt, Regina: Grenzüberschreitende Buchpreisbindung und internationaler Buchmarkt S. 10.

[4] z.B. Beratung und Präsentation

[5] Preuß Neudorf, S. 85.

[6] Gol dschmitt, S. 16.

[7] Stumpp S. 119.

[8] siehe hierzu: Everling, Ulrich: Buchpreisbindung im deutschen Sprachraum und Europäisches Gemeinschafts- recht, S. 44.

[9] Dies gab Herr Buch von der Douglas Holding im Falle der Buchhandelskette Thalia auf dem diesjahrigen Kol-loquium offen zu.

[10] siehe 7.

[11] Everling, S.57.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Buchpreisbindung - positive und negative Aspekte
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Buchwissenschaft)
Veranstaltung
Buchmarkt in der Krise - Eine Echtzeitanalyse
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V135194
ISBN (eBook)
9783640432196
ISBN (Buch)
9783640432172
Dateigröße
747 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buchwissenschaft, Buchpreisbindung
Arbeit zitieren
Melina Guske (Autor), 2003, Die Buchpreisbindung - positive und negative Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135194

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Buchpreisbindung - positive und negative Aspekte



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden