Der europäische Igel (Erinaceus europaeus) gilt im ländlichen Raum als ein immer seltener Bewohner von Wäldern und Gärten. Als Gründe hierfür gelten die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft sowie der damit einhergehende Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und die somit immer geringer werdenden Nist- und Nahrungsmöglichkeiten. Urbane Gebiete galten lange als Rückzugsgebiete für die stacheligen Säugetiere.
Jedoch deuten erste europäische Forschungsergebnisse darauf hin, dass Igel auch im städtischen Raum immer weiter unter Druck geraten. Die vermuteten Ursachen scheinen hierbei vergleichbar mit denen zu sein, die auch zu einem Rückgang der Insekten- und Vogelbestände führen: Die Versiegelung von immer größeren Flächen für Gewerbegebiete und Wohnbebauung, sogenannte Schottergärten und eine immer „sterilere“ Gartengestaltung und der zunehmende Einsatz von Laubsaugern und weiterer lebensbedrohlicher Gartentechnik wie Mähroboter. Zudem gelten undurchlässige Zäune und Störungen durch Haustiere als weitere Gefahren in städtischen Garten- und Grünflächen. Die Studie stellt den Versuch dar, eine Forschungslücke in Bezug auf die Lebenssituation von Igeln in einer deutschen Großstadt zu schließen und die Forschungsfrage zu beantworten, ob eine Großstadt wie Dortmund den Igeln noch ausreichend Lebensraum bietet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Methodik
2.1 Untersuchungsmethode und Operationalisierung
2.2 Analysemethode
2.3 Stichprobenspezifikation und Sampling
3 Ergebnispräsentation
3.1 Statistische Daten
3.2 Erhebung der Ist-Situation
3.3 Veränderungsbereitschaft und Wünsche
4 Diskussion und Einbettung in Forschungslage
5 Implikationen für Wissenschaft und Praxis
5.1 Wissenschaftliche Implikationen
5.2 Praxis Implikationen
6 Fazit, Ausblick und Limitation
7 Reflektion
8 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebensbedingungen von Igeln im urbanen Raum am Beispiel der Stadt Dortmund. Ziel ist es, eine bestehende Forschungslücke zu schließen und zu beantworten, ob eine Großstadt wie Dortmund Igeln noch ausreichend Lebensraum bietet, indem das Verhalten von Gartenbesitzern sowie deren Einstellung zum Wildtierschutz analysiert wird.
- Einflussfaktoren auf die Lebenssituation von Igeln im urbanen Raum.
- Empirische Untersuchung der Igelsichtungen in privaten Gärten.
- Analyse der Gartengestaltung und deren Auswirkungen auf die Biodiversität.
- Bereitschaft der Bevölkerung zum aktiven Wildtierschutz.
- Potenziale für kommunale Förderprogramme und Informationsangebote.
Auszug aus dem Buch
2.1 Untersuchungsmethode und Operationalisierung
Auf die (Über-)Lebenssituation von Igeln im urbanen Raum wirken mehrere Einflussfaktoren: Ausreichend große Lücken in Zäunen oder Hecken, um überhaupt den Zugang zum jeweiligen Grundstück zu gewährleisten sowie eine möglichst naturnahe Gestaltung um Raum für Nahrung oder gar zum Bau einer Nistmöglichkeit zu schaffen. Zudem stellen ungesicherte Abgänge, Löcher sowie Haustiere und Mähroboter große Gefahrenquellen dar. Dies führt abschließend zur zentralen Fragestellung im Rahmen der Studie: Haben Gartenbesitzer in den letzten zwölf Monaten überhaupt einen Igel gesehen?
Der auf Basis dieser Fragestellungen konzipierte und operationalisierte Fragebogen wurden zwischen dem 11. und dem 24.04.2022 mittels einer quantitativen Online-Befragung durchgeführt. Die Auswahl einer quantitativen empirischen Erhebung erfolgte vor allem vor dem Hintergrund, hier Zusammenhänge und zahlenmäßigen Ausprägungen in einer Großstadt wie Dortmund möglichst objektiv abzubilden und zugrundeliegende Gemeinsamkeiten und Zusammenhänge zwischen Gartengestaltung und der Sichtung von Igeln und anderen heimischen Wildtieren zu erkennen und in weiterer Folge zu validieren.
Gerade die quantitative Befragung stellt hier eine besonders etablierte Methode dar, die Sachverhalte systematisch und standardisiert zu erfassen. Da sich besonders eine Online-Befragung gemäß Möhring & Schlütz (2013) aufgrund der einfachen und kostengünstigen Erstellung sowie der unkomplizierten Teilnahme für Probanden einer immer größeren Beliebtheit erfreut, stellte diese auch hier die erste Wahl dar. Hierfür ist es jedoch unabdingbar, Zufallsstichproben aus der anvisierten Grundgesamtheit zu ziehen, um repräsentative Befragungsergebnisse zu erhalten (Baur et. al., 2014).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Problematik rückläufiger Igelpopulationen und die zunehmende Bedrohung durch urbane Faktoren, was als Ausgangspunkt für die Forschungsfrage dient.
2 Methodik: Erläutert das Vorgehen der quantitativen Online-Befragung, inklusive der Qualitätskriterien für die Daten sowie der Stichprobenspezifikation.
3 Ergebnispräsentation: Stellt die erhobenen Daten zu Garteneigenschaften, Igelsichtungen, Gefahrenquellen sowie der Veränderungsbereitschaft der Dortmunder Gartenbesitzer dar.
4 Diskussion und Einbettung in Forschungslage: Vergleicht die Ergebnisse mit internationalen Studien und bewertet die aktuelle Datenlage zur urbanen Igelpopulation.
5 Implikationen für Wissenschaft und Praxis: Leitet wissenschaftliche Erkenntnisse ab und gibt Handlungsempfehlungen für die Stadt Dortmund und Naturschutzvereine.
6 Fazit, Ausblick und Limitation: Fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, reflektiert die Limitationen der Studie und zeigt zukünftigen Forschungsbedarf auf.
7 Reflektion: Hinterfragt kritisch den eigenen Studienprozess, insbesondere hinsichtlich Teilnehmerakquise und Geschlechterverteilung der Stichprobe.
8 Literaturverzeichnis: Listet die verwendeten Quellen für die wissenschaftliche Fundierung der Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Igel, Dortmund, urbane Lebensräume, Gartengestaltung, Wildtierschutz, Online-Befragung, Biodiversität, Lichtverschmutzung, Naturschutz, Igelpopulation, Gartenbesitzer, Feldforschung, Umweltbildung, Erhebung, Artenschutz.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Lebensbedingungen des europäischen Igels in urbanen Gärten in Dortmund und analysiert, inwieweit die Stadt den Tieren noch ausreichenden Lebensraum zur Verfügung stellt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Kernthemen umfassen die Gartengestaltung, die Wahrnehmung von Gefahrenquellen für Igel (z.B. Mähroboter, Schottergärten) sowie die Bereitschaft der Bewohner, Gärten wildtierfreundlicher zu gestalten.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Bietet eine Großstadt wie Dortmund den Igeln noch ausreichend Lebensraum?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine quantitative Online-Befragung unter 301 Gartenbesitzern in Dortmund durchgeführt, die detailliert auf ihre methodische Eignung hin operationalisiert wurde.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Ergebnispräsentation der Umfrage, gefolgt von einer wissenschaftlichen Diskussion, die die Daten in den Kontext der internationalen Forschung zur Igelpopulation stellt.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Studie am besten?
Wichtige Begriffe sind urbaner Igel, Biodiversität, Dortmund, Wildtierschutz im Garten und quantitative Marktforschung.
Wie hoch ist der Anteil der Gartenbesitzer, die in den letzten 12 Monaten einen Igel sahen?
Mehr als die Hälfte der befragten Dortmunder mit Gartenzugang (58,59 %) gab an, im vergangenen Jahr mindestens einen Igel gesehen zu haben.
Welche Rolle spielt die Information der Bevölkerung bei diesem Thema?
Die Arbeit zeigt, dass ein Großteil der Befragten zwar grundsätzliches Wissen besitzt, sich jedoch zentralisierte Informationsquellen wie eine Internetseite der Stadt wünschen, um naturnahe Gartengestaltung besser umsetzen zu können.
- Quote paper
- Sebastian Everding (Author), 2022, Dortmunder Igelstudie 2022. Bietet eine Großstadt naturnahe Lebensräume oder Lebensgefahr?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1351995