Bildungssystem im Wandel der Zeit


Hausarbeit, 2008

19 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die antifaschistisch-demokratische Schulreform
2.1 Der Aufbau der sozialistischen Schule in der DDR
2.2 Die Entwicklung des einheitlichen sozialistischen Bildungssystems
2.3 Die Erneuerung der Hochschullandschaft

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

5. Abbildungsverzeichnis

1. Einführung

Die deutsche Geschichte ist voll von Umbrüchen, Neuanfängen und Transformationen. Die wohl größte Zäsur in der deutschen Geschichte ist der Neuanfang nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von 1939-1945. Die Gebiete des ehemaligen Deutschen Reiches wurde in Besatzungszonen der vier Siegermächte, Vereinigte Staaten von Amerika, Königreich Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion aufgeteilt. Berlin als Hauptstadt wurde ebenfalls durch die Alliierten in vier Sektoren aufgeteilt und besetzt.

Die Sowjetunion unter Josef Stalin beanspruchte den Sieg über den Nationalsozialismus für sich, und gestand den westlichen Alliierten nur eine geringe Nebenrolle bei der Befreiung Deutschlands zu. Mittelfristiges Ziel Stalins war die politische, militärische und ideologische Herrschaft in ihrem Einflussbereich Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, der Tschechoslowakei und Ostdeutschland.

Neben in allen vier Besatzungszonen und Berlin durchgeführten Entnazifizierungs-verfahren in verschiedenster Form, Qualität, Dauer und Intensität, brachte das Ende des Krieges und der neue Einfluss der Sowjetunion vielerlei Veränderungen und Umstürze in allen Lebensbereichen der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ).

Auch die Bildungslandschaft der SBZ blieb nicht von Reformen verschont. Diese Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen auf das Bildungs- und Hochschulsystem, welche mit einem Ideologie- und Herrschaftswechsel einhergehen. Dabei werden sowohl die politischen Begleitumstände als auch die Abhängigkeiten der Universitäten im Gesamtgefüge ‚Staat‛ vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis nach dem Fall der innerdeutschen Mauer beleuchtet. Hierbei liegt das Hauptaugenmerk auf der Entnazifizierung und Demokratisierung des Lehrkörpers und der Lehrinhalte, der danach einsetzenden Einbettung des Bildungssektors in das sozialistische Planwirtschaftssystem sowie der erneuten Anpassung an die Gegebenheiten nach dem Fall der innerdeutschen Mauer. Schließen wird die Arbeit mit einem Resümee.

2. Die antifaschistisch-demokratische Schulreform

Das deutsche Bildungssystem während der Zeit des Krieges war von der Ideologie der Nationalsozialisten geprägt. Wichtigstes Gut in der Erziehung war die Rassenlehre und die inhaltliche Ausrichtung des Lehrstoffes an die Bedürfnisse des Krieges.[1] Eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung für die Schüler war somit nicht gegeben. Neben der Verfolgung und Deportation der jüdischen Lehrkräfte standen bei der Auswahl des Lehrpersonals nicht selten die politische Überzeugung und die Mitgliedschaft in der Partei gegenüber der fachlichen Qualifikation im Vordergrund.

Kurz nach Kriegsende versuchte die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) das Bildungssystem in der SBZ wiederaufzubauen. Zielstellung war hierbei von Anfang an, das Bildungssystem der nationalsozialistischen Herrschaft vollständig inhaltlich und strukturell umzuwandeln.[2] Grundsätzlich sollte die „Abkehr nicht nur vom nationalsozialistischen, sondern auch von dem als ständisch und reaktionär angesehenen Bildungssystem der Weimarer Republik“[3] durchgesetzt werden. Die Entscheidung über die Art und Weise der Umstrukturierung wurde durch Stalin gefällt, von Marshall Shukow (Oberkommandierender der Westgruppe der Roten Armee) delegiert und von Oberst Tulpanow (Kulturpolitischer Berater Shukows)[4] an die „ideologisch indoktrinierten sowjetischen Bildungsoffiziere“[5] zur Durchsetzung weitergeleitet. Bemerkenswert ist hierbei der Fakt, dass es sich bei den Ausführenden um Soldaten handelt, welche durch Eid an Pflicht, Befehl und Gehorsam gebunden sind. Somit bestand in der Umsetzung der Stalin´schen Anweisungen keinerlei Handlungsspielraum.

Obwohl wichtige Infrastruktur durch den Krieg zerstört war, erließ die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung bereits am 01. Oktober 1945 die Weisung zur Wiedereröffnung der Schulen. Weiterhin wurde verfügt, die privaten, das heißt zumeist kirchlichen Schulen zu verbieten und diese in kommunale Schulen umzubilden. Neben fehlenden Lehrmitteln, Tischen, Bänken und Heizmöglichkeiten fehlten etwa 50.000 neu heranzubildende Lehrkräfte. Aufgrund der obligatorischen Mitgliedschaft im Reichslehrerbund und den durch die NSDAP vorgegebenen Lehrinhalten waren etwa drei Viertel der Lehrer nach den neu angelegten Maßstäben nicht mehr tragbar und wurden konsequenterweise entlassen.[6]

Am 18. Oktober 1945 entstand, durch das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und dem Zentralausschuß der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) initiiert und durch die SMAD unterstützt, ein gemeinsamer „Aufruf […] zur Durchführung einer demokratischen Schulreform“[7]. In dieser Schrift wurde die Rolle der Schulen im Nationalsozialismus folgendermaßen verurteilt: „War es von jeher schon das Erbübel der deutschen Schule, Untertanen statt selbstständig denkende Menschen zu erziehen, so erniedrigte die Naziherrschaft die Schule völlig zur Drillanstalt für Ihren Raubkrieg.“[8] Inhalt dieser Forderung war unter anderem die Aufhebung der Bildungsprivilegien einzelner Schichten und die Demokratisierung sowie Vereinheitlichung des Schulsystems.

Bereits im Frühjahr 1946 begann man an den wichtigen Fragen der universitären Bildung zu arbeiten. Stalin proklamierte in einer Rede 1935: „Die Kader entscheiden alles.“[9] Somit war nicht verwunderlich, dass die ersten Fragen die der Zulassung von Studenten sowie der Auswahl des akademischen Nachwuchses waren. Neben personellen Fragen standen auch strukturelle Fragen auf dem Prüfstand, denn während die (namhaften) Universitäten als solches bestehen bleiben sollten, wurden die typisch nationalsozialistischen Lehrinhalte systematisch verboten und abgeschafft.[10] Grund hierfür war der Wunsch der Sowjets „sozialistische Kultur- und Wissenschaftspolitik und -propaganda“[11] betreiben zu können.

Durch die verschiedenen Hochschulreformen setzte bereits ab 1947 „die Ausrichtung der pädagogischen Grundlagen des Bildungswesens auf die Ideologie des Marxismus-Leninismus ein.“[12] Obwohl in dieser frühen Phase des Umbruches viele reformpädagogische Ideen vorherrschten, wurden diese durch die Anlehnung an Schriften von Marx, Lenin sowie den sowjetischen Pädagogen Makarenko und Krupskaja verdrängt.[13] Bei der Entwicklung von bildungspolitischen Leitlinien bestand „die Notwendigkeit der schöpferischen Anwendung“[14] der oben genannten Schriften, da Marx, Engels und Lenin sich sehr wenig mit Bildungs- und Erziehungsfragen auseinandergesetzt haben.

Die im Frühjahr 1946 aus KPD und SPD zusammengeschlossene Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) wuchs durch mehrere interne Reformen zur Massenpartei der sowjetischen Besatzungszone auf. Aufgrund der politischen Ausrichtung der SED und ihrer Vorgängerparteien war ein Ziel der angestrebten Reform auf dem Bildungssektor die Erhöhung der Studierendenzahlen aus dem Bereich der Arbeiter- und Bauernschicht. Problematisch war jedoch die Unterrepräsentierung der unteren sozialen Schichten an den Gymnasien, aus welchem Grund die Zugangsvoraussetzungen für die vorgenannten Personengruppen nicht erfüllt wurden. Um die Forderung einer Studierendenmehrheit aus diesen Schichten zu erfüllen, wurden Arbeiter- und Bauernfakultäten sowie Vorstudienanstalten eingerichtet, um den potentiellen Studenten auf das voruniversitäre Bildungsniveau zu verhelfen. Das sich diese Maßnahme als erfolgreich darstellte war den steigenden Studierendenzahlen, aus Arbeiter- und Bauernkreisen, zu entnehmen. Dieser wuchs von ca. 33 Prozent im Jahre 1947 bis auf 58 Prozent im Jahr 1958 auf und pendelte sich in den sechziger Jahren auf ca. 50 Prozent ein.

Neben den ‚staatlich verordneten‛ Reformmaßnahmen und –wünschen wurde im Juni 1946 durch die Freie Deutsche Jugend (FDJ), einer Jugendorganisation die schon vor dem Zweiten Weltkrieg bestand, auf der ersten Großversammlung die Grundrechte der neuen, jungen Generation verkündet.

1. Recht auf politische Mitbestimmung
2. Recht auf Arbeit und Erholung
3. Recht auf Bildung
4. Recht auf Freude und Frohsinn[15]

[...]


[1] Vgl. Doernberg, 1968, Seite 96

[2] Fuchs, 1997

[3] Fuchs, 1997, Seite 9

[4] Vgl. Mehlig, 1999

[5] Mehlig, 1999, Seite27

[6] Vgl. Doernberg, 1968, Seite 97

[7] Doernberg, 1968, Seite 98

[8] Doernberg, 1968, Seite 98

[9] Connelly in Ash, 1999, Seite 81

[10] Vgl. Mehlig, 1999, Seite 29

[11] Mehlig, 1999, Seite 29

[12] Fuchs, 1997, Seite 9

[13] Vgl. Fuchs, 1997, Seite 9

[14] Baske, 1979, Seite 23

[15] Doernberg, 1968, Seite 100

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Bildungssystem im Wandel der Zeit
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2.0
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V135230
ISBN (eBook)
9783640429974
ISBN (Buch)
9783640430055
Dateigröße
1144 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung des BIldungs- und Hochschulsystems bis nach der Wende
Arbeit zitieren
Julian Richter (Autor), 2008, Bildungssystem im Wandel der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135230

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