Der mittelalterliche Elbhandel der Stadt Pirna


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

26 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung
I. a Allgemeiner Teil
I. b Literatur

II. Die mittelalterliche Binnenschifffahrt
II. a Häfen
II. b Schiffe und Händler
II. c Stapelrecht, Abgaben, Zölle

III. Pirna
III. a Frühe Entwicklung (bis 1325)
III. b Handelsgüter und -organisation
III. c Beziehungen und Konkurrenz zu anderen Städten
III. d Quellen und Dokumente zur Wirtschaftsgeschichte Pirnas im Mittelalter

IIII. Zusammenfassung

V. Quellen- und Literaturverzeichnis

Literatur:

Internet

Karten

VI. Anhang

I. Einleitung

I. a Allgemeiner Teil

Wann immer wir uns ein Bild von der mittelalterlichen Schifffahrt machen sollen, verschwinden unsere Gedanken schnell zu den Schlagworten Hanse, Störtebeker, Pfeffersack, Reichtum und Abenteuer. Dieses Bild eines typischen Handels zu Wasser haben wir aus der Zeit der Romantik und leider nicht aus der historischen Wirklichkeit erhalten. Denn so schön die Vorstellung der über die Nordsee gleitenden Kogge ist, sosehr verblasst sie doch, wenn man nicht nur die Seeschifffahrt, sondern auch die Binnenschifffahrt betrachtet, die nicht von großen Gewinnen oder Abenteuern, sondern von Entbehrungen und Gefahren bei mageren Gewinnen geprägt war.

Warum ist dieser Teil des Handelsnetzes nun eine Betrachtung wert? Die Antwort ist mit einem einfachen Blick auf die Landkarte schnell gegeben: Die Entwicklung von großen Städten fernab des Meeres fand nahezu ausschließlich an Flüssen, Seen oder Kanälen statt, sodass wir eine Verbindung mit hoher Sicherheit annehmen können.[1] Verdeutlicht wird dies dadurch, dass noch heute Drei Viertel der deutschen Großstädte an schiffbaren Gewässern liegen.[2] Des Weiteren trafen im Bereich des Bistums Meißens zwei Große Handelsnetze aufeinander: Das Böhmische und das Magdeburgische, woraus sich die Betrachtung Pirnas, als Haupthandelsplatz des Bistums Meissen, ergibt.[3]

Ich möchte in dieser Arbeit untersuchen, welchen Einfluss der mittelalterliche Handel auf die Entwicklung der Stadt Pirna hatte, welche Waren gehandelt wurden, wie der Handel abgewickelt wurde und welche Beziehungen zu anderen Orten den Handel erleichterten oder erschwerten. Ich werde dazu zunächst einen Einblick in den Forschungsstand geben, dann Häfen, Schiffe und Händler und das Stapelrecht untersuchen und schließlich auf die einzelnen Teilaspekte des Pirnaer Handels im Mittelalter eingehen.

I. b Literatur

Die Binnenschifffahrt des Mittelalters ist sicherlich kein dunkles Feld in der Forschung, sondern von ihren wirtschaftlichen und städtebaulichen Aspekten her bereits sehr gut entschlüsselt. Auch die Archäologen können mit jedem Fund eines Einbaumes oder eines Wracks mehr über die technischen Aspekte der Binnenschiffe sagen. Das Manko ist allerdings, dass sich eine Vielzahl an Forschungen auf das Gebiet des Rheins bezieht und nicht auf den ebenso interessanten Grenzfluss Elbe. Dennoch wurde, zuerst in den 1880er und später in den 1980er Jahren eine beträchtliche Forschung zur Schifffahrt auf der Elbe betrieben.

Um einen generellen Einblick in die Binnenschifffahrt des Mittelalters zu erhalten, bietet sich zuerst einmal der Blick in das Lexikon des Mittelalters an. Schnalls Beitrag kann zwar sicherlich nicht alle Aspekte abdecken, doch gibt er bereits einen guten ersten Eindruck dieses Kapitels der Geschichte.[4] Gute Einsichten bieten auch kurze Beiträge in Sammelwerken, die die Binnenschifffahrt nicht zum Hauptthema haben, sondern sie nur als ein Thema unter vielen behandeln, wie „Reisen im Mittelalter“ von Ohler.[5] Die Zeit des frühen und hohen Mittelalters ist einerseits sehr gut durch Ellmers[6], einen in diesem Themengebiet einschlägig bekannten Historiker, abgedeckt und wird sehr gut durch eine Dissertation von Frau Teigelake aus dem Jahre 2003 ergänzt.[7] Obwohl Herr Ellmers zuerst einmal einen sehr guten Überblick über die generellen Aspekte der Schifffahrt auf Binnengewässern im frühen und hohen Mittelalter gibt, setzen beide den Fokus allerdings sehr stark auf das Rhein-Main-Gebiet. Unterstützt wird dies durch die Arbeit von Herrn Eckoldt aus den 1980er Jahren.[8]

Einen Einblick in das Thema, der stärker vom Elbhandel geprägt ist, bietet der Autor des Beitrages im Lexikon des Mittelalters, Uwe Schnall in einem Beitrag zu einem Sammelband über die Hanse von 1989.[9]

Mit einem Beitrag zur Bedeutung der mittelalterlichen Binnenschifffahrt für die Entwicklung von Städten trug Detlev Ellmers 1991 die Ergebnisse von Archäologen und Geographen zusammen und machte sie für den Historiker nutzbar.[10] Ergänzt und deutlich erweitert werden seine Ausführungen durch Molkenthin, der versuchte, eine Vielzahl an Aspekten der mittelalterlichen Schifffahrt in einem Überblickswerk zu vereinigen.[11]

Die Geschichte der Elbschifffahrt[12] ist allerdings nach einer Hochphase vom Ende der 1880er Jahre bis in die 1930er Jahre hinein wieder von der Agenda vieler Forscher verschwunden. Viele Werke zur Elbschifffahrt übergehen Pirna und den Oberlauf mit einigen Seiten, um sich dann vollendet den Konflikten zwischen Leipzig und Magdeburg, oder dem hamburgischen Handel zu widmen.

Das Älteste, für diese Arbeit relevante, Werk stammt von Richard Kratzmann, der zwar eine umfassende Analyse des Flusses und seiner Wirtschaft liefert, die Abgaben und Geschichte aber in wenigen Sätzen abhandelt.[13] Ein weitaus umfangreicherer und für diese Arbeit wichtiger Aufsatz wurde 1896 von dem Realschuloberlehrer Walter Zöllner veröffentlicht und behandelt neben generellen Aspekten vor Allem die Beziehungen Pirnas und seiner Umgebung nach Böhmen und Norddeutschland.[14] Weitere wertvolle Aufsätze, die vor Allem auf eine Analyse der Urkunden setzen, sind Weissenborns „Die Elbzölle und Elbstapelplätze im Mittelalter“[15] und Wieskes „Der Elbhandel und die Elbhandelspolitik bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts“.[16]

Leider gibt es keine neuere Forschung in diesem Bereich, da auch der Ausstellungskatalog von 1992, der 1993 in das Werk von Karl Jüngel mündete, die Forschung nicht deutlich erweiterte.[17] Für den umfassend interessierten Leser sicherlich interessant, aber mehr Sammlung von Informationen als neuer Forschungsergebnisse ist Küsters „Die Elbe“.[18]

Einen ersten Einblick in die Problematik des Stapelrechtes bietet das Lexikon des Mittelalters, in dem Rudolf Sprandel eine kurze Abhandlung zum Thema geliefert hat.[19] Wer aber tiefer in die Thematik des Stapel- und Niederlagsrechtes eindringen will, dem sei die 1939 erschienene Abhandlung von Otto Gönnenwein empfohlen, der das Standardwerk zu diesem Thema verfasst hat und sowohl die Umsetzung, die Herkunft aus dem Gäste- und Gewohnheitsrecht, als auch die unterstützenden Urkunden als Regesten seinem Werk beigefügt hat.[20]

Zum letzten Aspekt, den Beziehungen Pirnas zu Meißen, Dresden und anderen wichtigen Handelszentren, empfehlen sich die bereits oben angesprochenen Aufsätze aus den 1880er bis 1930er Jahren, sowie ein kurzer Blick in das Lexikon des Mittelalters mit den Beiträgen von Peter Berghaus[21] zum Meißner Groschen und Karlheinz Blaschke zu Pirna[22] und Meissen.[23] Um die, im Vergleich zu Pirna späte, Entwicklung Dresdens zum Zentrum des Elbtals nachvollziehen zu können, ist ein Blick in Benjamin Gottfried Weinarts „Topographische Geschichte der Stadt Dresden“ sehr zu empfehlen, wenn auch das Lesen des von 1777 stammenden Werkes nicht immer einfach ist.[24] Eine neuere Stadtgeschichte stammt von einem Autorenkollektiv unter Rudolf Förster, dass, wenn man die Klassenkampf-Ideologie geflissentlich überliest, auch einen sehr guten Eindruck von der stetigen Konkurrenz des kleinen Dresden mit dem dominierenden Pirna gibt.[25] Da Pirna seit dem 24. September 1291 zum Bistum Meißen gehörte[26], sollte auch eine umfassende Betrachtung Meißens nicht fehlen, die 1982 von Hans-Joachim Mrusek verfasst wurde.[27]

Informationen zur Pirnaer Stadtgeschichte sind in den vorher genannten Beiträgen sicher nicht rar gesät, doch um diese Informationen zu ergänzen, bietet sich die von Uhlmann verfasste und vom Oberbürgermeister der Stadt Pirna herausgegebene Chronik von 1938 an.[28] Neuere Zusammenfassungen von Löffler, Weber, Zühlke oder dem Landratsamt Pirna bieten zwar einen schnellen und kurzweiligen Überblick über die Pirnaische Geschichte, sind aber eher als Touristenführer gedacht.[29] Einen sehr guten Einblick in die Pirnaer Zollrolle von 1325 und zu den Zöllen, mit denen Waren belastet wurden, bietet der Aufsatz von Otto Mörtzsch „Zur Geschichte der Elbschiffahrt“. [30]

Zusammenfassend kann man sagen, dass zwar für die einzelnen Teilaspekte sehr viel geforscht wurde, aber sowohl eine neuere Aufarbeitung, als auch eine Kombination dieser Punkte für Pirna noch aussteht.

[...]


[1] Vgl.: Ellmers, Detlev: Die Rolle der Binnenschiffahrt für die Entstehung der mittelalterlichen Städte, In: Brachmann, Hansjürgen; Herrmann, Joachim: Frühgeschichte der Europäischen Stadt. Akademischer Verlag: Berlin 1991. S. 137.

[2] Vgl.: Ohlert, Norbert: Reisen im Mittelalter. Patmos Verlag: Düsseldorf, Zürich 2004. S.85.

[3] Vgl.: Jüngel, Karl: Die Elbe: Geschichte um einen Fluss. Anika Tykve Verlag: Böblingen 1993. S. 24.

[4] Schnall, Uwe: Binnenschiffahrt, In: Lexikon des Mittelalters: II Bettlerwesen bis Codex von Valencia. Artemis Verlag: München, Zürich 1983. S. 197-199.

[5] Ohler, Norbert: Reisen im Mittelalter. Patmos Verlag: Düsseldorf, Zürich 2004.

[6] Ellmers, Detlev: Frühmittelalterliche Handelsschiffahrt in Mittel- und Nordeuropa. Karl Wachholtz Verlag: Neumünster 1972.

[7] Teigelake, Ulrike: Eisen- und kaiserzeitliche Binnenschiffahrt in Norddeutschland und ihre Rolle im regionalen und überregionalen Austausch: Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Kiel 2003.

[8] Eckoldt, Martin: Schiffahrt auf kleinen Flüssen Mitteleuropas in Römerzeit und Mittelalter. Stalling Verlag: Oldenburg, Hamburg, München 1980.

[9] Schnall, Uwe: Zur Binnenschiffahrt im Mittelalter, In: Bracker, Jörgen; Henn, Volker; Postel, Rainer: Die Hanse: Lebenswirklichkeit und Mythos. 2. Auflage. Hamburg 1989. S. 794-797.

[10] Ellmers, Detlev: Die Rolle der Binnenschiffahrt für die Entstehung der mittelalterlichen Städte, In: Brachmann, Hansjürgen; Herrmann, Joachim: Frühgeschichte der Europäischen Stadt. Akademischer Verlag: Berlin 1991. S. 137-147.

[11] Molkenthin, Ralf: Straßen aus Wasser: Technische, wirtschaftliche und militärische Aspekte der Binnenschifffahrt im Westeuropa des frühen und hohen Mittelalters. LIT Verlag: Berlin 2006.

[12] Elbschifffahrt bezieht sich in diesem Kontext auf den Oberlauf der Elbe, da der Unterlauf mit Hamburg, Stecknitz-Kanal und Salzhandel sehr wohl Gegenstand der neueren Forschung war und ist.

[13] Kratzmann, Richard: Die obere, insbesondere die sächsische Elbe und ihre Schiffahrt. Leipzig 1888.

[14] Zöllner, Walter: Die Bedeutung der Elbe für den mittelalterlichen Handel Sachsens. Chemnitz 1896.

[15] Weissenborn, Bernhard: Die Elbzölle und Elbstapelplätze im Mittelalter. Halle 1900.

[16] Wieske, Alfred: Der Elbhandel und die Elbhandelspolitik bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Roßwein i.Sa. 1926.

[17] Jüngel, Karl: Die Elbe: Geschichte um einen Fluß. Verlag Anika Tykve: Böblingen 1993.

[18] Küster, Hansjörg: Die Elbe: Landschaft und Geschichte. C.H.Beck: München 2007.

[19] Sprandel, Rudolf: Stapel, In: Lexikon des Mittelalters: VIII Stadt (byzantinisches Reich) bis Werl. Lexma Verlag: München 1997. S. 59-60.

[20] Gönnenwein, Otto: Das Stapel- und Niederlagsrecht. Weimar 1939.

[21] Berghaus, Peter: Meißner Groschen. In: Lexikon des Mittelalters: VI Lukasbilder bis Plantagenet. Artemis Verlag: München, Zürich 1993. S. 480.

[22] Blaschke, Karlheinz: Pirna. In: Lexikon des Mittelalters: VI Lukasbilder bis Plantagenet. Artemis Verlag: München, Zürich 1993. S. 2176.

[23] Blaschke, Karlheinz: Meissen. In: Lexikon des Mittelalters: VI Lukasbilder bis Plantagenet. Artemis Verlag: München, Zürich 1993. S. 476-480.

[24] Weinart, Benjamin Gottfried: Topographische Geschichte der Stadt Dresden und der um dieselbe herum liegenden Gegenden durch Benjamin Gottfried Weinart. Dresden 1777.

[25] Förster, Rudolf: Dresden: Geschichte der Stadt in Wort und Bild. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften: Berlin 1984.

[26] Vgl.: Gönnenwein: Stapelrecht. S. 388.

[27] Mrusek, Hans-Joachim: Meissen. VEB E.A. Seemann Verlag: Leipzig 1982.

[28] Uhlmann, Johannes: Chronik der Stadt Pirna. Berlin 1938.

[29] Löffler, Fritz (Hrsg.): Stadtkirche St. Marien zu Pirna, In: Das Christliche Denkmal, Heft 25. Union Verlag: Berlin 1957.

Zühlke, Dietrich: Pirna und seine Umgebung. Akademie Verlag: Berlin 1965.

LRA Pirna: Landkreis Pirna. Dresden 1990.

Weber, Dieter: Pirna. Brockhaus Verlag: Leipzig 1971.

[30] Mörtzsch. Otto: Zur Geschichte der Elbschiffahrt. Dresden 1923.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Der mittelalterliche Elbhandel der Stadt Pirna
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Hauptseminar Mittelalterliche Geschichte: Kaufleute und Bankiers im Mittelalter
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V135232
ISBN (eBook)
9783640460687
ISBN (Buch)
9783640460571
Dateigröße
1006 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittelalter, Elbe, Geschichte, Sozial-und Wirtschaftsgeschichte, Handel, Schifffahrt, mittelalterliche Geschichte, Wirtschaft, Pirna, Sachsen, Schiffe, Seefahrt, Binnenhandel, Flussschifffahrt, Einbaum, Hafen, Lastkahn, Stapelrecht, Gästerecht, Zoll, Gebühren, Dresden, Meissen
Arbeit zitieren
Paul Schrön (Autor), 2009, Der mittelalterliche Elbhandel der Stadt Pirna, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135232

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