Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich mich mit dem Thema „Einbindung von Anerkennung und Wertschätzung in die Unterrichtspraxis – Vergleich zweier Situationen in unterschiedlichen Schulformen“ auseinandersetzen. Diesbezüglich möchte ich vor allem untersuchen, auf welche Weise Wertschätzung und Anerkennung im Unterricht angewendet werden und ob in verschiedenen Schulformen Unterschiede hinsichtlich der Anwendung existieren.
Hierzu werde ich mich im ersten Kapitel mit fachwissenschaftlicher Literatur beschäftigen, um derzeitige Erkenntnisse zu Begriff und Inhalt von Anerkennung und Wertschätzung darzustellen. Im zweiten Kapitel folgt eine kurze Darstellung der Vorgehensweise bezüglich der Protokollauswahl und der Analyse in der Gruppe. Die Darstellung der Fallanalyse der Gruppe und anschließend die eigene Fallanalyse werden im dritten Kapitel aufgegriffen. Abschließend erfolgt im vierten Kapitel das Fazit der Arbeit, welches gleichzeitig einen Vergleich, sowie eine Diskussion beinhaltet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische und empirische Perspektiven
3 Vorgehensweise
4 Fallanalysen
4.1 Fallanalyse 1
4.2 Fallanalyse 2
5 Fazit und Diskussion
5.1 Beobachtungsprotokoll 1
5.2 Beobachtungsprotokoll 2
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, auf welche Weise Wertschätzung und Anerkennung in der Unterrichtspraxis durch Lehrkräfte vermittelt werden und ob hierbei Unterschiede zwischen verschiedenen Schulformen (Grundschule vs. Berufsschule) bestehen.
- Analyse der Begriffe Anerkennung und Wertschätzung in fachwissenschaftlicher Literatur
- Ethnographische Untersuchung performativer Wirkkräfte von Gesten und Emotionen im Unterricht
- Vergleich von Fallbeispielen zur Lehrer-Schüler-Interaktion
- Rolle der Lehrkraft bei der Gestaltung geschützter Räume für Schülerpartizipation
- Bedeutung von Feedbackkultur für die Lernmotivation und Selbstwirksamkeit der Lernenden
Auszug aus dem Buch
Fallanalyse 1
Für die erste Fallanalyse liegt ein Ausschnitt (Z. 21-32) des Protokolls von Protokollantin A vor. Es handelt sich dabei um eine Situation aus dem Musikunterricht einer dritten Klasse aus einer staatlichen Grundschule. Der Beginn der Sequenz zeigt uns eine Übergangssituation nach einer rituellen Einleitung der Stunde, einem rhythmischen Klatschspiel, hin zur Anleitung des thematischen Teils der Stunde. Die Lehrerin stellt sich für alle Schüler, die vermutlich sitzen, sichtbar vor die Klasse. In der Hand hält sie einen Magneten. Sie wendet sich an einen Schüler in der zweiten Reihe, indem sie ihn direkt anspricht. Durch die frontale Positionierung der Lehrperson zeigt sie körperlich und räumlich Präsenz und bündelt somit die Aufmerksamkeit der Schüler vom rituellen Beginn des Unterrichts wieder auf sich.
„Bitte gib den Magneten an einen Schüler oder eine Schülerin ab, der den Fahrplan der Stunde heute vorstellen darf. Jemand, der besonders vorbildlich ist und von dem du meinst, dass er oder sie es verdient hat.“ (Protokoll von Protokollantin A, Zeile 24-26)
Dieser Schüler soll als Mittelsmann einen Klassenkameraden auswählen, der den heutigen „Fahrplan“, also den Ablaufplan der Stunde, vorstellen „darf“. Positiv fällt hierbei auf, dass sich die Lehrperson in ihrer Ansprache um die Einbindung beider Geschlechter in der Bestimmung des Auswahlkriteriums bemüht. Somit schließt sie bewusst alle Schüler*innen in den Auswahlprozess ein. Für den Auswahlprozess soll dem ausgewählten Schüler der Magnet übergeben werden. Durch die Ernennung eines Mittelsmanns schafft die Lehrkraft eine Partizipationsmöglichkeit für die Schüler. Ebenso handelt sie nach Kellermann &Wulf (2017) wertschätzend, indem sie alle Schüler gleichermaßen in den Prozess einschließt und Verantwortung auf den Schüler überträgt, da sie ihm Handlungskompetenz zuschreibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage bezüglich des Vergleichs von Wertschätzung und Anerkennung in zwei unterschiedlichen Schulformen.
2 Theoretische und empirische Perspektiven: Definition und fachwissenschaftliche Einordnung der Begriffe Anerkennung und Wertschätzung sowie deren Bedeutung für schulische Lernprozesse.
3 Vorgehensweise: Erläuterung der Auswahl der Beobachtungsprotokolle und des methodischen Vorgehens der Analysegruppe.
4 Fallanalysen: Detaillierte Untersuchung zweier Fallbeispiele aus Grundschule und Berufsschule hinsichtlich der Lehrer-Schüler-Interaktion.
5 Fazit und Diskussion: Zusammenführung der Ergebnisse und Reflexion über die Unterschiede in der Anwendung von Wertschätzungsstrategien in den beobachteten Schulformen.
Schlüsselwörter
Anerkennung, Wertschätzung, Unterrichtspraxis, Lehrer-Schüler-Interaktion, Partizipation, Schulkultur, Selbstwirksamkeit, Feedbackkultur, Grundschule, Berufsschule, Motivation, Emotionen, Performative Pädagogik, Lernatmosphäre, Unterrichtsgestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Lehrkräfte im Unterricht Anerkennung und Wertschätzung gegenüber Schülern kommunizieren und welche Auswirkungen diese Interaktionen auf das Klassenklima haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind pädagogische Anerkennungsbeziehungen, die Bedeutung von Partizipation, der Einfluss von Feedbackkultur auf die Motivation sowie die Rolle der emotionalen Haltung der Lehrkraft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist ein Vergleich zweier Unterrichtssituationen, um zu untersuchen, auf welche Weise Wertschätzung angewendet wird und ob Unterschiede zwischen verschiedenen Schulformen bei der Anerkennungsdynamik existieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt die qualitative Analyse von Beobachtungsprotokollen aus dem Schulalltag, ergänzt durch die Einordnung in bestehende fachwissenschaftliche Theorien wie die von Kellermann & Wulf oder Sann & Preiser.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Beschreibung der methodischen Vorgehensweise sowie zwei spezifische Fallanalysen, die den Unterricht an einer Grundschule und einer Berufsschule kontrastieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Anerkennung, Wertschätzung, Partizipationsräume, Feedbackkultur und Lehrer-Schüler-Interaktion charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Lehrkraft in der Fallanalyse 1 von der in Fallanalyse 2?
Die Lehrkraft in der ersten Situation (Grundschule) nutzt rituelles Handeln und Kontrollübertragungen, um Partizipation zu fördern, während die Lehrkraft in der Berufsschule eher durch autoritäre Erwartungen und ein deutlicheres Machtgefälle agiert.
Welche Rolle spielt die „Kontrollübertragung“ in den analysierten Beispielen?
Die Kontrollübertragung dient als Anerkennungshandlung, bei der die Lehrkraft Verantwortung an Schüler abgibt, um deren Selbstwirksamkeit zu stärken, wobei dieser Prozess in den Fällen unterschiedlich erfolgreich gelingt.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Grund- und Berufsschule eine Rolle?
Die Autorin stellt die These auf, dass der Umgang mit jüngeren Kindern mehr Fokus auf Wohlbefinden und Lernmotivation erfordert, während bei Berufsschülern mehr Eigenverantwortung vorausgesetzt wird, was die Lehrer-Schüler-Kommunikation maßgeblich beeinflusst.
Was bedeutet das „Dürfen vs. Können“ im Kontext der Fallanalysen?
Die Wortwahl wird als Indikator für die Einstellung der Lehrkraft interpretiert: Während „dürfen“ in einem Fall ein Privileg markiert, wird es im anderen Fall von der Lehrerin als negativ konnotiert eingestuft und durch „können“ korrigiert, um eine direkte Fehlerkorrektur vorzunehmen.
- Citar trabajo
- Jennifer Müller (Autor), 2020, Einbindung von Anerkennung und Wertschätzung in die Unterrichtspraxis. Vergleich zweier Situationen in unterschiedlichen Schulformen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1352875