Wertorientierte Steuerungskonzepte nehmen immer mehr an Bedeutung zu. Das Herzstück solcher Steuerungskonzepte sind Kennzahlen, die als Messinstrument und Erfolgskontrolle unternehmerischer Entscheidungen fundieren. Diese Gruppe von Kennzahlen1 hat gegenüber herkömmlich verwendeter Erfolgsmaße, wie zum Beispiel den EBIT (Earnings Before Interest und Taxes), Umsatzrendite oder Jahresüberschuss den Vorteil, dass sie die Verzinsungsansprüche der Eigenkapitalgeber mit berücksichtigen. Ohne diese Berücksichtigung wird implizit die Annahme gesetzt, dass das Eigenkapital kostenfrei zur Verfügung steht. Die Folgen könnten sein, dass Investitionen mit zu niedriger Rentabilität getätigt werden und dass die Erfolgsvorgaben für das Management zu niedrig ausfallen. Wertorientierte Unternehmensführung ist somit eine Ausrichtung auf die Interessen der Shareholder (Anteilseigner). Durch die Globalisierung und der dadurch zunehmende Wettbewerb auf den Kapitalmärkten wird es für das Management immer wichtiger den Fokus auf Wertmaximierung und nicht nur auf Gewinnmaximierung zu legen, um den Anforderung von Investoren Genüge zu leisten.
Eine sehr verbreitete wertorientierte Kennzahl ist der Economic Value Added (EVA). Bereits im Jahr 2000 haben 36 Prozent der DAX-100-Unternehmen, die wertorientierte Kennzahlen implementiert haben, den EVA als Spitzenkennzahl ausgewählt. Dieser Vormarsch der EVA-Kennzahl wird damit begründet, dass sie eine enge Anbindung zum betrieblichen Rechungswesen hat und daher leicht verständlich und kommunizierbar ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit
2 Darstellung des Economic Value Added (EVA)-Konzepts
2.1 Charakterisierung der wertorientierten Unternehmenssteuerung
2.2 Das EVA-Konzept
2.2.1 Grundlagen zum EVA
2.2.2 Komponenten des EVA
2.3 Die Treibergrößen des EVA
2.4 Die verschiedenen EVAs
3 Darstellung der Rechnungslegungen nach HGB und IFRS
3.1 Rechnungslegung nach HGB
3.1.1 Ziele, Prinzipien und Grundsätze
3.1.2 Bestandteile und Aufgaben des Jahresabschlusses
3.2 Rechnungslegung nach IFRS
3.2.1 Ziele, Prinzipien und Grundsätze
3.2.2 Bestandteile und Aufgaben des Jahresabschlusses
3.3 Zusammenfassender Vergleich HGB und IFRS
4 Die Conversions für die Überführung des „Accounting Models“ nach HGB und IFRS zum „Economic Model“
4.1 Operating Conversion
4.1.1 Der Begriff
4.1.2 Das Beispiel Abschreibungen
4.2 Funding Conversion
4.2.1 Der Begriff
4.2.2 Das Beispiel Leasinggeschäfte
4.3 Shareholder Conversion
4.3.1 Der Begriff
4.3.2 Das Beispiel Forschungs- und Entwicklungskosten
4.3.3 Das Beispiel Goodwill
4.4 Tax Conversion
5 Beurteilung des EVA und der Rechnungslegung
5.1 Beurteilung des EVA gegenüber „traditionellen“ Kennzahlen
5.2 Beurteilung der Rechnungslegung auf die „EVA-Freundlichkeit“
5.2.1 Der Einfluss der Rechnungslegung auf die Differenz zwischen dem Basic und True EVA
5.2.2 Der Anpassungsaufwand
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, zu beurteilen, welche Rechnungslegung (HGB oder IFRS) sich besser für die externe Ermittlung und Konzeption des Economic Value Added (EVA) eignet, indem der Einfluss der jeweiligen Rechnungslegungsvorschriften auf die notwendigen Anpassungen (Conversions) untersucht wird.
- Grundlagen des EVA-Konzepts und dessen Komponenten
- Gegenüberstellung der Rechnungslegungssysteme HGB und IFRS
- Detaillierte Analyse der notwendigen „Conversions“ (Operating, Funding, Shareholder, Tax)
- Vergleich des Anpassungsaufwands und der Informationsqualität
Auszug aus dem Buch
4.1.2.1 Notwendigkeit der Anpassung von Abschreibungen
Abschreibungen haben im Allgemeinen den Zweck den Wert von Vermögensgegenständen entsprechend ihrer Abnutzung zu vermindern und die Ausgaben für den Vermögensgegenstand als Aufwand periodengerecht zu verteilen. Im Sinne des Economic Models stellen Abschreibungen Aufwendungen dar, die langfristig für den Kapitalerhalt eines Unternehmens notwendig sind und werden daher als relevanter, betriebsnotwendiger und ergebnismindernder Aufwand angesehen. Diese Annahme behält jedoch nur Gültigkeit solange sich die Abschreibungen nach betriebswirtschaftlichen Kriterien richten und sich auf das operative Vermögen beziehen. Da der NOPAT auf Grundlage des Jahresüberschusses berechnet wurde, sind die Abschreibungen bereits erfasst. Das Problem ist jedoch, dass die gesamten Abschreibungen erfasst werden, also auch solche, die sich nicht auf das operative Betriebsvermögen beziehen und jene die nicht den Werteverzehr im betriebswirtschaftlichen Sinne abbilden. Diese Art von Abschreibungen bedarf es zu korrigieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in wertorientierte Steuerungskonzepte und Definition der Problemstellung bezüglich der Datenbasis für den EVA.
2 Darstellung des Economic Value Added (EVA)-Konzepts: Detaillierte Erläuterung der Grundlagen, Komponenten und Treibergrößen des EVA.
3 Darstellung der Rechnungslegungen nach HGB und IFRS: Vergleich der Ziele, Prinzipien und Bestandteile beider Rechnungslegungsnormen.
4 Die Conversions für die Überführung des „Accounting Models“ nach HGB und IFRS zum „Economic Model“: Analyse notwendiger Korrekturen (Operating, Funding, Shareholder, Tax) zur Ermittlung des tatsächlichen Wertzuwachses.
5 Beurteilung des EVA und der Rechnungslegung: Bewertung der Eignung von HGB und IFRS im Kontext der „EVA-Freundlichkeit“ und der notwendigen Anpassungsaufwände.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Empfehlung zur Verwendung der IFRS für eine wertorientierte Steuerung.
Schlüsselwörter
Economic Value Added, EVA, HGB, IFRS, Wertorientierte Unternehmensführung, NOPAT, WACC, Capital Charge, Accounting Model, Economic Model, Conversions, Adjustments, Abschreibungen, Leasing, Goodwill
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Eignung der beiden Rechnungslegungsstandards HGB und IFRS als Datenbasis für die Berechnung der wertorientierten Kennzahl "Economic Value Added" (EVA).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Grundlagen des EVA, den Vergleich der Rechnungslegungsprinzipien von HGB und IFRS sowie die konkrete Anwendung von Anpassungsrechnungen (Conversions) zur Bereinigung buchhalterischer Daten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, welche Rechnungslegung aus Sicht eines externen Analysten weniger Aufwand für Anpassungen erfordert und somit besser für die Konzeption eines "Economic Models" geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive, vergleichende Analyse durchgeführt, die bestehende Literatur und Standards nutzt, um Anpassungsbedarf und Datenverfügbarkeit beider Normen gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des EVA, die Darstellung der Rechnungslegungsgrundsätze sowie eine detaillierte Untersuchung der vier Kategorien von Conversions (Operating, Funding, Shareholder, Tax).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Economic Value Added (EVA), Bilanzanpassungen (Conversions), NOPAT, WACC sowie der Vergleich zwischen Handelsgesetzbuch (HGB) und International Financial Reporting Standards (IFRS).
Warum ist die Wahl der Rechnungslegung für den EVA relevant?
Da der EVA auf Daten aus dem Jahresabschluss basiert, führen unterschiedliche Bilanzierungsvorschriften zu verzerrten Ergebnissen, die erst durch komplexe Anpassungen vergleichbar gemacht werden müssen.
Was ist das zentrale Ergebnis bezüglich IFRS und HGB?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass die IFRS für die EVA-Berechnung besser geeignet sind, da sie eine höhere Publizität aufweisen und weniger bilanzpolitische Spielräume zulassen, was die externe Anpassung erleichtert.
- Quote paper
- Enrico Schulz (Author), 2009, EVA-Ermittlung auf Basis von IFRS- und HGB-Abschlüssen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135291