Die vorliegende Arbeit soll einen Aufschluss über den Einfluss der Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit angehender Lehrkräfte unter Berücksichtigung der praktischen Tätigkeit an Ausbildungsschulen geben, um Belastungsfaktoren aufzuzeigen und gesundheitsfördernde Maßnahmen ableiten zu können. Dabei wurden sechs Referendar*innen, die sich im Jahr 2020 im Referendariat in Schleswig- Holstein befanden, im Rahmen von problemzentrierten, teilstandardisierten Leitfadeninterviews befragt. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen auf, dass Erlasse wie die bundesweiten Schulschließungen und Maßnahmen des Hygiene- und Infektionsschutzes einen großen Einfluss auf das praktische Tätigkeitsfeld haben und vielfältige Anforderungen von den Referendar*innen abverlangen.
Die Corona-Pandemie stellt alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens vor bisher unbekannte Herausforderungen. Ebenso fordert die Corona-Pandemie Lehramtsanwärter*innen des Vorbereitungsdienstes im Jahr 2020 aufgrund vorgegebener Erlasse und resultierenden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie heraus. Obwohl es eine Vielzahl an Forschungen zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Bildungssystem gibt, sind Forschungen, in denen Referendar*innen die Stichprobe und die Gesundheit den Forschungsgegenstand bilden, die Ausnahme.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesundheit und Krankheit
2.1 Paradigmen der Gesundheits- und Krankheitswissenschaften
2.2 Gesundheit und Krankheit im Verhältnis
2.3 Die Bedeutung von Gesundheit für die Arbeitswelt
3. Begriffsdefinitionen
3.1 Psychische Gesundheit
3.2 Stress
3.3 Stressoren
3.4 Burn-out
4. Der Lehrer*innenberuf
4.1 Gesundheitliche Risikofaktoren im Lehrerberuf
4.2 Belastungsebenen im Lehrer*innenberuf
5. Die Lehramtsausbildung
5.1 Der Vorbereitungsdienst
5.2 Die theoretische Ausbildung durch das Studienseminar
5.3 Die praktische Ausbildung durch die Ausbildungsschule
5.4 Ausbildungsbegleitende Prüfungsleistungen
5.5 Anforderungen und Belastungen im Referendariat
6. Theoretische und methodologische Konzepte zur Entstehung von Stress im Rahmen der Lehrtätigkeit
6.1 Transaktionale Stresstheorien
6.2 Das Belastungs-Beanspruchungsmodell
6.3 Das systemische Anforderungs-Ressourcen-Modell
7. Corona im Bildungskontext
7.1 Ein chronologischer Überblick des Jahres 2020
7.2 Der Schulalltag unter Corona-Bedingungen im Jahr 2020
8. Aktueller Forschungsstand, Forschungsfrage und Ziel der Forschung
8.1 Aktueller Forschungsstand
8.1.1 Auswirkungen der Corona-Pandemie auf schulische Rahmenbedingungen und das Tätigkeitsfeld von Lehrkräften und Schulleitungen
8.1.2 Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das praktische Tätigkeitsfeld von Referendar*innen
8.1.3 Die Gesundheit von Lehrkräften und Referendar*innen in der Corona-Pandemie
8.2 Ziel der Untersuchung und Darstellung der Forschungsfrage
9. Methodisches Vorgehen
9.1 Grundlagen der qualitativen Sozialforschung
9.2 Erhebungsmethode – Das leitfadengestützte Interview
9.3 Stichprobe/Sampling
9.4 Die Konstruktion des Interviewleitfadens
9.5 Datenerhebung
9.6 Transkription
9.7 Auswertung der Interviews
9.8 Induktive Kategorienbildung
9.9 Anwendung der induktiven Kategorienbildung
10. Ergebnisse
11. Diskussion
11.1 Interpretation der Ergebnisse
11.2 Limitationen der Arbeit
12. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Forschungsfragen
Die vorliegende Masterthesis untersucht den Einfluss der Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit angehender Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst im Jahr 2020. Das primäre Ziel ist es, in einer qualitativen Analyse insbesondere die psychischen Belastungsfolgen und die Bewältigungsstrategien der Referendar*innen in Schleswig-Holstein zu identifizieren, um daraus Ansatzpunkte für Präventionsmaßnahmen abzuleiten.
- Analyse der psychischen Belastungssituation von Referendar*innen während der Schulschließungen 2020.
- Identifikation spezifischer stressorspezifischer Anforderungen durch die digitale Transformation des Unterrichts.
- Untersuchung des Einflusses von behördlichen Erlassen auf das Stressempfinden und die Gesundheit der Lehrkräfte.
- Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zur Stärkung der psychischen Gesundheit im Referendariat in Krisenzeiten.
Auszug aus dem Buch
Die psychische Gesundheit von Lehrkräften und Referendar*innen in der Corona-Pandemie
Braun (2017) widmet sich im Rahmen einer Studie vor der Corona Pandemie der Frage, ob Lehrkräfte und Referendar*innen berufsspezifische Belastungen anders erleben. Die Ergebnisse zeigen, dass die Phase der zweiten Lehramtsausbildung für die befragten Referendar*innen keine Zeit besonderer Belastungen im Vergleich zu erfahrenen Lehrkräften ist (Braun, 2017). Die vorliegenden Ergebnissen zufolge weisen Referendar*innen ein höheres Arbeitsengagement auf. Braun (2017) führt zudem weiter aus, dass das Arbeitsengagement zwar eine wichtige Komponente zur Bewältigung arbeitsbedingter Belastungen darstellt, auf der anderen Seite kann ein erhöhtes Arbeitsengagement zu einer dauerhaften Überforderung der eigenen Person führen.
Darüber hinaus deuten die Ergebnisse von Braun (2017) darauf hin, dass Referendar*innen vielfach über Ressourcen und Fähigkeiten verfügen, um anstehende Herausforderungen und an sie gestellte Anforderungen bewältigen zu können. Da die Corona-Pandemie eine Situation ist, die eine Vielzahl unbekannter Herausforderungen und Anforderungen an die Bildungsakteur*innen stellt, werden die Personengruppen Lehrkräfte und Referendar*innen im Zuge der Darstellung von empfundenen Belastungen und Auswirkungen auf die psychische Gesundheit zusammenfassend dargestellt und nicht wie im bisherigen Vorgehen voneinander getrennt. Dennoch werden die unterschiedlichen Befragtengruppen bei der Darstellung der Forschungsergebnisse angegeben, da bisher unerforscht ist, ob und inwiefern Lehrkräfte und Referendar*innen berufsspezifische Belastungen im Zuge der Corona-Pandemie unterschiedlich erleben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Herausforderungen des Vorbereitungsdienstes während der Corona-Pandemie ein und skizziert die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der psychischen Gesundheit in diesem Kontext.
2. Gesundheit und Krankheit: Dieses Kapitel ergründet historische und soziologische Perspektiven, um ein wissenschaftliches Verständnis von Gesundheit als dynamischem Zustand zu festigen.
3. Begriffsdefinitionen: Hier werden zentrale Konzepte wie Psychische Gesundheit, Stress, Stressoren und Burn-out voneinander abgegrenzt.
5. Die Lehramtsausbildung: Das Kapitel beschreibt die Struktur des Vorbereitungsdienstes in Schleswig-Holstein, unterteilt in die theoretischen Studienseminare und die praktische Ausbildung an den Schulen.
Schlüsselwörter
Referendariat, Corona-Pandemie, psychische Gesundheit, Lehrkräfte, Vorbereitungsdienst, Stress, Belastung, Homeschooling, Distanzunterricht, Bildungskontext, Burn-out, qualitative Forschung, Lehrerberuf, Lehrerausbildung, Resilienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit analysiert, wie sich die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen, wie Schulschließungen und Hygienevorgaben, subjektiv auf die psychische Gesundheit und die Arbeitsbelastung von Referendar*innen im Vorbereitungsdienst in Schleswig-Holstein ausgewirkt haben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der psychischen Gesundheit, den Belastungsfaktoren im Lehrerberuf, der Struktur des Vorbereitungsdienstes in der Krise sowie den theoretischen und methodologischen Konzepten zur Stressentstehung während dieser Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist die Identifikation arbeitsbezogener Belastungsfaktoren bei Referendar*innen während der Corona-Pandemie, um auf Basis dieser Erkenntnisse präventive Maßnahmen für das Wohlbefinden angehender Lehrkräfte zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um ein qualitatives Forschungsdesign, das auf problemzentrierten, teilstandardisierten Leitfadeninterviews mit sechs Referendar*innen basiert und diese mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Theoriearbeit zu Gesundheit, Stress und Lehrerberuf, eine chronologische Einordnung der Pandemiejahre, eine Darstellung des aktuellen Forschungsstands sowie die detaillierte Beschreibung und Auswertung der qualitativen Experteninterviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die wichtigsten Schlagwörter sind: Referendariat, Corona-Pandemie, psychische Gesundheit, Vorbereitungsdienst, Stress, Belastungen, Distanzlernen und Lehrerberuf.
Wie bewerten die befragten Referendar*innen die Informationslage während der Pandemie?
Die Befragten gaben an, dass die Informationspolitik der Ministerien oft kurzfristig war, was zu Unmut und dem Gefühl führte, den Anforderungen nicht gerecht werden zu können.
Was war für Referendar*innen während der Schulschließungen besonders belastend?
Besonders belastend waren der logistische Aufwand für den Distanzunterricht, die ständige Erreichbarkeit für Eltern, die Maskenpflicht im Sportunterricht sowie die mangelnde diagnostische Rückmeldung zum Leistungsstand der Schüler*innen.
- Arbeit zitieren
- Moritz Boekhoff (Autor:in), 2022, Der Vorbereitungsdienst in Zeiten der Krise. Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit angehender Lehrkräfte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1353138