Wenn man vom Orden der Franziskaner spricht, dann fällt jedem sofort der Begriff „Bettelorden“ ein. In der Tat gehörten vor allem die Aufforderung zur Armut und das Besitzverbot zu den Idealen des Ordensgründers Franziskus von Assisi. Doch in den gesellschaftlichen Verhältnissen des Mittelalters, als die feudalen Strukturen und die Geldwirtschaft immer mehr an Bedeutung gewannen, waren diese Ideale nicht einfach durchzusetzen. Das Ziel, dem Leben Jesu nach dem Evangelium in Armut zu folgen, brachte Entwicklungen mit sich, die Franziskus sicherlich vorher niemals geahnt hatte.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll die wirtschaftliche Lage der Franziskaner stehen. Dabei liegt der Fokus vor allem auf Schleswig-Holstein. Hierbei soll untersucht werden, inwiefern die Brüder des Franziskanerordens in ihrem wirtschaftlichen Verhalten die Ordensregel streng befolgten oder vielleicht sogar umgingen. War ein Leben ohne Besitz und festem Einkommen überhaupt möglich? Unter diesen Zielsetzungen sollen im Rahmen dieser Hausarbeit auch die einzelnen Wirtschaftsfaktoren der Klöster untersucht und vorgestellt werden. Beispiele aus den Franziskanerklöstern Schleswig-Holsteins sollen die Ausführungen ergänzen und plastischer machen.
Als Grundlage für diese Hausarbeit diente neben vielen verschiedenen anderen Werken die Monographie über die Franziskaner in der Provinz Dacia von Jorgen Nybo Rasmussen, hier vor allem Kapitel VIII, welches von der Wirtschaft und Armut der Franziskaner in Nordeuropa handelt. Als einer der wenigen Autoren befasste er sich ausführlich mit der Wirtschaft der nordischen Franziskaner. Für die einzelnen Beispiele der Wirtschaftsfaktoren wurden als Quellen das „Diplomatarium Flensborgense“ und die historische Arbeit „Petrus Olai: De Ordine Fratrum Minorum“ von Peder Olsen verwendet. Die Flensburger Akten geben uns viele Informationen über die Stadt Flensburg im Mittelalter. Somit enthalten diese auch viele Berichte über das Flensburger Kloster. Bei Peder Olsen handelt es sich um einen Franziskanermönch, der gegen Ende des 15. Jahrhunderts bei Roskilde geboren wurde. Er war der „einzige eigentliche Historiker der nordischen Franziskaner“ und ist somit von besonderer Bedeutung für uns. In seiner verfassten „Collectanea“ widmete er ein Kapitel den Franziskanern, um die Stiftungen der Klöster zu dokumentieren.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Franziskanerorden
III. Die Franziskaner in Schleswig-Holstein
III.1. Das St. Katharinen-Kloster in Lübeck
III.2. Das St. Paulus-Kloster in Schleswig
III.3. Das St. Maria-Kloster in Kiel
III.4. Das St. Katharinen-Kloster in Flensburg
III.5. Das Franziskanerkloster in Husum
III.6. Das Franziskanerkloster in Lunden
IV. Die „Regula Bullata“ von 1223 und die Wirtschaft
V. Der Armutsstreit der Franziskaner
VI. Die Wirtschaft der Franziskaner in Schleswig-Holstein
VI.1. Die Klosterstiftungen
VI.2. Die Arbeit
VI.3. Das Betteln
VI.4. Die Donationen
VI.5. Die Ablässe und Bruderschaftsbriefe
VI.6. Der Handel und die Geldgeschäfte
VI.7. Die wirtschaftlichen Folgen der Observantenreform
VII. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wirtschaftliche Lebensweise der Franziskanerklöster in Schleswig-Holstein im Mittelalter unter der zentralen Forschungsfrage, wie die Ordensideale der Armut und Besitzlosigkeit unter den gegebenen gesellschaftlichen und klimatischen Bedingungen praktisch umgesetzt wurden oder ob eine Abweichung davon stattfand.
- Historische Entwicklung des Franziskanerordens und seiner Regeln.
- Struktur und wirtschaftliche Bedeutung einzelner Klöster in Schleswig-Holstein.
- Analyse der verschiedenen Wirtschaftsfaktoren wie Stiftungen, Arbeit, Betteln und Donationen.
- Einfluss des Armutsstreits und der Observantenreform auf das Wirtschaftsverhalten.
- Spannungsfeld zwischen theoretischem Ordensideal und praktischer Notwendigkeit.
Auszug aus dem Buch
VI.2. Die Arbeit
In der „Regula Bullata“ schrieb Franziskus, dass die Brüder Ihren Lebensunterhalt hauptsächlich durch Arbeit verdienen sollten. Zwar wird die Art der Arbeit nicht näher erläutert, doch in der „Regula Non Bullata“ werden die erlaubten Tätigkeiten etwas genauer beschrieben. Demnach sollten die Brüder ein Handwerk ausüben. Landwirtschaft wurde prinzipiell abgelehnt, da hierfür liegende Güter angenommen werden müssten. Die Beschränkung auf das Handwerk führte dazu, dass die Klöster immer in Städten oder in der direkten Nähe von diesen entstanden.
Die Arbeit der Franziskaner lässt sich aufteilen in Tätigkeiten innerhalb der eigenen Klosterwirtschaft und die für andere Personen außerhalb des Klosters. Leider sind jedoch so gut wie keine Quellen für die Arbeit außerhalb des Klosters erhalten. Jedoch muss man davon ausgehen, dass diese nicht bedeutend zum Klosterhaushalt beigetragen haben.
Wichtiger als die Arbeit außerhalb des Klosters waren die Tätigkeiten der Brüder im Kloster selbst. Das 6. Kapitel der „Regula Bullata“ besagte, dass die Brüder sich gegenseitig helfen und vor allem den kranken Brüdern Hilfe leisten sollten. Somit kann man sich gut vorstellen, wie das Zusammenleben im Kloster funktionierte. Die wichtigsten Tätigkeiten der Brüder waren „die täglichen Arbeiten im Haushalt des Klosters, in Küche, Keller, Brauerei und Refektorium, in Schneiderei und Schusterei und die Tätigkeiten zur Erhaltung und zur Reinhaltung des Hauses und der Kirche.“ Vermutlich befassten sich die Laienbrüder mit den praktischen Aufgaben der Hausarbeit, während die Priesterbrüder für die liturgischen und seelsorgerischen Aufgaben zuständig waren.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Vorstellung der Thematik des Bettelordens und der Zielsetzung der Untersuchung der wirtschaftlichen Lage in Schleswig-Holstein.
II. Der Franziskanerorden: Überblick über die Entstehung des Ordens, die Person Franziskus von Assisi und die verschiedenen Ordensregeln.
III. Die Franziskaner in Schleswig-Holstein: Detaillierte Darstellung der einzelnen Klostergründungen in der Region von Lübeck bis Lunden.
IV. Die „Regula Bullata“ von 1223 und die Wirtschaft: Zusammenfassung der für das Wirtschaftsleben relevanten Kapitel der Ordensregel.
V. Der Armutsstreit der Franziskaner: Untersuchung der internen Spannungen über das Armutsideal und die daraus resultierende Ordensspaltung.
VI. Die Wirtschaft der Franziskaner in Schleswig-Holstein: Kernkapitel mit Analyse der verschiedenen Einnahmequellen und wirtschaftlichen Faktoren der Klöster.
VII. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, wie die Brüder versuchten, trotz äußerer Umstände den Ordensidealen treu zu bleiben.
Schlüsselwörter
Franziskaner, Schleswig-Holstein, Mittelalter, Bettelorden, Armutsstreit, Wirtschaftsgeschichte, Klosterwesen, Stiftungen, Donationen, Observantenreform, Ordensregel, Geldverbot, Armutsideal, Seelsorge, Dacia.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der wirtschaftlichen Lebensweise der Franziskaner in den Klöstern Schleswig-Holsteins während des Mittelalters.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentral sind die Ordensregeln zur Armut, die historische Entwicklung der Klöster in der Region sowie die verschiedenen Faktoren, die das wirtschaftliche Überleben der Brüder sicherten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, inwiefern die Franziskaner ihre strengen Ordensideale von Armut und Besitzlosigkeit im Alltag einhalten konnten oder diese durch die wirtschaftlichen Realitäten des Mittelalters anpassen mussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine literatur- und quellenbasierte Analyse, wobei er sich primär auf historische Monographien sowie zeitgenössische Quellen wie das „Diplomatarium Flensborgense“ und die Arbeit von Peder Olsen stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Klöster, eine Erläuterung der relevanten Ordensregeln, eine Darstellung des Armutsstreits und eine detaillierte Aufschlüsselung der wirtschaftlichen Faktoren wie Betteln, Donationen, Arbeit und Handel.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Franziskaner, Bettelorden, Armutsstreit, Wirtschaftsgeschichte, Stiftungen und Observantenreform.
Wie wurde das Betteln als Wirtschaftsfaktor organisiert?
Mit der Zeit wurden sogenannte „Termine“ eingeführt, also feste Gebiete, in denen die Mönche betteln durften, um eine unkontrollierte Konkurrenz zwischen verschiedenen Klöstern zu vermeiden.
Welchen Einfluss hatte die Observantenreform auf die Klöster?
Die Reform führte dazu, dass die Klöster versuchten, näher an die ursprüngliche Ordensregel zurückzukehren, indem sie beispielsweise liegende Güter aufgaben und Prokuratoren für finanzielle Transaktionen einsetzten.
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- Lukas Gajcy (Author), 2007, Die Wirtschaftslage der Franziskanerklöster in Schleswig-Holstein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135319