Die protestantische Ethik


Seminararbeit, 2003
20 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung

2. Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
2.1.Konfession und soziale Schichtung
2.2. Der „Geist des Kapitalismus“
2.3. Luthers Berufskonzeption; Objekt der Untersuchung
2.4.die religiösen Grundlagen der innerweltlichen Askese
2.5. Askese und kapitalistischer Geist

3. Kritik und Antikritik
3.1.Webers Anspruch
3.2. Probleme der Methode

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Max Weber stellt in seinem erstmals 1906 erschienenen, und 1920 in einer von ihm selbst überarbeiteten Fassung herausgegeben Text über die protestantische Ethik einen Zusammenhang zwischen religiösen Fundamenten und dem „kapitalistischen Geist“ her. Basierend auf einer speziellen Defnition dieses „kapitalistischen Geistes“ wird versucht darzustellen ob und inwieweit Auswirkungen der Reformation einen Beitrag zu Grundlagen dieser neuen Denk- und somit Handelsweise geleistet haben.

Durch eingehende Darstellung verschiedener Formen reformierter Kirchen und deren religiöser Ethik, und insbesondere durch Ausführungen zum damit zusammen-hängenden Thema der Berufsethik, soll schließlich der Zusammenhang zu einer Lebensauffassung, die zur mentalen Eigenart des modernen rationalen Wirtschafts-menschen beigetragen hat, hergestellt werden.

Im Folgenden werde ich den Inhalt dieser Abhandlung zusammenfassen und die Argumentationsstruktur aufzeigen. In einem weiteren Schritt wird dann ein Blick auf mögliche Schwachstellen bzw. Anknüpfungspunkte zur Kritik geworfen.

Dem ersten Erscheinen von „die protestantische Ethik“ folgte eine große Resonanz, die mitunter auch aus kritischen Bemerkungen bestand, und ich werde zum einen einen Überblick über diese, wie zum anderen auch die eventuelle Reaktion Webers darauf darstellen. Besondere Betonung findet hier die Klarstellung des Anspruches, der an die vorgelegten Studien zu stellen ist. Weber deutet, um dies vorweg zu nehmen an, dass es sich lediglich um die Darstellung eines Zusammenhanges zwischen bestimmten reli-giösen Phänomenen und den geistig grundlegenden Voraussetzungen einer bestimmten Art des modernen Kapitalismus handelt. Es geht ihm um die Art des Zusammenhangs, sowie um den Nachweis dessen Existenz. Damit verbunden jedoch ist keinesfalls ein Anspruch auf Vollständigkeit, den „Geist des Kapitalismus“ zu erklären, oder etwa sogar ein gesamtwirtschaftliches Modell aufzubauen.

2. die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus

2.1. Konfession und soziale Schichtung

Weber geht in seinen Ausführungen von der auffälligen Verteilung der protestantischen und der katholischen Bevölkerung in Bezug auf das Wirtschafsleben aus. Der Kapital-besitz befindet sich in konfessionell gemischten Ländern zu einem auffällig hohen Anteil in den Händen der protestantischen Bevölkerung. Diese stellt in höherem Maße sowohl das Unternehmertum wie auch höher gebildete Schichten der Arbeiter, insbesondere was eine höhere technische und kaufmännische Ausbildung betrifft. Das Argument, es könne sich auch um einen gegensätzlichen Kausalzusammenhang handeln, sprich der protestantische Glauben entspringe vielmehr einem höheren Kapitalbesitz1 als andersherum, wird ebenfalls durch sozialstrukturelle Erscheinungen entkräftet. Der katholische Teil der Bevölkerung hat nicht nur weniger Anteil an der höheren Bildung, vor allem auch die Art der Bildung ist eine andere. So ist zu beobachten, dass protestantische Schüler in bedeutend höherem Maße auf Schulen anzutreffen sind, deren Bildung in Richtung Wirtschaftsleben, Industrie und kaufmännische Berufe zielt, während deren Anteil an z.B. humanistischen Gymnasien im Verhältnis geringer ausfällt. Dieser Aspekt, und die Tatsache, dass bei der protes-tantischen Arbeiterschaft in vermehrtem Maße ein Trend zur Abwanderung in die Industrie festzustellen ist, während die katholische eher dazu neigt im Handwerks-betrieb zu bleiben, lässt Weber von einer „anerzogenen geistigen Eigenart“ sprechen. Er sieht eine „spezifische Neigung zum ökonomischen Rationalismus“, die sich unab-hängig von sonstigen Rahmenbedingungen, unabhängig vom zahlenmäßigen Verhältnis der Konfessionszugehörigkeit, beim protestantischen Teil der Bevölkerung feststellen lässt.

Folglich ist eine Antwort auf diese Phänomene nicht in der historisch-politischen Lage zu suchen, sondern man muss sich vielmehr auf die jeweilige geistige Motivation konzentrieren.

Der oberflächliche Vergleich von katholisch-evangelisch bringt uns hier nicht weiter. Unterscheidungen wie die, dass Katholiken weltfremd und der Askese zugewandt seien, während Protestanten den materiellen Freuden und dem Kapitalismus frönen, sieht Weber nicht nur als pauschalisierend sondern in vielen Zusammenhängen, sowohl zur Zeit des Verfassens seiner Schrift, als auch historisch, als falsch an.

Er wirft die Frage auf, ob die erwähnten Gegensätze nicht vielmehr in eine „innere Verwandtschaft aufzulösen seien“, und hier fällt der Blick nun auf bestimmte protes-tantische Sekten und deren gleichzeitig asketische als auch dem „Geist des Kapita-lismus“ zuträgliche Gesinnung. Der ursprüngliche Protestantismus wird alles andere als dem Modernen, dem Fortschritt zugewandt angesehen, vielmehr stand er diesem kritisch gegenüber. Eine dennoch prägende Kraft, die von ihm ausgeht, kann somit nicht mit dem zusammenhängen, was oberflächlich unter Protestantismus im Gegensatz zu Katholizismus verstanden wird, vielmehr ist im Gegenteil dazu nach religiösen Funda-menten zu suchen, die einen entscheidenden Einfluss auf den „Geist des Kapitalismus“ ausgeübt haben könnten.

2.2. Der „Geist des Kapitalismus“

Weber führt den „Geist des Kapitalismus“ als einen Begriff ein, der keinen vollkommen statischen Zusammenhang darstellen soll, sondern vielmehr darauf zielt ein historisches Phänomen mit der Flexibilität seines individuellen Vorkommens zu beschreiben. Somit verzichtet er auf eine feste Definition, und sieht das vollkommene Verständnis des Begriffes eher als Ziel denn als Voraussetzung seiner Arbeit.

„Der Geist des Kapitalismus“ wird als Gegenpol zum Traditionalismus dargestellt, und das Aufeinandertreffen dieser beiden Gegensätze wird durch Beispiele demonstriert. Der Mensch achte traditionell darauf, das zu sichern was er zum Leben brauche, man arbeite um zu leben. Diesem verwurzelten Grundnaturell wirkt der „Geist des Kapita-lismus“ entgegen, es geht um den Gelderwerb als Selbstzweck. Man arbeite nicht um zu leben, sondern man lebe um zu arbeiten, ist die Devise, auf anderer Ebene dargestellt: die traditionalistische Form ist die Bedarfsdeckungs – , die dem neuen Geist ent-sprechende die Erwerbs wirtschaft.

Eine weitere Einschränkung und Veranschaulichung dessen, was nun unter diesem Antrieb des einzelnen Menschen zu verstehen ist, liefert Weber durch verschiedene Textauszüge, ganz zentral durch ein Dokument von Benjamin Franklin. Die Grund-motivation ist sicherlich ein Gewinnstreben, und das Eifern nach möglichst hohem materiellen Ertrag. Doch dies ist scharf abgegrenzt von Begriffen wie Habgier usw. zu betrachten. Das Streben nach Gewinn wird vielmehr als eine Art Selbstzweck ver-standen, der aus sich selbst heraus motiviert ist, und so streitet Weber auch das Vor-kommen dessen, was man gewöhnlich unter kapitalistischen Praktiken, oder auch unter dem blinden Streben nach viel Reichtum versteht, zu allen Zeiten der Geschichte nicht ab. Er stellt im Kontrast zu diesen Phänomenen eine neue Entwicklung dar, die keines-wegs Trieb geprägt ist, sondern zum einen einen höchst rationalen Charakter hat, zum anderen von ethischen Grundlagen untermauert ist. So löblich, ja essentiell das Streben nach Gewinn ist, so verwerflich ist das Ausgeben, der Genuss des Gewonnenen. Die Rationalität erstreckt sich auf ein Beherrschen der Triebe auch und gerade in Bezug auf jeglichen ausschweifenden Konsum, der Mensch will erwerben, und nicht verbrauchen. An diesem Punkt wird auch sehr deutlich, wie kapitalistisch ein ganzer Wirtschafts-zweig sein kann, und wie wenig dies dennoch mit dem hier beschriebenen „Geist des Kapitalismus“ zu tun haben muss. So wird die Textilbranche im 19.Jahrhundert, bei der es sich sicherlich nach allgemeinen Maßstäben um einen, im kapitalistischen System verankerten Teil der Wirtschaft handelt, geradezu als Beispiel für den Traditionalismus herangezogen. Der auf alten Prinzipien und Gepflogenheiten beruhende und in diesen verharrende Geist der Unternehmer charakterisiert, wie der Erwerb dazu genutzt wird, das gewohnte Leben weiterzuführen Die Bedarfsdeckung, auch wenn sie hier ungleich höher ist als das was man sich auf den ersten Blick darunter vorstellen mag, soll ge-währleistet werden.

Der „kapitalistische Geist“ zieht erst ein, wenn versucht wird das System zu optimieren, wenn nicht mehr das Bewahren des Zustandes, sondern gegenteilig das Erweben an sich das Ziel darstellt. Das Geschäft ist zum Selbstzweck geworden, und gerade an diesem Punkt findet sich auch die ethische Untermauerung – unter absoluter Selbstbeschrän-kung in Bezug auf die Genüsse des Geldes ist das Geschäft fürs Geschäft da, und nicht fürs Leben, der Beruf ist nicht Mittel zum Zweck sondern Berufung.

2.3. Luthers Berufskonzeption. Objekt der Untersuchung

Weber begibt sich auf die Suche nach dem historischen Ursprung des Begriffes „Beruf“, und stellt hierzu fest, dass der Ausdruck als solcher erstmals von Luther bei der Bibelübersetzung geprägt wurde, und hierdurch eine Bedeutung entstanden ist, die durch das im Ausdruck „mitschwingende“ Wort Aufgabe impliziert wird. In diesem Begriff drücke sich ein neuartiges Verständnis aus, welches eine ungemeine Bedeutung des Berufes mit sich bringt, der Beruf als Lebensaufgabe, als Pflicht. Dies sieht Weber unter dem religiösen Aspekt, so dass durch die Reformation „der sittliche Akzent und die religiöse Prämie für die innerweltliche , beruflich geordnete Arbeit mächtig schwoll.“ Es schwingt hier somit schon die Assoziation - Beruf gleich Gottesdienst – mit.

Luther sah den Beruf, vor allem auch im Gegensatz zum Mönchtum, als Pflicht eines Christen an, wohingegen er jenes nicht nur als unnütz sondern auch als bloße Selbst-gefälligkeit abstempelte. Hierdurch entsteht eine enorme Bedeutung der innerweltlichen Tätigkeit, die nunmehr als Pflicht vor Gott angesehen wird. Luther jedoch bleibt auf dieser Stufe stehen, und so ist die Überzeugung von der Pflicht dergestalt, dass man den Beruf den man nun mal ausübe, in den man eventuell hineingeboren wurde, pflicht-bewusst zu erledigen habe. Es zeichnet sich eher schon ein Auffassung ab, die dem Traditionellen in die Hände spielt, und somit ist eine Verwandtschaft mit dem, was als „Geist des Kapitalismus“ beschrieben wurde nicht festzustellen. Im Laufe seines Lebens wurde von Luther dieser verharrende Aspekt seines Berufsbildes immer mehr betont, die Pflicht der Erfüllung des Standes, in den man hineingeboren wurde. Des weiteren wurde die neue Idee des Berufes als Pflicht, als Lebensaufgabe immer mehr von der Idee der Abgrenzung von allem Außerweltlichen, Asketischen der Mönche überdeckt und so sieht Weber in Luther ein schwieriges Beispiel um weiterzugelangen in den Betrachtungen zum „kapitalistischen Geist“.

Der „kapitalistische Geist“ als solcher ist überhaupt nicht als Ziel irgendeiner religiösen Strömung, weder des Luthertums noch anderer protestantischen Kirchen oder Sekten zu sehen. Doch sehr wohl kann man aus der praktischen Lebensweise, die lediglich aus religiösen Gründen resultierte, das Seelenheil als Ziel im Blick, Schlüsse ziehen welche Auswirkungen hieraus entstanden sein müssen, welcher Geist geprägt wurde, und in-wieweit sich dies auf unseren „Geist des Kapitalismus“ auswirkt.

Weber stellt nun religiöse Grundlagen dar, die zu einem bestimmten Berufethos geführt haben können. Dadurch soll das Fundament für spätere, eventuelle Schlüsse geschaffen werden, die sich aus diesen Grundlagen bezüglich des Einflusses auf den „Geist des Kapitalismus“ ziehen lassen.

Die größte Aufmerksamkeit widmet er hier dem Calvinismus, beschäftigt sich jedoch auch mit dem Pietismus, dem Methodismus und den „aus der täuferischen Bewegung hervorgegangenen Sekten“.

[...]


1 Insbesondere reiche Städte und reiche Gebiete haben im 16.Jahrhundert protestantischen Glauben angenommen

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die protestantische Ethik
Hochschule
Universität Konstanz  (Geschichte und Soziologie)
Veranstaltung
Proseminar: Religionen, Weltanschauungen, Utopien (soziologische Theorie 1)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V13532
ISBN (eBook)
9783638191722
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Proseminar, Religionen, Weltanschauungen, Utopien, Theorie
Arbeit zitieren
Andreas Schuster (Autor), 2003, Die protestantische Ethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13532

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