Der Jude – Das Sinnbild eines Fremden?


Hausarbeit, 2008

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Antisemitismus

3. Fremdheit
3.1. Fremdheit aus der normativen Perspektive
3.2. Fremdheit aus der sozial-konstruktivistischen Perspektive

4. Xenologie

5. Schluss

6. Literatur

1. Einleitung

Ahasver, der ewige Jude, leidend an einem nicht enden wollenden Leben in der Rast- und Heimatlosigkeit. Ist er der Idealtyp eines Fremden? Wenn ja, warum muss er ausgerechnet ein Jude sein? Weil der Jude ein Sinnbild des Fremden ist? Im Zusammenhang mit dem Antisemitismus habe ich vieles über das jüdische Volk gelesen. Mir ist dabei aufgefallen, dass das jüdische Volk sehr oft als eine Bedrohung angesehen wurde. Ihre Angehörigen werden als „gesellschaftliche[…] Fremdkörper oder zumindest als eine Sondergruppe“ (Žmegač 1996: S. 2) betrachtet. Goldstein (in Žmegač 1996: S. 12) spricht im Zusammenhang der tragischen Züge der jüdischen Geschichte in Europa auch von einer „Abneigung gegenüber den »artfremden« Nachbarn in breiten Schichten der Bevölkerung“ während der Jahrhundertwende. Heute finden wir, gehäuft in der arabischen Welt antisemitische Stereotypen, wo Juden als schmutzige, hakennasige, geldgierigere Weltherrscher (Ben-Ari 2002: S. 57) dargestellt werden. Wieso werden Juden im gleichen Atemzug mit dem Fremden aufgezählt? Um diese Fragen zu beantworten, muss erstmal erläutert werden, was das Fremde oder der Fremde überhaupt ist. Verdankt die Fremdheit ihre Entstehung einem Prozess oder ist es schon immer vorhanden? Um die Fremdheit zu erörtern, bediene ich mich drei Theorien aus der Erziehungswissenschaft, da in dieser Disziplin im Zusammenhang mit Emigration und interkultureller Erziehung der Fremdheitsbegriff sehr geläufig ist. Ich werde anhand von zwei traditionellen Theorien die Entstehung und die Charakteristik von Fremdheit aufzeigen und versuche daran die Zusammensetzungsfähigkeit des Fremden mit den Juden heraus zu arbeiten. Denn es kann durchaus sein, dass der Jude als Fremder aufgebaut wird, um eine vorherrschende antijüdische Feindseligkeit zu legitimieren und die Fremdheitsbilder zu instrumentalisieren. Es kann ja auch sein, dass die Begrifflichkeit der Fremdheit im Antisemitismus neue Erkenntnisse und Betrachtungsweisen aufzeigt.

2. Antisemitismus

Die Feindseeligkeit gegenüber Juden ist historisch gesehen ein altes Phänomen, „entstanden aus dem grundsätzlichen Unterschied zwischen einem monotheistischen Minderheitsglauben und seiner Umgebung und den Spannungen zwischen Judentum, früherem Christentum und Islam“ (Ben-Ari 2002: S. 52). In der europäischen Kultur- und Geistesgeschichte wurde der Judenhass durch die Kirchenväter verstärkt und im früheren Islam zeigte man eine „gleichzeitige Feindschaft gegen die zwei beschützten Völker und ihren Glauben und [brachte] die Minderwertigkeit der beiden […] als formalen Status“ (Ben-Ari 2002: S. 52) hervor. Gewalttätige Ausbrüche gegenüber Juden, deren Verfolgung und an ihnen ausgeübte Pogrome waren charakteristische Merkmale europäischer und muslimischer Gesellschaften. Man kann den Antisemitismus als eine „Feindschaft gegen Juden als religiöser oder »rassistischer« Minderheit, häufig in Zusammenhang mit sozialer, ökonomischer und politischer Diskriminierung“ (Ben-Ari 2002: S. 51) definieren. Dieser Ausdruck beinhaltet „alle geschichtlichen und gegenwärtigen Formen von Feindschaft und Gewalt gegenüber Juden [und] klassifiziert Verhaltensweisen, die sich gegen (…) Juden bzw. Judentum als Religion und sogenannte »Rasse« entwickelten“ (Ben-Ari 2002: S. 51). Der Begriff des Antisemitismus ist ein moderner Begriff „entstanden im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts im Zuge des Versuchs, Judenfeindschaft ideologisch zu einer modernen rassistischen Weltanschauung und geschlossenen politischen Ideologie zusammenzufügen“ (Rensmann 2004). Dank des Antisemitismus wird „bei der bloßen Erwähnung des Wortes »Jude« ein ganzer Katalog von Assoziationen, Stereotypen und Vorurteilen aufgerufen“ (Schulze 2002: S. 270). Die, des Fremden gehört auch dazu.

3. Fremdheit

Um die Frage zu beantworten, ob der Jude der Idealtyp eines Fremden ist, müssen wir erst einmal den Begriff des Fremden oder noch besser den Begriff der Fremdheit definieren. Wie entsteht Fremdheit? Kann die Entstehung der Begrifflichkeit uns helfen, zu verstehen, warum die Juden als Fremde und somit als eine Bedrohung angesehen werden? Gibt es neuere Perspektiven auf die Begrifflichkeit?

Traditionell kann man Fremdheit aus zwei Perspektiven deuten. Die erste wäre eine normative (existentielle) Perspektive, wobei die Fremdheit eine Eigenschaft von Dingen, Menschen und Gruppen ist. Sie wäre eine „natürliche Kategorie, also eine anthropologische Konstante“ (Yildiz 2004: S. 145). Aus der zweiten, sozial-konstruktivistischen Perspektive ist die Fremdheit „ein gesellschaftlich konstituiertes und kontextspezifisches Phänomen. Dabei spielen soziale Prozesse und Kontexte eine wichtige Rolle, denn sie sorgen dafür, dass „ in denen [erst] Fremdheit definiert wird und gesellschaftliche Relevanz erlangt“ (Yildiz 2004: S. 145). In dieser Arbeit wird auch eine dritte neuere Perspektive auf die Fremdheit vorgestellt, nämlich die Sicht aus der Xenologie.

3.1. Fremdheit aus der normativen Perspektive

Wie oben schon erwähnt ist die Fremdheit etwas existentielles, eine quasi natürliche Tatsache des sozialen Lebens, Eigenschaft und Merkmal von Menschen. Die „normative Deutung von der Fremdheit [wird] besonders dann verwendet […], wenn die Situation von eingewanderten Minderheiten und deren Nachkommen [so wie es die Juden sind und waren,] thematisiert wird“ (Yildiz 2004: S. 145).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Jude – Das Sinnbild eines Fremden?
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Antisemitismus im internationalen Vergleich: Historische Entwicklungslinien – aktuelle Tendenzen – offene Forschungsfragen
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V135320
ISBN (eBook)
9783640432141
ISBN (Buch)
9783640432011
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antisemitismus, Xenologie, Fremdheit, Jude
Arbeit zitieren
Zaya Davaadorj (Autor), 2008, Der Jude – Das Sinnbild eines Fremden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135320

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Jude – Das Sinnbild eines Fremden?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden