Lesen spielt in unserem Berufs- und Privatleben eine wichtige Rolle. Um sich im Alltag zu orientieren und sich Wissen anzueignen, ist eine ausreichende Lesekompetenz unabdingbar. Die Lesekompetenz ist vor allem das Ergebnis der Lesesozialisation, der Erfahrungen, die man im Laufe des Lebens mit dem Lesen und
Lesemedien macht. Die Lesesozialisationsforschung untersucht daher, welche sozialen Faktoren, Einflüsse und Bedingungen für die Entwicklung zukünftiger Leser förderlich sind, und welche Hindernisse dem individuellen Werdegang zum Leser im Wege stehen.
Eine Verschärfung der Diskussion um die Lesesozialisation ist nach dem Erscheinen der Ergebnisse der PISA-Studie 2000 eingetreten, in der die deutschen Jugendlichen im Bereich der Lesekompetenz unterdurchschnittlich abgeschnitten haben.
Im Rahmen des Moduls „Orientierung auf Literatur“ besuchte ich im Wintersemester 2008/2009 die Vorlesung „Einführung in die literarische und Lesesozialisationsforschung“ bei Prof. Dr. Christine Garbe sowie das dazugehörige Tutorium. Diese Veranstaltungen beschäftigten sich mit der Frage, wie aus Kindern
und Jugendlichen Leserinnen und Leser werden. Durch die wissenschaftliche Ausarbeitung meiner persönlichen Lektüreautobiographie versuche ich die Frage zu klären, warum und wie ich lese. Dazu werde ich das im Modul vermittelte Wissen heranziehen. Mittels induktiver Vorgehensweise werde ich meine Lesegeschichte rekonstruieren. Meine Erinnerungen werde ich mit den empirischen Untersuchungen von Werner Graf und Bettina Hurrelmann in Beziehung setzen und analysieren. Vor allem werde ich mich auf Grafs Studie „Fiktionales Lesen und Lebensgeschichte
– Lektürebiographien der Fernsehgeneration“ (1995) beziehen. Um dabei logisch vorzugehen, habe ich den Hauptteil meiner Arbeit in die Phasen der Lesesozialisation nach Graf gegliedert. Zuvor möchte ich kurz meinen familiären Hintergrund und das
Leseklima in der Familie erläutern. Zum Schluss werde ich rekapitulieren und feststellen, zu welchem Lesetyp ich mich
entwickelt habe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Familiärer Hintergrund und Leseklima innerhalb der Familie
2.1. Die Bedeutung des Leseklimas innerhalb der Familie
2.2. Mein familiärer Hintergrund
3. Phasen meiner literarischen Sozialisation
3.1. Vorschulalter und primäre literarische Initiation
3.2. Einschulung und die lustvolle Kinderlektüre
3.3. Das Lesen in der Pubertät und Lesekrise
3.4. Der Ausweg aus der Lesekrise und das Lesen als Erwachsene
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die wissenschaftliche Rekonstruktion der persönlichen Lektürebiografie der Autorin. Unter Anwendung induktiver Methoden und unter Einbezug der Forschung von Werner Graf und Bettina Hurrelmann wird untersucht, wie sich die Lesesozialisation im Lebenslauf entwickelt hat und welche Faktoren dabei eine prägende Rolle spielten.
- Einfluss des familiären Leseklimas auf die frühkindliche Leseentwicklung
- Phasen der literarischen Sozialisation vom Vorschulalter bis ins Erwachsenenalter
- Auswirkungen schulischer Lektüreerfahrungen auf die Lesemotivation
- Analyse der individuellen Lesekrise und deren Bewältigung
Auszug aus dem Buch
3.1. Vorschulalter und primäre literarische Initiation
Bereits als Baby bekam ich viele Bücher geschenkt. Es handelte sich dabei jedoch eher um Bilderbücher, nicht um Bücher, in denen man hätte lesen können. Es waren meinst Bilderbücher aus Stoff, die gegen meine kindliche sorglose Umgangsart mit ihnen robust waren und zum Teil bis heute noch existieren. Dass ich überhaupt schon so früh Bücher geschenkt bekommen habe, zeigt wohl, dass meiner Eltern und meine Familie einen großen Wert auf dieses Medium legten und immer noch legen. Sie wollten mich schon sehr früh an das Gefühl, ein Buch in der Hand zu haben, gewöhnen.
Durch ein Gespräch mit meiner Mutter habe ich erfahren, dass meine Eltern sich früher sehr viel Zeit genommen haben, um sich mit mir und den Stoffbüchern zu beschäftigen. Sie haben es als ein Ritual angesehen, es sich nachmittags mit mir auf dem Sofa gemütlich zu machen, eine Kerze anzuzünden und mir immer wieder die Namen zu den Tieren oder Gegenständen in Büchern vorzulesen, damit ich es bald selbst aussprechen konnte.
Selbst abends vor dem Einschlafen habe ich immer eine Geschichte vorgelesen bekommen. Dabei handelte sich nach den Aussagen meiner Mutter fast immer um die gleichen Geschichten. Ich hatte natürlich meine Favoriten. Dazu zählten die kleinen, quadratischen Bücher aus dem Pestalozzi-Verlag. Diese Geschichten hatten genau die richtige Länge für eine Gute-Nacht-Geschichte. Außerdem kann ich mich noch sehr genau an meine Lieblingsgeschichten aus den russischen Kinderbüchern entsinnen. Da ich in der DDR geboren bin, gab es davon einige in unserem Bücherschrank. Alle noch aus der Kindheit meiner Eltern. Speziell fällt mir hier die Geschichte von dem Mäuschen mit dem Bleistift von Wladimir Sutejew ein. Aber auch das Buch „Die Schildkröte hat Geburtstag“ von Elizabeth Shaw kann ich mich noch erinnern. Das war in meiner Vorschulzeit meine liebste Geschichte. Meine Mutter musste sie mir ständig vorlesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der persönlichen Lektürebiografie als Forschungsgegenstand unter Einbezug der Lektüretheorien von Werner Graf.
2. Familiärer Hintergrund und Leseklima innerhalb der Familie: Untersuchung der Bedeutung des elterlichen Vorbilds und des häuslichen Umfelds für die erste Prägung der Lesemotivation.
3. Phasen meiner literarischen Sozialisation: Detaillierte Analyse des Leselebenslaufs, unterteilt in Phasen von der frühen Initiation bis zum Erwachsenenalter.
4. Fazit: Reflektion über die eigene Entwicklung zur „Wenigleserin“ und Erkenntnisgewinn für die spätere pädagogische Tätigkeit als Grundschullehrerin.
Schlüsselwörter
Lesesozialisation, Lektürebiografie, Leseklima, Lesemotivation, Kinderlektüre, Lesekrise, familiäre Prägung, Lesekompetenz, literarische Initiation, Werner Graf, Bettina Hurrelmann, Vorlesen, Identifikationsprozess, Leseverhalten, Grundschulpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rekonstruktion und Analyse der persönlichen Lektürebiografie der Autorin unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der Einfluss des Elternhauses, die verschiedenen Entwicklungsphasen der literarischen Sozialisation sowie die Auswirkungen von Schule und privatem Umfeld auf das Leseverhalten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den eigenen Werdegang als Leserin zu analysieren und zu verstehen, warum die Begeisterung für Bücher in bestimmten Lebensphasen schwankte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine induktive Vorgehensweise, indem sie ihre eigene Lektüregeschichte dokumentiert und diese durch die theoretischen Ansätze von Experten wie Werner Graf und Bettina Hurrelmann einordnet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen der Sozialisation: Vorschulzeit, Einschulung, Pubertät mit der einhergehenden Lesekrise und schließlich die Lesehaltung im Erwachsenenalter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Lesesozialisation, Lektürebiografie, Leseklima und die identifikatorischen Prozesse beim Lesen.
Welche Rolle spielt das Elternhaus laut der Autorin?
Das Elternhaus wird als entscheidende Basis für die frühe literarische Initiation betrachtet, insbesondere durch das Vorlesen und das Vorbild der Eltern, die selbst regelmäßig lasen.
Wie erklärt die Autorin ihre eigene „Lesekrise“?
Die Krise in der Pubertät wird durch ein verändertes Interesse (Computer, Musik, Gitarrespielen) sowie durch als verpflichtend empfundene Schullektüren begründet, die den Genuss am Lesen minderten.
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- Anonym (Author), 2009, Lektüreautobiographie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135334