Das Lernziel „Aussprache“ als Bestandteil der kommunikativen Kompetenz, Teil II. „Diphthonge“

Übungs- und Aufgabensammlung zur Phonetik der deutschen Gegenwartssprache, Teil II. „Diphthonge.“ Lehr- und Lernmaterialien für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache


Fachbuch, 2006
89 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort IX

Verzeichnis der verwendeten Symbole XI

1 Betrachtung der Lernschritte des Unterrichtsmodells zum Hörfertigkeitstraining: linguistisch-lernpsychologische Überlegungen

2 Internationales Phonetisches Alphabet

3 Diphthonge

4 Diphthonge
4.1 Übungen zu den „ei-Lauten“
4.2 Übungen zum Diphthong “ au “ [ ɑu ]
4.3 Übungen zum Diphthong “ eu “ [ ɔø ]
4.4 Übungen zu Diphthongshäufungen
4.8 Wiederholungsübungen

Literaturverzeichnis

Vorwort

Wichtige Ziele in der gegenwärtigen Fremdsprachendidaktik sind die Aus- sprache und die kommunikative Kompetenz. Die kommunikativ-pragmatische Orientierung des Fremdsprachenunterrichts erfordert den Einsatz spezieller Lehrmaterialien und Übungen zur deutschen Aussprache. Die „Übungs- und Aufgabensammlung zur Phonetik/Sprecherziehung der deutschen Gegen- wartssprache - Teil II. Diphthonge“ ist ein Folgeteil meines Buches „Übungs- und Aufgabensammlung zur Phonetik/Sprecherziehung der deutschen Gegen- wartssprache - Teil I. Vokoide.“ Beide Werke sind so erarbeitet worden, dass sie unabhängig voneinander benutzt werden können. Sie wenden sich primär an ausländische Lerner der Fachrichtung „Deutsch als Fremd- und Zweit- sprache“ in allen Studienrichtungen zur Vorbereitung auf ihre Prüfungen, aber auch an alle anderen Interessierten, die fachliche und komprimierte Informationen schätzen, beispielsweise Personen mit künftigen oder bereits gegenwärtig sprachbezogenen Berufen. Dennoch ist es auch nach mehr- jähriger Erfahrung als Lehrbeauftragter empfehlenswert, die einzelnen Teile der Aufgabensammlung zu erwerben und die Ausspracheregeln mit dieser Hilfe somit vollständig zu erlernen.

Das vorliegende Material ist für Studenten und Arbeitsgruppen mit durch- aus unterschiedlichen Vorkenntnissen und Fähigkeiten erarbeitet worden. Durch die Einführung des von mir vorgeschlagenen und zum ersten Mal an der Pädagogischen Fakultät der Universität Hradec Králové in Tschechien realisierten Laborunterrichts wurde es seit 2005 zu einem wichtigen Bestand- teil des Phonetikunterrichts zur deutschen Sprache an dieser Universität. Meine Inspiration und die damit gewonnenen positiven Erfahrungen, für die ich meinen damaligen Professoren sehr dankbar bin, habe ich im Jahr 1994 als Studentin an der Humboldt Universität zu Berlin erworben.

Das Buch vermeidet bei der Einführung der jeweiligen Laute bzw. Lautver- bindungen die Häufung vielfältiger und zumindest am Anfang vorhandener Lautbildungsschwierigkeiten. Jeder Laut wird in einer rhythmischen Gruppe, einer Wortgruppe, einem Satz und in kognitiven Texten dargeboten. Zielsprachenorientiert geht diese Arbeit von den Gesetzmäßig-keiten der deutschen Standardaussprache aus und ist als Arbeitsmaterial konzipiert.

Verzeichnis der verwendeten Symbole

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Das Zeicheninventar des IPA.

Quelle: http://www2.hu-berlin.de/phonetik/Downloads/IPA-Tabelle.pdf.

1 Betrachtung der Lernschritte des Unterrichtsmodells zum Hörfertigkeitstraining: linguistisch-lernpsychologische Überlegungen

Bevor wir zu den eigentlichen Hör- und Ausspracheübungen kommen, halte ich es für notwendig, dass die Betrachtung der Lernschritte, die zum gewünschten Erfolg führen sollen, aus der Lernerperspektive vorgenommen wird. Dies soll die einzelnen Phasen der Lerneraktivität näher bestimmen, die eigentliche Aufgabe des Lerners in diesem Unterricht definieren sowie gegebenenfalls seinen späteren Beruf als DaF- Lehrer unterstützen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Erläuterungen

Schritt 1: stellt die Fähigkeit zum kursorischen Textverständnis dar, dem die Lehrerrolle (hier das Vorlesen des Textes, Erklärung etc.) selbstverständlich vorangeht; das Ziel besteht darin, das Verständnis und die Artikulation der zu behandelnden Wortverbindungen und Wortgruppen zu ermöglichen.

Schritt 2: stellt die eigentliche Festigungsphase dar, bei der die Entwicklung und die Realisierung der Kommunikationsstrategie im Vordergrund stehen. Durch mehrmalige Wiederholung der Wörter, Wortverbindungen und Wortgruppen kommt es zur Festigung ihrer Aussprache sowie der Aussprache von Wörtern, die gleiche Vokale beinhalten. Hierbei kommt die erste Reproduktion (in der Regel noch nicht fehlerfrei) zur Geltung.

Schritt 3: stellt die spontane Realisierung der Kommunikationsstrategie sowie des flüssigen und angemessenen Artikulationsmodus und der Reproduktion der zu aktivierenden Wortverbindungen und Wortgruppen dar.

Folgende Übungstypen werden angewandt und bei den einzelnen Übungen empfohlen:

1. Transformation (Umformungsübung) T- der Lerner formt einen vorgegebenen Stimulus nach dem Muster eines vorgegebenen Satz- modells um (z. B. „Dies hat dem Motor den Rest gegeben.“ - „Nein, siehaben dem Motor nicht den Rest gegeben.“).
2. Substitution (Ersetzungsübung) S- kommt bei den Wortgruppen oder Wortverbindungen vor, die kursiv gekennzeichnet sind. Der Lerner setzt selbst zu bestimmende Elemente in ein vorgegebenes Satzmodell ein (z. B. „ Sie sind mein rettender Engel!“ - „ Er hält mich für seinen rettenden Engel.“).
3. Kontextualisation K- der Lerner wiederholt vorgeschriebene substantivische Muster auf seine zuvor formulierte Frage (z. B. „der Feldweg“ - Was für ein Land befindet sich hinter den Hügeln? Da liegt nur das Feld mit dem „Feldweg“). Die Kontextualisation ist erst dann zu empfehlen, wenn die Artikulation des Vokals vom Lernenden ein- geprägt wurde. Sie sollte der Überprüfung der richtigen Beherrschung der Artikulation dienen.
4. Repetition (Wiederholungsübung als Kommentarübung) R- der Lerner wiederholt vorgegebene Wörter, Wortverbindungen und Wortgruppen wörtlich und erläutert, welcher Laut der IPA benutzt wird. Im nächsten Schritt beginnt er mit der eigentlichen Aufnahme.

2 Internationales Phonetisches Alphabet

Das Internationale Phonetische Alphabet ist ein phonetisches Alphabet, das aus phonetischen Zeichen besteht, mit deren Hilfe die Laute aller menschlichen Sprachen präzise beschrieben werden können. Das IPA (international benutzte Abkürzung für den oben genannten Fachterminus) verwendet in seiner Zeichentabelle teilweise abgewandelte und ergänzte Buchstaben, die aus dem lateinischen und dem griechischen Alphabet stammen.

Folgende Übersicht zur artikulatorischen Beschreibung der im Deutschen unterscheidbaren Diphthonge soll die von mir behandelten „Diphthonge“ zu- erst spezifizieren. Hierbei werden auch Vokoide, zwecks Wiederholung, im Hinblick auf die Zungenstellung und den Öffnungsgrad, möglichst genau noch einmal angesprochen.

Phonetische Zeichen für:

Beispiele für neuhochdeutsche Diphthonge

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Inventar der Vokalphoneme (Monophthonge)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für die Beschreibung der deutschen Vokale sind jeweils vier artikulatorische Kategorien relevant:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vokale können ganz genau durch die Annäherung eines Artikulators (das artikulierende Organ), in diesem Fall des Zungenrückens, an eine Artikulationsstelle (ohne Engebildung wie bei den Frikativen) spezifiziert werden.

Im Bereich des Palatums (harter Gaumen) wird der Mund-/Rachenraum in zwei Resonanzräume geteilt, die den im Kehlkopf erzeugten Grundton in charakteristischer Weise modulieren:

1. Vorderzungenvokale [ i: , ɪ , y: , Y , e: , ɛ , ɛ:, œ , ø ]: Hier liegt die Zungenaufwölbung im Bereich der Vorderzunge und nähert sich dem vorderen harten Gaumen (Palatum), wobei die Höhe der Zungenauf- wölbung bei [ i: ] am höchsten, bei [ ɛ , ɛ:, ø , œ ] am niedrigsten ist.
2. Hinterzungenvokale [ ɔ , o: , ʊ , u: ]: Hier liegt die Zungenauf- wölbung im Bereich der Hinterzunge und nähert sich dem hinteren Palatum, wobei die Höhe der Zungenaufwölbung bei [ u: ] am höchsten, bei [ ɔ ] am niedrigsten ist. Die Lage der Zunge ändert sich durch die Position der Aufwölbung. Bei [ u: ] zieht sie sich nach hinten zurück, bei [ i: ] steckt sie sich nach vorne.
3. Zentrale Vokale [ ɑ: , ɑ , ɐ , ə ]: Keine Zungenaufwölbung ist vor- handen, die Zunge ist löffelförmig nach unten gewölbt. Eine Modulation der Vokalen kann durch Lippenrundung erfolgen [ y: , Y , ø , œ , o: , ɔ, u: , ʊ ].

Die Hinterzungenvokale sind im Deutschen immer gerundet. Ferner kann eine Modulation durch Nasalierung erfolgen, Nasalvokale gibt es aber im Standarddeutschen nicht und das Mittelbairische hat die Nasalvokale ebenso verloren (ab ca. 1960).

Im Fremdsprachenunterricht sind besonders Laute, die artikulatorisch in Ausgangs- und Zielsprache voneinander abweichen, mit besonderer Sorgfalt zu beachten, zu lernen und einzuüben.

Die in Kapitel 4 folgenden Übungen sollen den didaktischen Aspekt der kommunikativen Kompetenz bei den Fremdsprachenlernern unterstützen und beeinträchtigende lautliche Abweichungen ausschließen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Diphthonge

Alle deutschen Diphthonge sind sogenannte ausgleitende Diphthonge. Die auditiven Eigenschaften bei dem ersten Bestandteil eines Diphthongs bleiben über die gesamte Artikulationszeit relativ konstant. Der zweite Bestandteil ist als Gleitlaut realisiert, dies bedeutet, dass seine auditiven Eigenschaften sich sehr rasch ändern.

Die Transkription von Diphthongen ist nicht besonders leicht. Zur Verein- fachung der Verständigung wird die im Aussprache-Duden übliche Transkription verwendet. Der Bogen oberhalb oder unterhalb der beiden Vokalzeichen wird dafür verwendet, um eine Folge von Monophthongen aus- zuschließen.

Beispiele für nhd. Diphthonge:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diphthonge können auch sekundär durch die Vokalisierung postvokalischer Konsonanten entstehen, z. B. durch die Vokalisierung des [ r ] wie etwa in Bier, wobei [ r ] als schwacher Laut ausgesprochen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Beispiel der sagittalen Schemazeichnung der Zungenlage für die Extremvokale [ i ], [ u ] und [ a ].

Der mit der höchsten Stellung der Vorderzunge produzierbare Vokal ist der Kardinalvokal [ i ]; der Kardinalvokal [ ɑ ] ist der offenste Vokal mit mög- lichst weit zurückgezogener Zunge; der Kardinalvokal [ u ] ist der möglichst weit geschlossene mit zurückgezogener Zunge produzierbare Vokal.

Die primären Kardinalvokale [ e ], [ ɛ ] und [ a ] sind durch die auditiv- gleichmäßige Unterteilung der Strecke zwischen den ohne Lippenrundung produzierten Eckvokalen [ i ] und [ ɑ ] bestimmt.

4 Diphthonge

4.1 Übungen zu den „ei-Lauten“

Unterscheiden Sie [ ɑ ] und [ ɑi ] in Wortpaaren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Ende der Leseprobe aus 89 Seiten

Details

Titel
Das Lernziel „Aussprache“ als Bestandteil der kommunikativen Kompetenz, Teil II. „Diphthonge“
Untertitel
Übungs- und Aufgabensammlung zur Phonetik der deutschen Gegenwartssprache, Teil II. „Diphthonge.“ Lehr- und Lernmaterialien für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache
Autor
Jahr
2006
Seiten
89
Katalognummer
V135352
ISBN (eBook)
9783640428236
ISBN (Buch)
9783640422661
Dateigröße
1940 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Wichtige Ziele in der gegenwärtigen Fremdsprachendidaktik sind die Aussprache und die kommunikative Kompetenz. Die kommunikativ-pragmatische Orientierung des Fremdsprachenunterrichts erfordert den Einsatz spezieller Lehrmaterialien und Übungen zur deutschen Aussprache. Die „Übungs- und Aufgabensammlung zur Phonetik/Sprecherziehung der deutschen Gegenwartssprache – Teil II. Diphthonge“ ist ein Folgeteil meines Buches „Übungs- und Aufgabensammlung zur Phonetik/Sprecherziehung der deutschen Gegen-wartssprache – Teil I. Vokoide.“
Schlagworte
Übungstexte zur deutschen Aussprache, Phonetik/Phonologie des Deutschen
Arbeit zitieren
Dr. phil. Stepanka Neumann (Autor), 2006, Das Lernziel „Aussprache“ als Bestandteil der kommunikativen Kompetenz, Teil II. „Diphthonge“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135352

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