Diese Hausarbeit möchte die These, dass die amerikanische Außenpolitik gegenüber der Ukraine und Russland die Krisen von 2014 und 2022 erklären könne, aus der Sicht des offensiven Realismus nach John Mearsheimer überprüfen. Mearsheimers Thesen sollen in den theoretischen Kontext des offensiven Realismus eingeordnet und auf Erklärungsgehalt und argumentative Konsistenz untersucht werden.
In einem ersten Schritt erfolgt hierzu eine Darstellung der ontologischen Grundannahmen des offensiven Realismus, sowie eine Darlegung und theoretische Einordnung Mearsheimers Argumentation vor dem Hintergrund der oben genannten Ereignisse und Akteure. In einem zweiten Schritt werden Mearsheimers Thesen auf ihre intellektuelle Konsistenz mit den theoretischen Annahmen und Vorgaben des offensiven Realismus geprüft. Danach werden die Grenzen und blinden Flecken des offensiven Realismus und Neorealismus betrachtet, die entscheidende theoretische Schwächen offenbaren und die Notwendigkeit alternativer Theorien deutlich machen.
Kaum ein Politikwissenschaftler dürfte im Zuge des Ukrainekrieges so kontrovers diskutiert worden sein wie der Chicagoer Neorealist John J. Mearsheimer. Seit der Annexion der Krim und dem Krieg im Donbass im Jahr 2014 und vor allem nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 ist Mearsheimer längst nicht mehr als realistischer Theoretiker bekannt, sondern vor allem für seine Erklärungsansätze für Russlands Verhalten in der Ukraine und seiner Kritik an der Politik des Westens, allen voran der USA. Der Diskurs hat längst die Grenzen einer akademischen Debatte verlassen, und zwar nicht ohne Grund: John Mearsheimer sucht mit seinen Vorträgen, Aufsätzen, Kolumnen und Interviews auch aktiv ein nichtakademisches Publikum.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Mearsheimer, der offensive Realismus und die Ukraine
1. Grundannahmen des offensiven Realismus
2. Mearsheimers Erklärung für den Ausbruch des Ukrainekonflikts 2014
III. Widersprüche und theoretische Inkonsistenzen von Mearsheimers Argumentation
IV. Die Grenzen des strukturellen Realismus und die Notwendigkeit alternativer Ansätze
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die These, dass die amerikanische Außenpolitik gegenüber der Ukraine und Russland die Krisen von 2014 und 2022 erklären kann, indem sie diese aus der Perspektive des offensiven Realismus nach John J. Mearsheimer analysiert und kritisch hinterfragt.
- Offensiver Realismus nach John J. Mearsheimer
- Analyse der NATO-Osterweiterung als sicherheitspolitische Ursache
- Theoretische Inkonsistenzen in Mearsheimers Argumentation
- Grenzen des strukturellen Realismus im Vergleich zu konstruktivistischen Ansätzen
Auszug aus dem Buch
I. Einleitung
Kaum ein Politikwissenschaftler dürfte im Zuge des Ukrainekrieges so kontrovers diskutiert worden sein wie der Chicagoer Neorealist John J. Mearsheimer. Seit der Annexion der Krim und dem Krieg im Donbass im Jahr 2014 und vor allem nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 ist Mearsheimer längst nicht mehr als realistischer Theoretiker bekannt, sondern vor allem für seine Erklärungsansätze für Russlands Verhalten in der Ukraine und seiner Kritik an der Politik des Westens, allen voran der USA. Der Diskurs hat längst die Grenzen einer akademischen Debatte verlassen, und zwar nicht ohne Grund: John Mearsheimer sucht mit seinen Vorträgen, Aufsätzen, Kolumnen und Interviews auch aktiv ein nichtakademisches Publikum.
Das zunehmende Verlassen des wissenschaftlichen Diskurses hat jedoch zur Folge, dass die wenigsten gegenwärtigen Unterstützer und Kritiker Mearsheimers Erklärungen in einen größeren ontologischen Kontext einordnen. Mearsheimer ist nämlich weder „Putinversteher“ noch ein dogmatischer Antiimperialist. Mearsheimers Argumentation als „disingenuous defence of the Kremlin’s narrative“ abzutun mag verlockend sein, jedoch schafft dies keinen Zugang zu seinem Gedankengang. Wer seine kontroverse These „Ukraine is the West’s fault“ verstehen will, muss Mearsheimers Theorie und Weltbild verstehen.
Diese Hausarbeit möchte daher die These, dass die amerikanische Außenpolitik gegenüber der Ukraine und Russland die Krisen von 2014 und 2022 erklären könne, aus der Sicht des offensiven Realismus nach John Mearsheimer überprüfen. Mearsheimers Thesen sollen in den theoretischen Kontext des offensiven Realismus eingeordnet und auf Erklärungsgehalt und argumentative Konsistenz untersucht werden. Ähnlich wie bei Mearsheimer werden als zentrale Akteure die USA und Russland betrachtet, wobei analysiert werden soll, inwiefern der Ausbruch des Krieges in der Ukraine tatsächlich eine Reziprozität zwischen amerikanischem Handeln und russischer Reaktion aufweist.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Person John Mearsheimer, seine kontroversen Thesen zum Ukrainekrieg und die zentrale Forschungsfrage der Arbeit.
II. Mearsheimer, der offensive Realismus und die Ukraine: Darstellung der Grundannahmen des offensiven Realismus und Anwendung auf die Ereignisse der NATO-Osterweiterung sowie den Ukrainekonflikt 2014 aus Sicht Mearsheimers.
III. Widersprüche und theoretische Inkonsistenzen von Mearsheimers Argumentation: Kritische Prüfung von Mearsheimers Argumenten auf ihre Vereinbarkeit mit der Theorie des offensiven Realismus sowie Aufzeigen von Widersprüchen.
IV. Die Grenzen des strukturellen Realismus und die Notwendigkeit alternativer Ansätze: Diskussion der Schwächen des strukturellen Realismus bei der Erklärung von Akteursverhalten und Plädoyer für eine Erweiterung um Begriffe wie ontologische Sicherheit.
V. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Erklärungsansätze und Einordnung von Mearsheimers Theorie als wichtigen, wenn auch begrenzten Gegenpol im wissenschaftlichen Diskurs.
Schlüsselwörter
Offensiver Realismus, John J. Mearsheimer, NATO-Osterweiterung, Ukrainekrise, Strukturrealismus, Großmachtpolitik, Hegemonie, Sicherheitsdilemma, Bedrohungsperzeption, ontologische Sicherheit, Geopolitik, Russische Außenpolitik, Machtpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die These von John Mearsheimer, dass die westliche Politik, insbesondere die NATO-Osterweiterung, die Hauptursache für die Konflikte in der Ukraine 2014 und 2022 darstellt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen der offensive Realismus als neorealistische Theorie, das russisch-amerikanische Verhältnis, die NATO-Erweiterung und die Frage, wie geopolitische Krisen theoretisch zu erklären sind.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, Mearsheimers Thesen auf ihre theoretische Konsistenz innerhalb des offensiven Realismus zu prüfen und die Grenzen dieses Erklärungsmodells durch alternative Ansätze wie die "ontologische Sicherheit" aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die theoretische Analyse und Literaturkritik, um Mearsheimers Argumentation anhand seiner eigenen theoretischen Grundannahmen sowie durch den Abgleich mit alternativen sicherheitspolitischen Theorien einer Evaluierung zu unterziehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der realistischen Grundannahmen, die Anwendung auf den Ukraine-Konflikt, die Analyse der theoretischen Inkonsistenzen bei Mearsheimer und die kritische Auseinandersetzung mit der Einseitigkeit rein struktureller Erklärungsmodelle.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Offensiver Realismus, Geopolitik, NATO-Osterweiterung und ontologische Sicherheit definieren.
Ist Mearsheimers Argumentation nach Ansicht des Autors durchgängig realistisch?
Der Autor zeigt auf, dass Mearsheimer seine eigenen theoretischen Vorgaben verletzt, indem er zur Erklärung des amerikanischen Verhaltens Begriffe wie "liberale Hegemonie" heranzieht, die außerhalb des rein strukturellen Realismus liegen.
Warum spielt der Begriff "ontologische Sicherheit" eine wichtige Rolle für das Fazit?
Der Begriff dient dazu, zu erklären, dass Russlands Handeln nicht nur auf materielle Sicherheitsbedürfnisse zurückzuführen ist, sondern auch tief in Fragen der nationalen Identität und der symbolischen Stellung als Großmacht verwurzelt ist.
- Arbeit zitieren
- Niklas Pulte (Autor:in), 2023, Die NATO-Osterweiterung als Erklärungsansatz für die Ukrainekrise und die Grenzen des offensiven Realismus nach John J. Mearsheimer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1353554