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Die Völkerausstellungen als Spiegelbild des imperialistischen Europas (Gymnasium, Klasse 7 und 8)

Titel: Die Völkerausstellungen als Spiegelbild des imperialistischen Europas (Gymnasium, Klasse 7 und 8)

Unterrichtsentwurf , 2023 , 7 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Mia-Maris Müller (Autor:in)

Didaktik - Geschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Kolonialismus prägt unsere Welt bis heute. Nicht nur deshalb ist die Thematisierung und Aufarbeitung kolonialer Verbrechen ein wichtiges Kapitel im Bildungsplan BW. Das vorliegende Portfolio beinhaltet dazu Lehrmaterial für die 7. oder 8. Klasse eines Gymnasiums. Im ersten Abschnitt des Unterrichts soll die Motivation der Menschenzoos skizziert werden. Dabei sollen die Schüler:innen die Werbestrategien und rassistischen Narrative erarbeiten. Im weiteren Verlauf sollen die Schüler:innen für die Gefühle der Betroffenen sensibilisiert werden. Zulezt werden die rassistischen Narrative dekonstruiert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. „Kannibalen im Zoo!“

2. Das Thema im Unterricht

3. Arbeitsmaterialien

3.1 Q1: Memoiren des Carl Hagenbeck (1908)

3.2 Abb. 2 und Abb. 3: Werbeplakate

3.3 M1: Auswahl an Völkerschauen in Frankfurt

3.4 Q2: Ausschnitt aus dem Tagebuch des Abraham Ulrikab aus Labrador um 1880

3.5 Abb. 4: Gehege eines Menschenzoos

3.6 Q3: Aus dem Artikel „Die Eskimos im Zoologischen Garten zu Berlin“, Magdeburgische Zeitung Nr. 493, 21.10.1880

4. Erwartungshorizont

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Arbeit analysiert die historischen Völkerschauen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts als Instrumente der imperialistischen Ideologie. Ziel ist es, die Mechanismen aufzudecken, mit denen außereuropäische Kulturen als "unzivilisiert" dargestellt wurden, um koloniale Machtansprüche und rassistische Narrative des "weißen" Europas zu legitimieren und kritisch zu dekonstruieren.

  • Dekonstruktion rassistischer Narrative und Stereotypenbildung
  • Funktion der Völkerschauen für die koloniale Legitimationspolitik
  • Rolle der Medien und Unterhaltungsindustrie bei der Etablierung des "Überlegenheitsanspruchs"
  • Reflexion über koloniale Gewalt und Ausbeutung
  • Methodische Quellenarbeit zur Schärfung des historischen Bewusstseins

Auszug aus dem Buch

Das überlegene Europa

Kolonien waren teuer und nicht unumstritten. Selbst Bismarck sprach sich lange gegen eine deutsche Kolonialpolitik aus, denn Kolonien kosteten den Staat finanzielle und militärische Ressourcen (Ritter von Poschinger 1896, S. 54.). Dem Volk nun zu erklären, dass das Betreiben von Kolonien wichtiger war, als der Bau von Schulen, wurde zu einem wichtigen Standbein jeder europäischen Kolonialpolitik: Das Volk musste das Vorhaben unterstützen und ihre vorgegebene Notwendigkeit verstehen. Die europäischen Nationen begründeten die Fremdherrschaft in Übersee stets mit der Zivilisierungsmission: Die fremden Völker seien unzivilisierte Wilde, die zu missionieren und zu zivilisieren seien. Dabei wurden diese systematisch ausgebeutet, unterdrückt, teilweise versklavt und entrechtet (Osterhammel 2012, S. 88 – 100).

Diese Wildheit musste nun dem Volk präsentiert werden – die Geburtsstunde der Völkerschauen (auch als „Menschenzoos“ oder „Kolonial-Ausstellungen“ bekannt). Auf großen Messen wurden die industriellen Fortschritte direkt neben verschiedenen Kolonisierten präsentiert. Dadurch entstand ein bewusster Kontrast zwischen dem industriellen Europa und den klischeehaft dargestellten Kolonisierten, der den kulturellen Überlegenheitsanspruch der europäischen Nationen übermittelte. (Osterhammel, 2009, S. 41)

Aufgrund des Unterhaltungsfaktors entwickelten sich diese Völkerschauen im 19. Jh. zu Großmedienereignissen (Wolter 2004, S. 105 f.). Vorführungen waren bis in kleinste Detail geplant, suggerierten jedoch Authentizität. Dabei konzentrierte man sich in den Vorstellungen auf kleinere, exotische und, für das westliche Publikum, barbarische Details der Kolonisierten (Gretzschel, 2007, S. 71). Die Kulturen wurde folglich bewusst falsch präsentiert, um die Klischees, Vorurteile und Rassenlogik zu bestärken. Besucher:innen sahen sich so in ihrem Überlegenheitsgefühl bestätigt.

Zusammenfassung der Kapitel

„Kannibalen im Zoo!“: Einführung in die ideologischen Hintergründe der Darstellung von Menschen aus außereuropäischen Kulturen als „unzivilisierte Barbaren“.

Das Thema im Unterricht: Übersicht über die fachdidaktischen Lernziele, Kompetenzen und den strukturellen Aufbau der Unterrichtssequenz.

Arbeitsmaterialien: Sammlung von Primärquellen wie Memoiren, Werbeplakate, Tagebuchauszüge und Artikel, die als Basis für die kritische Quellenarbeit dienen.

Erwartungshorizont: Detaillierte Lösungen und methodische Lösungsvorschläge für die Aufgabenstellungen zu den verschiedenen Quellenmaterialien.

Schlüsselwörter

Völkerschauen, Menschenzoos, Kolonialpolitik, Zivilisierungsmission, Imperialismus, Rassenlogik, Überlegenheitsanspruch, Stereotype, Fremdherrschaft, Quellenanalyse, Dekonstruktion, Rassismus, kulturelle Stereotypisierung, Bildquellen, koloniale Narrative.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Praxis der Völkerschauen und deren Rolle bei der Festigung imperialistischer Weltbilder und rassistischer Stereotype im Europa des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die koloniale Legitimationsstrategie durch Zivilisierungsmissionen, die mediale Inszenierung von „Fremdheit“ zur Unterhaltung und die kritische Analyse von zeitgenössischen Quellen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die rassistischen Mechanismen hinter den Völkerschauen offenzulegen und Werkzeuge zur Dekonstruktion dieser historischen Narrative, insbesondere für den schulischen Unterricht, bereitzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit setzt auf eine quellenkritische Analyse und historische Dekonstruktion, indem sie Primärtexte und Bildmaterial in ihren Kontext setzt und auf ihre ideologischen Absichten hin untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil bietet eine didaktische Struktur mit konkreten Arbeitsmaterialien wie Zeitungsartikeln, Tagebucheinträgen und Bildanalysen, ergänzt durch einen fundierten Lösungsschlüssel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Völkerschauen, Kolonialpolitik, Zivilisierungsmission, Rassenlogik, Überlegenheitsanspruch und kritische Quellenanalyse.

Wie sah die Wahrnehmung der „Ausgestellten“ aus Sicht des Autors aus?

Der Autor zeigt durch die Quellenanalyse auf, dass die Menschen in den Zoos systematisch objektifiziert und ihrer Würde beraubt wurden, indem sie als exotische Attraktion für ein Publikum instrumentalisiert wurden.

Warum lehnt der Autor des Zeitungsartikels (Q3) die Völkerschauen ab?

Der Autor lehnt sie ab, weil er die Zurschaustellung als entwürdigend erkennt und feststellt, dass diese keine echten Bildungszwecke erfüllt, sondern lediglich Voyeurismus bedient, ohne das Wissen über fremde Kulturen tatsächlich zu vertiefen.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Völkerausstellungen als Spiegelbild des imperialistischen Europas (Gymnasium, Klasse 7 und 8)
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,7
Autor
Mia-Maris Müller (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
7
Katalognummer
V1353587
ISBN (PDF)
9783346866752
Sprache
Deutsch
Schlagworte
völkerausstellungen spiegelbild europas gymnasium klasse
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Mia-Maris Müller (Autor:in), 2023, Die Völkerausstellungen als Spiegelbild des imperialistischen Europas (Gymnasium, Klasse 7 und 8), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1353587
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  7  Seiten
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