Der Neoinstitutionalismus


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Der Neo-Institutionalismus – Allgemeines
1.1 Zum Begriff Institution
1.2 Neo-institutionalistische Theorierichtungen

2. Der „world-polity“-Ansatz
2.1 Die theoretischen Grundlagen
2.2 Die Schlüsselbegriffe

3. Der Bezug zum Bildungssystem
3.1 Kritik an funktionalistischen Theorien
3.2 Die globale Institutionalisierung der Bildung

Fazit

Literatur

Einleitung

Die vorliegende Arbeit thematisiert die neo-institutionalistischen Grundgedanken, welche vorwiegend anhand des „world-polity“-Ansatzes von John W. Meyer u.a. dargestellt und erläutert werden. Der Bezug zum Bildungssystem stellt ebenfalls einen wichtigen Aspekt dieser Ausarbeitung dar, da es entscheidend ist, die Relevanz des Neo-Institutionalismus für die Erziehungswissenschaft aufzuzeigen.

Das erste Kapitel greift die Grundlagen des Neo-Institutionalismus auf und beginnt mit einer begrifflichen Einführung. Der zweite Teil der Arbeit stellt den „world-polity“-Ansatz und die zentralen Begriffe des Konzeptes vor. Im dritten Kapitel wird dann auf den Bezug der Theorie zum Bildungssystem eingegangen. Hier wird unter anderem die funktionalistische Schultheorie thematisiert, die von Meyer u.a. als falsch bezeichnet und kritisiert wird. Im Anschluss daran wird stark verkürzt die globale Institutionalisierung der Bildung beschrieben, welche sich laut Meyer u.a. die Bildungsforschung vor neue Herausforderungen stellt. Eine genaue Beschreibung des global standardisierten Bildungssystems sowie den einzelnen Dimensionen der Standardisierung muss auf Grund des Umfangs leider entfallen. Im letzten Teil der Arbeit wird eine Einschätzung des Konzepts bezogen auf ausgewählte Aspekte vorgenommen.

1. Der Neo-Institutionalismus – Allgemeines

1.1 Zum Begriff Institution

Einführend sollte knapp der Begriff Institution näher betrachtet werden, der hinter dem Institutionalismus steckt. Es gibt eine Vielzahl von Verwendungen dieses Begriffs in allen möglichen Kontexten, ohne dass oftmals klar ist, was er eigentlich meint. Die folgenden Ausführungen basieren auf dem Versuch einer Begriffsdefinition von Konstanze Senge (2006), die sich mit den verschiedenen Verwendungen des Begriffs auseinandersetzt.

Laut Senge gelten Institutionen als die „Stützfeiler der Gesellschaft“ (ebd., S.35) und regeln das soziale Handeln. Die Institution tritt den Menschen, obwohl sie ursprünglich von diesen geschaffen wurde, als objektive, externalisierte Welt gegenüber, die zwar kein vollständig stabiles Faktum ist, jedoch als solches erscheint und sich durch Dauerhaftigkeit auszeichnet. Menschen erlernen die verschiedenen Institutionen während der Sozialisation (vgl. ebd., S.42f) und folgen eher einer impliziten und generalisierten Regel, wenn diese „selbstverständlich gegeben ist, [...] durch positive Werte gestützt oder [...] mittels des Gebrauchs von Zwang ihre Durchsetzung erzielt wird.“ (ebd., S.44). Institutionen determinieren und reproduzieren jedoch keine identischen Handlungen, sondern bieten dem Menschen die Möglichkeit, typische Handlungsmuster mit gewissen Beschränkungen zu wählen und zu übernehmen (vgl. ebd., S.42). Auf diese Möglichkeiten und Beschränkungen der Menschen oder auch Akteure wird im weiteren Verlauf der Arbeit noch genauer eingegangen.

1.2 Neo-institutionalistische Theorierichtungen

Die neo-institutionalistischen Theorierichtungen sind auf ein Wideraufleben des institutionalistischen Gedankenguts seit den 1980er Jahren zurückzuführen. In der Forschung dient der Neo-Institutionalismus als „Generator von Theorien mittlerer Reichweite“ (Krücken 2003, S.2). Vor allem die amerikanische Forschung beschränkt ihre Ergebnisse zum Teil durch einen häufigen Verzicht auf makrosoziologische und sozialtheoretische Aspekte (vgl. ebd., S.2). Doch das Interesse an umfassenderen Theorien nimmt im Kontext der Globalisierungsdiskussion zu. War Globalisierung vor wenigen Jahrzehnten noch ein eher marginales Thema, kommt heute niemand mehr an dem Begriff und seinen Implikationen vorbei. Obwohl zunehmende internationale Verflechtungen und weltweite Interdependenzen nicht mehr zu leugnen sind, fehlen dennoch Indikatoren zur Messung von Ursachen und Folgen der Globalisierungsprozesse (vgl. Krücken 2005, S.7f).

Einer der Soziologen, der sich in seiner Forschung mit weltgesellschaftlichen Analysen befasst hat, ist John W. Meyer. Bekannt wurde er vor allem durch seinen neo-institutionalistischen „world-polity“-Ansatz, der sich auf umfangreiche empirische Untersuchungen stütz und sich vorwiegend mit der weltweiten Verbreitung westlicher Modelle befasst. In erster Linie wird sein Name mit der Bildungs- und Organisationssoziologie in Verbindung gebracht (vgl. ebd., S.8), doch es ist nicht zu bestreiten, welche Relevanz Meyers Konzept auch für andere Bereiche hat, die sich mit Globalisierung beschäftigen. In dem Werk Weltkultur. Wie die westlichen Prinzipien die Welt durchdringen, welches 2005 erstmals von Georg Krücken in deutscher Sprache herausgegeben wurde, findet sich eine Textauswahl zu den wichtigsten Aspekten des „world-polity“-Ansatzes, der sich durch eine hohe Komplexität auszeichnet. Der Ansatz ist makrophänomenologisch und basiert auf dem neuen soziologischen Institutionalismus (vgl. Meyer u.a., S.89f), auch wenn er sich in wesentlichen Aspekten, wie der makrosoziologischen Ausrichtung (vgl. Krücken 2003, S.2) und der daraus resultierenden universellen Reichweite (vgl. Tacke, 2006, S.89), von anderen neo-institutionalistischen Forschungsarbeiten unterscheidet.

„Unbeeindruckt von sämtlichen theoretischen Strömungen und Moden der letzten Jahre arbeiten John Meyer, seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter schon seit den 1970er Jahren an einer eigenständigen „grand theory“, die auf der originellen Synthetisierung makrosoziologischer und sozialtheoretischer Überlegungen basiert. Unter dem Stichwort „world polity“ erfährt dieser Ansatz mittlerweile sowohl in der amerikanischen als auch in der deutschsprachigen Globalisierungsforschung breite Anerkennung.“ (Krücken 2003, S.3)

2. Der „world-polity“-Ansatz

2.1 Die theoretischen Grundlagen

Zur Annäherung an das dahinter stehende Konzept gilt es, zunächst den Begriff world-polity zu erklären. Laut Meyer selbst wird damit „eine breite kulturelle Ordnung, die explizite Ursprünge in der westlichen Gesellschaft hat“ (Krücken 2005, S.9) bezeichnet. Im Deutschen hat sich für die „world-polity“ letztendlich der Begriff Weltkultur durchgesetzt (vgl. ebd., S.9), wobei im Folgenden noch auf den Begriff der Kultur einzugehen ist, den Meyer anders versteht als er gemeinhin verwendet wird.

Der Begriff polity zeichnet sich dadurch aus, dass er Aspekte wie „Fortschrittsglaube, Säkularisierung und die Durchsetzung zweckorientierten Handelns in sämtlichen Gesellschaftsbereichen“ berücksichtigt, die unter dem bereits von Max Weber u.a. verwendeten Begriff der „okzidetalen Rationalisierung“ zusammengefasst werden können. Ergänzt werden diese Prinzipien im „world-polity“-Ansatz durch „Individualismus, universalistische Gerechtigkeits- und Fairnessnormen, freiwillige und selbst organisierte Handlungsfähigkeit sowie Weltbürgertum.“ (ebd., S.9) Für diese „grundlegenden kulturellen Deutungsmuster der Gesellschaft“ (Krücken 2006, S.139) spielen staatliche Grenzen keine Rolle, der Status der „world-polity“ ist vielmehr virtuell. Er bezieht sich auf eine „überindividuelle Vorstellungswelt, die keiner konkreten Akteure bedarf.“ (Krücken 2005, S.9) Wobei jedoch durchaus „internationale Organisationen [...] als wichtige Träger von „world-polity“-Prinzipien identifiziert werden“ (Krücken 2006, S.140) können.

Es stellt sich ebenfalls die Frage nach den Akteuren der Weltgesellschaft. Laut Meyer u.a. sind die Akteure Individuen, Organisationen und Staaten, die nur dann als legitime Akteure anerkannt werden, wenn sie sich dem Konformitätsdruck der Weltkultur unterwerfen und sich den vorherrschenden Mythen entsprechend verhalten (vgl. Krücken 2006, S.143). Interessant ist, dass Meyer nicht von einem so genannten „bottom up“- Verhältnis zwischen Akteuren und der Weltkultur ausgeht, sondern von einem „top down“- Verhältnis. Die Akteure konstruieren die Gesellschaft nicht, die Weltkultur prägt ihre Akteure (vgl. ebd., S.142). In diesem Sinne dienen die Akteure der Verbreitung und Förderung der „world-polity“- Prinzipien, weshalb sie nach Krücken (2006) als „Diffusionsagenten“ in Erscheinung treten (vgl. ebd., S.145). Zu ergänzen ist die Rolle der Anderen, die die rationalisierten Akteure bezogen auf ihr Handeln beraten. Sie sind die interessenlosen Träger des Gedankenguts der Weltgesellschaft, die Akteure die, die es mit Blick auf die gesamtgesellschaftlichen Ziele und mit Hilfe der Beratung durch die Anderen realisieren, und die die Verantwortung und die Kosten im Falle eines Scheiterns tragen. (vgl. Meyer 2005, S.142f).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Neoinstitutionalismus
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Globale Bildungstrends im Lichte weltgesellschaftlicher Theorien
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V135359
ISBN (eBook)
9783640433001
ISBN (Buch)
9783640432967
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neoinstitutionalismus, John W. Meyer
Arbeit zitieren
Christina Menge (Autor), 2008, Der Neoinstitutionalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135359

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