Im Jahre 1952 machte Papst Pius XII. folgende Äußerung: „Beim Reisen und Beobachten lernt der Tourist diejenigen besser kennen, die er aus der Ferne nicht kannte der verkannte, und bei seiner Heimkehr verbreitet er in seinem Umkreis eine gerechtere Meinung und eine günstigere Einschätzung von ihnen. Er ist eine Art von Botschafter“ (Zitiert in Opaschowski 2002, S.187). Darüber, dass dieses Idealbild bezogen auf die meisten Touristen nicht zutrifft, herrscht mittlerweile Einigkeit. Der implizite Wunsch des Papstes, Reisen würde zur Völkerverständigung beitragen und Vorurteile abbauen, besteht allerdings noch immer. Auf Grund des Wissens um die Probleme, die beispielsweise aus dem Massentourismus resultieren, suchen die Akteure im Bereich des Tourismus nach Möglichkeiten, die negativen Folgen des Reisens zu begrenzen und die Chancen, die sich aus dem Tourismus ergeben, zu fördern. Neben wirtschaftlichen Argumenten, die vor allem im Bezug auf das General Agreement on Trade in Services (GATS) diskutiert werden und den fairen Tourismus vor allem für die Menschen in Entwicklungsländern fordern, wird in jüngster Vergangenheit auch das interkulturelle Lernen im Tourismus thematisiert. Es bietet eine Möglichkeit, sich dem Ziel der Völkerverständigung anzunähern, jedoch nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.
Diese Arbeit will einen kurzen Überblick über das Thema geben und aufzeigen, was genau diese Voraussetzungen sind, welche Akteure in diesem Handlungsfeld aktiv sind und forschen und wo die Chancen und Grenzen interkulturellen Lernens im Tourismus liegen. Zu Beginn wird der Tourismusbegriff erläutert. Der zweite Abschnitt beschreibt kurz die Beziehung zwischen dem Tourismus und dem GATS, wobei die wirtschaftliche Betrachtungsweise für diese Arbeit zweitrangig ist. In erster Linie geht es um das interkulturelle Lernen im Tourismus, ein neueres pädagogisches und soziales Handlungsfeld innerhalb der Tourismusbranche, welches im dritten Teil beschreiben wird. Im Anschluss werden ausgewählte Akteure und ihre Tätigkeiten beschrieben, unter anderem die World Tourism Organisation (UNWTO), die 1999 den Weltkodex für Ethik im Tourismus beschlossen hat. Dieser wird im vierten Teil kurz vorgestellt. Das Fazit geht kritisch auf das interkulturelle Lernen im Tourismus ein und gibt zudem eine Prognose für Pädagogen, die in diesem Bereich ein mögliches Berufsfeld sehen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Was ist Tourismus?
2. Der Tourismussektor und das General Agreement on Trade in Services
3. Der Tourismus und das interkulturelle Lernen
3.1. Definition: Kultur
3.2. Das Vier-Kulturen-Modell
3.3. Definition: Interkulturelles Lernen
3.4. Wenn einer eine Reise tut
3.5. Interkulturelles Lernen im Tourismus
3.5.1. Bedingungen für interkulturelles Lernen im Tourismus
3.5.2. Grenzen und Schwierigkeiten interkulturellen Lernens im Tourismus
3.5.3. Die (kulturelle) Identität
4. Wichtige Akteure
4.1. Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V.
4.2. World Tourism Organisation
5. Der Weltkodex für Ethik im Tourismus
Fazit: Pädagogen als Kulturmittler?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial des Tourismus als Feld für interkulturelles Lernen, um Völkerverständigung zu fördern. Dabei wird analysiert, unter welchen Voraussetzungen interkulturelle Begegnungen tatsächlich Lernprozesse initiieren können und welche Rolle Akteure sowie pädagogische Begleitung dabei spielen.
- Grundlagen von Tourismus und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (GATS)
- Konzepte von Kultur, Identität und interkulturellem Lernen
- Chancen und Barrieren interkultureller Begegnungen im Reisekontext
- Rolle relevanter Organisationen wie UNWTO und Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V.
- Perspektiven für Pädagogen als professionelle Kulturmittler
Auszug aus dem Buch
3.5.1. Bedingungen für interkulturelles Lernen im Tourismus
Neben allgemeinen Bedingungen für gelingende und nachhaltige soziale Interaktionen wie Neugierde, Offenheit, Toleranz und Empathie, müssen die Menschen bei interkulturellen Kontakten auch über Wissen bezogen auf die eigene und fremde Kultur verfügen. Besonders ein Bewusstsein im Bezug auf den eigenen kulturellen Bezugsrahmen und die Fähigkeit zur Selbstreflexion, sowie einen Perspektivenwechsel durchzuführen, sind notwenig, um von interkulturellen Begegnungen zu profitieren.
„Dauerhafte Lernprozesse [können] sich nur entfalten, wenn sie an vorhandenes Wissen und an vorhandene Bewußtseinsstrukturen anknüpfen, die sich vor der Reise und in ständiger Auseinandersetzung mit den Positionen und Meinungen von anderen herausgebildet haben“ (www.tourism-watch.de). Kösterke (2000) listet 14 Bedingungsfaktoren und günstige Voraussetzungen für interkulturelles Lernen auf Seiten der Reisenden auf, die sich auf individuell unterschiedliche Merkmale beziehen.
Dazu zählen neben den soziodemographischen Daten und vorhandenen Fremdsprachenkenntnissen auch das Interesse an Land und Leuten sowie persönlichen Begegnungen mit der Bevölkerung, Erfahrungen mit Reisen im Allgemeinen und mit Kontakten zu Menschen aus anderen Ländern und Kulturen und das persönliche Reisemotiv. Ist mindestens einer der Gründe für eine Reise, „etwas Neues kennenzulernen“, so sind die Bedingungen für interkulturelles Lernen günstiger als bei dem Reisemotiv „Abschalten“.
Günstige Voraussetzungen im Urlaubsland sind Kösterke (2000) zufolge ein Reiseleiter als Vermittler von interkultureller Begegnung sowie die Kontaktbereitschaft der Einheimischen im Urlaubsland, die wiederum von ähnlichen Faktoren bedingt wird, wie die der Reisenden (beispielsweise Erfahrungen mit und Interesse an Menschen aus anderen Ländern und Kulturen). Deutlich wird, dass das Gelingen interkulturellen Lernens auf Seiten der Reisenden nicht nur von Bedingungen während der Reise beeinflusst wird, sondern auch davon abhängt, wie sich der Tourist vor der Reise vorbereitet und nach einer Reise über seine Erlebnisse reflektiert (vgl. Kösterke 2000, S.26ff).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik des interkulturellen Lernens im Tourismus als Mittel zur Völkerverständigung und Überblick über den strukturellen Aufbau der Arbeit.
1. Was ist Tourismus?: Erläuterung des Tourismusbegriffs und dessen Bedeutung für die kulturelle Identitätsfindung und Lebensqualität.
2. Der Tourismussektor und das General Agreement on Trade in Services: Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Tourismus durch das GATS und dessen Auswirkungen auf lokale Entwicklungen.
3. Der Tourismus und das interkulturelle Lernen: Grundlegende theoretische Einordnung der Begriffe Kultur, Vier-Kulturen-Modell und interkulturelles Lernen im Kontext von Reisen.
4. Wichtige Akteure: Vorstellung relevanter Organisationen wie dem Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. und der World Tourism Organisation (UNWTO).
5. Der Weltkodex für Ethik im Tourismus: Beschreibung des Weltkodex für Ethik als ethischer Referenzrahmen zur Minimierung negativer touristischer Auswirkungen.
Fazit: Pädagogen als Kulturmittler?: Kritische Reflexion über die Möglichkeiten für Pädagogen, in der Tourismusbranche als professionelle Kulturmittler tätig zu werden.
Schlüsselwörter
Tourismus, interkulturelles Lernen, GATS, Kultur, kulturelle Identität, Völkerverständigung, Weltkodex für Ethik, Tourismusbranche, Kulturmittler, Pädagogik, nachhaltiger Tourismus, Reisemotive, interkulturelle Begegnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Schnittstelle von Tourismus und interkulturellem Lernen, wobei untersucht wird, wie Reisen zur Völkerverständigung beitragen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Tourismustheorie, ökonomische Rahmenbedingungen durch das GATS, kulturwissenschaftliche Konzepte, die Rolle von Akteuren wie der UNWTO und die berufliche Perspektive für Pädagogen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Voraussetzungen für erfolgreiche interkulturelle Lernprozesse im Tourismus zu identifizieren und die Chancen und Grenzen dieses pädagogischen Handlungsfeldes aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer theoretischen Auseinandersetzung mit tourismuspsychologischen und pädagogischen Fachbeiträgen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Grundlagen, das Vier-Kulturen-Modell, Bedingungen und Barrieren interkulturellen Lernens sowie die Vorstellung relevanter Institutionen und ethischer Kodizes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Tourismus, interkulturelles Lernen, Kulturmittler, ethischer Tourismus und Identitätsbildung.
Warum spielt die Selbstreflexion eine so wichtige Rolle für Touristen?
Selbstreflexion ist notwendig, um dem eigenen kulturellen Bias entgegenzuwirken, die „Favorisierungstendenz“ zu hinterfragen und offen für den Dialog mit anderen Kulturen zu sein.
Welche Rolle spielen Pädagogen in diesem Kontext?
Pädagogen können als Kulturmittler fungieren, die Reisende vorbereiten, Vorurteile abbauen und interkulturelle Begegnungen methodisch professionell begleiten.
Wie beeinflusst das GATS die touristische Entwicklung?
Das GATS schafft einen globalen Wettbewerbsrahmen, der zwar den Handel liberalisiert, aber bei fehlender Regulierung negative Folgen für lokale Strukturen und die Lebensbedingungen in Entwicklungsländern haben kann.
Gibt es einen Trend zur Professionalisierung im interkulturellen Tourismus?
Ja, durch ein wachsendes Angebot an professionellen, organisierten Reiseformen entsteht ein Bedarf an geschulten Kulturmittlern, da Reisende zunehmend auf Qualität und Bildungsaspekte achten.
- Citar trabajo
- Christina Menge (Autor), 2009, Interkulturelles Lernen im Tourismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135360