Interkulturelles Lernen im Tourismus


Seminararbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Was ist Tourismus?

2. Der Tourismussektor und das General Agreement on Trade in Services

3. Der Tourismus und das interkulturelle Lernen
3.1. Definition: Kultur
3.2. Das Vier-Kulturen-Modell
3.3. Definition: Interkulturelles Lernen
3.4. Wenn einer eine Reise tut...
3.5. Interkulturelles Lernen im Tourismus
3.5.1. Bedingungen für interkulturelles Lernen im Tourismus
3.5.2. Grenzen und Schwierigkeiten interkulturellen Lernens im Tourismus
3.5.3. Die (kulturelle) Identität

4. Wichtige Akteure
4.1. Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V
4.2. World Tourism Organisation

5. Der Weltkodex für Ethik im Tourismus

Fazit: Pädagogen als Kulturmittler?

Literatur

Internetquellen:

Einleitung

Im Jahre 1952 machte Papst Pius XII. folgende Äußerung: „Beim Reisen und Beobachten lernt der Tourist diejenigen besser kennen, die er aus der Ferne nicht kannte der verkannte, und bei seiner Heimkehr verbreitet er in seinem Umkreis eine gerechtere Meinung und eine günstigere Einschätzung von ihnen. Er ist eine Art von Botschafter“ (Zitiert in Opaschowski 2002, S.187). Darüber, dass dieses Idealbild bezogen auf die meisten Touristen nicht zutrifft, herrscht mittlerweile Einigkeit. Der implizite Wunsch des Papstes, Reisen würde zur Völkerverständigung beitragen und Vorurteile abbauen, besteht allerdings noch immer. Auf Grund des Wissens um die Probleme, die beispielsweise aus dem Massentourismus resultieren, suchen die Akteure im Bereich des Tourismus nach Möglichkeiten, die negativen Folgen des Reisens zu begrenzen und die Chancen, die sich aus dem Tourismus ergeben, zu fördern. Neben wirtschaftlichen Argumenten, die vor allem im Bezug auf das General Agreement on Trade in Services (GATS) diskutiert werden und den fairen Tourismus vor allem für die Menschen in Entwicklungsländern fordern, wird in jüngster Vergangenheit auch das interkulturelle Lernen im Tourismus thematisiert. Es bietet eine Möglichkeit, sich dem Ziel der Völkerverständigung anzunähern, jedoch nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

Diese Arbeit will einen kurzen Überblick über das Thema geben und aufzeigen, was genau diese Voraussetzungen sind, welche Akteure in diesem Handlungsfeld aktiv sind und forschen und wo die Chancen und Grenzen interkulturellen Lernens im Tourismus liegen. Zu Beginn wird der Tourismusbegriff erläutert. Der zweite Abschnitt beschreibt kurz die Beziehung zwischen dem Tourismus und dem GATS, wobei die wirtschaftliche Betrachtungsweise für diese Arbeit zweitrangig ist. In erster Linie geht es um das interkulturelle Lernen im Tourismus, ein neueres pädagogisches und soziales Handlungsfeld innerhalb der Tourismusbranche, welches im dritten Teil beschreiben wird. Im Anschluss werden ausgewählte Akteure und ihre Tätigkeiten beschrieben, unter anderem die World Tourism Organisation (UNWTO), die 1999 den Weltkodex für Ethik im Tourismus beschlossen hat. Dieser wird im vierten Teil kurz vorgestellt. Das Fazit geht kritisch auf das interkulturelle Lernen im Tourismus ein und gibt zudem eine Prognose für Pädagogen, die in diesem Bereich ein mögliches Berufsfeld sehen.

1. Was ist Tourismus?

Tourismus ist ein Überbegriff für Reisen, die Reisebranche und das Gastgewerbe. Es lassen sich sowohl verschiedene Tourismusformen wie z.B. Auslands-, Individual-, Massen- oder Seniorentourismus (nach abgrenzenden äußeren Merkmalen differenziert) als auch verschiedene Tourismusarten wie z.B. Erholungs-, Sport- oder Kulturtourismus (Unterscheidung nach Motivation) voneinander abgrenzen. Trotz der Vielschichtigkeit des Begriffs und der darin implizierten Ausdifferenzierungen je nach Beweggrund oder Gestaltungsform, ist das Reisen keine neue Erscheinung. Seit jeher versucht man in der Ferne Bedürfnisse zu stillen, die zu Hause nicht (ausreichend) befriedigt werden. Laut Opaschowski (2002) sind dies vor allem Grundbedürfnisse im emotionalen und sinnlichen Bereich. Reisen dient hier in erster Linie der kulturellen Identitätsfindung (vgl. ebd., S.95ff). Damit soll der Tourismus zur „Verbesserung der Lebensqualität beitragen“ (Müller/Thiem 1993, S.279), die sich aus wirtschaftlichem Wohlstand und subjektivem Wohlbefinden zusammensetzt. Da für das subjektive Wohlbefinden „das Gefühl Zugehörigkeit zu einer Bezugsgruppe“ entscheidend ist, ist die kulturelle Identität als Grundlage für die Ich-Identität „eine wichtige Voraussetzung für Lebensqualität“ (ebd., S.279). Müller und Thiem (1993) ziehen daraus folgende Konsequenz: „Will der Tourismus zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen, muß versucht werden, die kulturelle Identität [...] zu stärken“ (ebd., S.279).

2. Der Tourismussektor und das General Agreement on Trade in
Services

Das GATS ist ein multilaterales Dienstleistungsabkommen der World Trade Organisation (WTO) und trat 1995 in Kraft. Es dient den 153 Mitgliedern der WTO als globales Regelwerk bezogen auf den Handel mit Dienstleistungen und sie „verpflichten sich, ihre Dienstleistungsmärkte in immer neuen Liberalisierungsrunden zu öffnen“ (Jäggi 2006, S.13). Das GATS stützt sich auf drei grundlegende Prinzipien: 1. Erleichterter Marktzugang: keine Handlesbeschränkungen. 2. Meistbegünstigung: Gleichbehandlung aller WTO-Mitglieder. 3. Inländerbehandlung: Gleichbehandlung von in- und ausländischen Anbietern. Dies gelten für die Dienstleistungssektoren, für die ein Staat Liberalisierungsverpflichtungen eingeht, sind dann allerdings unwiderruflich (vgl. ebd., S.10). Einer der grenzüberschreitenden Dienstleistungssektoren, die das GATS berücksichtigt, ist der Tourismus und reisebezogene Dienste. Statistiken der World Tourism Organisation zufolge wurden im Jahr 2000 „weltweit rund 700 Millionen grenzüberschreitende Reisen unternommen, die 476 Milliarden US-Dollar an Einnahmen brachten“ (ebd., S.8). Das GATS schafft einen weltweiten Wettbewerb und Konkurrenz, denn „alle Mitglieder nehmen für sich dieselben Handelsbedingungen in Anspruch, und ausländische Dienstleistungsanbieter sind den inländischen gleichgestellt“ (ebd., S.9). In Ländern, in denen lokale Unternehmen mit den ausländischen Standards nicht mithalten können, besteht die Gefahr, dass diese vom Markt verdrängt werden. Hat sich eine Regierung zur Marktöffnung verpflichtet, ist es ihr untersagt, durch eigene protektionistische Maßnahmen einzugreifen, um Handelsbereiche zu schützen. Dies wird zu einem Problem für Bevölkerung vor Ort, vor allem in Entwicklungsländern, denn wenn Staaten ihre Verantwortung zum Teil privaten Investoren überlassen, ohne deren Handlungsspielraum zu begrenzen oder zu regulieren, kann eine lokale oder nachhaltige Tourismusentwicklung nicht gewährleistet werden (vgl. ebd., S.4). Ausländische Marktteilnehmer verfolgen in erster Linie das Interesse der eigenen Gewinnmaximierung und fühlen sich nicht für die Bedürfnisse und das Wohlergehen der Bevölkerung in ärmeren Gegenden verantwortlich. So kann die Bevölkerung weder sicherstellen, dass sie beispielsweise von den Touristen in ihrem Land profitiert und nicht eine ausländische Hotelkette mit Arbeitnehmern aus dem Ausland, noch dafür sorgen, dass ihre Landschaften oder ihr kulturelles Erbe keinen Schaden durch Massentourismus nehmen.[1]

3. Der Tourismus und das interkulturelle Lernen

Nachdem im Vorfeld der Tourismus aus wirtschaftlicher Perspektive betrachtet wurde, liegt der Fokus im Folgenden auf sozialen Aspekten. Dabei gilt es zunächst, die Begriffe Kultur und Interkulturelles Lernen einzugrenzen, bevor thematisiert wird, in welcher Beziehung sie zum Tourismussektor stehen. Vor allem das interkulturelle Lernen im Tourismus wird im Anschluss genauer beleuchtet, wobei der Schwerpunkt auf den Möglichkeiten und Grenzen dieser Lernform liegt.

3.1. Definition: Kultur

Ein so häufig verwendeter Begriff wie Kultur läuft schnell Gefahr, zu einem Sammelbegriff für viele unterschiedliche Phänomene zu werden, ohne dass es sich tatsächlich immer um Kultur handelt. Nach Hans A. Pestalozzi (1987) ist Kultur alles, „was für eine menschliche Gemeinschaft in einer bestimmten Region typisch ist“ (Zitiert in Müller/Thiem 1993, S.279).

[...]


[1] Eine umfassende Studie zum Thema „GATS, Tourismus und die Umwelt. Auswirkungen des WTO-Dienstleistungsabkommens GATS auf eine nachhaltige Tourismusentwicklung, insbesondere auf den Natur- und Landschaftsschutz“ wurde 2006 von Dr. Monika Jäggi im Auftrag der Erklärung von Bern (EvB) durchgeführt. Ziel ist unter anderem, vor Abschluss der Verhandlungen auf die möglichen Konsequenzen von GATS in diesem Bereich hinzuweisen und in der (schweizerischen) Öffentlichkeit ein kritisches Verständnis für das GATS zu entwickeln.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Interkulturelles Lernen im Tourismus
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Forschen und Arbeiten in international/interkultrell ausgerichteten Handlungsfeldern
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V135360
ISBN (eBook)
9783640433018
ISBN (Buch)
9783640432974
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernen, Interkulturelles, Tourismus
Arbeit zitieren
Christina Menge (Autor), 2009, Interkulturelles Lernen im Tourismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135360

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