Diese Arbeit befasst sich mit dem antiken Verständnis von nomos und physis. Im Folgenden wird die Vorgeschichte von nomos und physis dargestellt, dann die Entwicklung der Antithese nomos-physis. Wie die Antithese in der Praxis aussieht, wird im darauffolgenden Kapitel beschrieben. Es folgen Antiphons und Kallikles´ Auffassungen und die anderer Sophisten bezüglich nomos und physis und einem Vergleich zwischen diesen. Abschließend ist ein Fazit verfasst.
In der Philosophie der griechischen Antike wird häufig mit Antithesen gearbeitet. Heraus sticht die Diskussion über nomos und physis aufgrund ihrer Bereicherung des juristischen und philosophischen Denkens bis hin zur Gegenwart, jedoch auch aufgrund des unklaren Ursprungs dieser Begriffe. Nomos und physis sind für das Beschäftigen mit der Sophistik fundamental, dessen Bedeutung sich durch die kulturellen und politischen Veränderungen ebenfalls gewandelt hat.
Inhalt
1. Einleitung
2. Vorgeschichte von nomos und physis
3. Die Antithese nomos-physis
3.1 Die Antithese in der Praxis
4. Nomos und physis aus Sicht der Sophisten
4.1 Antiphons Auffassungen
4.2 Kallikles Auffassungen
4.3 Auffassung Protagoras‘, „Anonymus Iamblichis“ und anderer Sophisten
4.4 Vergleich der Auffassungen
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Auffassungen antiker Philosophen, insbesondere der Sophisten, zum Spannungsverhältnis zwischen nomos (Gesetz/Sitte) und physis (Natur). Dabei wird analysiert, wie diese Begriffe historisch konnotiert waren und wie sie im Kontext der antiken Gesellschaft und philosophischen Debatten neu definiert wurden.
- Historische Herleitung des Begriffsgebrauchs von nomos und physis
- Analyse der Antithese zwischen menschlichem Gesetz und natürlicher Ordnung
- Gegenüberstellung der Positionen von Antiphon und Kallikles
- Untersuchung erkenntnistheoretischer und staatsphilosophischer Implikationen
Auszug aus dem Buch
3. Die Antithese nomos-physis
Die Sophisten nahmen an, das Richtige und Normale durch die physis bestimmt über Recht und Unrecht angesehen, „Denn einzig er selber lenkt allein das Steuer der Lebenden.“ Auch werden hier Andeutungen auf schwere Konsequenzen beim Nichtbefolgen des nomos gemacht, welches nochmals zeigt, dass der nomos in der Vorgeschichte der Sophisten als das angesehen, was als die physis bei den Sophisten interpretiert wurde. Auch wird deutlich, dass nicht nur die Nomos den Menschen unterliegen, sondern auch die Götter, „Der Sterblichen und der Unsterblichen heiligen Herrscher rufe ich an!“ Während die Sophisten also das Gesetz in dem von den Menschen und dem von der Natur festgelegten unterscheiden, gibt es in der Vorgeschichte nur den nomos, der als Naturgesetz verstanden werden kann. Der orphische Hymnus zeigt ebenfalls, dass der Nomos als Gott von der orphischen Gemeinde verehrt wurde.
Die positive Darstellung in Orpheus Hymnen repräsentiert jedoch nicht alle Auffassungen des nomos. In einem Werk von griechischen Dichter Pindar, einem Fragment mit dem Namen „XXVIII“, beschreibt er den nomos als eine Instanz, die Gewalt unterstützt, indem sie diese in das Gesetz miteinbeziehe. Des Weiteren kann nach Pindars Fragment nomos als „Verfassung“ oder ein staatliches geordnetes Leben übersetzt werden. Nach ihm ist der nomos nicht nur das Werk der Menschen, sondern ebenso unterstützt durch die Götter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Sophisten ein und stellt die zentrale Fragestellung zum Spannungsfeld von nomos und physis vor.
2. Vorgeschichte von nomos und physis: Dieses Kapitel betrachtet die etymologische und philosophische Vorlage der Begriffe vor der Blüte der Sophistik, unter anderem in den Hymnen des Orpheus.
3. Die Antithese nomos-physis: Es wird die philosophische Trennung der beiden Begriffe erläutert, die das Fundament für das weitere Verständnis der sophistischen Denkart legt.
3.1 Die Antithese in der Praxis: Hier wird untersucht, wie sich die theoretische Trennung auf konkrete soziale und politische Handlungsmuster auswirkt.
4. Nomos und physis aus Sicht der Sophisten: Das Kapitel widmet sich der konkreten philosophischen Auseinandersetzung bedeutender Denker mit der Bestimmung dieser Begriffe.
4.1 Antiphons Auffassungen: Eine Analyse von Antiphons kritischer Haltung gegenüber den gesetzlichen Normen und seiner Perspektive auf das Naturrecht.
4.2 Kallikles Auffassungen: Darstellung der radikalen Position des Kallikles, der die physis über den nomos stellt und das Recht des Stärkeren postuliert.
4.3 Auffassung Protagoras‘, „Anonymus Iamblichis“ und anderer Sophisten: Dieses Kapitel vergleicht weitere sophistische Ansätze, die physis und Kompetenz in unterschiedliche Verhältnisse setzen.
4.4 Vergleich der Auffassungen: Eine systematische Gegenüberstellung der im Hauptteil erarbeiteten verschiedenen Positionen innerhalb der Sophistik.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und verdeutlicht, dass es keine einheitliche sophistische Lehrmeinung gab.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Nomos, Physis, Sophisten, Antiphon, Kallikles, Naturgesetz, Recht, Ungerechtigkeit, griechische Antike, Philosophie, Staat, Götter, Anonymus Iamblichi, Protagoras, Sozialordnung
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem philosophischen Begriffspaar nomos (Sitte, Gesetz) und physis (Natur) in der griechischen Antike, insbesondere mit der Art und Weise, wie die Sophisten diese Begriffe interpretiert und gegeneinander abgegrenzt haben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themenfelder umfassen die historische Herleitung dieser Begriffe, die moralische Bewertung von Gesetzen im Kontrast zur Natur und die politische Theorie innerhalb der Sophistik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die unterschiedlichen Auffassungen zu analysieren und aufzuzeigen, wie die Sophisten das Verhältnis von gesetzlicher Norm und natürlichem Gegebensein theoretisch neu bewertet haben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die auf einer Literatur- und Quellenarbeit basiert, um die Aussagen verschiedener Sophisten systematisch zu vergleichen.
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Antithese zwischen den beiden Begriffen sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit den individuellen Positionen von Denkern wie Antiphon und Kallikles.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Neben den Hauptbegriffen nomos und physis sind es vor allem die Konzepte von Recht, Naturgesetz, menschlicher Konvention und dem Recht des Stärkeren, die die Arbeit charakterisieren.
Wie bewertet Kallikles den nomos im Gegensatz zu Antiphon?
Während Antiphon den nomos zwar kritisch sieht, ihn aber noch als notwendig betrachtet, lehnt Kallikles den nomos fast vollständig ab und stellt die physis konsequent als das einzig wahre Gesetz dar.
Welche Rolle spielen die Götter in der antiken Auffassung von nomos?
In der frühen Vorstellung, etwa in den Hymnen des Orpheus, wurde der nomos als gottgegeben und heilig betrachtet, eine Auffassung, die durch die sophistische Trennung von Gesetz und Natur zunehmend in Frage gestellt wurde.
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- Alexandra Schwarz (Autor:in), 2022, Die Auffassungen antiker Philosophen von nomos und physis am Beispiel der Sophisten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1353617