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Gottfried Benn – Autor der „Inneren Emigration“?

Title: Gottfried Benn – Autor der „Inneren Emigration“?

Seminar Paper , 2007 , 30 Pages , Grade: 1

Autor:in: Andreas Szalai (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Liest man Carl Zuckmayers so genannten „Geheimreport“, der 1943/44 im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes entstand, so mag es durchaus verwundern dass hier der Name Gottfried Benn im Zusammenhang mit dem Schlagwort „Innere Emigration“ fällt. Zuckmayers Dossier enthält rund 150 Charakterportraits von Künstlern, die während der NS-Zeit in Deutschland geblieben waren und hatte den Zweck die künftige Besatzungsmacht über führende Persönlichkeiten des deutschen Kulturlebens zu informieren. Der Schriftsteller Benn wird darin unmissverständlich und wenig schmeichelhaft „Gruppe 2: Negativ (Nazis, Anschmeisser, Nutzniesser, Kreaturen)“ zugeordnet. In der DDR herrschte für seine Werke gar bis 1986 ein offizielles Veröffentlichungsverbot da er als nihilistisch, dekadent, formalistisch, antihumanistisch, reaktionär, kurz als ein Mann galt, dessen Ästhetizismus folgerichtig in den Faschismus mündete.
Aufgabe vorliegender Arbeit muss es daher zunächst sein, Licht ins Dunkel des diffusen literaturhistorischen Begriffs der „Inneren Emigration“ zu bringen. Anschließend folgt eine kurze Skizze zu Benns Leben und Werk die zeigt, wie ein international gefeierter Expressionist, ein Freund Klaus Manns und Else Lasker-Schülers sich zum faschistischen Intellektuellen erklärte und diese Entscheidung später wieder zurücknahm. Besonderes Augenmerk gilt dem Moment der Abkehr vom Nationalsozialismus und hierbei insbesondere Benns Essay „Dorische Welt. Eine Untersuchung über die Beziehung von Kunst und Macht“ der – wie zu erläutern sein wird – einen Wendepunkt markiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die „Innere Emigration“

3. Gottfried Benns Leben und Werk vor 1933

4. Gottfried Benn während des Nationalsozialismus

4.1. Die Ausschaltung der Preußischen Akademie

4.2. Antwort an die literarischen Emigranten

4.3. Befürwortung der Eugenik – Benns Züchtungsmanie

4.4. Dorische Welt

4.4.1. Sparta und das Dritte Reich

4.4.2. Faschistischer Standpunkt und Einfluss Nietzsches

4.4.3. Beziehung zwischen Kunst und Macht

4.4.4. Delegitimation Benns bisheriger Hypothesen

4.5. Benns „aristokratische Form der Emigration“

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Gottfried Benn zum Begriff und zur Praxis der „Inneren Emigration“ im Kontext des Nationalsozialismus, um zu klären, ob Benns anfängliche Unterstützung des NS-Regimes ein bloßer Irrtum oder die logische Konsequenz seines bisherigen Denkens war.

  • Analyse des Begriffs der „Inneren Emigration“ als literarhistorisches und politisch-soziales Phänomen.
  • Biografischer Überblick über Benns Entwicklung vom Expressionisten zum faschistischen Intellektuellen.
  • Untersuchung der Radikalisierung in Benns Essays wie „Dorische Welt“.
  • Kritische Würdigung der Abkehr Benns vom NS-Staat und dessen Rückzug in die „aristokratische Form der Emigration“.

Auszug aus dem Buch

4.4.2. Faschistischer Standpunkt und Einfluss Nietzsches

Benn erläutert nüchtern:

Die antike Gesellschaft ruhte auf den Knochen der Sklaven, die schleifte sie ab, oben blühte die Stadt. Oben die weißen Viergespanne und die Gutgewachsenen mit den Namen der Halbgötter, [...] unten klirrte es: Ketten. Sklaven, das waren die Nachkommen der Ureinwohner, Kriegsgefangene, Geraubte und Gekaufte, sie wohnten in Ställen, zusammengepfercht, viele in Eisen. Niemand dachte über sie nach, Platon und Aristoteles sehen in ihnen tiefstehende Wesen [...]. Sklavenmord wurde nicht gerichtlich verfolgt [...]. Sie wurden regelmäßig jährlich durchgeprügelt ohne Ursache [...]. Wenn ihrer zu viele wurden, ließ man den nächtlichen Mord gegen sie los, gegen so viele als zweckmäßig war. [...] Dort gehörte es auch zur Erziehung, von Zeit zu Zeit die heranwachsenden Knaben auf den Wegen vor der Stadt in Hinterhalte zu legen, von wo aus sie am Abend verspätet heimkehrende Sklaven und Heloten überfallen und töten mußten, es war erzieherisch, sich an Blut zu gewöhnen und von früh an seine Hände geübt zu haben. Durch diese Arbeitsteilung entstand der Raum für Waffengänge und Spiele, für die Schlachten und die Statuen, der griechische Raum.71

Erst Grausamkeit und Leid haben demnach den Nährboden für das Subtile und Schöne geschaffen. Bereits Nietzsche ging in seinem Aufsatz „Der griechische Staat“ von der Würdelosigkeit der Arbeit aus und stellte fest, dass zum Wesen einer Kultur das Sklaventum gehöre. In diesem Punkt hat Benn gut vorausgesehen – nur waren die Ergebnisse dieser Zwangsarbeit und die Konzentrationslager etwas anderes, als er erträumte.72

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik von Gottfried Benns Rolle im Nationalsozialismus anhand von Zuckmayers „Geheimreport“ und Definition des Begriffs der „Inneren Emigration“.

2. Die „Innere Emigration“: Theoretische Auseinandersetzung mit dem vieldeutigen Begriff und Abgrenzung gegenüber dem aktiven politischen Widerstand.

3. Gottfried Benns Leben und Werk vor 1933: Skizzierung der biografischen Hintergründe, der Bedeutung der „Morgue“-Gedichte und der Resozialisierung des Außenseiters Benn in den 1920er Jahren.

4. Gottfried Benn während des Nationalsozialismus: Umfassende Untersuchung der politischen Verstrickung Benns, seiner Befürwortung von Eugenik und seiner ideologischen Rechtfertigung durch den Essay „Dorische Welt“.

4.1. Die Ausschaltung der Preußischen Akademie: Darstellung von Benns aktivem Eintreten für die Gleichschaltung der Akademie und dem Bruch mit ehemaligen Freunden wie Heinrich Mann.

4.2. Antwort an die literarischen Emigranten: Analyse der feindseligen Replik Benns auf den offenen Brief von Klaus Mann.

4.3. Befürwortung der Eugenik – Benns Züchtungsmanie: Untersuchung der rassenideologischen Positionen Benns und seiner Forderung nach einer „Neuzüchtung“ des Menschen.

4.4. Dorische Welt: Analyse des Essays als Versuch, ein Geschichtsbild zu entwerfen, das Sparta mit dem NS-Staat legitimierend verknüpft.

4.4.1. Sparta und das Dritte Reich: Untersuchung der mythischen Überhöhung spartatischen Lebens als Vorbild für die „weiße Rasse“.

4.4.2. Faschistischer Standpunkt und Einfluss Nietzsches: Erörterung der philosophischen Bezugnahme auf Nietzsche und die Rolle der Sklaven für eine „Hochkultur“.

4.4.3. Beziehung zwischen Kunst und Macht: Diskussion über Benns Versuch, Kunst als Produkt von absoluter Macht zu definieren.

4.4.4. Delegitimation Benns bisheriger Hypothesen: Aufzeigen der inneren Widersprüche und der (unbeabsichtigten) Distanzierung vom NS-Regime am Ende des Essays.

4.5. Benns „aristokratische Form der Emigration“: Schilderung von Benns Desillusionierung, dem Publikationsverbot und seinem Rückzug in die Wehrmacht.

Schlüsselwörter

Gottfried Benn, Innere Emigration, Nationalsozialismus, Dorische Welt, Faschismus, Züchtung, Eugenik, Klaus Mann, Literaturgeschichte, Preußische Akademie, Kunst und Macht, Nietzsche, Ideologiekritik, Weimarer Republik, Widerstand.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das ambivalente Verhalten des Schriftstellers Gottfried Benn während der Zeit des Nationalsozialismus und ordnet ihn in den literaturhistorischen Kontext der sogenannten „Inneren Emigration“ ein.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die politische Entwicklung Benns vor 1933, seine explizite Unterstützung für das NS-Regime, die inhaltliche Analyse seiner zeitgenössischen Essays sowie sein späterer Rückzug ins Private.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu klären, ob Benns Parteinahme für den Nationalsozialismus ein punktueller Irrtum war oder eine konsequente Fortführung seiner geschichtsphilosophischen und ästhetischen Thesen darstellte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin/der Autor nutzt eine literaturhistorische und analytische Methode, indem Primärquellen, insbesondere Benns Essays und Briefe, gegen den zeithistorischen Kontext und gegen zeitgenössische sowie neuere Sekundärliteratur geprüft werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert Benns Rolle bei der Gleichschaltung der Preußischen Akademie, seine eugenischen Ideen, seine aggressive Korrespondenz mit Exilautoren sowie den Essay „Dorische Welt“ als zentrales Dokument seiner Ideologie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Innere Emigration, Gottfried Benn, Züchtungsideologie, Dorische Welt und die Ambivalenz zwischen Kunstanspruch und totalitärer Politik definieren.

Wie deutet Benn in „Dorische Welt“ den Nationalsozialismus?

Benn stilisiert den Nationalsozialismus allegorisch als eine Wiedergeburt einer „dorischen“, spartanischen Ordnung, in der Gewalt und Zucht als notwendige Voraussetzungen für kulturelle Höchstleistungen und die Erschaffung eines „neuen Menschen“ gerechtfertigt werden.

Warum wird Benns „aristokratische Form der Emigration“ so genannt?

Der Begriff bezieht sich auf Benns Rückzug aus der öffentlichen politischen Debatte und seinen Dienst als Militärarzt in der Wehrmacht ab 1935, nachdem er realisierte, dass sein Idealbild eines totalitären Staates nicht mit der Realität der nationalsozialistischen Führung korrespondierte.

Gab es einen Bruch zwischen Benns frühen Essays und seinem späteren Verhalten?

Die Arbeit zeigt, dass die Entwicklung zu einer kritischen Distanzierung gegen Ende der 1930er Jahre eher schleichend verlief, bedingt durch das zunehmende Unverständnis des Regimes gegenüber seiner Person, wobei Benns Autonomieanspruch als Künstler stets sein oberstes Leitmotiv blieb.

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Details

Title
Gottfried Benn – Autor der „Inneren Emigration“?
College
University of Vienna  (Germanistik)
Course
SE Neuere dt. Lit.: Literatur der „Inneren Emigration“
Grade
1
Author
Andreas Szalai (Author)
Publication Year
2007
Pages
30
Catalog Number
V135364
ISBN (eBook)
9783640433032
ISBN (Book)
9783640433346
Language
German
Tags
Gottfried Benn Innere Emigration Drittes Reich Nationalsozialismus Dorische Welt Essays Sparta
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Szalai (Author), 2007, Gottfried Benn – Autor der „Inneren Emigration“?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135364
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