Diese Arbeit zeigt die bestehenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtern auf. Um zu untersuchen, ob die geschlechtsbezogene Ungleichheit in Baden-Württemberg durch die Digitalität verschärft wird, werden unterschiedliche Kategorien mit Hilfe von Interviews induktiv und deduktiv herausgearbeitet. Dabei müssen im Vorfeld die Chancengleichheiten in Bezug auf Mediennutzung und -ausstattung, Arbeitszeit und Nicht-Arbeitszeit, Medienkompetenzentwicklung sowie die allgemeine Geschlechtergerechtigkeit untersucht werden, um die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten, die sich durch die Digitalisierung ergeben, eliminieren zu können. Diese Arbeit wird keine repräsentative Arbeit sein, verfolgt aber das Ziel, Deutungsmuster herauszuarbeiten.
Dafür werden zunächst theoretische Grundlagen zum Themengebiet Digitalisierung der Arbeitswelt und Frauen in der Arbeitswelt herausgearbeitet. Als nächstes werden zum einen das Vorgehen sowie die Ergebnisse des Studienprojekts und zum anderen theoretische sowie praktische Vorüberlegungen zu der empirischen Untersuchung, welche aus acht leitfadengestützten Interviews besteht, aufgezeigt.
Diese Arbeit endet mit einer Zusammenfassung und Auswertung der Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1 Digitalisierung
2.2 Gender Mainstreaming und Diversity Management
2.3 Geschlechtergerechtigkeit
2.4 Digital Gender Gap
3. Digitalisierung der Arbeitswelt
3.1 Veränderungspotenziale
3.2 Negative Auswirkungen der Digitalisierung
3.3 Chancen der Digitalisierung
4. Frauen in der Arbeitswelt
4.1 Gender Mainstreaming
4.2 Diversity Management
4.3 Benachteiligung von Frauen am Arbeitsplatz
4.4 Unterschiede in Branchen/ Unterschiede bei Abschlüssen
4.5 Unterschiede bei den Homeoffice Möglichkeiten
5. Studienprojekt
5.1 Vorgehen beim Studienprojekt
5.2 Ergebnisse des Studienprojekts
6. Forschungsdesign
6.1 Die qualitative Untersuchung
6.2 Theoretical Sampling
6.3 Erhebungsinstrument: Leitfadeninterviews
6.4 Auswertungsmethode: strukturierende Inhaltsanalyse
7. Praktische Vorüberlegungen und Interviewdurchführung
7.1 Sampling
7.2 Zugang zum Feld
7.3 Instrumentkonstruktion
7.4 Datenaufbereitung
7.5 Bestimmung des Kategoriensystems und Kategorienbildung
8. Auswertung der Interviews
8.1 Ergebnispräsentation
8.2 Interpretation der Ergebnisse
9. Diskussion und Ausblick
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob geschlechtsbezogene Ungleichheiten in der baden-württembergischen Arbeitswelt durch die fortschreitende Digitalisierung verschärft werden. Hierbei steht die Identifikation von Deutungsmustern im Vordergrund, um Herausforderungen und Chancen für Frauen unter den Bedingungen des digitalen Wandels zu beleuchten.
- Analyse der Auswirkungen von Digitalisierung auf geschlechtsspezifische Benachteiligungen.
- Untersuchung von Homeoffice-Möglichkeiten und deren Einfluss auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
- Bewertung von Medienkompetenz und digitaler Ausstattung im Arbeitskontext.
- Identifikation von geschlechtsbezogenen Hürden bei Weiterbildungsangeboten.
- Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zur Förderung der Chancengleichheit in einer digitalen Arbeitswelt.
Auszug aus dem Buch
3.1 Veränderungspotenziale
Die Digitalisierung bringt viele Veränderungen mit sich, wie beispielsweise das, was Menschen am Arbeitsplatz tun, ihre Arbeitsweise und ihren Arbeitsort. Sie wirkt sich daher auf die Art der Fähigkeiten und die Zusammensetzung der Qualifikationen aus, die sie benötigen, um in ihrer Karriere erfolgreich zu sein (OECD, 2018). Die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien bei der Arbeit hat bei Arbeitnehmern zugenommen, und selbst bei denjenigen, die keine digitalen Technologien nutzen müssen, kann sich die Art ihrer Arbeit ändern. Ursache davon ist die zunehmende Automation und, dass Arbeitnehmer dadurch einen relativ höheren Anteil an nicht routinemäßigen Aufgaben übernehmen müssen. Daten aus der OECD-Erhebung über die Kompetenzen Erwachsenen PIAAC zeigen, dass Mitarbeiter in den höher qualifizierten Berufen, wie z.B. Manager und Fachkräfte, eine intensivere Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien vornehmen und relativ häufiger nicht-routinemäßige Aufgaben ausführen als weniger qualifizierte Berufe. Nicht-routinemäßige Tätigkeiten sind solche, bei denen der Grad der Freiheit der Arbeitnehmer, um die Reihenfolge ihrer Aufgaben zu ändern oder die Möglichkeit, die Art und Weise zu wählen, wie sie arbeiten, und ihre Arbeit zu planen und zu organisieren, am höchsten ist.
Während sich bei der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien für gering qualifizierte Berufsgruppen, wie z.B. einfache Berufe oder Handwerks- und Handelsberufe, kein Unterschied zwischen Männern und Frauen abzeichnet, führen Frauen in einigen dieser Berufsgruppen relativ mehr Routineaufgaben aus als Männer. Da die digitale Transformation weiter voranschreitet und alle Sektoren durchdringt, einschließlich derer, in denen der Einsatz digitaler Technologien derzeit nur marginal ist, könnten Frauen in gering qualifizierten Berufen daher größere Veränderungen in ihrer Arbeit erfahren als Männer. Dies kann auf die mögliche Substitution (von Teilen) ihrer Aufgaben durch Maschinen und die daraus resultierende Notwendigkeit, andere Aufgaben am Arbeitsplatz zu erledigen, zurückzuführen sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Ausgangslage der geschlechtsspezifischen Ungleichheit in Deutschland im 21. Jahrhundert und führt in die Relevanz der digitalen Transformation ein.
2. Definitionen: Erläutert zentrale Fachbegriffe wie Digitalisierung, Gender Mainstreaming, Diversitätsmanagement und das Phänomen des "Digital Gender Gap" als theoretische Grundlage.
3. Digitalisierung der Arbeitswelt: Analysiert das Potenzial, die negativen Auswirkungen und die Chancen, die der digitale Wandel für verschiedene Bevölkerungsgruppen am Arbeitsmarkt birgt.
4. Frauen in der Arbeitswelt: Beleuchtet historische sowie aktuelle Aspekte der Frauenerwerbstätigkeit, inklusive Lohnunterschieden und den spezifischen Herausforderungen durch Homeoffice.
5. Studienprojekt: Detailliert das Vorgehen und die methodische Herleitung der Vorstudie, die als Basis für die Forschungsarbeit dient.
6. Forschungsdesign: Definiert die qualitative Sozialforschung und das Vorgehen mittels Leitfadeninterviews und strukturierter Inhaltsanalyse.
7. Praktische Vorüberlegungen und Interviewdurchführung: Beschreibt das Sampling, den Feldzugang und die Konstruktion des Erhebungsinstruments für die Interviews.
8. Auswertung der Interviews: Präsentiert die Ergebnisse der Interviews basierend auf der kategorialen Auswertung der erhobenen Daten.
9. Diskussion und Ausblick: Reflektiert die gewonnenen Erkenntnisse im Kontext der Forschungsfrage und gibt Einblicke in zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Gender Gap, Geschlechtergerechtigkeit, Arbeitswelt, Homeoffice, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Medienkompetenz, Qualifizierung, Chancengleichheit, Qualitative Inhaltsanalyse, Weiterbildung, Erwerbstätigkeit, Diversität, Arbeitsmarkt, digitale Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Digitalisierung geschlechtsbezogene Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg verstärkt oder verringert.
Welche Themenfelder stehen bei der Untersuchung im Vordergrund?
Zentrale Themen sind die digitale Mediennutzung, Arbeitszeitgestaltung, der Zugang zu Weiterbildung sowie die Auswirkungen von Homeoffice auf die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es, Deutungsmuster zu identifizieren, um zu verstehen, wie Frauen und Männer die Transformation der Arbeitswelt erleben und wo geschlechtsbezogene Unterschiede bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin verwendet einen qualitativen Forschungsansatz mit leitfadenbasierten Interviews, die im Nachgang mittels strukturierender Inhaltsanalyse ausgewertet werden.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Gender und Digitalisierung sowie eine empirische Untersuchung, inklusive Forschungsdesign, Sampling und der detaillierten Auswertung der geführten Experten- und Leitfadeninterviews.
Wie lässt sich die Arbeit inhaltlich zusammenfassen?
Es handelt sich um eine medien- und berufspädagogische Analyse, die soziologische Faktoren mit technologischen Entwicklungen verknüpft, um geschlechtergerechte Handlungsansätze abzuleiten.
Welchen Einfluss spielt das Homeoffice auf die Ergebnisse?
Homeoffice wird ambivalenz besprochen: Einerseits bietet es Flexibilität bei der Sorgearbeit, andererseits führt es zur Entgrenzung von Arbeit und Privatleben, wobei Frauen hierdurch oft stärker belastet werden.
Was bedeutet der Begriff "Digital Gender Gap" in dieser Untersuchung?
Er beschreibt die Diskrepanz zwischen den Geschlechtern hinsichtlich der digitalen Ausstattung, der IT-Kompetenzen und der Möglichkeiten, aktiv am digitalen Wandel teilzuhaben.
- Arbeit zitieren
- Nesrin Bilgili (Autor:in), 2021, "Digital Gender Gap“. Verschärfung der geschlechtsbezogenen Ungleichheit durch die Digitalisierung am Beispiel Baden-Württemberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1353706