Die WHO definiert Arbeit als essenziellen Teil psychischer Gesundheit. So sind lange Arbeitszeiten ein Risikofaktor für die psychische und physische Gesundheit. Einen dementsprechend positiven Einfluss hat eine Arbeitszeitverkürzung unter anderem auf die psychische Gesundheit. Außerdem ist es im Hinblick auf demografische Entwicklungen wichtig, flexible Arbeitszeitformen gesundheitsförderlich zu gestalten. Einerseits könnten flexible Arbeitszeiten eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglichen, andererseits warnen einige Wissenschaftler*innen vor negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Allerding gibt es kaum kontrollierte empirische Studien zu den Auswirkungen flexibler Arbeitszeiten auf die mentale Gesundheit und psychisches Wohlbefinden. Die vorliegende Arbeit soll daher einen Überblick über die Befundlage und die verschiedenen Operationalisierungen geben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz
2.2 Flexible Arbeitszeit
2.3 Formen flexibler Arbeitszeitgestaltung
3 Methode
4 Ergebnisse
4.1 Allgemeine Gesundheit und gesundheitsförderndes Verhalten
4.2 psychische Gesundheit und psychosoziales Wohlbefinden
4.3 Symptome psychischer Störungen
4.4 Fehlzeiten
4.5 Zufriedenheit mit Arbeitsgestaltungs- und Freizeitaspekten
4.6 Arbeitsengagement
4.7 Work-Life-Balance
5 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Gestaltung flexibler Arbeitszeiten in Organisationen und deren Auswirkungen auf die mentale Gesundheit der Beschäftigten, wobei insbesondere zwischen mitarbeitendenorientierter und organisationsorientierter Flexibilität differenziert wird.
- Grundlagen der mentalen Gesundheit im beruflichen Kontext
- Differenzierung verschiedener Modelle flexibler Arbeitszeitgestaltung
- Analyse der Auswirkungen auf psychische Gesundheit, Wohlbefinden und Arbeitszufriedenheit
- Untersuchung von Zusammenhängen zu Fehlzeiten, Arbeitsengagement und Work-Life-Balance
Auszug aus dem Buch
2.2 Flexible Arbeitszeit
Es gibt keine einheitlich verwendete Definition des Begriffs „flexible Arbeitszeit“. Darunter verstanden werden nach Kauffeld und Martens (2018) unterschiedliche Regelungen der Arbeitszeiten, die alle Abweichungen von denen als normal empfundenen Arbeitszeiten betreffen. Davon abzugrenzen sind klassische Arbeitszeitmodelle, beispielsweise starre einschichtige Arbeitszeitmodelle, bei denen die Mitarbeitenden eine festgelegte Dauer der Arbeitszeit von 7 – 9 Stunden haben (Frieling & Sonntag, 1999). Für Unternehmen eröffnen sich durch eine geeignete Arbeitszeitgestaltung Möglichkeiten, die Produktivität zu steigern und Kosten zu reduzieren (Seifert, 2005).
Es können 3 Dimensionen des Konstrukts der Arbeitszeit betrachtet werden: die Dauer, die Lage und die Verteilung (Seifert, 2005; Schmidt et al., 2012; Hellert, 2022). Die Arbeitszeit ist flexibel, wenn mindestens einer dieser Faktoren permanent veränderbar ist (Schmidt et al., 2012).
Ein wichtiger Faktor stellt der Entscheidungsspielraum bzw. das Verfügungsrecht über die Lage, Dauer und Verteilung der individuellen Arbeitszeit dar. Dabei können nach Schmidt et al. (2012) hohe Einflussmöglichkeiten von Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden auf die Gestaltung der Arbeitszeit auch als Abgrenzung der Arbeitszeitflexibilisierung von herkömmlichen Arbeitszeitmodellen dienen. Es wird zwischen selbstbestimmter bzw. mitarbeitendenorientierter und fremdbestimmter bzw. organisationsorientierter Flexibilität unterschieden (Bornewasser & Zülich, 2012). Bei der mitarbeitendenorientierten Flexibilität können die Mitarbeitenden eigenverantwortlich ihre Arbeitszeit einteilen. Kann die zu arbeitende Zeit durch die Organisation flexibel vorgegeben werden, spricht man von organisationsorientierter Flexibilität. Beide Formen sind dabei unabhängig voneinander. Die Nutzung der Verfügungsrechte sowohl durch Mitarbeitende als auch durch die Betriebe geht mit einer Erhöhung von Commitment und Leistung der Beschäftigten und weniger Fehlzeiten einher (Schmidt et al, 2012). Gleiches gilt für die Vorhersehbarkeit, bzw. Planbarkeit der Arbeitszeit der Mitarbeitenden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung flexibler Arbeitszeitgestaltung angesichts moderner Arbeitsanforderungen und thematisiert das Ziel der Arbeit, einen Überblick über deren Auswirkungen auf die mentale Gesundheit zu geben.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert mentale Gesundheit am Arbeitsplatz, erläutert das Konstrukt flexibler Arbeitszeit über verschiedene Dimensionen und stellt gängige Formen der Zeitgestaltung vor.
3 Methode: Hier wird das Vorgehen einer systematischen Literaturrecherche in Datenbanken sowie die Kriterien für die Auswahl der untersuchten Primär- und Sekundärstudien beschrieben.
4 Ergebnisse: Das Kapitel präsentiert die Analyse der elf gefundenen Studien hinsichtlich verschiedener Indikatoren wie psychische Gesundheit, Fehlzeiten und Work-Life-Balance, gegliedert nach Operationalisierungsformen.
5 Diskussion: Die Diskussion interpretiert die Ergebnisse theoretisch, diskutiert Limitationen der aktuellen Studienlage und gibt einen Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
flexible Arbeitszeit, mentale Gesundheit, psychisches Wohlbefinden, Arbeitszeitflexibilisierung, mitarbeitendenorientierte Flexibilität, organisationsorientierte Flexibilität, Work-Life-Balance, Stresserleben, Burnout, Arbeitszufriedenheit, Fehlzeiten, Arbeitsengagement, betriebliche Gesundheitsförderung, Stressmodell, Selbstbestimmungstheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung, wie verschiedene Formen flexibler Arbeitszeitgestaltung in Organisationen gestaltet sind und welche konkreten mentalen Auswirkungen diese für die beschäftigten Arbeitnehmenden haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Abgrenzung von Arbeitszeitmodellen, die Unterscheidung zwischen mitarbeitendenorientierter (selbstbestimmter) und organisationsorientierter (fremdbestimmter) Flexibilität sowie deren Einfluss auf psychische Gesundheitsindikatoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, einen systematischen Überblick über die aktuelle Befundlage zu den Zusammenhängen zwischen flexiblen Arbeitszeiten und mentaler Gesundheit sowie psychischem Wohlbefinden zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Für die Arbeit wurde eine systematische Literaturrecherche in internationalen psychologischen und wissenschaftlichen Datenbanken durchgeführt, um Primär- und Sekundärstudien zum Thema zu identifizieren und auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben theoretischen Grundlagen der Arbeitszeitgestaltung die Ergebnisse der recherchierten Studien analysiert und hinsichtlich Faktoren wie allgemeiner Gesundheit, Fehlzeiten und Arbeitsengagement differenziert betrachtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit konzentriert sich auf Begriffe wie flexible Arbeitszeit, mentale Gesundheit, Work-Life-Balance, psychisches Wohlbefinden und die Differenzierung zwischen mitarbeitenden- und organisationsorientierter Flexibilität.
Warum unterscheidet die Autorin zwischen zwei Formen der Flexibilität?
Die Unterscheidung ist deshalb entscheidend, weil mitarbeitendenorientierte Flexibilität tendenziell positive Effekte auf die Gesundheit hat, während organisationsorientierte Flexibilität häufig mit negativen Auswirkungen auf das Wohlbefinden einhergeht.
Welche theoretischen Modelle dienen zur Erklärung der Ergebnisse?
Die Autorin nutzt primär die Selbstbestimmungstheorie nach Ryan und Deci sowie das Stressmodell nach Lazarus und Folkman, um die beobachteten gesundheitlichen Folgen der Arbeitszeitgestaltung theoretisch zu begründen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass flexible Arbeitszeiten eine komplexe Wirkung auf die Gesundheit haben, positive Effekte vor allem durch eine stärkere Autonomie der Mitarbeitenden erzielt werden und weiterführende Forschung zur Klärung der Kausalität notwendig ist.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Wie sind flexible Arbeitszeiten in Organisationen gestaltet und welche Auswirkungen haben sie auf die mentale Gesundheit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1353772